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bungy "Wer hat's erfunden?"
Nee, diesmal nicht die Schweizer, als erste wohl die Ureinwohner mit Lianen um die Fesseln und in der Neuzeit die Kiwis von Queenstown, dem verrücktesten Town von New Zealand.

Vorher suchten sie in der malerischen Schlucht des Kawarau-Rivers nach Gold-Nuggets.
Als sie kein Gold mehr fanden, erschloss ihr Pioniergeist eine andere Goldgrube.

 

Für 165 NZ-$ bindet man hier interessierten Naturfreunden einen Gummitampen um die Fesseln und lässt sie derart gesichert 43 Meter von der antiquierten eisernen Brücke in die landschaftlich sehr schöne Kawarau-Schlucht hinab hüpfen.
In TV-Reiseberichten habe ich die Mutigen um die schöne Landschaft, an der sie bei ihrem Sprung vorbei flogen, immer beneidet.
Im Februar 2009 führen mich Gottes Wege just an diesem bemerkenswerten Flecken des Erdballs vorbei.
Das wird in diesem Leben nicht mehr passieren.
Für den Rest meines Lebens würde ich mich grämen, dieser heiligen Stätte nicht auch meine Aufwartung gemacht zu haben! Und nicht nur als Weichwurst auf den Zuschauertribünen!
Wir fuhren im Päckchen mit zwei Wohnmobilen und parken unsere "MAUIS" auf dem grosszügigen Parkplatz.
Auf den Beobachtungsplattformen drängen sich hunderte weichwurstige Zuschauer und warten auf Verrückte, die sich von der Brücke in die Schlucht stürzen.
Verrückte sind keine vorhanden.
Um die Szene zu beleben, hüpfen die Durchtrainierten vom Brückenpersonal selbst hinab. Die geben eine gute Figur ab und nutzen dafür ihre trainierten Bauchmuskeln, um nicht nur hilflos kopfüber unten an dem Seil zu baumeln.
Tino, genannt "Rosi" und ich beschliessen spontan: "We do it!"

Und nur diese Sekunde der Beschlussfassung beinhaltet komprimiert den Mut, sich von dort oben hinab zu stürzen.
Mehr Quantum an Mut bedarf das nicht!
Mehr ist nicht erforderlich! Ist doch total einfach!

Wir treten kühn an den Schalter heran und zücken unsere Kreditkarten.
Die setzen die Mühle in Gang. Jetzt ist man drin im Hamsterrad!
Von ca. zehn medizinischen Bedenklichkeiten müssen meinerseits ganz kühn etliche abgestritten werden.
Wer hat denn schon mit seinen siebzig Lenzen "kardiological problems", "blood high pressure", "diabetes", "panic attacks" und was da noch alles mit erhobenem Zeigefinger mir dieses schöne Erlebnis vorenthalten soll.
"Rosi" ist ein lustiger Sachse aus Freiberg, ausgestattet mit dem Dialekt und der Fröhlichkeit seines Volksstamms; er kann Klasse englisch und kommentiert umkehrenderweise die vielen aufgelisteten Leiden: "Gucke, das musste alles hamm, um da nunter huppen zu gönn!"
Nur sexuelle Probleme sind als Hinderungsgrund nicht aufgeführt.
Die junge Bungy-Frau hinter dem Tresen ist sehr hübsch.
Später, während des Sprungs, verteilt sich das Blut wieder gleichmässig in sämtlichen Köpfen.

Mit meiner schriftlichen Erklärung erkläre ich mich als rundherum gesund und halte den Veranstalter auch völlig schuldlos, falls das Gummiseil reisst oder die Brücke einkracht!
(Denke ich mal, wer liest denn die englischen kleingedruckten allgemeinen Geschäftsbedingungen überhaupt und versteht das auch alles?!)
Wir werden gewogen.
"Die Waage lügt" reklamiere ich. Die Hübsche bestreitet das.
("Lämm and Chardonnay" hinterliessen gewichtige Ablagerungen in meinem Spitzkühler!)
88 kg bescheinigt mir mein Begleitschreiben und wegen der Sicherheit wird mir noch mit rotem Filzer eine "88" auf den Handrücken geschrieben!

Wir schliessen Erhaltenswertes, wie Brille, Uhr, Tascheninhalte im Schliessfach ein.
"Rosi" auch noch seine Schuhe und das Hemd.
"Weil er seinen "Adonis-Körper" zur Schau stellen wollte", kommentiert Andrea, seine Gattin, diesen Strip. Andrea fetzt und ist genau so eine sächsische Frohnatur!
Ich verfüge nur über einen "Alabaster-Körper" und halte diesen bedeckt, riskiere aber im Falle des "Einditschens" ein nasses Hemd.

Mit unseren Begleitschreiben steigen wir die eisernen Stufen zur Brücke empor.
Diesen Zutritt haben nur Willige. Prohibited for weich-eggs!

 

Bungy Zwei Abfertigungsplätze haben die dort oben. Nicht sehr komfortabel.
Der Talblick wird durch eine Milchglasscheibe getrübt, man hockt sich auf die Flurplatten, bekommt ein Handtuch um die Fesseln gelegt und dann einen Meter langen Tampen daran befestigt. Dieser wird dann am Gummiseil eingeschäkelt. Vorher muss man noch in einen Sicherheitsgurt einsteigen, damit man nicht schon vorher, ohne eingehängtem Gummiseil vom Sprungbrett fällt.
Solcherart gefesselt, muss ich nun hüpfenderweise hinaus in die Öffentlichkeit treten und die Vorderkante des Sprungbretts erhüpfen.
"Rosi" hat sich schon in die Tiefe gestürzt, sein Präparator war schneller.
Noch hänge ich am Sicherheitsgurt und lanciere mich mit den Fussfesseln vorn an die Kante des Sprungbretts. Nun sehe ich zum ersten Mal, dass für 165 NZ-$ schon mal ein fantastischer Talblick geboten wird.

 

Viel Zeit für die Beschmutzung der Unterhose lassen mir die Betreuer nicht.
Ehe in mir noch irgendwelche Bedenken aufkeimen, wird hinter mir lautstark und aufmunternd gezählt. "Drei, zwei, eins, go!"
Dem unbedarften Betrachter stellt sich das sicher als der alles entscheidende Moment dar.
Dem ist nicht so!
Zumindest bei mir ist das doch nur das letzte Glied der Kette, der ja seit 20 Minuten ein Glied nach dem anderen angefügt wurde.
Hunderte Zuschauer mit doppelt so vielen Augen sind auf mich gerichtet. Was bleibt denn noch nach dem Kommando "Go!"??
Etwa die Peinlichkeit, etwa mit Brandflecken in der Feingerippten wieder von der Brücke zu schleichen?

Nochmals, ein Bungy-Sprung entscheidet sich nicht oben auf dem Podest. Er bedarf nur der einsekündigen Beschlussfassung des Herantretens an den Schalter: "I do it!"

Also haut man sich still und geniessend die 43 Meter hinunter, dem schönen Wildwasser entgegen.
Still und geniessend!
Wesentlich attraktivere Akteure sind die zarten Japanerinnen, mit ihren vom Opa ererbten Kamikaze-Genen. Todesmutig, aber fürchterlich kreischend sind diese Ischen die Hauptattraktion. Die akustische Umrahmung wird durch das Echo in der Schlucht noch attraktiv aufgewertet.
Das kommt hier an!
Unter der Kawarau-Brücke wurden schon Bachforellen mit Ohrstöpseln geangelt!

Unsere beiden "Adonis-Körper" belassen die Gummiseil-Spannungs-Einsteller trocken.
Aber die Ischen nach uns, die haben sie voll rein gehauen. Und wenn die dann mit nassem, durchscheinendem T-Shirt die Serpentine unten vom Schlauchboot wieder hoch kommen, dann wird ihnen nebst interessierten Blicken auch der anerkennende Beifall der Betrachter entgegen gebracht.

Angst vor dem Sprung hatte ich wirklich nicht, nur orthopädische Bedenken.
Im Alter jetzt fehlen mir paar Zentimeter von meiner jugendlichen Körperlänge. An dem Gummitampen mal ordentlich ausgereckt, lässt sich da vielleicht wieder was zurückholen. Dachte ich - und denken alle - die beim Bungy-Springen zusehen.

Und gerade diesbezüglich tut sich absolut nischt!

Ich geniesse den Fall in die Tiefe und registriere schon bald darauf nur noch Bewegung.
Kurioserweise checke ich nicht einmal, geht’s auf- oder abwärts. Ich sehe kurzfristig Felsen, das ist das linke Ufer der Schlucht, dann Vegetation das ist die Gegenseite. Wenn ich waagerecht in der Luft liege, schaue ich auf das blaue Wasser unter mir.
Mitnavigieren ist völlig unmöglich.
Schliesslich zische ich an einer weissen Stange vorbei. Die wird mir von den Rettern aus dem Schlauchboot entgegen gehalten. So wurden die Profi-Springer vor uns auch abgeborgen. Aha, jetzt bin ich unten und muss die Stange packen! Aber bei dem Ausschlag des Pendels nebst Drehbewegung geht das so einfach nicht. Beim dritten Vorbeikommen erwische ich den weissen Stecken. Ich werde in das Schlauchboot gezogen und entfesselt.

"You are OK?" sind die begrüssenden Worte. "Yes, I’m well!"
Ich habe keinerlei Probleme und bin leider auch keinen Zentimeter länger geworden.

"Rosis" Videokamera hat den Max gemacht.
"Hier komme ich nie wieder her, ich kaufe eine neue" beschliesst er.
Wir durchkämmen das bemerkenswerte Queenstown und feilschen in mehreren High-Tec-Läden um eine neue Kamera.
Nach dem wir mit unseren rot bemalten Handrücken diverse Kamera-Modelle testen, überschüttet man uns in jedem Laden mit höchster Anerkennung: "Aaah, you dit it!"
Wer’s getan hat, geniesst hier höchste Anerkennung! Die rote Markierung auf dem Handrücken "outet" den Jumper.
(Evtl. gilt die Huldigung auch mehr unseren 330 $ Jumper-Startgebühr, mit denen wir NZ's Wirtschaftslage aus der Patsche halfen?)
Billiger wurde "Rosis" neue Kameras wegen "dit it" jedenfalls nicht.

Bungy war der Ausgangspunkt.
Jetzt habe ich ein T-Shirt und eine Urkunde. Bekommt nur der, der es auch "gedittet" hat. Käuflich erwerben geht nicht.
Mmm, na ja. Irgendwie fühlt man sich danach, wenn schon nicht länger, dennoch signifikant besser. Irgendwie "entweicheit" oder so und alles.
Weil ich altersmässig "over sixtyfive" bin, bietet mir die Hübsche vom Tresen entweder einen zweiten Gratis-Sprung an oder das kostenlose Video meines Hüpfers.
Ich komme in’s Grübeln.
Ich bin top drauf, ein zweiter Sprung gäbe mir Gelegenheit, nun völlig Adrenalin-unbedarft mal auf das zu achten, was mir beim ersten Sprung völlig entgangen ist! Mmm.
Ich lasse mir das Video schenken.

videoIhr könnt es Euch hier ansehen

NZ bietet irgendwo auch noch einen Hüpfer aus 100 Metern Höhe an. Zum Glück tangierte unsere Route diesen Platz nicht.
Denke mal, Flegel (jetzt als Fortgeschrittener) hätte auch dort mit sich ein ernsthaftes Kadergespräch geführt! Wegen der finanziellen Belastung, versteht sich!

Die zehn Wohnmobil-Besatzungen unserer Reisegruppe sitzen abends am Campground in Queenstown in fröhlicher Runde. Hermann (von Hermann und Gisela) fügt dem Thema "Bungy" diesen Lacher bei: Sein Augsburger Dialekt eignet sich dafür hervorragend:
"In Österreich springt der Veranstalter mit seinem Hund im Arm am Gummi-Seil in die Schlucht hinab. Wenn der Hund unten, abgeborgen ans Ufer gesetzt wird, hechelt er hastig die Serpentine wieder "nauf" und stellt sich artig oben "glei" wieder an, um baldmöglichst wieder "bungy-jumpen" zu können.

Jetzt als Insider kann ich den Hund verstehen!

 

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