Rezension

Heinmück, Montag, 19. Januar 2009, 15:15 (vor 3321 Tagen)
bearbeitet von admin, Mittwoch, 21. Januar 2009, 15:13

Hallo Funker Felix!

Ich bin zufällig auf den hiesigen Internetseiten gelandet und habe dann mit Interesse den gesprengten Hai, der angeblich auch im Dunkeln noch lachen kann, gelesen. Und wenn jemand etwas veröffentlicht und zusätzlich auch noch ein Forum einrichtet, der möchte wissen, was seine Leser darüber für eine Meinung haben.

Also, die Zeilen lesen sich zügig, wenn man sich erst einmal an Stil und Ton gewöhnt hat. Erlebnisse aus der eigenen Fahrenszeit flammen wieder auf. Alles in allem recht gelungen, wäre da nicht ... ja wäre da nicht noch eine offene Rechnung zu begleichen.

Ich dachte, ich finde "nur" ein unterhaltsames Buch eines ehemaligen Seemannes. Denn bei allem Verständnis für das persönlich Erlebte, hinterläßt diese Art und Weise der Abrechnung einen höchst faden Beigeschmack eines ganz persönlichen Rachefeldzuges von einem eigentlich lebenserfahrenem, bisweilen privilegiertem (oder nach Selbsteinschätzung vom Funker Felix: "unter einem Adrenalinschub hyperventilierendem") alten Mannes, der selbst nach Jahrzehnten nicht über diesen Dingen stehen kann und will. Wie ernst es dem Autor ist, erkennt man u. a. an dem "Kleinen Nachwort" und auch den vielen anderen kleinen Hinterlassenschaften im weltweiten Web.

Achtung und Toleranz von anderen fordernd, selbst aber letztlich verbittert, kleinbürgerlich und haßerfüllt. Der Ton macht die Musik, sagt man landläufig. Unverständlich deshalb Felix's Umgangston, aus welchem wesentlich mehr, als nur nachvollziehbarer Unmut herauszulesen ist. Alle Achtung, auf den knapp 200 der gedruckten Seiten findet man mehr als 54x alleine nur die Wörter "IM", "Stasi" oder "Staatssicherheit". Selbst in dem 46-seitigem Nachwendeepos "Ich kann auch im Dunkeln lachen" findet sich noch 8x die "Stasi" wieder, obwohl es die doch schon gar nicht mehr gibt.

Wer glaubt, heute sei, auch diesbezüglich, alles (oder vieles) besser, muß taub und blind, mit Scheuklappen und hoch degeneriertem Bewußtsein ausgestattet sein. Ohne das ich dieses gutheiße, aber alle Geheimdienste haben schon immer und ausnahmslos sowohl nach außen als auch nach innen operiert, sie tun es auch gegenwärtig, zukünftig und weltweit. Horch und Guck heißen heute nicht nur anders, die Methoden sind dank bereits geltender, zuweilen auch nicht geltender Gesetze und technischen Möglichkeiten viel effizienter und ... legalisiert (!). Und bald kennen nicht nur Deine zuständigen Behörden und Kranken,- Renten,- oder HartzIV-kassen (also kein geringerer als der Staat) nicht nur die Konsistenz Deines letzten Furzes, bald werden sie noch vor Dir wissen, wo Du surfen, einkaufen, erben und vererben, mit wem Du Dich treffen und worüber Du Dich mit ihm unterhalten wirst ... ! Wir werden die Datensätze vermutlich bald meistbietend im Internet von Schäuble und Konsorten kaufen können. Und wehe, Du verschweigst dem neuem Klassenbruder überm Teich bei der noch gebührenfreien zwangselektronischen Einreiseerlaubnis, ob Du Terrorist, geisteskrank oder drogensüchtig ist. Sie wissen es vermutlich längst, aber auch eine vorgeheuchelte Lüge (siehe Irak u.v.m.) reicht ja schon aus! (Ich stelle mir gerade die Reaktionen der ehemaligen BRD-Bürger vor, wenn sie bei Einreise in die DDR solche Formulare hätten ausfüllen müssen.)

Alles Vergangene würde in absoluter Belanglosigkeit versinken, wenn ... ja, wenn da (ihrem Gott sei dank) nicht die DDR und die Stasi wäre. Die würden uns die Medien (welche sämtlich nur von einer handvoll Ausfluß-Reicher Leute beherrscht und kontrolliert werden) und ihre verbudde(l)ten Lakaien in den "Landeszentralen für politische Bildung" (Nur zur Information: das ist keine Einrichtung der DDR, sondern eine real existierende Behörde im heutigen Deutschland. So wurde u.a. Staatsbürgerkunde durch PW - Politische Weltkunde / Politische Wissenschaften - ersetzt, ja es gibt sogar einen "Bundeswettbewerb zur politischen Bildung") noch in 50 oder 100 Jahren stündlich auf die Butterstulle schmieren, vorausgesetzt es gibt noch welche. Abrechnung statt Aufarbeitung heißt die Devise! Wahrheiten werden zuweilen zurecht gebogen, Kriminelle (ja selbst Nazis) mutieren zu Freiheitskämpfern. Und vom Neugeborenen bis zum Intellektuellem, sie glauben`s fast unbesehen! Das nennt man dann "Demokratie".

... Es ist schade, das die Mehrheit die politischen Zusammenhänge und Verhältnisse im Nachkriegsdeutschland und der Welt nicht erkennen und verstehen kann oder will. Viel ist in der Vergangenheit geschehen, man soll sogar Pferde vor der Apotheke ... ; ja - selbst "Popen" sollen sich mit Kind und Kegel in Hamburg ausklariert haben. Aber es mutiert auch nicht jeder zu einem "Oberbekloppten" (noch ein Zitat vom Funker Felix) oder zu einer verkohlten Hämorrhoide, die noch auf DDR-Kosten Physik studieren durfte und, vorbereitend auf ihren neuen Marionetten-Job, schon mal als FDJ-Kreisleitungsmitglied Sekretär für Agitation und Propaganda war!

Ich bitte vielmals um Entschuldigung für die hier verewigten verbalen Aussetzer, aber ich habe mich mal zu seinem besseren Verständnis auf das Niveau und den Jargon des Funker Felix herabgelassen.


Auch meine bessere Hälfte und ich gehörten zum seefahrenden DSR-Personal, jedoch zu keiner Zeit weder haupt- noch nebenberuflich zu irgendwelchen Sicherheitsorganen. Leider war unsere Fahrenszeit erheblich kürzer als die des Funkers Felix. Auch wir wären gerne noch einige Jahre zur See gefahren. Hat leider nicht alles so geklappt, wie wir uns das vorstellten. Wir wären auch nie auf die Idee gekommen, unserer Heimat den Rücken zu kehren. Ist schon schizophren: Jahre später hat sie uns verlassen. Aber trotz dieser vermeintlich persönlichen Nachteile, wir hegen weder Haß noch kennen wir unsere "Stasiakten". Und sicherlich wäre es sinnvoller gewesen, selbst die Republik auf einen neuen Kurs zu bringen, als uns ein altes und verkommenes System überstülpen zu lassen.

Nur zwei Zitate und Bemerkungen zu den Vorworten der beiden Funker-Felix-Schriften seien mir noch gestattet:

1. Aus dem nicht gesprengten Hai:

"Ich widme diesen Mosaikstein der Aufarbeitung der Geschichte der Deutschen Seerederei den 13 IM's, IMS's , IMK's, die mir wie Rotz am Ärmel klebten. Insbesondere dem IMV Siegfried Edel und seinem und meinem Betreuer dem Hptm. Jarosch des Ministeriums für Staatssicherheit, Abt. Hafen. Jungs, genießt als ruhmlose Verlierer des Klassenkampfes die fetten Pensionen Eures Klassenfeindes! Aber schließlich habt ihr maßgeblich durch Euer Tun 1989 die Wende herbeigeführt! Dafür bedanke ich mich!"

Ist da etwa auch noch ein weiteres Grundübel der Menschheit herauszuhören - der Neid? Ich habe in den vergangenen Jahren seit der sogenannten "Wende" alleine aus beruflichen Gründen sehr viele Menschen kennen gelernt. Darunter sind eigentlich fast alle Berufsgruppen vertreten, auch die der ehemaligen Mitarbeiter der DDR-Sicherheitsorgane. Viele von denen erhalten ganz "fette Klassenfeind-Pensionen". Ich glaube nur nicht, das eine "gestohlene Seele" wie Funker Felix gerne mit ihnen tauschen würde, wenn er auch nur die geringste Ahnung hätte! Vielleicht wäre das eigene Schicksal dann nur noch "Peanuts" dagegen.

Ich will hier keineswegs für irgend jemanden eine Bresche schlagen, schon gar nicht für solche Leute, die tatsächlich kein "Gewissen" hatten und haben. Aber die finden sich leider immer und überall. Und wenn es um Geld geht, um so mehr. Und genau davon ist die heutige Gesellschaft geprägt: Wir leben weiterhin in einer Diktatur, nämlich der des Geldes - Monopoly war gestern!

2. Aus dem dunklen Lachen:

"Leider sind für einen nicht unerheblichen Teil der Ostdeutschen vom Festtagskuchen der Wiedervereinigung nur Krümel abgefallen. Nicht jeder meiner Leser wird sich mit meinen oft zynischen und auch überzeichneten Ausführungen identifizieren, aber in vielen Betroffenen wird die Geschichte wieder aufleben."

Zum einen gibt es auch Betroffene, die trotzdem nur wenig oder kein Verständnis für "diese" Ausführungen haben.

Zum anderen hat ein "nicht unerheblicher Teil der Ostdeutschen" genau dieses Gesellschaftssystem 1990 gewählt! Sie können froh sein, wenigstens noch Krümel zu finden, bald gibt's vermutlich auch die nicht mehr. Viel Richtiges, was bereits in unseren Geschichtsbüchern stand, beweist uns nun die Gegenwart. Also, jedem das was er verdient - wer A sagt, muß auch B sagen! Das Leben ist so vielfältig wie die Farben des Regenbogens, aber manchmal kann man sich eben doch nur zwischen schwarz oder weiß entscheiden.

Ich wünsche allen immer eine (oder auch mehr) handbreit Wasser unterm Kiel des Lebens!

W. Kaufmann


P.S. Anbei noch ein Rat: Wenn Funker Felix wieder einmal ein paar Bonzen mit "Knallern" versorgen will (das haben die Herren von heute bekanntlich ja auch nicht so gern), dann soll er aufpassen, das er diesmal nicht als RAF-Anhänger über Pullach in einer JVA verschwindet oder sich als Bin Laden-Kämpfer auf Guantánamo wiederfindet. Dagegen erscheint "Shanty" dann als der reinste Erholungsurlaub.


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