Rezension

felix ⌂ @, Mittwoch, 21. Januar 2009, 15:07 (vor 3319 Tagen) @ Heinmück
bearbeitet von admin, Freitag, 23. Januar 2009, 20:39

Hallo Herr „Kaufmann“ , ach heissen Sie jetzt so? Ich habe Sie schon erwartet.
Für Ihre detaillierten Ausführungen danke ich ihnen. Dass ich hundertprozentig Ihrer Meinung bin, werden Sie nicht erwarten. Aber über vieles herrscht Konsens!
Ich bedauere sehr, ihnen in meinem Buch nicht eia-popeia die Heile-Welt-Seefahrt geboten zu haben. 64 Stasi-Offz. in der Baracke des Überseehafens waren eben auch ihr Geld wert. Sie gehörten doch im „Kollektiv“ dazu. Haben die es denn nicht auch verdient, mit ihrer Arbeit gewürdigt zu werden?

In „Ich kann auch im Dunkeln lachen“ z.B. beschreibe ich die dunkle Wolke, die nach der Wende vom Westen her aufzog. Stockfinster, stellenweise.
Damit giesse ich doch schon Wasser auf Ihre depressive Mühle. Nur eimerweise reicht Ihnen das nicht, sie hätten es gerne in Tonnen.

Bleibt Ihnen in Ihrer Verbissenheit denn kein Schatten eines Lächelns mehr nach ihrem verlorenen Paradies?

„Selbst in dem 46-seitigem Nachwendeepos "Ich kann auch im Dunkeln lachen" findet sich noch 8x die "Stasi" wieder, obwohl es die doch schon gar nicht mehr gibt.“

Der Admin kommentierte diesen Satz: „Neulich habe ich ein altes Buch gelesen, darin kam das Wort „Mittelalter“ 73 mal vor.“

Herr Kaufmann, wir haben vieles gemein, nur eben zeitversetzt.
Sie bescheinigen mir „letztlich verbittert, kleinbürgerlich und hasserfüllt“ zu sein. Nach zwei Berufsverboten in Ihrem favorisierten verlorenen Paradies möge das ja zugetroffen haben. Inzwischen lege ich aber zwischen diesem Verhalten gaaanz lange Pausen ein, kaufe mir, wann ich nur will, ein Nackensteak zum Grillen oder auch zehn Rinderfilets. Nach Belieben noch Bananen, Ananas, Spargel oder Aal. Ich besitze ein Telefon und kann mir die schönsten Dinge damit auch ins Haus bestellen.
Ich fahre Autos, die auch welche sind und damit sogar ins „NSW“. Ohne das mich ein zur Faust geballtes Gesicht, mit Hammer und Zirkel an der Dienstmütze und an der Grenze mit der DDR-bekannten Freundlichkeit herzlich willkommen heisst.
„Monopoly war gestern“, genau! Diese Geldscheine wurden sehr generös 2:1 in Zahlungsmittel umgetauscht, mit denen mich niemand mehr belächelt.
Dass am Bahnhof oder Airport Kameras hängen, das finde ich gut. Es könnten mehr sein. Wer in meinem Telefon oder Computer mitlauschen will, dem wird bald die Langeweile überkommen.
Dafür habe ich die Gewissheit, dass meine Nachbarn nicht 15 DIN-A-4 Seiten ihren Führungsoffizieren in die Diktaphone plaudern und auch dort noch die Farbe meiner Unterhosen beschreiben.

Herr Kaufmann, meine Trauer ist zu Ende, ich erfreue mich, wie ich es gelernt habe, an unseren „Errungenschaften“ und lebe (nach meinen Möglichkeiten) in paradiesischen Verhältnissen.
Schade dass Sie es so schlecht getroffen haben.
Mein Wohlbefinden begründet – auch da gebe ich ihnen Recht – nicht ausschliesslich die Farbenpracht des jetztigen Garten Eden, sondern mehr der Kontrast zu dem Stacheldraht-umfriedeten, herunter gewirtschafteten Queckenacker, aus dem ich 1989 heraus gelassen wurde! Alles ist relativ zu betrachten.
Das Paradies für Staatsnahe mit Sonderversorgung haben eben diese mit dem Schild und Schwert der Partei und deren führender Rolle platt gemacht. Nicht das Volk, das 1989 auf die Strasse ging!
Ich bedanke mich schon bei den Richtigen dafür, dass ich jetzt zufrieden leben kann!

Ich bin darüber hinweg, Sie sind leider mittendrin, in der verbitterten Unzufriedenheit.

Vielleicht könnten Sie in Kuba oder Nordkorea Ihre Lebensfreude wieder finden! Jetzt dürfen Sie ja einen Ausreiseantrag stellen, ohne Repressalien zu befürchten. Auch muss Sie kein Land für 95000 Valutamark mehr käuflich erwerben.
Dort könnten sie weiterhin am Aufbau des Kommunismus teilhaben, heimlich Ihre TV-Anlage aufbauen und genüsslich zusehen, wie die Bundesrepublik Deutschland ihren sicheren Untergang entgegensteuert. Wissen Sie wie gut dann wieder ein „Westpaket“ riecht?

„Wer glaubt, heute sei, auch diesbezüglich, alles (oder vieles) besser, muß taub und blind, mit Scheuklappen und hoch degeneriertem Bewußtsein ausgestattet sein.“ …….

Also, bei mir Herr Kaufmann ist das ein Geburtsfehler, mein Bewusstsein war schon in der DDR degeneriert, stand in allen Kaderakten. Wurde aber zerreisswolft!
In Ihrer sehr ausgefeilten Rhetorik, der Sie sich ja rühmen, unterstellen Sie 75 Prozent der ostdeutschen Bevölkerung ganz kühn erhebliche körperliche Gebrechen. Mir auch!
Zwölf Millionen Pflegefälle.
Dass Sie noch „Bewusstsein“ haben, ist nicht zu übersehen.

Herr Kaufmann, in Ihrer erlesenen vornehmen Ausdrucksweise, in der Sie sich von der meinigen wohltuend abheben, mutieren Sie Frau Dr. Merkel:

„ zu einer verkohlten Hämorrhoide, die noch auf DDR-Kosten Physik studieren durfte und, vorbereitend auf ihren neuen Marionetten-Job, schon mal als FDJ-Kreisleitungsmitglied Sekretär für Agitation und Propaganda war!“
und weiter :
„Der Ton macht die Musik, sagt man landläufig. Unverständlich deshalb Felix's Umgangston“

…also hier Herr Kaufmann entfleuchte mir ein Lächeln

Das hat Stil, das ist Umgangston! Ich muss noch viel lernen, von einem begnadeten Talent.
Bereitet Ihnen diese, Ihnen nun zugestandene Narrenfreiheit nicht wenigstens ein wenig Genugtuung?
Hätten Sie von dem Fäkalienkübel, den Sie über der Ministerpräsidentin hier ausleeren,
vor 1989 auf unsere sowjetische Handpuppe, den Dachdecker Erich, nur einen winzigen Klecks davon fallen lassen…au weia.
Da hätten Sie aber ganz viele Kübel davon in Bautzen wieder füllen dürfen !

Herr Kaufmann, kaum ein gelernter DDR-Bürger äussert sich abfällig gegen den ehemaligen DDR-Geheimdienst unter Führung des Markus Wolf. Dieses Dezernat erfährt heute noch in der Branche weltweit eine gewisse Hochachtung. So etwas betreibt jeder Staat.
Nur diesen Ruhm wollen Sie auch den menschenverachtenden Fieslingen und Spitzeln aufokulieren, deren Tun ausschliesslich den eigenen Landsleuten galt.
Befragen Sie doch nicht nur Ihre Freunde vom MfS, sondern auch einen von deren 34 000 Produkten: politische Gefangene, nur für den Zweck produziert, um sie für 3,4 Milliarden Westmarkt über die Firma KoKo dem Klassenfeind zu verkaufen.
In der Rostocker Gedenkstätte könnten Sie mal in so eine Zelle blicken und in dem Buch „Gestohlene Seelen“ sich informieren, wie so ein „Peanut-Lebenslauf“ gestaltet wurde. Erschütternd!

Mir läuft es beim Betreten dieser ehemaligen Haftanstalt eiskalt über den Rücken!

Meine Frau und ich haben die Aktivitäten der Mitarbeiter des MfS am eigenen Leibe und nackt in ihrer Höhle des Löwen schätzen gelernt. Des weiteren kenne ich die Verdienste der äußerst rührigen Mitarbeiter des MfS aus der Rostocker Gedenkstätte und aus einschlägigen Veröffentlichungen.
Dennoch muss ich neidlos eingestehen, wenn ich Ihren Eintrag, Herr Kaufmann, aufmerksam lese, Sie verfügen dennoch über ein weit grösseres Insiderwissen!
Dennoch, zur weiteren Verfeinerung unseres Wissensschatzes: Aus von Ihnen gegebener Veranlassung, auf dieser HP unter „Na, so was..“ „Berufsverbote für DDR-Seeleute.“
Ich danke Frau Doktor Budde für die freundliche Genehmigung.

P.S. Anbei noch ein Unrat: Bomben bauen kann ich natürlich auch heute noch und ein paar Parteibonzen habe ich auch heute noch auf dem Kieker. Die sprenge ich demnächst und kündige das hiermit auch an. In Pullach wird man das sehr sehr ernst nehmen!
Wenn also meine Veröffentlichungen hier erlöschen, dann wurde ich nach Guantanamo verbracht. Ist doch klar, bei so einem Rechtstaat!
Freuen Sie sich Herr Kaufmann, wenigstens darüber!


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