Deck gegen Maschine !?

felix ⌂ @, Montag, 26. Januar 2009, 22:48 (vor 3405 Tagen)
bearbeitet von felix, Montag, 26. Januar 2009, 23:00


Deck gegen Maschine ? nöö, doch nie richtig ernsthaft.

Hierzu bitte auch bei "Textschnipsel" reinschauen.

Sicher wurden in der Clique da schon mal verbale kleinkalibrige Breitseiten abgefeuert und zum Schluss… haben alle darüber gelacht.
Wie hier „Icke“ schon bemerkt, das Bordklima wurde dadurch doch nie beeinträchtigt. Wenn´s „wirklich Dicke kam“ stand - bei entsprechender Motivation - die Truppe auch wie ein Mann. Und Schulter an Schulter.

„All hands“ wurden „gebeten“ das durchgehende Deck vom Tanker „Heinersdorf“ neu weinrot anzupinseln. Das war eine beachtliche Fläche, die gelegentlich 88 000 Tonnen Crudeoil überdachte.
„Es gibt Arbeiten, die dauern unendlich lange“, dachte ein jeder.
Abends, zwar weit nach Feierabend, waren wir damit fertig. Wir alle! Auch der Bäcker, die Stewardess, der Assi und der Chief,der Politoffz., der Funker und der Heizer. Nur der Chiefmate wechselte mit dem Kapitän auf der Brücke, damit jeder von denen auch in den Genuss kam, abends beim Grillfest auch noch ein paar weinrote Tupfen am Körper vorführen zu können. Und, damit kein Verdacht aufkommt, paar Kästen Bier standen da auch zwanglos herum, um der Dehydrierung entgegenzuwirken!

Auf Tanker „Schwedt“ standen alle Gewerke bis weit über die Gummistiefeln in den schmatzenden Sedimenten der Ladetanks, um diese aussenbords zu befördern und den Tanker für die Werft gasfrei zu machen. Da bildeten Assi Düse in trauter Eintracht mit Decksmann Keule eine einträchtige Took-Partie und auch Funker Felix und der Kochsmaat wurden in der kuscheligen Atmosphäre dort unten immer geselliger, weil das „Lachgas“, das den eingeschaufelten Sedimenten entwich, ausgesprochen belustigend wirkte.
Wenn´s sein sollte und erst recht, wenn es dringend erforderlich war, da gab es keinen Standesdünkel.
Deck gegen Maschine nicht wirklich, aber …. alle gegen den Koch. Das gab´s schon mal!

Wenn zwei Nautiker – und gern mit meiner Beteiligung - am Sextanten den Benegnatsch (oder wie der Himmelskörper heisst) mit dem Betageuze verwechselten und der Ort dann ein wenig daneben lag, dann war ich der einzige Aussenseiter, der das evt. mitbekam.

Wenn Assi Düse, mit den Systemen im Keller noch nicht so vertraut, mal den falschen Schieber erwischte und ein paar hundert Liter hingeschickt hatte, wohin sie eigentlich nicht hingehörten, dann stand das nicht sofort an der Wandzeitung.
Wenn Matrose Schnulli mal fix Mennige über den Rost pinselte, dann geilte sich evt. darüber nur der Bootsmann auf.
Aber…… wenn der Koch mal einen schlechten Tag mit schlechtem Geschmack kombinierte, dann erwachte auch der letzte Phlegmatiker aus seiner Lethargie.
Andererseits überschüttete die gesamte Crew den Chefkoch nach Weihnachten mit überschwänglichem Lob, wenn die Kombüse lukullische Raketen steigen liess, die auch jedem Interhotel gut zu Gesicht gestanden hätten.
Siehe hierzu: In Galerie – „Theodor Körner“ „Auf See“
Nur war das Wirtschaftspersonal dann schon zu müde, die Danksagungen auch zu geniessen!
Nicht dass ich hier Eigenlob versprühen möchte: wenn zu Weihnachen ein jeder die telegrafischen Weihnachtswünsche seiner Lieben vom Weihnachtsmann ausgehändigt bekam, dann hatte mir das bei dem Gedränge bei Rügenradio auch ein paar zusätzliche Nachtstunden abverlangt.
Ein jeder von uns hat im Gedächtnis seinem „Lieblings-Dampfer“ ein Denkmal gesetzt, zu 90 Prozent wahrscheinlich gebührt diese Ehrung der Crew. Zumindest stand diese bei mir in der wesentlich höheren Wertschätzung, als das technische Umfeld oder das Fahrtgebiet, das war mir im gesetzteren Alter ohnehin schnuppe.


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