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Von Mauis, Kiwis und Maoris Drucken

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Auf mich schiesst der 70. Geburtstag zu. Das fiel mir zunehmend unangenehm schon seit längerem auf, aber plötzlich ballert er ziemlich überraschend an's Schott.
Grobschlächtig, ohne Einfühlungsvermögen!

Ich halte dagegen! Mit allem, was sich als Restenergie noch im Akku und auf der Haben-Seite des Bausparvertrages befindet. Noch einmal eine urlaubsmässige Duftmarke setzen, eine Kuh fliegen lassen! Grenzen austesten!


Sechshundert Fotos und zwei Videos zu diesem Bericht gibt es in dernadel Fotogalerie Neuseeland zu sehen.

 

Ich lasse meinen Schweif über den Globus blicken.
Muslimische Länder scheiden von vornherein aus. Als Ungläubiger möchte ich das dortige Seelenheil nicht beflecken und zum anderen mag ich weder Bakschisch noch Nagelbomben.
Mit Händen an der Badehosen-Naht in die Sonne glotzen, das ist auch nicht mein Ding.
Kalt kann ich es im Februar daheim haben, etwas angewärmt wäre schön!
Da kommt die ADAC-Offerte: New Zealand im Wohnmobil, vier Wochen ca. 3600 km Süd- und Nordinsel. Mit deutschem Guide, aber jeder macht tagsüber was ihm beliebt, abends Meeting am vorgeschriebenen, reservierten Campground.
Heimreisend eine Woche Zwischenstopp zum Schnorcheln, Baden und Kokosnuss-Essen auf den Cook-Inseln!
Das isses!
Das trifft meine Vorstellungen. Den finanziellen Hintergrund bildet der Erlös unseres Bausparvertrages.
"Sandra, Du navigierst in NZ, ich fahre! Beschlossen!"
"Felix, 3600 km im Linksverkehr, mit einem Wohnmobil?!" gibt mein Sicherheitsinspektor zu bedenken.
Ich bedenke nicht!
Am 5. Februar rammeln wir los, stellen für 75 € in Berlin den PKW bei McParking unter, übernachten und nehmen am nächsten Morgen den City-Hopper nach Frankfurt und dort den "LH"-Jumbo nach San Francisco.
Jumbos sind (noch) die grössten und damit auch innenräumlich die engsten, weil die Fluggesellschaft da ganz viele Stühle hineinbauen kann. Bei der Bestuhlung geben sich die Betreiber ganz viel Mühe.
Dieses Mal haben wir aber Glück. Hinten im Stert wird der Flieger zu eng, um seitlich drei Stühle einzubauen, nur zweieinhalb würden gehen in den letzten zwei Reihen. Statt dem halben Stuhl steht dort jetzt unser Rucksack.
Über dem schneeweissen Grönland und Alaska scheint die Sonne. Ich versuche einen Eisbären zu entdecken. Auf dem Display in der Rückenlehne des Vordermanns kann man gut mitnavigieren, so weiss ich jetzt, dass wir den Yukon überqueren. Der Flieger ist geheizt, dort unten möchte ich jetzt nicht nach Goldnuggets schürfen müssen.
Die Chefmieze gibt zwei Zettelchen für die Einklarierung in San Francisco aus.
Die Amis sollen sich ja mächtig zieren, ehe man ihr Land betreten darf.
Also Sorgfalt walten lassen.
Die Zettel stellen keine Hürde dar. Auf beiden sind zwei senkrechte Reihen mit zehn Kreisen. Ziemlich dusselige Fragen, ob ich Massenmörder, Terrorist oder Kriegsverbrecher bin.
Auch die Zöllner fragen so ähnliche Dummheiten.
Damit muss man sich aber nicht aufhalten. Immer artig die zweite Vertikale von oben bis unten ankreuzen, daran erfreuen sich dann die Officers bei der Einklarierung.

Vor dem geplanten Einreiten in USA empfiehlt es sich, per Internet ESTA dort hin zu mehlen.
ESTA stellt die gleichen Fragen, neuerdings auch in Deutsch aus dem Internet zu haben.

In das ESTA-Formular am besten wiederum nur alle "NO's" ankreuzen. Es sei denn, man ist Massenmörder, oder so und alles! Im Internet ausfüllen, dort eintüten und die bestätigte Registriernummer in USA vorlegen.
Das löst dort Freude aus!

Ca. 30 Schalter sind am Airport San Francisco geöffnet, keiner muss drömmeln oder hasten zwischen den kurvenreichen Leitbändern. Da alle Kreuzchen in der "NO"-Reihe stehen, freuen sich die Zöllner und Passgewaltigen. Der Passmensch ist sehr nett und spricht richtig englisch, ohne hot poteto in his mouth!
Alle Päpers roger!
So, noch vier Finger auf die Glasscheibe legen - ok. thank you. Und nun den Daumen - roger!
Das gleiche mit der linken Hand. Und nun "look here", der Beamte biegt seine winzige Kamera zurecht. Knips, thank you!
"Wie lange bleiben sie in San Francisco? Wohin reisen Sie weiter?" Der small talk verläuft recht locker, ich bin schon fast geneigt, den Insider nach der weather forecast zu fragen.
Etwa zehn Minuten dauerte das Zeremoniell.
Das waren sie also, die viel gescholtenen Einreiserepressalien der USA.
Sicher ist das ganz individuelle Geschmacksache.
Uns ist das wesentlich lieber, als ganz grosszügig nur ein Einreisezettelchen zu verlangen und dann für 350 Ankommende drei Schalter zu öffnen und hinter denen dann noch genüsslich einen Dienst nach Vorschrift zu zelebrieren. Das mexikanische Cancun beispielsweise huldigt diese Verfahrensweise.

Ich bin überhaupt kein Fan von Städtereisen. Bisher hat mich nur Lissabon, Dresden, Sasbach-Walden und Capetown (leider nur von See aus) angetörnt. Jetzt habe ich dieser kurzen Liste noch San Francisco beigefügt.
Das ist ein tolles Town!
Wir blicken von Fisherman's Wharf, dem Pier 39 nach Alcatraz hinüber, fahren mit dem urigen Monster der Cabel Car die Berge rauf und runter und am zweiten Tag mit einem Sight-Seeing-Bus über die Golden Gate Bridge und auch zum Frühlingsfest durch das quirlige China-Town. Die Koffer haben wir schon dabei und steigen am Flughafen aus und dort in den Jumbo der Air New Zealand.

Bei den Kiwis gibt’s zum Abendessen statt dem obligatorischen "LH"-Chicken "Lämm".
New Zealand-"Lämm" essen haben wir schon in der Vorbereitung unserer NZ-Reise zu Hause geübt.
Das gibt's neuerdings nahezu in jedem Supermarkt.
Den NZ- Hammel kann man essen, den verehren wir jetzt sogar! Er schmeckt keineswegs so, wie er heisst und keinesfalls so, wie deutscher Hammel schmeckt, der im winterlichen Stall den Geschmack von seinem Mist angenommen hat, auf dem er Monate verbrachte.
Jeder gelernte DDR-Bürger hat sich daher die Erfahrung eingeprägt: "Hammel kannste nicht essen, der stinkt schon aus dem Topf"!
Damals war das auch so! Und heute probier ich das auch gar nicht erst, auch deutsches Rindfleisch hat sich erledigt. Auch wenn die jammernden Bauern und der Landwirtschaftsminister "hochwertige Nahrungsmitteln" propagieren, kaue ich doch nicht zum doppelten Preis auf Autoreifen herum, während ich südamerikanische Hüftsteaks mit der Zunge zerdrücken kann!

So schlumpsig wie die Kiwis an Land rumrennen, so tun sie das auch in der Luft. Die adrette Stewardess bei "Air New Zealand" ist oft ein alter Mann, in einem schönen dunklen freundlichen Mausgrau. Bei der Essensausgabe dann noch mit einer Küchenschürze dekoriert.
Aber ihr "Lämm" mundet, dazu gibt’s je nach Wunsch auch einen landeseigenen Chardonnay, Pinot Noire oder Merlot.
"Lämm" kann man so lassen, aber bei den Weinen bleibe ich doch lieber bei den badischen Spätburgundern.

Auch für NZ gibt der Herr in der Schürze zwei USA-ähnliche Zettel aus. Aber die sind ganz hinterlistig konzipiert. Eine englisch verkappte Frage ist hier mit eingewoben: "Haben Sie Ihren Koffer selbst gepackt?"
Im mittlerweile eingebürgerten Automatismus habe ich natürlich die gesamte "NO"-Vertikale von oben nach unten gekreuzelt, da fragt mich in Auckland die Zolloberstassistentin, wer denn meinen Koffer gepackt hat. Ich schiebe das meiner Frau in die Schuhe und diese verweist dann mit ihrem gleichsam falschen Kreuz auf mich.
Die Zollfrau schmunzelt nur darüber.
Da Sandra Wanderschuhe im Gepäck mitführt, wird das M&S-Profil der Sohlen akribisch untersucht. Einige Körnchen deutschen Mutterbodens werden daran noch entdeckt.
Die Zöllnerin zieht damit los.
Nach geraumer Zeit kehrt sie mit den penibelst gereinigten Schuhsohlen zurück. Na ja, den Erregern der europäischen Blauzungenkrankheit oder der BSE genügt sicher auch nur ein kleines Körnchen Dreck am Wanderschuh, um sich darin aus dem verkeimten Europa in NZ einzuschmuggeln. Um dann dort ca. 45 Millionen Schafen die Zungen blau zu färben, da hätten die Bazillen aber alle Hände voll zu tun!

Mit dem City-Hopper fliegen wir weiter nach Christchurch auf die Südinsel.
Um dort im Hotel einzureiten, sind wir zu früh. Schlaftechnisch gesehen allerdings nicht. Die Zeit wird mittels einer Stadtrundfahrt mit deutschem Erklärbär überbrückt.
Mit mulmigem Gefühl schauen wir aus den Busfenstern hinab auf den uns bevorstehenden Linksverkehr und seltsamen Verkehrsregeln.
Auch für ein Maori-Museum und den botanischen Garten bleibt Zeit.
Danach können wir im Hotel einreiten. "Geht jetzt aber bloss nicht schlafen. Macht nicht diesen Fehler! Ihr kommt sonst hier nicht in den Tritt!" erklärt uns Kurt vom ADAC.
Der hat schwer Ahnung und macht diesen Job weltweit schon seit zig-Jahren.
Es ist 01.00 p. m. in NZ, in Germany ist es das auch, aber in finsterer Nacht! Wir schleppen uns offenen Auges mit Chardonnay-Unterstützung in den Abend und dann in die Koje.
Ziemlich abgeschlafft.

In der Gegend um Tonga wurde uns über der Datumsgrenze der Sonntag geklaut.
Heimreisend bekommen wir den mit einem Sonnabend rückerstattet. Wäre das ein schnöder Wochentag gewesen, hätte ich beim König von Tonga die Sonntagszuschläge eingeklagt.
Direkt neben dem Hotel "Sudima" stehen auf dem Gelände von "MAUI" unsere fahrbaren Quartiere. Mercedes-Sprinter, Automatik. Der unsrige ist erst 5000 km alt. Kleiner Schönheitsfehler, die Kiste ist 7,20 m lang. Aber, was uns direkt als Missbildung in’s Auge fällt, das Ruderrad liegt ganz weit rechts!
Wir werden in der Handhabung nur im richtigen Wohnen unterwiesen, wie man duschen oder kacken muss, warmes Wasser erzeugt und dieses nach Gebrauch wieder los wird. Fahren können ja alle lt. überprüfter internationaler Fahrerlaubnis. Das glauben die Vermieter jedenfalls von uns.
Es fahren in zehn MAUIS zehn Paare. Kurt vom ADAC fährt alleine.
Günter, (von Günter & Monika) ein lustiger Schwabe, hat Ahnung vom Automatik-Fahren.
Der lässt mir einen Crash-Kurs angedeihen:
"Also desch linke Bei, desch muscht weg lasse, desch darfscht gar nit mehr hebbe. Am beschte ambudiere!"
Für "ambudiere" kommt hier sicher die Knappschafts-Kasse nicht auf und an der Startlinie auf Pool steht bereits unser MAUI und auf sämtlichen Stirnen Adrenalin-Tropfen.
Links hinein in den ersten Kreisverkehr und vor dem Einfahren (!) schon anzeigen, ob man ihn gleich links wieder verlassen will, tatenlos bleiben für die zweite Ausfahrt und mit "Blinker rechts" einfahren für die geplante dritte Ausfahrt. Und kurioserweise gilt auch im Linksverkehr "Von rechts hat Vorfahrt", das gestaltet sich in der Praxis recht abenteuerlich.
Die Adrenalin-Tropfen auf der Stirn dampfen sogar schon. Wir müssen als erstes auf dem ziemlich vollen und auch engen Parkplatz vom Supermarkt "Pack 'n Safe" festmachen, zur Proviantübernahme.
Nach Christchurch wird es ländlich und das Stresshormon sinkt unter die Oberkante Unterlippe. Nur tönt es noch des öfteren aus der Navigationsabteilung: "Wir fahren hier links, links!!" oder "Du bist zu weit links, mehr rechts, rechts", die Scheuerleiste streift am Weidezaun und verdutzt die sauber gekämmten knuddeligen Schafe. Auch zuckt doch noch gelegentlich, das wegen Zeitmangel nicht "ambudierte Bei" nach vorn. Mit links tritt man routinemässig die Kupplung und die … ordnungsgemäss bis zur Bodenplatte durch, wenn man die Fahrschule summa cum laude absolviert hat.
Hier ist das aber die grossflächige Bremse.
Im MAUI scheppert's herzzerreissend. Im frisch gefüllten Kühlschrank, zwischen den Töpfen und Tellern und fahrlässig Herumliegendem. Ausser dem Mercedes sind auch unser Koffer und die Reisetasche mit Rädern ausgestattet, auf diesen schauen sie jetzt bei uns im Cockpit rein.
Learning by doing fruchtet. Nach dem zweiten Tag zischen wir ab, wie Schmidt's Katze.

 

Wohnmobil Kurt vom ADAC begleitet uns seit Frankfurt. Zu sehen bekommen wir uns alle nur gelegentlich bei den Sehenswürdigkeiten auf der Strecke und abends beim "sit in" auf dem Campground. Dort erläutert uns unser Vorturner die Streckenführung des nächsten Tages und mit umfassendem Insider-Wissen, dass es beispielsweise bei Makarora einen fantastischen fangfrischen Lachs direkt aus dem gestauten Süsswasser gibt und bei der Firma "Lindale" das beste Speise-Eis "figg and honey" heisst. Auch weiss Kurt immer ziemlich genau, wo sich New Zealands hintertückische kleine Stechfliegen gewöhnlich herumtreiben. "Bushman" heisst das dortige Sprühmittel. Nur davon lassen sich die Biester beeindrucken. "Autan" betrachten sie als Deo.
Kommen sie zum Zuge, juckt ihre Hinterlassenschaft tagelang. Zum Glück agieren sie aber territorial begrenzt.

 

Kurt hat Ahnung.
Mit "Rosi" und Andrea, einem umgänglichen sächsischen Ehepaar bilden wir auf den Etappen gelegentlich eine Tug-Partie. Abends auf dem Campground zischen wir öfter einen zusammen. "Rosi" ist aktiver Seemann bei Hapag-Lloyd.

An jedem Fahrtag hat die navigatorische Abteilung täglich ihr Tun. Wir fahren nur nach Karte und Adresse. Das Auffinden der Endziele hat des öfteren seine Tücken. Abends, nach 350 km Tagespensum, mit mehreren abgearbeiteten Sehenswürdigkeiten, werden bei den meisten MAUIS schon gegen 10.00 p. m. die Vorhänge zugezogen.

Wir erreichen im südlichen Fjordland Te Anau. Morgen kommt der bestellte Bus für einen Abstecher zum Milford Sound.
An einem unterschätzten "Lämm"-Knöchelchen breche ich mir ein Stück von einem frisch sanierten Backenzahn aus.
Die Bruchkante ist messerscharf.
Ich versuche sie, mit eingeklebtem Kaugummi zu entschärfen.
Rundherum nur Schafe und Gegend. Morgen früh kommt der Bus. Auch mit aufgescheuerter Zunge lasse ich mir dieses Highlight doch nicht entgehen und bemühe mich, beim Fotografieren diese auch gerade zu halten. Im Milford gibt es viel zu fotografieren und eigentlich auch zu bereden. Aber reden möchte ich nicht mehr.
Abends zurückgekehrt, kaufe ich mir im Dorf-Konsum von Te Anau zwei Buddeln Chardonnay und suche mir am Seeufer fünf langgeschliffene verschieden gekörnte Steine.
Eine grünliche mittlere Körnung zeigt befriedigende Ergebnisse. Den Abend lang beschleife ich den scharfen Zacken an dem vorletzten Backenzahn. Den Schleifstaub von Zahn und Stein spüle ich mit dem Chardonnay hinweg. Bei der zweiten Flasche klingt auch das Geräusch schon viel angenehmer. Am dritten Tag ist auch die Zunge wieder beschwerdefrei.
Bis heute laufe ich so top-saniert noch herum, nächste Woche bekomme ich einen stählernen Deckel auf meinen Mahlzahn.

Bei der Konzipierung der New Zealändischen-Inseln kannte der Einfallsreichtum des Designers keine Grenzen. So viele Kapriolen, die sich mit viertausend Autokilometern anfahren lassen, kann ich mir nur in diesem Land vorstellen.
Die See und die Seen bieten Farbmischungen, wie wir sie noch nie sahen.
Betrachter dieser Fotos fragen mich, ob meine teure Kamera einen Blaustich hat?
Hat sie nicht, NZ's Farbenpalette hat solche Farbmischungen zusammengerührt!

 

Geiser Bei Roturoa raucht die Erde aus allen Knopflöchern. Selbst auf unserem Campingplatz quackert ein Schlammloch. Im Waimangu Caldron gestalten die Mineralien aus dem heissen ausfliessenden Wasser bunte Formen. Ein See ist blau wie Tinte, der nebenan schwefelgelb. Die haben dort einen Gysir, der hört auf's Wort, bzw. auf 300 gr. Waschpulver.
Immer um 10.15 a. m.
Aber wenn die Eröffnungsreede des Park-Rangers etwas später endet, dann sprudelt die Fontäne auch später los. Immer erst, wenn er seine aufputschende Droge von 300 gr. Waschpulver in seinen Schlot gestreut bekommt.
Erst dann ballert er los.
Wenn jeder seine Fotos im Kasten hat, erholt er sich von der Anstrengung wieder bis morgen um 10.15 a. m.

 

Um 1904 hatten die Kiwis nach Erdbeben mal einen, der sprudelte 488 m in die Höhe. Ohne Waschpulver!
Löcher in Felsen haben die dort mehrere.
Imposante Gebilde. In der Bay of Islands sind wir mit unserem Ausflugskatamaran durch das "Hole in the Rock" durchgefahren.

 

Milford

Der Milford Sound im südlichen Fjordland alleine lockt schon ein Drittel der Touristenschar nach NZ. Der kann auch locker mit dem Geiranger, Norwegens Topstar mithalten.
Die Pfannkuchen-Felsen sind ebenfalls eine seltene Kaprize der Schöpfung. Kuriose Gebilde, die anscheinend aus hundert übereinander gelegten Kartoffelpuffern gebacken wurden. Sie trotzen hier der anlaufenden Dünung. Eine Robbenkolonie mit Kinderzimmer erfreut zusätzlich die Besucher. Kostenlos trotz umfangreicher gepflegter Erschliessungsmassnahmen.
(Bei den Kreidefelsen auf Rügen langt man gewinnbringend gleich dreimal hin! Mal nebenbei bemerkt!)

Die Kauri-Bäume im Waipouri-Wald verschlagen uns den Atem. Als ich auf dem Knüppeldamm im Urwald um die Kurve biege und so ein Riesenmonster vor uns steht, da vergesse ich das Luftholen. 1200 Jahre alt und sehr adipös, Taillenweite 14 Meter!

 

Gletscher Wir stehen unten vor der dreckigen Gletscher-Zunge des Franz-Josef-Gletschers und später neben dem Heli oben auf dem 300 m dicken, blütenrein-sauberen Schneefeld, aus dem die zwölf Gletscher von oben aus dem Mount Cook-Massiv ziemlich flott zu Tal gepresst werden. 3.754 m hoch ist der Mount-Cook.
NZ hat einfach alles im Angebot. Hohes schneebedecktes Gebirge, Vulkankegel, herrliche Strände. Frostigstes und Heisses.

 

Gräbt man am Hot Water Beach auf der Halbinsel Coromandel ein Loch in den Sand am Strand, dann läuft das alsbald mit mollig warmen Wasser voll. Die Erdkruste ähnelt wohl hier einer Christbaumkugel.

Seitenweise könnte ich hier ins Schwärmen geraten. Schliesslich kamen wir vier Wochen aus dem Bewundern und Bestaunen nicht raus. Die Fotos der Galerie vermitteln einen kleinen Eindruck.

NZ ist sehr alpin konzipiert. Am häufigsten kurven wir auf Serpentinen. Ich drehe täglich am Ruderrad wie ein Weltmeister. Die Strassen sind auf dem Lande und besonders im Gebirge oftmals beängstigend schmal und generell die Brücken. Einspurig reicht für die Gelassenheit dieser Menschen, die auf Hektik und Snobismus keinen Wert legen.
Wer erster ist auf der schmalen Brücke, hat eben die Vorfahrt.
Die eiserne Brücke über den Hokitika-River führt diesbezüglich die Top Ten an. Ziemlich lang, einspurig, natürlich ungeampelt und… mit einem beidseitig befahrenen Eisenbahn-Gleis ausgestattet.
Just auf dieser Brücke blieb ein MAUI unseres vorangegangenen Durchgangs liegen. Er hatte kurz zuvor Benzin statt Diesel getankt.

Auf einer langen Geraden erwische ich bei 100 Sachen ein Opossum.
Es scheppert gewaltig unter dem MAUI.
"Rosi" fährt hinter mir.
Als eine Schafherde unsere Fahrt unterbricht meint er: "Bei dir flog ein "Vieh" hinten raus, ohne Kopp aber mit was Technischem unterm Arm!"
Wir nehmen eine Unterbodeninspektion vor. Das "Vieh" hat bei dem Crash das Kugelventil mit Krümmer für den Waschwasser-Ablass mitgenommen.
Für ein "road-killed-opossum" bekommt man in NZ fast einen Orden. Diese Beuteltierchen wurden einst aus Australien eingeschleppt und mangels Fressfeinden fallen sie nun in 36-er Reihen über die Laubbäume her. Stellenweise sind die Strassen mit breitgefahrenen Opossums und Karnickeln gepflastert. Sie füllen aber ihre Verluste ganz emsig immer wieder auf.

Von Ampeln, Leitplanken und auch Park- und Halteverboten halten die Kiwis nicht viel. Allerdings ist bei deren Fahrverhalten diese teure Ausstattung auch nicht so zwingend erforderlich. Wir arrangieren uns nach zwei Tagen der Eingewöhnung mit den Einheimischen auf ihren engen Strassen. Zum Rechtsfahren können wir sie allerdings nicht bewegen, obwohl es an Versuchen nicht mangelte!

Nur mit den drängelnden Holzlastern auf dem atemberaubenden Queen Charlotte Drive am Heck, hinab zur Fähre nach Picton, da erscheint es doch vordeeliger, bei der nächsten Gelegenheit links ran zu fahren. Ein kurzer Hupton ist stets der Dank dafür.

Wir stellen uns in der dritten Warte-Schlange für die Fähre von Picton nach Wellington an, zwecks Übersetzen zur Nordinsel. Ich haue mich achtern auf's Ohr. Sandra, als leitender Navigator vertieft sich in den Stadtplan von Wellington und die weiterführende Route.
Da ballert einer an's Schott. Wir stehen einsam auf weiter Flur und haben den Anschluss verloren. Ich werde herb geweckt und erreiche, barfuss automatisch fahrend, noch einigermassen den Anschluss zum Verstauen unseres Mobils auf der Fähre.
Die Fähre schippert sehr gemächlich durch den Queen Charlotte Sound. Das Panorama ist imposant, Speisen und Getränke in den Restaurants ebenfalls und sehr preiswert.

Wellington durchqueren wir auf dem Highway problemlos, später auch Auckland, auf unserem Weg zum nördlichen Ende der Nordinsel.
Aber, nach vier Tagen kommen wir zurück, zum Endpunkt unserer Reise, die Vermieterfirma "MAUI", irgendwo im Strassen-Labyrinth von Auckland.
Wir halten uns auf dem achtspurigen Highway weisungsgemäss links, dann biegen die zwei linken Fahrstreifen unvermittelt in das Town hinein. Zwei Abfahrten zu früh, als mein Navigator das auf dem Stadtplan vermerkt hatte.
3.30 p. m. rush hour. Mein Navigator schmeisst das Handtuch. Ich fahre nach der Sonne und schliesslich… angenehm überrascht, wieder auf den Highway hinauf. Der verläuft hier stellenweise zweistöckig und achtspurig!
Dann richtig abgefahren finden wir die Tankstelle zum Volltanken und kurz darauf auch die MAUI-Vermietstation in der Ascot Road.
Übrigens, Adrenalin ist kaperngrün. Zumindest zeigt das Taschentuch jetzt diese Färbung, weil ich mir den vermeintlichen Schweiss von der Stirn tupfte.
Wir geben den MAUI vollgetankt und unbeschädigt zurück.
Zehn Minuten vor Torschluss kommen Karin und Hartmut. Völlig fertig, sie haben Auckland zwei Stunden während der rush hour unfreiwillig erkundet!
Der Bus bringt uns ins Hotel.

Wir haben zwei Tage Zeit, NZ's Grosstadt zu durchforsten.

 

Tower Schon vor Beginn unserer Reise hatte der ADAC von Deutschland aus Aucklands absolutes Highlight bestellt.
Ein Abendessen auf dem Sky Tower!
Der äussere Umlauf hat einen Glasboden und das Drauftreten ist sehr gewöhnungsbedürftig. Die Angebote des umfangreichen Buffets sind beeindruckend, der phänomenale Ausblick hinab auf das abendliche Auckland untermalt noch den Genuss.

 

Sonnenuntergang Am nächsten Tag fliegen wir nach Rarotonga, auf die grösste der Cook-Inseln. Dieser winzige Fliegenschiss im Pacific besteht im Inneren aus dicht begrüntem Vulkan und am Rand aus herrlich weissem Korallensand. Daran schliesst sich rund um die Insel eine seichte Lagune, äusserlich begrenzt durch ein Riff und dann geht's 4000 m in die Tiefe.
Rarotonga Beach Resort, unser Hotel fügt sich direkt am Strand in uriger Bauweise gut in die traumhafte Tropenidylle.
Nur eine ganz pfiffige Erfindung schmälert das Wohlbehagen. "Tropical Breakfast" ist die kostenminimierende Erfindung, ganz kühn sich um ein ordentliches Frühstück zu drücken. Ein paar Schaffen mit billigem Obst, mit Hauptanteil Wassermelone und als Sättigungsbeilage Kokosnuss. Weissbrot, Müsli, Marmelade, Fruchtsäfte, nicht aus der Frucht, sondern aus dem Kanister und merkwürdiger Kaffee.

 

"Tropical breakfast"! Nehmt Trockenproviant, Zwieback oder Pumpernickel mit, wenn Euch ein "Tropical Breakfast" angedroht wird!
Die Insel ist ein Tropenparadies. Die Lagune vor dem Hotel ein Tropenaquarium. Nur die Unzahl von schwarzen Seegurken auf dem weissandigen Grund und zwischen den Hartkorallen ist etwas unappetitlich.
Sandra kauft sich Schnorchelzeug und entdeckt jeden Tag eine neue, bisher unbekannte Spezies von Meeresgetier.
Mit meinem Bart habe ich diesbezüglich schlechte Erfahrungen gemacht. Auf dem kurzen Haarschnitt im Gesicht halten sämtliche Brillen nicht dicht.
Wir leihen uns für 75 NZ-$ für die Woche zwei Fahrräder. Diese Gegend dort hat die Eigenart, egal in welche Richtung wir vom Hotel am Strand starten, nach 34 km sind wir wieder am Ausgangspunkt. Kilometer und Celsiusgrade haben den gleichen Wert.
Das Landesinnere ist nicht befahrbar und nur für Geübte zu durchqueren. Auf dem einzigen "Highway", der die Insel umrundet verkehren zwei Buslinien. Die eine heisst "Clockwise" und die andere "Anticlockwise".
Mit dem Fahrrad benötigt man für die lumpigen 34 km einen halben Tag. Schneller geht's nur, wenn man den Fotoapparat nicht mitnimmt. Wechselnde Strandabschnitte lassen mich alle paar Meter das Rad an eine Palme lehnen.

Aber unbedingt mitnehmen sollte man die Fototechnik beim Inselhopping nach Aitutaki; die traumhafte Laguneninsel 250 km nördlich von Rarotonga.
Schon der Anblick beim Anflug setzt uns in Verzücken. "Air Rarotonga" hat uns den Guide "Seiman" (Simon) mitgegeben. Ein hünenhafter Maori.

 

Arche Er labert uns mit hot potato und "cookischem accent" voll, und findet wenig Gegenliebe. "Where you come from"? Drei deutsche Paare, ein britisches und ein verliebtes tonloses Pärchen bilden unsere handliche Reisegesellschaft. Simon schaltet auf britische Mundart um und nun klappt's mit der Kommunikation.
Ein klappriger Bus bringt uns vom internationalen Airport von Aitutaki zu einer urigen Arche am Strand.

Cpt. Cook bildet die Besatzung. Weil er ausser Kapitän hier auch den Koch miemt, nennen wir ihn Cpt. Cook. Auf den Namen ist auf den Cook-Inseln ohnehin jeder stolz!
Über kristallklares Wasser auf weissem Korallensand schippert uns Cpt. Cook von einer Trauminsel zur anderen. Jede ein Unikat.
Wir baden, schnorcheln oder erforschen. Wenn's weitergeht, bläst Simon in sein grosses Muschelhorn und alle beenden ihre Unternehmungen, um sie auf der nächsten Insel andersartig wieder weiterzuführen.


In dieser Gegend wären Robinson und Freitag nie auf den Gedanken gekommen, jemals nach einem rettenden Schiff Ausschau zu halten!
Dann gibt's Mittag.
Cpt. Cook ankert in einer malerischen Bucht und schmeisst seinen Gas-Grill an und den Anker weg. Simon passt auf, dass der Anker sich in den Sand und nicht in einen Korallenstock gräbt. Auf einem solchen hat sich nämlich "George", eine imposante Riesenmuschel mit zwei kleineren Nachbarn kommode eingerichtet. Auch ich Bartträger schaue dem geöffneten "George" mittels schlecht dichtender Brille in den Schornstein.
Cpt. Cook grillt Thunfisch und reicht dazu Baguette und tropische Früchte. Auch kühles Bier führt er mit.
Weil er die Abfälle seines Thunfisches aussenbords wirft, reissen sich im Wasser hunderte bunte Fische um das gefundene Fressen. Sie schwimmen zehn Zentimeter an unseren Brillen vorbei.
Auch mit einem Sechs-Sterne-Hotel möchten wir diese Idylle hier nicht eintauschen!
Wir trocknen uns ab und begeben uns zu Tisch. Es mundet, el mundo!
Am Internationalen Airport von Aitutaki geht's zurückreisend total legère zu.
Simon unterhält sich mit einer Gruppe seiner Maori-Kumpels. Sicher Guides anderer Touri-Gruppen. Vor der "Luftaufsichtsbaracke" wird der Inselhopper nach Rarotonga ent- und wieder beladen. "Boarding" zieht sich noch etwas hin, verkündet ein oxydierter Lautsprecher.
Ich wende mich an Simon, der mit seinen Kumpels diskutiert. "Simon, wenn boarding angesagt ist, tutest du dann in dein Muschelhorn"?
Seine Kumpels wollen sich vor lachen nicht mehr einkriegen, der hyhnenhafte Simon deutet mir in scherzhafter Boxerstellung an, dass das hier in diesem hypermodernen high-tec-Tempel doch wirklich deplaziert wäre!
Am Gartenweg zu dem Flieger steht zwischen Hybiskus-Büschen eine freundliche Maori-Beamtin und streicht die Namen auf der Passagierliste ab. Ich frage sie scherzhaft nach Zoll und Security. Sie nimmt ihren Kugelschreiber und fährt damit links und rechts an mir herunter. "Okey, passing"!
Die Piloten lassen die Tür auf. Zumindest bei der Bedienung des Schubreglers könnte ich somit meine Erfahrungen als Modellflieger mit einfliessen lassen. Aber die Jungs machen das da vorne recht ordentlich und finden auch den winzigen Klecks Rarotonga im grossen Pacific.

Nach sieben Tagen Cook-Islands begeben wir uns gen Norden auf den langen Heimweg. Zur Verabschiedung ziehen die Cookies schnell noch 30 NZ-$ "Ausreisegebühr" jedem Inselbesucher aus der Tasche und zelebrieren beim Sicherheits-Check eine Mordsshow. Selbst Sandras Lippen-Glossi muss noch in den Müll und nach dem Schuheausziehen wird auch noch unter die Socken geglotzt.
Wenn man nur ein winziger Fliegenschiss im Pacific ist, muss man eben solcherart für Publicity sorgen.
Auf dem Flug nach LA macht dann der Flugzeugführer der Air New Zealand auf sich aufmerksam. Da er mit "eisernem Gustav" fliegt, hat er wohl Langeweile.
Er spielt er auf dem nächtlichen Pacific am Kippschalter für das Anlegen der Seat-Belts. Bei herrlichstem Flugwetter haben dann in Fünf-Minuten-Intervallen alle angeschnallt auf ihren Sitzen zu verharren und auch nicht zur Toilette zu gehen. Die alten Herren in Mausgrau sperren den Zugang, obwohl Elisabeth schon mit gekreuzten Beinen und glasigen Augen im dritten Versuch auf sie zu wankt.
Auch ausufernde Proteste ändern nichts. Im Cockpit wird aller zehn Meilen weiterhin am Schalter geschnippt, trotz herrlichstem Flugwetters. Und wehe es bewegt sich einer bei Rotlicht!
Nach elf Stunden Flugzeit stürmen die Incontinenten die Toiletten im LA-International Airport.
Sechs Stunden könnten sie sich der wohltuenden Erleichterung hingeben.
Nach weiteren dreizehn Stunden in der Luft rollen wir unser Gepäck dann durch Heathrows Katakomben, später dann durch die verwinkelten Kellergänge des Frankfurter Flughafens und endlich wuchten wir in Berlin-Tegel Koffer und Handgepäck bei McParking in unser Auto. Unser Bedarf an Luftfahrt nebst "Lämm" und Chicken ist völlig gedeckt. Wir träumen von einer Thüringer Rostbratwurst mit Bautzener Senf, extra scharf und einer Schwarzbrot-Bemme!
Sandra hat noch Restenergie im Akku und fährt das Auto nach Rostock.
Ich hätte dafür keine Körner mehr und ausserdem… kann ich jetzt nur noch Automatik und links!