links_1

links_2

links_3

kontakt

plauderecke

forum

impressum

Ich kann auch im Dunkeln lachen Drucken

Auszüge aus meinem Erstlingswerk:
(Mit geringfügigen Zusätzen aufgeschrieben 1992-95)

Präambel
Evt. doch interessierten Lesern zur einleitenden Erläuterung: Nach meinem stasimäßig verhängten Berufsverbot in der Handelsmarine fand ich eine Anstellung als Techniker im Bezirksjugendobjekt VEB "Jugendmode Rostock", die Textilerzeugnisse "Shanty-Mode" wurde dort gefertigt. Evt. später dazu mehr.
Diese Ausführungen diktierte die subjektive Sicht auf die turbulenten Ereignisse der Nachwendezeit.
Ich hatte damals nur Veranlassung bei gedämpften Trommelschlag nur in Moll ins Horn zu tuten.
Vieles deckt heute der Mantel der Vergangenheit zu. Vieles hat sich zum Guten gewendet. Bei weitem nicht alles.
Leider sind für einen nicht unerheblichen Teil der Ostdeutschen vom Festtagskuchen der Wiedervereinigung nur Krümel abgefallen.
Nicht jeder meiner Leser wird sich mit meinen oft zynischen und auch überzeichneten Ausführungen identifizieren, aber in vielen Betroffenen wird die Geschichte wieder aufleben.

ex Dieser Beitrag ist werbefinanziert und wird Ihnen präsentiert von Speckring-Ex - Ihrem zuverlässigen Speckring-Entferner.

Jetzt auch in der Tube!

 

Deutschland einig Vaterland

Vor sechs Wochen waren alle "DDR-Bürger" die Glücklichsten, als überraschend großzügig unser Monopoly-Geld zur Hälfte in richtiges getauscht wurde. Der Gang aus der Sparkasse lässt die Brust schwellen. Jetzt halten auch alle Ossis "wertvolle Valuta" in der Hand.
Mich erstaunt die gewaltige Wirtschaftskraft unseres geeinten Vaterlandes, aus Milliarden Alu-Ships mal eben pures Gold zu spinnen.
Ab jetzt, in so eine reiche Familie integriert, kann es uns zukünftig doch nur noch gut gehen!

Der Betrieb schickt die Kubaner und die "Fidschis" nach Hause. Sie lassen im Wohnheim ihre verschimmelten Nationalgerichte in den Töpfen zurück und die Vietnamesen im Keller hunderte Kilo mühsam zusammengehorteten Zucker, mit dem sie am Mekong groß rauskommen wollten.
An der Wand steht "Scheiß Deutschland"!
Ich werde nachdenklicher.
Auf wundersame Weise gehen von 24 Konsum- und HO-Kaufhallen der Stadt 22 an die Handelskette SPAR. Das wirkt sich aus Verbrauchersicht etwas ungünstig auf die Preisgestaltung aus.
Vielen fehlt ALDI. Als die erste Filiale eröffnet wird, gleicht das einem Tina-Turner-Konzert.
In "herkömmlichen" Kaufhallen suche ich den Quark aus Schwerin, für ehemals 45 Ost-Pfg. und finde ihn, versteckt für 89 Pfg. aber tief unten und weit hinten. Der Bautzener Senf, der Rotkäppchen Sekt, die Florena-Creme haben sich auch versteckt. Vom Schicksal gezeichnet, im Preis gehoben, aber im Präsentations-Standort gesenkt.
In Sichthöhe springt mir der "Nadone"-Quark für 79 Pfg. und der Münchner "Tigersenf" ins Gesicht. Der bayerische Weißwurstsenf schmeckt wie Apfelmus und die schusssicher verpackte, tuffstein-gehärtete, hochofen-getrocknete Wachtelzungen-Wurst aus dem Hochschwarzwald schmeckt wie versalzene Hefeklöße. Die aufgepusteten Brötchen der Großbäckerei "PurKorn" sind zum Verzehr auf Balkon und Terrasse ungeeignet. An warmen Sommertagen, bei guter Thermik steigen sie auf. Als ich eins davon einweiche, um später das teure Gehackte der Bouletten damit zu strecken, habe ich schließlich nur gatschigen Tapetenkleister im Gefäß.
Das überrascht mich. Aus dem Westen war doch bisher alles unwahrscheinlich gut.
Von diesen paar Ausnahmen abgesehen, findet bei dem plötzlichen Riesenangebot bald jeder seine lukullischen Favoriten und schwelgt in der Fresswelle, sucht aber zunehmend dennoch in Bauch- und Rückenlage unter den Regalen: Vergeblich!
Das "Listing" bremst den Vermarktungsdrang der demzufolge sofort auf dem letzten Loch pfeifenden Firmen der "neuen Bundesländer". Frau Breul sorgt sich dann um die Immobilien und Herr Franke (damaliger Chef des Arbeitsamtes) um die Arbeitslosen der Nahrungsgüterwirtschaft.
Zwei Gespenster schauen bald in alle Betriebsfenster, Frau Breul und die Arbeitslosigkeit.

Der VEB Jugendmode wird so auch für die "Abwicklung" aufbereitet.
Zwei große Versandhäuser stornieren ihre Aufträge. Seit Jahren liefert "Shanty" in deren Katalogen Jeans zum Einkaufspreis von 5,- Westmark. Sofort mit "Deutschland einig Vaterland" kommt das Storno. Ab sofort nicht einmal für 3,- DM!
Wir spüren den extra herunter gekühlten Wind der Marktwirtschaft gegen die ungeliebt mit heran-vereinigte Konkurrenz.
"Konkurrenz belebt das Geschäft" ist die abgegriffenste, heuchlerische Phrase, die wir Neubundesdeutschen zwischen dem Getöse der Abrissbirnen hören, mit denen hurtigst systematisch ein Betrieb nach dem anderen plattgemacht wird.
Sandras Geburtshaus steht auf dem Salzstock, der vom thüringischen Sondershausen und Merkers grenzüberschreitend bis nach Kassel zur westdeutschen "Kali & Salz GmbH" reicht. Bislang wurde auf beiden Seiten nach Kalisalz gegraben. Kurz nach der Wiedervereinigung aber nur noch auf der Seite der "Kali & Salz GmbH" von Kassel.
Bergleute sind hier jetzt weitgehend überflüssig.
Einige fanden als Kartenabreisser oder Gondoliere im Salzsee des Erlebnisbergwerkes einen Job.
Musiker schätzen die gute Akustik in den stillgelegten Salzstöcken. Marathon-Läufern werden bei Bedarf 500 km spärlich beleuchtete Trainingskilometer geboten und interessierten Mountain-Bikern 1200 Meter Höhenunterschiede, bei 37° wohltemperiert.
Das Wasser der Werra allerdings bleibt weiterhin versalzen.

Wenn "Shanty" stirbt, stirbt keine Region!
"Shanty" nähte für den sowjetischen Export Kostüme im Biedermeier-Look und "Flatter-Jeans". In Serienzahlen von 100.000 Stück. In den sibirischen Weiten haben sich die dort hin verschenkten Hosen und Kostüme dennoch nie begegnet. Jetzt kosten unsere Produkte Westgeld, wertvolle Valuta. Nun möchten die Osteuropäer auch nicht mehr.

So kommt schicksalhaft auch aus der östlichen Richtung das Storno; und aus der westlichen … ein pompöser Mercedes auf das noch säuberlich gepflegte Werksgelände. Ihm entsteigt die rechte Hand von Birgit Breul, ein bayerischer Innovativer. Im "Armani-Dress" strahlt er Souveränität aus.
Allen Ossi-Würstchen wird augenblicklich klar, dass sie noch mächtig an ihrem Outfit feilen müssen. Der kommissarisch amtierende Werkdirektor rollt den roten Teppich aus, den früher die Parteileitung bei ZK-Besuchen bediente, küsst dem Innovativen die Hufe, in der Hoffnung, dass dieser für diesen Blindflansch weiterhin Verwendung hätte!
Die Woche darauf ist Belegschaftsversammlung. Breuls rechte Hand, vom vielen "Abwickeln" in ständiger Kreisbewegung, gibt sich jovial und dem Kleinkind einer Näherin einen freundschaftlichen Klaps und schmeißt 1550 Leute breulhändig raus!
Nicht ohne beiläufig sein Bedauern darüber zu äußern.
Dieses und auch das muss man ihm lassen, so kurz und konsequent, dass alle versammelten Plüschis keine Zeit haben, Schmerz zu empfinden oder eine Träne zu zerdrücken. Gelernt ist halt gelernt, auch zum "Abwickeln" braucht's halt "gscheite Leit". Morgen hastet der Innovative zum nächsten Termin.

Aus Übelgönne oder so ähnlich, an der Kieler Förde, zieht die Bundesmarine drei Kampfbleche ab.
Sieben Arbeitsplätze gehen verloren und die Abfindungen liegen laut Sozialplan unter fünfundsiebzigtausend Mark.
Drei Wochen Demo, mit Anketten, Wurfankern und Grafittilosungen:

"Wenn Übelgönne stirbt, stirbt die Region!"

Auch der Gastwirt vom Dorfkrug "Frohe Zukunft" findet die Situation unerträglich!! Die Maßnahmen irrelevant, er könne das nicht nachvollziehen und hat bereits angedacht, in einem Pilotprojekt, dynamisch mit innovativem Gedankengut in einem Modellversuch sich bei den Protesten einzubringen.

Der Aufschwung Ost schwingt sich ein,
aber unerwartet schwerfällig etablieren sich die deutschen Behörden. Die einheimischen Mitarbeiter schwimmen und müssen dabei ja auch noch das Arbeiten lernen.
Einem Mobbing-Opfer der ehrenamtlichen Gemeindeverwaltung von Übelgönne wird jetzt, aufgrund ihrer dort gesammelten, umfassenden Verwaltungserfahrungen, der rechtsstaatliche Aufbau der Struktur der Kreisverwaltung in den "Neuen Bundesländern" übertragen.
Der Revierleiter a. D. der Gebirgsjäger vom oberbayerischen Left im Winkel, (ein Onkel vom Bayern auf Rügen!) widmet sich uneigennützig der Umstruktuierung der Wasserschutzpolizei der pommerschen Boddengewässer. Neben heftigen Danksagungen und dem Beamtengehalt wird diese Opferbereitschaft mit 2000 DM "Buschzulage" zusätzlich honoriert. Ein wenig Ausgleich, für das harte Leben in der Taiga. Sein neu-bundesländischer Stellvertreter bekommt 63% vom Lohn des Pförtners der alt-bundesländischen Behörde.

Beim Arbeitsamt flutscht es aber schon. Vier Striche senkrecht, einer quer. Am Monatsende werden die gebündelten Pakete nach Nürnberg gemeldet. Dort stellt dann Herr Franke einen stetig wachsenden, bereinigt und witterungsbedingten Zuwachs der Beschäftigungslosigkeit fest.

Bei der "Shanty"-Abwicklung sind die Strichmacher schwer Kumpel. Weil heute hier ein mittlerer Posten anfällt, bauen wir den öffentlich Dienstlichen zehn Tische in der Bockwurst-Kantine auf und dann legen die los. Ambulante Versorgung. Ratz-batz ist alles klar. 1550 "Werktätige" marschieren in 36-iger Reihen in die Arbeitslosigkeit. Stillschweigend, keiner nimmt Notiz!
Bei'm Hinausgehen überreicht die völlig übernächtigte Kaderleiterin, mit Ringen unter den Augen, als letzte Amtshandlung den gewesenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die "Kaderakte".
Bereinigt natürlich und somit hauchdünn ist meine eins prallgefüllte Krankenkartei, die mir auf jeder zweiten Seite "fehlende Klarheit im Kopf" attestierte. (Dazu evt. späte mehr.)
Die Genossinnen der Kaderabteilung haben, wie ihre Vorgesetzten bei der Stasi, die vergangenen Tage und Nächte durchgeknechtet. Dass der Reißwolf "made in DDR" das überhaupt durchgehalten hat. (In der DDR war eben doch nicht alles schlecht!)
Die Welle vom Reißwolf ist allerdings total blau angelaufen, ausgeglüht!
Ich bestaune meine abgespeckten Begleitpapiere. Zwei Berufsverbote, Rückstufung vom Ing-4-Gehalt zur Lohngruppe, politisch motivierte Disziplinarmaßnahmen … alles hat der Reißwolf aus der Welt geschaffen.
Von dem Makel der politisch-motivierten Rückstufung vom Ingenieur zur Lohngruppe werde ich rehabilitiert. Interessiert aber nicht mehr!
"Juhu", jubele ich, damit werde ich Staatsratvorsitzender!"

Ich werde arbeitslos, aber mit 6000 DM Abfindung reicher.

Bei 800 jungen Näherinnen, die, wenn unter 25 Jahren, keine Abfindung bekommen, bessert bereits nach einem halben Jahr die Dynamisierung das Arbeitslosengeld auf. Nach einem weiteren halben Jahr geht's dann aber rapide bergab.
"Ich bitte Sie", sagte Minister Blüm auf der Rostocker Neptunwerft, "wir sind doch ein Sozialstaat".
Das beruhigt vorübergehend.
Von der Neptunwerft steht nicht mehr viel, jedenfalls nichts, womit man Schiffe bauen oder reparieren könnte. Aber eine denkmal-geschützte Mauer, der nur berufsmäßige Schützer etwas abgewinnen können. Sie ähnelt auf dem planierten Gelände, mit ihren schlank aufragenden Konturen, der Ruine der Dresdener Frauenkirche.
Für die Dresdener Frauenkirche wird gerade in England Bombengeneral Harrison geehrt, für die Halbruine der Neptunwerft in Bonn Wirtschaftsminister Rexroth.
In aller Bescheidenheit weist dieser, wie der Orchesterleiter nach dem Aufbrausen des Beifalls, auf seine erste Violinistin. In diesem Fall die Virtuosin Birgit Breul.
Die Dresdener Frauenkirche wird wieder aufgebaut.
Sandra und ich werden arbeitslos und unsere Miete für die "Platte" um das 5-fache angehoben. Etwa auch um den gleichen Faktor die Gehälter der Wohnungsverwalter. Der extra zu diesem Zwecke importierte Innovative bekommt das ratz-batz auf die Reihe. Das ehemalige "Kollektiv" der Wohnungsverwaltung moutiert zum "Team" und als die ersten Gewinner der Wende, zeigen sie auch Teamgeist.
Sie jubeln sie sich ihre Gehälter auf 100% West hoch. Die Mieter bezahlen diese fürstlichen Dienstbezüge.
Erheblich hochgejubelt werden auch die Gebühren für Wasser (in aller Form), Wärme, Strom, für Müll und Bundestagsabgeordnete!

Die Mülldeponie Ihlenberg /Schönberg, im Grenzgebiet nahe der Hansestadt Lübeck angelegt, war ständiger Zankapfel und belastete heftig die innerdeutschen Beziehungen. Lübeck verlangte permanent die Schließung und bezichtigt die DDR der Grundwasserverseuchung. Die Lage ist unerträglich!
Ihlenberg wird bundesdeutsch, aber wer hier jetzt die Plattmacher erwartet, wundert sich über die nicht abreißende Folge der Mülllaster aus den alten Bundesländern.
Selbst weit vom Tegernsee rücken sie an. Wer jetzt im Mutterland noch paar heiße Müllsäcke rumliegen hat, der bringt sie schnell gegen Gebühr nach Schönberg oder ohne Gebühr in eine andere lauschige Gegend des Beitrittgebietes. So manche Kommune sitzt danach auf Bergen alter Autoreifen.
Auf wundersame Weise klärt sich im Selbstlauf das Grundwasser um den Ihlenberg.
Besonders Lübeck schätzt bis heute die sehr praktische Möglichkeit, sich dort seines Mülls zu entledigen.

Das Fernsehen leuchtet jetzt hinter die streng gehüteten, sagenumwobenen DDR-Heiligtümer. Die Zuschauer schauen in die Gefängnisse, Kasernen und Stasieinrichtungen.
Ständiger Groll der DDR-Benachteiligten waren die viel zitierten Privilegien der führenden SED-Genossen.
Die Insel Vilm, wo nicht die Götter, aber die ZK-Halbgötter Urlaub machten, wird Jedermann zugängig. Und Jedermann vermutete Protz und Prunk und wird enttäuscht. Jedes 3,5-Sterne-Hotel von Malle kann da locker mithalten.
Den Wohnalltag verbrachten die Genossen in der Waldsiedlung "Wandlitz", vom Wachregiment "Felix Dscherschinski" gesichert und abgeschirmt. Auch hier vermutete der Werktätige goldene Betten und alles vom Feinsten. Die honorigen Bewohner hatten ein gemeinschaftliches Hallenbad, verchromte Wasserhähne und Satellitenfernsehen und aßen Sarotti-Schokolade, nicht Vitalade oder Schlager-Süßtafeln aus Delitzsch. Der Werktätige bezog sein Wasser aus einem "Plaste-Hahn" und sollte sich ausschließlich von der "Aktuellen Kamera" informieren lassen.
So gewaltig waren die vermuteten Privilegien und der Unterschied zum Normalbürger nicht. Und auf keinen Fall so, wie heute die Schere zwischen 63% vom westlichen Tariflohn des Normalverdienenden zum Diäten-Niveau seiner Regierenden auseinanderklafft.
Der Treuhand-Chef Detlev Carsten Rohwedder hätte nach der Wende wahrscheinlich Honeckers Bungalow in Wandlitz von zwei Monatsgehältern kaufen können, aber sicherlich abgelehnt, in dem spärlichen Ambiente auch nur 3 Nächte zu übernachten.
Mit heutiger Sicht und heutigem Sprachgebrauch, begnügten sich die leitenden Genossen mit "Peanuts". Die Diäten und Privilegien der jetzigen Parteigrößen, nebst Nebeneinkünften, Steuerhinterziehung, Korruption und Lobbyisten-Tantiemen sind da schon bemerkenswerter.

Wie wir jetzt täglich erfahren und besonders von den oberen Chargen der Treuhand vorgelebt bekommen, wird nun noch ganz anders zugelangt, auf Kosten des "Volkseigentums" und der Steuerzahler!
Nur als kleine Gedankenstütze: beim Bremer "Vulcan" verdunsten 800 Millionen DM Aufbau Ost aber die Neptun-Werft geht krachen. Bei "Bestwood" in Ribnitz verflüchtigen sich nur 20 Millionen in die Schweiz
Mal eben so.

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt
Neun Techniker und zwei Buchhalterinnen werden zur Erblassbetreuung- und verwaltung von "Shanty" wieder eingestellt. Ich bin dabei.
Der Arbeitsvertrag ist auf 3 Monate befristet. Das Glücksgefühl ist überwältigend, meine Dienstbezüge sind es nicht.
Unser jetziger Vorturner ist ein von Hamburg aus sequestender Anwalt.
Der Lange, Christian, Heissenborn ("Borni"), Philip, E-Mix "Phase" und ich, wir bewachen, verteidigen und verschrotten die Konkursmasse des VEB "Jugendmode Rostock"

So ein neuer BOSCH-Trennschleifer wurzelt am Tag ordentlich was weg.
"Borni" kerbt sich damit die Kniescheibe ein und muss danach etwas länger relaxen. Und gehbehindert 100 Formulare ausfüllen. (Niemals Betriebsunfall sagen – beim Brotschneiden passiert, oder so!)

Der Trennschleifer und eine Phillips-Taschenlampe sind die einzigen Investitionen zur demontagemässigen "Abwicklung" und Bewachung der Erbmasse.
Ich brenne.
Der Funkenflug vom Trennschleifer hat mich angezündet. Unter Helm, Schutzbrille und dem umwickelten Arrafat-Tuch aus dem Putzlappen-Ballen bemerke ich das nicht. Der lange Rossinski umarmt mich mit Putzlappen ganz inniglich, bis ich nur noch rauche. Ich frage ihn, ob er plötzlich schwul sei? Die noch heftig glösternde Wattierung der grauen Wattejacke rehabilitiert ihn. Die vorzüglich wärmende Isolierung stinkt angekokelt mordsmäßig.

Nach dem wir den 15. Schrottcontainer, mit fein säuberlich zerbrannten und zerschnittenen, einst Hochleistungs-Maschinenteilen gefüllt haben, gewährt uns der Abnehmer Rabatt…. auf die zu entrichtende Abholgebühr!
Die ausgeglühte Welle vom Reißwolf der Kaderabteilung ragt blau schimmernd aus dem Schrottberg. Ich verpasse ihr nachträglich noch ein paar Schrammen mit dem Trennschleifer.
Voodu-Kult!

exJetzt auch in der Tube!

Gerade dieser Betrieb war - auch west-standardmässig betrachtet - hochmodern bestückt.
Zumindest bei dieser Produktionsstätte handelt es sich nach der Wende nicht um den viel zitierten maroden Ostschrott, der ja von sich aus, mit erhobenen Händen, sich nach der treuhändischen Abrissbirne sehnt.
Die jetzt über uns herfallenden Leichenfledderer stehen mit offenem Mund in den Nähsälen. So riesig flächendeckend, in so geballter Form, hat noch keiner dieser Insider modernste Ausstattung irgendwo vorgefunden!
Jede Näherin arbeitete an einem Computer-Arbeitsplatz. Dieser wies die Quote ihrer Normerfüllung aus, unter Berücksichtigung der Leerlaufzeit, die sie mit Rauchen oder Pippi-Machen vergeudete. Mit Hilfe dieses Rechners konnte jeder Arbeitsplatz zu jedem über einen Kreisförderer seine Erzeugnisse senden. Der Kreisförderer wurde kurz vor der Wende für drei Millionen "wertvolle Valuta" installiert. Die Näherinnen arbeiteten zum größten Teil an den neusten Modellen von Dürkopp- und Pfaff-Maschinen, an amerikanischen Union-, an japanischen Yamato-Hochleistungsmaschinen.
Zugeschnitten wurde computergesteuert, 60 Lagen übereinander, auf zwei modernen spanischen Investronica-Strecken, in 20 Minuten ca. 1500 Jeanshosen.

Ein riesiges Problem – nämlich meins als Gruppenleiter – war die Instandhaltung dieser high-tec.
Die DDR-bekannten Ersatzteilprobleme und die uns damals noch nicht bekannten, hinterlistig eingebauten Sollbruchstellen, die die ausgebufften westlichen Marketing-Experten schon mal den 1/17tel zölligen linksgewindigen Innen-Imbus-Teilen verpassten, an der sich dann der DDR-Ratio-Mittelbau die Zähne ausbiss. Tagelang schafften sich dann mehrere hochqualifizierte Metaller an dem Teil, um 4,95 US-Dollar wertvolle Valuta einzusparen. Das wurde dann entsprechend im Brigadetagebuch, im Titelkampf und bis nach weit "oben" gebührend gewürdigt, während unten die Maschine - eben wegen diesem nachgebastelten Teil aus Wald- und Wiesenstahl schon längst wieder weggetreten war. Trotz modernster Technik sind die Techniker Beschäftigte beim "Flick-Konzern"!

Aber Frau Breuls Abwickler schauen in die Nähsäle nicht hinein, täten sie es, dann wie ein Schwein in's Uhrwerk. Die Ausstattung und Überlebensfähigkeit eines Betriebes einzuschätzen, gehört schließlich auch nicht zu ihrem Auftrag, denn der lautet: "Abwickeln"!
Nicht einen einzigen Begutachter mit Ahnung haben wir vor dem befohlenen Plattmachen des Betriebes die Türen öffnen müssen!

Die Filetstücke gehen für einen Appel und zwei Eier an Interessenten und Hersteller. Dürkopp z.B. kauft seine hochwertigen Maschinen zurück, die wir vor zwei Jahren zum Stückpreis von 30 000,- DM importierten. Den Rückkaufpreis habe ich vorsichtshalber vergessen!
Auch Polen und Russen holen sich äußerst kostengünstig ein paar Schnellnäher ab.
Schließlich ist alles von Wert irgendwie verdunstet.
Wir haben Tränen in den Augen, die Schutzbrille verdecken sie glücklicherweise.

Der Angriff auf Fort Nox
Ich nehme mir mit Phillip den ungarischen Großrechner im 5. Stock des Verwaltungsgebäudes vor. Für mich und meine angegriffene Kaderakte war diese Etage einst Hochsicherheitstrakt, ähnlich Fort Nox. Ein Sesam hinter eiserner Gittertür, nur mit Nummerncode zu überwinden.
Aus dem 5. Stock prasseln wir die Teile auf den Hof, elektronischer Sondermüll. Die tortenteller-großen Disketten segeln besonders gut mit den einst so hochbrisanten Daten, der Flügeltaschen-Flatter-Jeans. Auf diese Schnitte wäre der Klassenfeind angeblich besonders erpicht gewesen. Daher die Fort-Nox-mässige Sicherung.
Die Enttäuschung ist herb.
Die Öffnung unserer Geheimarchive lässt den MOSSAD und KGB völlig kalt. Dem BND ist wahrscheinlich auch der hohe Betriebszaun und unsere wachsame Dauerbewachung eine Nummer zu groß.
Die Spezialisten aus Pullach lecken sich gerade schmollend ihre Wunden. Trotz sorgfältigster Tarnung sind sie bei pfiffig geplanter Verschiffung von paar NVA-Panzerfahrzeugen ertappt worden. "Landmaschinen" steht auf den Exportpapieren und der Abdeckplane. Ein Hafenarbeiter in Hamburg schaut darunter und petzt. Wer kann das voraussehen?
Schalck-Golotkowski wohnt jetzt mit ein wenig DDR-Vermögen recht komfortabel am Tegernsee. Den hätte der BND doch mal fragen können, wie man Landmaschinen als Wirtschaftshilfe den befreundeten "Entwicklungsländern" fachgerecht zur Verfügung stellt! Für noch kompliziertere Härtefälle stände ja auch noch Micha Wolf zur Verfügung. General Mielke weniger, der liebt uns zwar jetzt alle, ist ansonsten aber zu dumm, einen Eimer Wasser umzukippen.
Inzwischen sind die NVA-Landmaschinen über Nepal und die Osterinseln doch noch rechtzeitig in den kurdischen Bauerndörfern eingetroffen. Sie werden dort türkischerseits, wie man in der Tagesschau sieht, sehr effektiv gegen die Probleme der Überbevölkerung eingesetzt.

Von den schwächelnden Geheimdiensten unbemerkt, bewahren die "Shanty"-Schnitte der Flügeltaschen-Jeans ihr Geheimnis und bei der DDR-Jugend ihren Ruf als "Flatter-Jeans", weil im heftigen Küstenwind sich die zu große Weite um die Waden wickelt.

Das kleine und das große Schnäppchen
Der einst leidensfähige und permanent mit Versorgungsengpässen groß gewordene, gelernte DDR-Bürger gewöhnt sich überraschend schnell an die westliche Normalität.
Er ist plötzlich wählerisch.

Vorher genügten die "Boxer" oder Flatter-Jeans, jetzt ist die Vorvor-Jahreskreation der "Made in Taiwan"-Modelle nicht mehr zeitgemäß. Wer auf den konkurrenzlos angebotenen Ramsch bei "Kaufrausch" keinen Wert legt, reiht sich mit seinem "Neuen" oder auch "Gebrauchten" im Stau vor dem niedergemachten Grenzübergang "Schlutup" ein.
Auf einem geschotterten Parkplatz im Neubaugebiet eröffnet in einer provisorischen Traglufthalle eine Filiale der Warenhauskette "Kaufrausch". Eröffnungsangebot: Hochwertige Textilien, top chic und aktuell, die rein wegen des fehlkalkulierten Überangebotes vor 3 Jahren beim Winterschlussverkauf in Hamburg nicht absetzbar waren.Die neu eingestellt und mächtig aufgemotzte Ungelernte - (arbeitslose Fachverkäuferinnen wurden Lohnkosten-sparend nicht berücksichtigt) - schreibt mit einem roten Filzer zwei Preise auf vorgefertigte Schildchen. In vierstelligen Preisen kommen stets 3 Neunen zur Anwendung.

Danach streicht sie mit einem Lineal immer den oberen, teureren Preis durch. Dem billigern, jetzt ordentlich ins Auge stechenden Betrag wird noch ein kleines "nur" vorangestellt. Das Durchstreichen stimmt alle Verbraucherinnen und Verbraucher fröhlich und verdeutlicht die Berechtigung des kleinen "nur".

Ein Pullover weckt mein besonderes Interesse:


79,99 DM
nur 59,99


"Dafür muss ich ja einen ganzen Tag arbeiten. Da warte ich bis zum Winterschluß-Verkauf", beschließt ein gleichfalls interessierter, blau-gelb gekleideter FDP-Wähler neben mir.
Ich beneide den Besserverdiener und nutze sein kostendämpfendes Insider-Wissen. Am Montag der nächsten Woche, stehe ich in der Morgenkühle in aussichtsreicher Position vor der Plexiglastür. Durch die Glastüre sehe ich die werbewirksame Dekoration, vorwiegend Neunen und "nurs".
Während der stupiden Warterei, tausend Neunen und "nurs" vor den Augen sinniere ich über den Verbesserungsvorschlag, das 99-Pfennigstück und den 9,99-DM-Schein einzuführen.
Später beschlägt das Glas von meinem Hauch und die Neunen verschwimmen. Um mich herum wird es eng. Es riecht nach Knoblauch. Ich esse auch gern Knoblauch, aber nicht vor so einem imens wichtigen Ereignis.
Der Besserverdiener steht sieben Reihen hinter mir. Er hat nur Sliks aufgezogen.
Herr "Kaufrausch" persönlich öffnet von innen, hechtet zur Seite und ich zu meinem angepeilten Pullover:


99,99 DM
nur 79,99


Bei "Kaufrausch" suche ich nach dem Winterschlussverkauf Glysantin und treffe einen ehemaligen Techniker von "Shanty" Er betreut bei Tag die Lüftung, Heizung und Elektrik und bei Nacht und Sturm die Halteseile des gemieteten Zirkuszeltes. Meistens jagt er aber die Ratten in dem luftigen Tempel und seinen Kröten nach, "1100 DM Netto! Mehr geht im Moment wirklich nicht!" erläutert der Sahib. "Die Investitionen für den Verkaufspalast sind ja ganz enorm und müssen erst einmal eingefahren werden".
Beim Einfahren fällt der Paderborner für 3 Wochen aus. "Der Ärmste müsste angeblich im bayerischen Left im Winkel therapiert werden, weil er nach dem Winterschlussverkauf vor Lachen nicht mehr in den Schlaf kam" berichtet mir eine Kassiererin an der zugigen Kasse mit vorgehaltenem Handschuh.

Baukunst
Nach der Schneeschmelze tropft es bei "Shanty" in den Nähsälen. Wir bauen ganze Kaskaden an Auffanggefäßen, um die Immobilie vor dem eindringenden Wasser einigermaßen zu schützen
Im Sommer verdursten darin die Rotkehlchen oder ersaufen im Silikonöl. Die Spatzen sind raffinierter und finden wieder hinaus. Im veralgten verlassenen Aquarium der Computerleute vertrocknen mumifiziert die Guppys, im sonnenüberfluteten Eckzimmer der Parteileitung der riesige Gummibaum. Seine Blätter kann man jetzt in der Pfeife rauchen. Nur der schöne Keramiktopf ist noch von Interesse, ebenso, wie mittlerweile die Bausubstanz des Gebäudes.
Die Treuhand wirbt um Interessenten. Für 40 Millionen DM gedenken die Wirtschaftsweisen das Volkseigentum zu privatisieren. Ab uns zu rauscht auch mal ein Mercedes mit einen mittelmäßig Interessierten aus westlicher Richtung an. Als ich während meiner Wache verkaufsfördernd bereitwillig einem betuchten potentiellen Investor Tür und Tor öffnen möchte, winkt der nach 3 Minuten dankend ab: "Aber nicht für 40 Millionen" und schwup, weg ist er


"Hervorragendes Objekt der Baukunst"
Architekturpreis der DDR 1983


…steht auf einer auf antik getrimmten Ehrentafel mit den Namen der honorigen Architekten am Portal des Verwaltungsgebäudes. Jetzt verziert die Tafel (ohne den Namen hervorragender Architekten) mein Wochenendhaus.

Das hervorragende Objekt wird schließlich gesprengt!

Vorher wird aber noch heftig eingebrochen, in meine Datsche, im "Fidschi-Kiosk" über der Straße und bei "Shanty". Wir verteidigen unser Objekt mit Zähnen und Klauen und warten auf Investoren. Ich nutze die verbliebene Werkstattkapazität und den letzten Sauerstoff in den Gasflaschen zum Vergittern meiner Datsche. An die Gitter lege ich noch ein paar Völtchen Weidezaun-Strom. Kraftstrom wäre angebrachter aber "Mutmaßliche Täterinnen" und "Mutmaßliche Täter" darf man neuerdings keinesfalls beschädigen! Also unbeschadeten Zutritt muss man denen schon gewährleisten.

Eins, zwei, drei, vier Eckstein …
Auf dem gegenüberliegenden S-Bahnhof ist riesige Randale. Nur Teile aus hochlegiertem Panzerplattenstahl werden nicht pulverisiert. Wir rufen die Beamten bzw. die, die sich um diesen Status verbissen bemühen.
Wir hören ihre Tute!
Eins, zwei, drei, vier Eckstein, alles muss versteckt sein. Wir kommen!
Die Uniformen rauschen, einen eleganten Halbkreis radierend, auf dem großen Vorplatz vor unseren gläsernen Wachpavillon, weil von dem aus ja angerufen wurde. Ist doch logisch!
Zum Zwecke der Klärung eines Sachverhaltes wird wenigstens die Tute abgeschaltet, das Blaulicht blitzt weiter.
Die Bahnhofsdemolanten stellen nach und nach ihre Aktivitäten ein und verlassen gemächlich die Stätte der Verwüstung.
Am nächsten Abend, nach Einbruch der Dunkelheit, fassen wir mehrere Breitseiten Schottersteine vom Bahndamm ab. Wir sitzen im Glaskasten. Der "Lange" ragt übertrieben weit in die Höhe und ist das markanteste Objekt im Fadenkreuz. Er wird gleich wie die "Hood" von der "Bismarck", bei der ersten Breitseite erwischt und muss in der Allende-Klinik genäht werden. "Borni" hechtet in Fliegerdeckung unter den Schreibtisch und wartet auf das Abebben des Glassplitterhagels.

Der "Flick"-Konzern, die zweite
Eine Woche verschrotten, eine Woche wachen. Der Dienstplan ist schwer überschaubar. Der Arbeitsvertrag gilt drei Monate, wurde aber um den gleichen Zeitraum verlängert, was für ein Glück!
Das Verwaltungsgebäude und einige Werkstatträume sind teilvermietet und beheizt. Bei den nächtlichen Durchgängen im Schein der Taschenlampe ballern in dem riesigen Labyrinth die Wärmespannungen der Heizung. Aus den recht unzuverlässigen und verzogenen Fenstern des "ausgezeichneten Baumwerkes" flattert nachts eine Gardine. Einbruch oder Schließproblem, mal nachschauen?! Kein Job für Bangbüchsen.
In den leerstehenden Teilen der vier riesigen Gebäude werden die Heizkosten minimiert. Sahib ist ein sehr sparsamer Charakter und die Ossis, das ist ja nun wirklich unbestritten, müssen erst noch das richtige Heizen lernen.
Kälteeinbruch – Frostschaden – Überflutung, wir basteln, flicken und schnitzen aus dem Stück, wie in alten Zeiten, nur noch primitiver.
Wir sind in gewohnter Weise weiterhin beim "Flick"-Konzern unter Vertrag und zehren von unseren schrumpfenden Lagerbeständen und überstehen abgezehrt den Winter, begrüssen den Frühling und die Verlängerung unserer Arbeitsverträge um weitere 3 Monate.

Es gibt keine Maikäfer mehr
Ich spiele auf dem nächtlichen Hof mit der Fledermaus. Ich schmeiße einen Klumpen vom Maulwurfhügel und die Fledermaus ihr Radar an und versucht das unknown flying objekt näher zu erkunden. Das funktioniert auch mit Kronkorken. Wir sind ein eingespieltes Team und kennen unsere gegenseitigen Tricks von vielen Rundgängen.
Der Igel tritt jetzt aus dem Dickicht des schlecht gepflegten Rasens. Auf dem Beton hat er längere Beine als im Gras und an der Flanke eine offene Wunde. Ich lege ihn zusammengekugelt auf meine flache Hand und nehme ihn mit vor zur Wache. Sepso beinhaltet unser hölzerner Apothekerschrank mit dem roten Kreuz auf der Tür. Ein viertel Fläschchen träufele ich dem Igel über seine Verletzung. Er war gerade dabei, halbzutraulich sich vorsichtig zu öffnen, nun bei der rauen Behandlung geht er wieder enttäuscht in sich.
Die nächsten Nächte treffe ich ihn aber wieder. Er ist guter Dinge und stellt auf dem warmen Beton den gelben Schnecken nach und schmatz beim genüsslichen Verzehr dabei ganz entsetzlich.
Ich halte dagegen mit meinem Apfel aus dem Blaumann und dem "Alten Land".

Die vom großen Benamucki prophezeiten blühenden Landschaften kommen in Schwung.
Auf dem Werkshof blüht prächtig der Löwenzahn.
Die Rasenfläche am Zaun ist Übungs- und Begegnungsstätte für Maulwürfe. Diese werfen täglich neu mit ihrem Maul. Nach der neuen Gesetzeslage sind diese Mundschmisse geschützt. Der Schutz wirkt appetitanregend. Wenn die Mundschmisse unterirdisch, gutgelaunt und organisiert in 36er-Reihen zwischen den Engerlingen ordentlich aufgeräumt haben, singen überirdisch traurig ihre Beschützer Reinhard Mai's in Moll gehaltenen Song: "Es gibt keine Maikäfer mehr".

On the Road again
Um 17.30 Uhr rollt ein Mordskoffer von Truck vor die Schranke. Kein Wunder, dass die für den schmächtigen W-50-LKW konzipierten Straßen dabei in die Breite quellen.
Der Trucker hat in Hannover 30 Tonnen Drogeriebedarf geladen, für die Firma "NEW Flair" in unserem Gebäude. Florierender Drogerie-Großhandel. Die Ossis verwenden doch ihre Restbestände des sowjetischen Erfolgsparfüm "Sascha extra dry" nur noch für den Hund und stehen jetzt auf "Gabriela Sabatini" und "Extase"
Bei "NEW FLAIR" ist alles duster, das Management telefonisch unerreichbar.

Ich empfehle dem Kumpel Trucker die kostengünstigen Rostocker Übernachtungsmöglichkeiten oder das gerade fertiggestellte Bordell am Knochenberg.
Im Gegenzug höre ich die herzerweichendste Story meines Lebens, warum das Zeug allerschnellstens von seiner Ladefläche muss, anderenfalls würde er nach seinem Suizid mir unterlassene Hilfeleistung anhängen.
Er würde für meine Unterstützung auch schwer was rüberwachsen lassen und überhaupt und alles und so. Ihm stehen sie schon, mir fast, die Tränen in den Augen.

Wir haben mit "NEW FLAIR" absolut nichts zu kriegen, aber einen versiegelten Firmenschlüssel für den E-Fall.

Ich mache unseren klapprigen Stapler, Marke Balcan-Car klar und beiße mir in stillen Stunden dafür heute noch ein Monogramm in den Mors.
Ich erkläre den Trucker und seine 30 Tonnen Gutriechendes zum E-Fall. Kraft des Schlüssels im verschlossenen Umschlag dringe ich bei "NEW FLAIR" ein. Der Trucker rangiert gekonnt, schwer Ahnung hat er ja, im Gegensatz zu mir.
Ich schindere auf dem Stapler dreieinhalb Stunden wie eine Hafennutte, ohne die entsprechende Qualifikation und TÜV-Abnahme. Er karrt oben auf der Ladefläche mit dem Hubwagen die Paletten vor.
Wenn ich mit der protzigen Stapelgabel daneben steche und "Gabriela Sabatini" von hinten erwische. Oh hä! "JOOP" hätte vielleicht nichts dagegen.
Hoffentlich erwische ich nur was billiges, Schmierseife evt. im Plastikbeutel, wenn es schon sein muss.
Im Notfall müsste ich halt meine frische Rechtsschutzversicherung testen, die hat mir die jüngst im Bürogebäude eingemietete "Kuriosita"-Versicherung wärmstens ans Herz gelegt.
"Reiß Dich zusammen", derartige Gedanken murmele ich vor mich hin. Aber der auf dem letzten Loch pfeifende Stapler übertönt alles.
30 Tonnen stehen palettiert, sogar einigermaßen auf Kante, im Lager von NEW FLAIR.
Der antiquierte E-Stapler hat nur noch 4 Permuckels in den Akkus. Am nächsten Tag schweiße ich die angebrochene Stapelgabel. Das entsprechende Ticket dafür habe ich nicht.
Profis grinsen jetzt, mir stand er ganz schön, der Schweiß auf der Stirn. Der Trucker und ich hauen uns als frisch gegründete Solidargemeinschaft gegenseitig auf die Schultern, dadurch plumpsen zwei Steine von unseren Herzen. Der seinige klingt nach klingender Münze, meiner verschafft mir nur einen blauen Zeh.
Es ist dunkel geworden. Ich humple zum Hauptschalter, um die Beleuchtung des Werksgeländes einzuschalten. Mein Kumpel aus Hannover klariert derweil sein erleichtertes Monster für die Rückreise und …… donnert kurz darauf vom Gehöft, fröhlich hupend an mir vorbei. Die Halo-Beleuchtung bemüht sich noch um volle Leuchtkraft und ich mich um meine Fassung.

Ich hefte bei NEW FLAIR einen Zettel mit meinen Personaldaten an die Paletten, um einen überhasteten Personalabbau vorzubeugen, auf Grund der angenommenen Rückkehr der Heinzelmännchen. Ich entschuldige mich auch schriftlich für den Gebrauch des Firmen-Schlüssels.
Bei meiner nächsten Frühschicht bedankt sich die Gattin des Firmenchefs: "Dafür trinken wir "mal(!)" ne' schöne Tasse Kaffee zusammen!"
"Na, bei den gestiegenen Wasserpreisen verringert das aber das Betriebsergebnis mindestens um 30 Pfg." denke ich leise. Leise denken habe ich wieder eingeführt.
Zu der schönen Tasse Kaffee kam es aber nicht.

Aktion "Handtasche"
Laut Wetterbericht, der jetzt innovativ aus Hamburg, nicht mehr aus Warnemünde gesendet wird, ist abends mit zunehmender Dämmerung zu rechnen.
Leute machen sich in der Öffentlichkeit rarer.
Auf dem umwucherten Weg vom S-Bahnhof Evershagen zu den Plattenbauten mag abends keiner mehr flanieren.
Die herrenlosen Katzen allerdings tangiert das nicht. Sie finden's jetzt romantisch. Von barmherzigen Ommis aus den Einraum-"Wohn-Klos" des nahen "Sonnenblumen-Hochhauses"
Um- und versorgt, haben sie jetzt alle Hände voll zu tun. Sie sind im Gebüsch- und teilweise zum Entsetzen der Ommis, in aller Öffentlichkeit mit ihrer Vermehrung beschäftigt. "Das kommt nur von den vielen Sex-Filmen im Fernsehen" konstatiert eine alte Dame, die sich um die Tiere schon länger sorgt. Zuvor kloppt der Kater in Vorstellungsgesprächen unheimlich auf den Putz. Dann himmelt sich das Paar lautstark gegenüber sitzend an. Freaks von modern-sound verwechseln das oft mit den Klängen von "Enjoy-Radio" und suchen im Gebüsch das vermeintliche Kofferradio.
Mi dem Fuchs haben die Katzen anscheinend ein populations-erhaltendes funktionierendes Stillhalteabkommen.
Diese ökologische Nische schafft aber auch menschliche Arbeitsplätze von denen die meisten Branchen nur träumen. Ohne Fördermittel, freischaffend in gleitender Arbeitszeit, reinigen nach Einbruch der Dämmerung in Teamarbeit Jungfacharbeiter und Sozialhilfeempfänger die Handtaschen von S-Bahn-Spätheimkehrerinnen und Spätheimkehrern oder sonstigen Verspregtinnen und Verspregten. (Wegen der Schwarzer und anderen emanzischen Emmas!)
Lt. Sozialplan werden Ommis vorrangig abgefertigt. Deren überdimensionale Transportbehältnisse erfordert allein der Katzenfuttertransport oder die Geschenke für die Enkel, nicht die Masse der Rente. Die Dauernden Raubüberfälle rufen die Hüter des Gesetzes auf den Plan.
Diese klopfen gen 21.00 Uhr bei uns an den Glaspavillon, vereidigen und erläutern uns die ausgetüftelte Strategie gegen die illegalen Handtaschenräuber. "Die Branche ist geliefert" das steht für uns danach fest! In Phillip keimen Mitleidsgefühle.

 

exJetzt 30 Minuten kostenlos testen!

 

Ich bin etwas herzloser und stelle meine Ortskenntnis zur Verfügung. Das Eckzimmer im 4r.Stock des Verwaltungsgebäudes (das mit dem vertrockneten Gummibaum) ist die ehemalige Residenz der Parteileitung. Nach meiner Meinung böte dieser Aussichtsposten auch heute noch einen flächendeckenden Überblick in die für die Beamten vertrauter, anheimelnder Atmosphäre. Zur Optimierung. Zur Optimierung der Zugriffszeiten empfehle ich für den Fahrstuhl und dem E-Fall die Stand-By-Stellung" des Aufzuges. Die Parteileitung, das weiß ich aus Erfahrung, war damit im E-Fall immer rechtzeitig vor Ort. "Die Zeiten sind heute schnelllebiger geworden", werde ich belehrt, "wir müssen, sozusagen möglichst in Körperkontakt, an den mutmaßlichen Täterinnen und mutmaßlichen Täter heran", so die Beamten. Daher quartieren sie sich zu ebener Erde, bei uns im Glaskasten ein, entnehmen ihr übertrieben großes Funkgerät dem Lederfutteral, richten die Antenne und stellen kodierten Funkkontakt zur Gegenstelle im "Sonnenblumen-Haus" her.
"Möwe" ruft "Albatros", "Möwe" ruft "Albatros" …1, 2, 3, ……
In dem Hochhaus hat Oma Dippermeier, unter Wahrung der Konspiration, ihr Wohn-Klo samt Balkon für die Aktion "Handtasche" zur Verfügung gestellt. Allerdings mit der einschränkenden Massgabe, dass die balzenden Katzen bei den zu erwartenden Massenverhaftungen verschont werden.
In unserem Wachpavillon berichtet im Fernseher "Der Förster vom Silberwald" von ähnlich atemberaubenden Schlägen gegen das organisierte Verbrechen. Wild-Diebereien! Das findet hier bei uns im Flachland weniger Beachtung. Die Beamten lachen ohnehin über derart diletantisches Vorgehen. Wir lauschen ihren Erfahrungsfundus, stellen Fragen zur heutigen, wahnsinnig komplizierten Rechtslage und befühlen das edle, sammetweiche Material ihrer Handschuhe, womit sie eine "mutmassliche Täterin" oder einen "mutmasslichen Täter", wenn es sich schon nicht vermeiden lässt, berühren dürfen.
"Einigermaßen weich war früher nur das Material Eures Gummiknüppels" flechte ich als Diskussionsbeitrag ein und füge abschwächend hinzu: "Aber als Helfer in Jugendfragen war das doch das probateste Mittel!" wie es sich jetzt von rückwärts besehen besonders deutlich darstellt.

"Mutmassliche Täterinnen" und "mutmassliche Täter" so erfahren wir, müssen stets gut erhalten und geständig abgeliefert werden, sonst sind sie wertlos. Für die Erhaltung dieser Kriterien ist das geschädigte Opfer selbst verantwortlich. So lernen wir in der Unterhaltung eine Menge Tricks und Kniffe, die uns mit der übertriebenen Härte des Gesetzes jetzt beruhigt umgehen lassen.

Der "Förster vom Silberwald" hat alles erledigt. Kinderspiel. IM "SAT1" beginnt das Porno-Programm. Die Beamten beantworten unsere Fragen einsilbiger. Die Kommunikation erlischt. Alle sitzen mit dem Rücken zum Fenster. Von den Porno-Darstellern im "Luxomat" abgesehen, bleibt draussen und im Funkgerät alles ruhig. Oma Dippermeier hat auch Fernsehen.
Es dämmert der Morgen.
"Möwe" ruft "Albatros" ….. Funktechnisch hauen sich vier Beamte anerkennend auf die Schultern und regeln die Modalitäten des geordneten Rückzugs.

Einer, der sich nicht auskennt.
Im "Fidschi"-Kiosk gegenüber kracht es in der Nacht. Das Geräusch kenne ich.
HAN, der vietnamesische Kiosk-Besitzer ist schwer Kumpel. Er holt bei uns Wasser und bedankt sich für die geringste Gefälligkeit stets überschwänglich. Er kocht nicht schlecht, von Kaldaunen mal abgesehen. Er lädt uns oftmals nach Geschäftsschluss zum Essen ein. Wir revanchieren uns
nach Möglichkeit.
Die Fledermaus muss sich alleine beschäftigen und schaltet ihr Radar von Kronkorken auf Insekten um.
Phillip ruft die Beamten, mit meiner und seiner ausdrücklichsten Bitte, zum Kiosk zu fahren und nicht zum Anrufer.
Es vergeht eine Weile. Die herannahende Tuten bedeutet für die Einbrecher "Langsam fertig werden!"
Es kommt nur ein Beamter und……wieder direkt zu unseren Glaskasten. Die Scheiben sind neu eingesetzt und vom Nikotin noch nicht getönt. Die Fäden vom "Langen" sind gerade gezogen, die Schnittwunden einigermaßen verheilt.
Ich verspüre nicht die geringste Lust wieder gegen die "Bismarck" die "Hud" zu spielen.
Ich werde masslos ausfallend und schäme mich danach.
Der Einhandsegler steckt freundlich seinen Kopf durch unser Schiebefenster, ohne Dienstmütze, beides zusammen passt nicht durch.
Mit ungebremsten Schaum vorm Mund belege ich den Beamten. Er komme wegen der angespannten Personalsituation sozusagen als Aushilfskellner aus Warnemünde und kenne sich hier nicht aus.
"Eigentlich ist es scheissegal, wo sie herkommen. Wenn sie eine Ausbildung hätten, wüssten sie, dass sie den Zeugen schützen müssten und den Täter alle Zuwendung zuteilen müssten. Aber eine Ausbildung hat bei euch eben nur der Hund und der hat wahrscheinlich Urlaub. Im Gegensatz zu ihnen – wohlverdient!"
Ich schäme mich schon kurz darauf.
Im Fidschi-Kiosk ist mittlerweile Ruhe eingekehrt. Nur die per Kuhfuss geöffnete Tür schlägt im Wind. Jetzt schäumt Phillip genau so wie ich und ruft erneut dort an, wo er ausdrücklich um verdeckte Truppenführung gebeten hatte. Sein Jargon ist auch nicht besser als meiner. "Wir werden das auswerten!" versichert ihm die Leitstelle.
"Meinte der jetzt seine oder unsere Truppe?" fragt Phillip als er den Hörer aufgelegt hat.

Jeder macht sein Geschäft
Der Fuchs gerade am Sonntagmorgen auf dem instandgesetzten menschenleeren S-Bahnhof. Dann schnürt er schnüffelnd davon. Ich schnüre von der Nachtschicht nach Hause, seit Monaten über Lehmberge und Bretterstege.
Im Moment haben die hellblauen Bagger an den Lehmbergen Dienst, die sind vom Wasser. Vor ein paar Wochen waren die grauen am selben Graben beschäftigt, die sind vom Abwasser. Vor denen waren die Fernsehanschliesser am buddeln. Wenn der Graben wieder zugebuddelt ist und die Gehwegplatten wieder verlegt sind, rufen die hellblauen Bagger die gelben an. "Ihr könnt kommen!". Dann kommen die gelben Bagger vom Erdgas. Die nehmen die Gehwegplatten wieder auf, buddeln das noch lockere Erdreich wieder auf und hauen 30 cm neben den Fernsehkabel die Hausanschlüsse für Erdgas in die Erde. Wenn alles wieder schön planiert ist und der Grassamen gerade aufläuft, kommen die Pinkfarbenen und verlegen Glasfasern für's Telefon.
Wer das merkwürdig findet, hat einfach keine Ahnung. Nach der Gesetzeslage darf z.B. Erdgas nicht mit Telefon oder Strom verlegt werden. Denn wenn in dem Haus dann einer telefoniert und dabei noch Kartoffeln kocht, fliegt ihm der Telefonhörer aus der Hand. Fernsehen und Erdgas verträgt sich auch nicht, da beschlägt zwischen Frühstück und Gänsebraten nach dem Kartoffelaufsetzen der Bildschirm.
Es muss schon jeder für sich buddeln und jeder für sich die erquicklichen Rechnungen für die Erdarbeiten schreiben, für Schwerstarbeit im steinharten Boden mit Diamant-Technik.
Ein olympischer Bagger-Contest. Dabei sein ist alles!

Im Verwaltungsgebäude von "Shanty" absolvieren ab Montag Arbeitslosinnen einen vom Hamburger Bildungsinstitut "von Förtsen GmbH" abgehaltenen und vom Arbeitsamt generös geförderten Lehrgang. Die vom Arbeitsamt Hingescheuchten lernen darin das richtige Schminken und wie Frau sich danach äusserst erfolgversprechend verkauft.
Danach schmeissen die Damen die DDR-Schreibmaschine Typ "Erika" in den Sperrmüll und sich selbst in Schale. Sie lassen sich aufgemotzt lichtbildnerisch ausgereift von ihrer Schokoladenseite ablichten. Sie kaufen sich 1000 Blatt weissestes Druckerpapier und Folianten, des weiteren ein Computer mit Laser- oder Tintenstrahldrucker, denn mit "Erikas" und Nadeldruckern bekommt man keinen Job!
Für die Fotografen mit ihrer Polaroid, die Post, für "Vobis" und "von Förtsen" ist der Lehrgang ein voller Erfolg!
Die Mädels gackern während ihrer Mittagspause am Brunnenrand im Werkshof und nagen an den "Breulern" vom Fidschi-Kiosk. Sie werfen die Reste artig in die Abfallkübel, die Elstern zerren den kompletten Inhalt morgens unartig wieder heraus. Mir wird das zu blöde.
Die Elstern vermissen beim nächsten Morgenappell das Alpha-Weibchen, das frischt den verlorengegangenen Ordnungssinn der Verschonten wieder auf.

Einer der sich auskennt
Am liebsten mache ich mit Christoph Nachtdienst. Dann sind wir zu dritt. Christoph bringt "Charlie" mit, einen prächtigen Schäferhund.
Der hat eine Ausbildung und ausserdem eine Vorliebe für nicht so geizig ausgekratzte Joghurt-Becher. Das heisst, er unterbindet ausufernden Geiz schon von vornherein konsequent. Wenn der Löffelkratzer gar zu heftig in seinen sensiblen Hundeohren dröhnt, stupst er den Geizknochen samt Kratzer und Jogibecher einfach vom Hocker.
Dafür scheisse ich ihn aber auch an.
Ein besonderes Becherformat von "Bauer" passt so saugend auf seine Hundeschnauze, dass er erst einmal eine Weile zu knacken hat, den gierig übergestülpten Jogi-Becher wieder abzustreifen. Er muss sich hinschmeissen und beide Vorderpfoten zum Einsatz bringen. Dann klappt es. "Charlie" braucht nicht lange, dann hat er den Trick raus. Das Spiel fetzt nicht mehr, ich kaufe wieder die für mich kostengünstigeren Varianten von "Aldi".
"Charlie" würde jeden Kommissar "Rex" zum Arbeitsamt schicken, wenn er westlich der Elbe zu Hause wäre. So hat er natürlich miesere Karten.

Herr Hühnemörder hat, mit Ausnahme des heutigen Abends, von Geburt aus gute Karten.
Er ist ein Innovativer, aber ein netter und big boss der "Kuriosita"-Versicherung. Er ackert mächtig.
Heute abend geht recht spät bei ihm im Büro und danach recht bald draussen bei ihm selbst das Licht aus. Auf der S-Bahnbrücke spürt er jäh eine gestochene Rechte in seinem Gesicht und eine zugreifende Linke an seiner Brieftasche.
Hier trafen zwei artverwandte Parteien vom zugreifenden Gewerbe aufeinander.
Herr Hühnemörder ist ein junger dynamischer Typ und vollführt auf der eisernen S-Bahnbrücke einen atemberaubenden hollywood-reifen Stand. Herr Hühnemörder nebst Brieftasche kommen unten, drei Glatzen oben an.
Der Wauwi "Charlie" und sein Herrchen Christoph finden das Verhalten der Herren mit dem pflegeleichten Kurzhaarschnitt ungehörig.
Die Glatzköpfigen trennen 10 Stufen "Charlie" 50 Sprünge von Herrn Hühnemörders Brieftasche.
Beide Parteien steuern das gleiche Ziel mit konträren Absichten an.
"Charlie" ist Erster!
Auf eine Glatze wirkt der Hund ausgesprochen beruhigend. Seine Kumpane entfernen sich diskret.

Im Wachpavillon bieten "mutmasslicher Täter" und Hund ein trauliches Bild. Beide machen "sitz"
Meinungsverschiedenheiten treten dennoch zwischen beiden auf. Die delinquierte Glatze ist ein Hundenarr und beugt sich anbandelnderweise zu "Charlie" herab! Der aber findet den Mundgeruch zu herb und springt dem Kommunikativen kurzerhand ins Gesicht, ohne ihn zu beissen.
"Das hat er aber wirklich nicht von mir" kommentiert Christoph mit verholenem Stolz das Verhalten seines Wauwis. "Schon mal was von autodidaktischer Fortbildung gehört"? frage ich das Hundeherrchen. Inzwischen ist ein Beamter eingetroffen. Mutmassliche Täterpersonalien werden gesichert.
Das Einrasten der Handschellen entbindet "Charlie" von seiner Fürsorgepflicht. Er knurrt missmutig und hält nichts von dem nervigen Besucher ohne Joghurt-Gastgeschenk.
Alle hochgesteckten Kriterien, die neuerdings an einen "mutmasslichen Täter" gestellt wewrden, sind hier erfüllt. "Charlie" hat den mutmasslichen Brieftaschen-Fetischisten nur verbal angegriffen. Der ist top erhalten und da er sich noch dazu als geständig erweist, sitzt da direkt ein Messemodel eines mutmasslichen Traumtäters.
Unbeschädigt gesteht er bereitwillig und unumwunden, ohne Ausflüchte, das er völlig unschuldig ist! An der Brieftasche wären ausschließlich die beiden, ihn völlig unbekannten Typen auf der Brücke interessiert gewesen. Diese haben ihre Selbstsicherheit zurückgewonnen und schwingen dort bedrohlich die Fäuste. Der Traumtäter überzeugt alle, ausser uns und den Hund.
Der Hund meint, nach dem erneuten Ratschen der Handfesseln hätte er wieder Wache. Aber beide können gehen, der Hund dümmlich-glotzend in die Ecke, der mutmassliche Unschuldige, jubelnd empfangen, zu den ihm gänzlich Unbekannten auf der Brücke. Diese klatschen erst anerkennend Beifall und rufen dann abfällig: "dumme Bullen!" Wer soll so ein zwiespältiges Verhalten verstehen.
Herr Hühnemörder hat ein paar Hämatome und seine Brieftasche behalten. Aus dieser gibt er einen aus. Auch für "Charlie". Herr Hühnemörder lobt den Hund und bekritelt die mutmasslichen Täter und auch etwas das Ermittlungsergebnis des Beamten.

 

exTesten Sie jetzt! 30 Minuten völlig kostenlos!

 

Wir schliessen die Lücke in unseren bisher erworbenen Rechtskenntnissen. "In diesem Falle wäre eine Dienstaufsichtsbeschwerde das Angebrachteste", erfahren wir und warten seit Monaten mit dem Einreicher gespannt auf das Ergebnis.
"Borni" reibt während der Tagesschicht seine rötliche Knienarbe ein, gegen die neuerliche Wetterfühligkeit, mit Franzbranntwein aus der ehemaligen Betriebsambulanz von "Dr. Schnelltod".
Das Kurzwellen-Gerät wäre, daselbst zurückgelassen, evt. auch noch beschwerdelindernd ein setzbar.
Aber erstens muss man die Möhre so in Gang kriegen, dass sie nicht etwa auf Mittelwelle sendet und zweitens fest an die heilende Wirkung der ausgestrahlten Wellen glauben - und zwar ganz fest!
Borni's noch nicht abgeschlossene Behandlung und die gerade einsetzende Wirkung werden durch Beamtenbesuch beeinträchtigt: "Ob sich bei uns noch die Personaldaten des zwar unschuldigen aber doch mutmasslichen Täters im Fall Hühnemörder rumtrieben?" fragt der Beamte. "Natürlich haben wir die auch" bemüht sich schnell der Beamte, "nur in unserer Unmenge von Papieren finden wir die aufwändiger, als vielleicht bei Euch!"

Das Messemodell
Seit langer Zeit besuche ich meinen Freund Gustav. Das kostet Überwindung und Charakterstärke, denn komischerweise hat heutzutage keiner mehr Zeit. Die Rentner nicht, die Arbeitslosen nicht, Gustav nicht und ich auch nicht. Alle haben das Gefühl, eine Stunde ist nur noch 40 Minuten lang, eine Woche hat nur noch vier Tage, das Jahr 8 Monate und meine Frau schwenkt schon nach 18 Tagen wieder die Arbeiterfahne.
In der DDR haben wir 8,5 Stunden gearbeitet – woran auch immer und teilweise, aber auch nur teilweise, nur so getan.
Danach standen alle (die sonderversorgten Regime-nahen mal ausgenommen) noch stundenlang in der Konsumkaufhalle an. Zuerst nach einem, heute winzig erscheinenden Drahtkorb und danach, im Besitz des selben, nach Tomaten (allerdings nach Tomate schmeckend) oder deren Ketchup, Domino-Steinen, Weichspüler oder zum Grillen: Kammkotelett (heute Nackensteak).
Das innovative Gedankengut der DDR-Hausfrau unterschied sich von der westlichen Power-Frau am gravierendsten in der Schnellentschluss-Fähigkeit und danach im Improvisieren.
DDR, freitagnachmittag: Die Warteschlange am Fleischstand ist so lang, wie die an der Stadion-Kasse auf Schalke. Während die Schlangensteherin und auch der Schlangensteher….. ist das nicht ätzend?
Ich hoffe die Schwarzer liest meine Ausführungen auch!
Also, alle Schlangensteher sämtlichen Geschlechts bewegen sich äußerst schleppend vorwärts. Somit verweilt jeder zwangsläufig ca. 15 Minuten am Brotregal. Es bleibt genügend Zeit, mit dem Daumen in den hier vorige Woche schutzlos ausgelegten Broten Probebohrungen niederzubringen, um den Reifegrad zu prüfen. Alternativ bleibt Burger Knäckebrot!
Bei Fleisch und Wurst endlich sind nur mittagstauglich Bauchfleisch und Bockwurst dauerverfügbar.
Wurst, recht schmackhaft sogar, ist ständig vorrätig. Da wird in einem Alu-Schaffen rotgepunktetes Gehacktes durch die Klappe geschoben. Die Fliegen und ca. 15 Kopfglieder der Warteschlange müssen blitzschnell entscheiden: Königsberger Klopse lassen sich daraus kreieren. Mist, keine Kapern, aber zwei Zwiebeln hab ich ja noch, Bingo. Ich nenne die Dinger, dem Zeitgeist angepasst "Kaliningrader", die Bayern "Fleischpflanzerln".
"Fett übrigens, ist in Gebratenem und Gesottenem der Geschmacksträge" erklärte neulich der Fernsehkoch. 18 bis 20 Kopfglieder der Warteschlange haben demzufolge ein besonders lukullisches Erlebnis.
Aber eigentlich will ich ja Gustav, meinen Kumpel aus alten Seefahrtszeiten besuchen. Bei Gustavs daheim ist es immer lauschig und gemütlich. Gustavs Frau, die liebe Irmgard, ist für Stil, Geschmack und Häuslichkeit weit über die Grenzen ihres gut geführten Haushalts bekannt. Sie bittet mich ins gepflegte Wohnzimmer. Ich bemerke ihre neue Couch und sie meinen herabgelassenen Unterkiefer. Ein grässlich grossblumiges Sitzmöbel springt mir nebst schreienden Pop-Farben ins Gesicht.
Die liebe Irmgard errötet leicht, befestigt meinen Unterkiefer und erklärt:
"Gustav übergab doch, auf mein Drängen, unsere mittlerweile (evt. wegen Übergewicht) durchgesessene Konsum-Couch, Typ "Klötze" dem Sperrmüll. Gustav entsorgt des durchgepupste Sitzmöbel und fährt mit der lieben Irmgard, seiner Abfindung und dem Trabbi ins westliche Bad Hobeltal zum norddeutschen Marktführer, dem Möbelgiganten "Rusti & Kahl": Ständig 12.100 Modelle im Sofortangebot, weitere 7.500 in 12 Stunden lieferbar und über 11.000 im Lager. Südafrika in 3 Tagen lieferbar!
Während Gustav noch beeindruckt ist, fliegt Irmgard, sicher im Geschmack, auf ihr Traummodell und spielt mit dem Gedanken, darauf zu übernachten. Daher hat Gustav reichlich Zeit zum bezahlen, den gesamten Betrag 2999,99 DM und in bar. So wie er es immer getan hat. Vom Gedanken beseelt, das Passende ergattert zu haben. Nur Kleingeiste feilschen da noch um Rabatt. Leistung hat schliesslich seinen Preis.
"Diese Messemodelle der gehobeneren Spitzenklasse verstauben freilich nicht in unserem Lager" erläutert der Verkäufer. Die Farbtöne seiner Krawatte korrespondieren mit den Bezugsstoff der Couch. "Wir liefern dennoch äusserst kurzfristig, es kann sich eigentlich nur um Stunden handeln". Gustav versteht die Verzögerung und Irmchen bedauert sie.
Gustav fordert vom Trabbi alles, um vor dem Möbelwagen von "Rusti & Kahl" wieder Elmenhorst zu erreichen. Das Nadelör Schlutup gönnt der gestressten Gehhilfe ergiebige Verschnaufpausen. Im Stau vereint treffen sich noch mehrere Kaufräuschige.
Einer der farblich signifikanten "Rusti & Kahl"-Trucks ist beruhigenderweise voraus in Sichtweite nicht mit Logistik beschäftigt.
"Und da steht nun das Prachtstück?" unterbreche ich die blumenreiche Schilderung zum Erwerb des Sitzmöbels.
Ich ernte Entrüstung. Das beruhigt mich und unsere Freundschaft festigt sich wieder.
"Das Möbel steht wahrscheinlich noch im Wald, denn so lange kann kein Möbelwagen im Stau stehen" meint Gustav und ruft nach drei Wochen vom Hauptpostamt bei "Rusti & Kahl" in Bad Hobeltal an. Nach weiteren Vertröstungen nach Wochen nochmals. Telefonisch ist Herr Rusti oder Herr Kahl leider nicht zu sprechen. Gustav drückt bereits wundgesessen wie ein Tour de France-Debütant seine Sehnsucht nach der gepolsterten und schon barbezahlten Sitzfläche schriftlich aus.

Nachdem sich die Jahreszeit ändert, fährt Gustav ins schöne westliche Bad Hobeltal, nur er und der Trabbi.
Er haut die erstbeste rüschenbebluste Verkäuferin an: "Tach! Sind sie (Gustav hat "Sie" kleingeschrieben gesagt!) hier ein Dorfkonsum aus der DDR oder der in ihrer (hier hat Gustav "Ihrer" auch kleingeschrieben gesprochen) Selbstdarstellung der Möbelgigant des Deutschen Nordens? Ich möchte Herrn Rust oder Herrn Kahl sprechen"! Erst jetzt holt Gustav wieder Luft.
"Mit einer derartigen Bagatelle belle der Mops die Sonne an", wird ihm sehr diskret bedeutet. Die Herren Rusti & Kahl hätten ganz andere Probleme zu bewältigen.
Gustav wird dem für Möpse und Bagatellen zuständigen, gelangweilten Sachbearbeiter zugeführt.
Dieser leidet an Vereinsamung und freut sich über den Besuch. Gustav freut sich auch, als einziger Besucher seit Monaten der Wegrationalisierung dieses Arbeitsplatzes entgegengewirkt zu haben. Er bleibt aus Höflichkeitsgründen im Büro stehen, um den Sichtkontakt mit dem Erfreuten zwischen den getürmten Aktenbergen mit dem Vermerk "Reklamationen" zu erhalten.

Irmchens Traum-Couch nebst den diesbezüglichen telefonischen und schriftlichen Nachfragen sind unverständlicherweise auf der Strecke geblieben. "Das hat es im 350-jährigen Bestehen unseres renommierten Hauses noch nie gegeben – wahrscheinlich wegen des Modellversuchs…ich verstehe das gar nicht, das war ein Pilotprojekt …und eigentlich höchstwahrscheinlich, sozusagen gewissermassen, sicher auch wegen überhaupt….

Irmchens Sitzmöbel bekommt Gustav nicht ausgehändigt, aber:

  • einen Scheck für die nahegelegene Aral-Tankstelle zum Volltanken seines Trabbis. Ein leerer Trabbi-Tank fasst nur 23 Liter, so ein Scheiss!
  • Eine Zusage, für eine nun wirklich sofort angelieferte Übergangs-Traum-Lösung, weil die richtige ja noch, gestelltechnisch gesehen, im tropischen Regenwald von Brasilien steht und bezugstechnisch auf den Kinder-Webstühlen von Bangladesh.

Gustav trödelt an der Aral-Tankstelle. Wenn man den Trabbi ordentlich schüttelt, gehen mindesten 700 Milliliter mehr in den Tank! So kommt er diesmal wirklich gerade noch rechtzeitig, um den Einhandsegler von Rusti&Kahl das blumenreiche Ersatzmodell vor seinem Haus aus den Händen zu nehmen. Auf das Dekor (des sozusagen vorübergehenden geschenkten Gauls) hatte er keinen Einfluss.

Da steht es nun, das rufschädigende Übergangsmodell und Irmchen vergeudet bei jedem Besucher darauf viel Zeit, ihre Unschuld, oder zumindest ihren guten Ruf zu verteidigen.

Nach Wochen sind Gustavs alles wieder los, den Makel, neuerdings dem Hippy-Geschmack zu huldigen, das "corpus dilikti" und die Illusion, nur Wunder dauerten angeblich etwas länger. Länger dauern auch die behandlungsintensiven Sitzbeschwerden, hervorgerufen durch das monatelange Warten auf Warnemünder Fischkisten.

Die Flexiblen
17 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher – wie auf Wunsch von Alice Schwarzers Emanzen-Club, umständlicherweise die konsumierende Bevölkerung jetzt benannt werden muss, also obwohl jetzt 17 Millionen Fresssäckingen und Fresssäcke mit 2:1 getauschtem Monopoli-Geld plus Abfindung nach dem Verlust ihrer Arbeitsstelle an die Tröge drängen, bleiben diese stets randvoll.
"Nadone"-Wackelpudding kommt nie so ins wanken wie die Rusti&Kahl-Möbel oder die "Liebfrau" - Kühlschränke. Nahezu 17 Millionen Leute stopfen gleichzeitig so viele Bananen in sich hinein, dass es manchen Verbraucher und natürlich auch jeder Verbraucherin schon kleine Würstchen aus den Ohren drückt.
(Mich mal ausgenommen, ich bin 10 Jahre in Bananen herumgetrampelt.)
Bananen sind botanisch gesehen eine Beere und benötigen 9 Monate der Reife. 17 Millionen halbe Zentner mehr sind pünktlich zu "Deutschland einig Vaterland" zusätzlich heran- gereift und -gekarrt worden. Dabei ist die Mitwirkung der Fruchtflotte der DDR nicht erforderlich. Diese sechs Schiffe kommen an die Pfähle.
Hätte die DDR vor zehn Prozent dieser Herausforderung gestanden, hätte der Bedarf 20 Jahre vorher "bilanziert" werden müssen, um dann, wegen objektiver Schwierigkeiten nur zu einem Prozent realisiert zu werden.
Die Leistungsfähigkeit und Flexibilität der Nahrungsgüterproduzenten ist beeindruckend. In der Branche sind sogar die Hühner flexibel. Während des ganzen Jahres, nur mal zum Beispiel, legen die Legehennen der deutschen Frühstücks-Ei-GmbH bedarfsgerecht braune Eier. Zu Ostern aber schalten sie innovativ auf weisse um. Die unflexiblen Viecher, mit ihrer DDR-Vergangenheit im Hühner-KZ - KIM - Neubukow (Kombinat - Industrielle - Mast!) haben nur die altmodischen weissen auf der Palette und bleiben, jetzt nach Ostern, prompt auf ihren Eiern sitzen.
Aber leicht angebrütet, rotdurchädert, teils schon mit leicht zuckendem Dotter, industriell aufgeschlagen, im Tankwagen verschifft, finden sie in den "Zirkel-Eiernudeln" ihre Rehabilitation und ihre ahnungslosen Verehrer. Beruhigenderweise streng kontrolliert, mit deutschem (überstrengem!) Nahrungsmittelrecht, - Gesetz und Reinheitsgebot völlig im Einklang!

Der Abenteuer- und Erlebnispark
Christoph und sein Wauwi "Charlie" drehen am Vormittag eine Runde und inspizieren dabei auch die "Shanty"-Wohnheime. Diese liegen ausserhalb unseres umfriedeten Werksgeländes und sind nach der Nachhause-Komplimentierung der Vietnamesen und Kubaner verwaist. Demzufolge stetes Objekt der Einbruch- und Vandalismus-Begierde.
Einige Wochen diente zur Ablenkung das angrenzende Werksgelände des ehemaligen IFA-Vertrieb als vandalistischen Blitzableiter. Hier entstand in Vorwendezeit ein e riesige Lagerhalle des DDR-Kraftfahrzeug-Ersatzteilhandels, die allen DDR-PKW-Besitzern Verwunderung abnötigte. Für den gesamten Bezirk Rostock waren pro Quartal etwa 40 Wartburg-Zylinderkopfdichtungen und 35 Trabbi-Holme planwirtschaftlich bilanziert. 30% davon gingen noch als Sonderkontingent an Stasi- und Parteileitung. Batterien wurden nur gegen "Bleischein" ausgehändigt, d.h. man mussste eine Batterie besitzen, um eine neue zu ergattern. Bei der Recycling-Abgabe derselben erhielt man den erwähnten Bleischein und der erst ermöglicht den Erwerb einer neuen Batterie, falls vorrätig natürlich.
Das klingt marktwirtschaftlich betrachtet, bescheuert! Ökologisch gesehen hielt das aber hochwirksam die Strassengräben batterie- und somit säure- und bleifrei.
Bei Benzin wird heute auf bleifrei grosser Wert gelegt, in der Landschaft weniger!
Ausser der Übernahme des "Grünen Pfeil" und des Fernseh-Sandmännchens, beides mit Einschränkungen natürlich, sollte hier übernahmemässig an das SERO (Sekundär-Rohstoff-Erfassung)-System schüchtern erinnert werden.
Aber eigentlich wollte ich nicht zurück zum Sozialismus, sondern nur zu der bewussten riesigen, fragmentarischen Lagerhalle, die für die 40 Zylinderkopfdichtungen und die bleischeinpflichtigen Batterien gebaut, aber nicht fertiggestellt wurde.
Kurz nach der Fensterverglasung der Halle also wenden sich die Verhältnisse in "Deutschland einig Vaterland", derart, dass Fenster ohne Hintergrundbeleuchtung besonders bei "Heranwachsenden" bescheuert aussehen.
Die Halle steht leer und ungenutzt. Nach wenigen Tagen gähnen in dieser Investruine nur noch leere Fensterrahmen mit bizarren Splitterrändern.

(Lagerkapazität für KFZ-Technik ist out! Keiner der sich neu etablierenden Reparaturbetriebe legt sich auch nur eine Kopfdichtung oder einen Kolbenring ins Regal, maximal paar Sicherungen, Rücklichtbirnen oder Scheibenwischergummis.
Später fahre ich einen Nissan, ein Thermostat ist garantiemäßig defekt, natürlich nicht auf Lager. Aber bei Nissan Deutschland – Neuss am Rhein. Nur dort ist Karneval. Rosenmontag bis Rosensonstwann. Ziemlich spät fährt mein Auto wieder umweltgerecht!)

Die Lausebengel geniessen die neue freiheitlich demokratische Ordnung. Sie wären auch blöd, das nicht zu tun.
Somit haben sie die Treffsicherheit von Tag zu Tag stark verbessert. Eine Verwaltungsbaracke, eine Rolltor-Garage und ein Pförtner-Gebäude waren bereits funktionsfähig eingerichtet und werden nun von der Wende und dann von den Erholungssuchenden im Abenteuerpark kalt erwischt.

Bombengeneral Harrison hätte für diese ganze Arbeit mehrere Lanchester-Bomber–Staffeln schicken müssen, um so einen Ort der Verwüstung so dekorativ zu gestalten. Als nur noch kahle Wände stehen, mit heraus gerissenen Kabeln, Heizkörpern, Feuerlöschern, Klo- und Waschbecken, brennt es bedauerlicherweise. Laut Zeitungsmeldung ist die Brandursache ungeklärt, Brandstiftung wird aber nicht gänzlich ausgeschlossen.
Es wird ermittelt – und wie, mit voller Wucht, 100 Jahre lang!"
Auf diesem, dem unserigen Territorium angrenzenden Abenteuer- und Erlebnispark vermutet "Charlie" beim Kontrollgang etwas Bemerkenswertes. Er übernimmt an de Leine die Führungsarbeit.
Auf diesem abenteuerlichen Gelände sind für die geplante gewesene Errichtung tragender Betonsäulen betonierte Öffnungen ca. 2 Meter tief im Erdreich eingelassen. Sie sind mit veralgtem Regenwasser vollgelaufen. In ihnen fühlen sich Kaulquappen und Mückenlarven pudelwohl, ein gleichfalls darin hockender Junge anscheinend weniger. Er winselt in dem engen Loch und dem grünen, sämigen Wasser.
"Charlie" missdeutete das Winseln, er und sein Herrchen zeigen sich verwundert.
Christoph und sein Hund helfen dem Knaben aus dem Erlebnisbad und lassen sich die ungewöhnlichen Badegewohnheiten erklären. Dazu wäre der Knabe, wie sich gleich herausstellt, ohne Anwalt rechtsstaatlich keinesfalls verpflichtet gewesen.
Ohne anwaltlichen Beistand wird folgendes erpresst:
Die Wasserratte und zwei seiner Kumpels finden an diesem schönen Vormittag den Haupt-Schulunterricht nicht praxisbezogen genug. Das fanden sie schon öfter.
Sie lassen daher in der Schule den Unterricht und auf dem besagten Abenteuerspielplatz einen "Molly" sausen. Da die drei Konstrukteure und der "Molly" noch nicht ausgereift sind, bekommt der leitende Chefkonstrukteur mit der Brandbekämpfung sein Problem.
Er brennt anscheinend lichterloh!
Seinen beiden Mitarbeitern reicht die Kühlung, die der Fahrtwind während der panischen Flucht entwickelt. Der Chefkonstrukteur hält in dem besagten Wasserloch die in ihm aufsteigende Hitze einigermassen im grünen Bereich.
Das ist dem Hund aufgefallen.
Christoph und der Hund haben von erster Hilfe wenig Ahnung. Auffällig sind bei dem Geborgenen geschwärzte Kleidung, ein ordentlicher Sonnenbrand und aufeinander scheppernde Zähne.
Sie bringen den Schlotternden zu seiner Mammi ins nahegelegenen Plattenhochhaus. Diese öffnet ihrem Liebling im Bademantel nach hartnäckigem Klingeln und fragt, ob er etwa schon wieder Stundenausfall hätte!? So kann man das eigentlich nicht sehen.

Ach, ihr schon wieder
Wir sind bei "Shanty" mit der Sicherung der leerstehenden Wohnheime beschäftigt.
Diese werden von den Besuchern des angrenzenden Freizeit- und Erholungsparkes ihrem Betätigungsfeld hinzugefügt. So wird in den Gebäuden dauernd aus vandalistischen Motiven eingebrochen.
E-Mix "Phase" vertieft sich in seine Kabelpläne und findet über tausend Klemmstellen und über hunderte Meter ein unbelegtes Kabel vom Wachpavillon zu den Wohnheimen. Er baut mit Bordmitteln eine Alarmanlage. Wir fangen auf Anhieb am Abend drei sehr jugendliche Missetäter, die gerade dabei sind, sich einbruchstechnisch ein zweites Standbein zu schaffen.
"Ach ihr schon wieder!"
Die Wasserratte mit dem mittlerweile abgeklungenen Sonnenbrand nebst Mitarbeitern zehren von Ihrem Bekanntheitsgrad.
Wir rufen zur Abwechslung mal die Polizei, hätten aber mit dem für uns gleichen Effekt auch die Lokusfrau vom Hauptbahnhof rufen können. Nachteilig hätte sich das nur für die mutmasslichen Einbrecher dahingehend ausgewirkt, dass sie dann zu Fuss nach Hause gehen müssten.
Die Tute kommt näher. Weder uns, noch den drei in die Falle getappten Lausebengeln steht der Sinn nach "Eins, zwei, drei, vier Eckstein…" Sie zeigen nicht das geringste Fluchtverhalten. Sie sind einfach schon übersättigt von dem nur unter Neueinsteigern so beliebten Spiel.
"Ach, ihr schon wieder" ist gleichfalls, aber nicht unfreundlich, die Begrüssung durch die Beamten.
Die drei nehmen im Fond des grün-weissen "Passat" ihre Stammplätze ein. Marco-André sitzt da immer hinten links. Enrico-Julienne rechts. Jason muss in die Mitte, er steigt zuletzt aus.
("Kevin`s" treten erst später auf den Plan.)
Das Einschiffen läuft routinemässig ab. Es ist ja auch schon höchste Zeit für die "kids"! Also auf geht's, die Mammi macht sich bestimmt schon Sorgen. Der Fahrer kennt die Adressen.

"Meine Oma wurde neulich mit Blaulicht ins Krankenhaus gefahren" kommentiert Borni die Polizei-Logistik. "Weisste wie schweinisch teuer das war?" Das Deutsche Rote Kreuz ist halt im Gegensatz zur Polizei kein ausschliesslich mildtätiger Verein. Bei denen muss sich's rechnen.

Die drei Strolche winken flüchtig aus dem Heckfenster. Tieferes Nachdenken unterdrückt aber sofort den in mir aufsteigenden Groll. Ich bin dem Zurückwinken nahe, weil ich entdecke, dass die drei Hoffnungsträger der Gesellschaft ja später meine fette Rente bezahlen und ich als Vorleistung dafür, über mein bisschen Steuer jetzt ihren kostenlosen Heimtransport finanziere.
Der Staat macht ja schon wirklich alles, um diese Kosten zu minimieren und geht sehr sparsam mit den Steuern seiner Bürger um. Sollten die drei Hoffnungsträger, wie in unserem Fall, die Fond-Sitze des Polizei-Passat zu häufig und zu sehr durchwetzen, kommt für sie ein anderer, aber auch recht bequemer Passat zur Anwendung: der karibische von Santo Domingo eventuell. Aber um im Rahmen einer "erlebnis-pädagogischen Reise" dorthin zu kommen, müssen sie noch etwas aktiver werden. Autoknacken bietet sich an, "Ford" soll am leichtesten gehen, hört man aus der Szene. Sie wären direkt schon dämlich, wenn sie's nicht täten. Auf Wunsch wird auch äusserst kostengünstig, aber wie man später hört, völlig erfolglos, in Neapel, Argentinien und Norwegen "erlebnis-pädagogisch" therapiert. Die mitreisenden Pädagogen findens super!
Ich bestaune das von ständig wechselnden Ideen sprühende, innovative pädagogische Gedankengut. Jedes Bundesland sprüht seine eigenen Kuriositäten. Bildung ist Ländersache.

Wir beseitigen tagelang die Spuren der Vandalen und verschweissen die Einstiegsöffnungen der unteren Etagen mit Blechplatten und Stehbolzen. Bis uns das Blech ausgeht.
"Los, wir schneiden mit dem Trennschleifer die Asbest-Platten von unserer Trennwand zu und ballern die hier vor die eingedroschene zersplitterte Balkontür" beschließe ich zur Engpassüberbrückung. Das Fach "Engpassüberbrückung" konnten wir in der DDR nicht abwählen und haben es allesamt mindestens mit "gut" abgeschlossen!
"Das kannste nicht machen" gibt Phase zu bedenken, "wenn später hier mal der westliche Investor einzieht, stirbt der am Asbest nach drei Tagen!"
Er hat ja recht. Schliesslich rangiert der asbestverseuchte Palast der Republik in Berlin in der Welt-Hitliste lebensbedrohender Bauwerke an zweiter Stelle hinter dem hochgegangenen Meiler von Tschernobyl. Nur solche unwahrscheinlich harten Schweine wie Stasi-Mielke, der sich als Stammgast im Palast etliche Asbest-Fusseln reingezogen haben muss, werden trotzdem wohl hundert Jahre alt!

Täter sein - leichtgemacht.
In Deutschland sind mittlerweile nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Knastplätze nicht mehr bezahlbar. Hallenbäder und Fitness-Center im Strafvollzug haben halt auch ihren Preis. Die kostengünstig beheizten Strände der Karibik und die gebogenen Palmen als Sportgerät drängen sich für einen effektiven deutschen Strafvollzug da förmlich auf.
Mir drängt sich dagegen der Gedanke auf, dass rein physiologisch gesehen, der, der als Freizeitbeschäftigung oder zum Haupterwerb schwere Türen mit dem Kuhfuss aufhebeln oder mit dem Base-Ball-Schläger dreindrischt, artverwandte Werkzeuge auch im Steinbruch oder beim Gleisbau zum Begleichen seiner Sanatoriumskosten im Strafvollzug gebrauchen könnte. Alle Generationen vor meinen Eltern fanden einen 12 Stunden-Tag völlig normal und den freien Sonntag verbrachten sie voller Dankbarkeit zur Hälfte noch in der Kirche.
Solche Art Strafvollzug würde doch erheblich

  • die Unterbringungskosten dämpfen und
  • den Drang, nach vorzeitiger Haftentlassung diese sofort wieder rückgängig zu machen!

Täter jeglicher coleur finden jetzt hierzulande recht ordentliche Arbeitsbedingungen. Das schafft Dauerarbeitsplätze, auch für Ausländer und Randgruppen. Wer sich in seinem heruntergewirtschafteten Mutterland nicht mehr wohl fühlt, der besucht beim dortigen Goethe-Institut einen Deutsch-Kurs, lernt das Zauber-Wort "Asyl" auswendig, wirft seinen Pass weg und wird gemäß des deutschen Grundgesetzes in Deutschland herzlich willkommen geheißen. Später holt er, im Rahmen der Familienzusammenführung noch die 12 andern Mitglieder seiner Familie in seine subventionierte Unterkunft. Na gut, als Arbeitnehmer erfüllt der analphabetische Asylbewerber aus Burkina-Faso nicht die hochgestochenen Kriterien.
Die Glitzerwelt weckt Begehrlichkeiten. Zur Befriedigung der geweckten Bedürfnisse bleiben neben der Sozialhilfe noch die Einkünfte aus der Selbständigkeit. Da das Handelsregister diesen Job nicht führt, braucht man ihn auch nicht anmelden und dafür keine Steuern und Sozialbeiträge zahlen.

Nach Landessitte muss eine mutmassliche Täterin oder eine mutmasslicher Täter, die, oder der, vorhat Täterin oder Täter zu sein, dafür sorgen, eine ganz schwere Jugend gehabt zu haben! Des weiteren muss die vorher gut durchdachte Tat im Affekt geschehen. Und, das bringt immer Punkte, nie nüchtern zur Tat schreiten. Das wird vor jedem Gericht gern gesehen. Wer für sein Vorhaben eine Schusswaffe benötigt, entdeckt sein Talent als Sportschütze, schließt sich einen entsprechenden Verein an und kauft sich am besten ganz problemlos eine Pump-Gun. Die zieht am besten durch.
Eine durchdachte Vorbereitung zahlt sich jetzt aus. Jedes Gericht weiss das zu würdigen: "verminderter Schuldvorwurf!"
Sollte der/die mutmassliche ….. na ja usw. wegen Körperverletzung und Raub (in minder schwerem Fall) vor Gericht trotz kostenlosen Pflichtverteidigers oder Pflichtverteidigerin das "mutmassliche" aberkannt bekommen, weil sein/ihr Opfer schon drei Monate im Koma liegt, muss er/sie sich meistens bewähren.

(Jetzt reichts! Mal kurz eingeflochten: Sicher geht mir, wie auch meinen Lesern, die von der Chef-Emanze Alice Schwarzer - nebst unbefriedigten Anhangs - geforderte besondere Betonung auch der femininen Seite jeglicher Personen mordsmässig auf die Ketten. "Die Wählerinnen und Wähler, die Verbraucherinnen und Verbraucher, die Einwohnerinnen und Einwohner, na, bei Verbrecherinnen und Verbrechern würde die Chefemanzen wohl mit sich reden lassen. Also ab jetzt: wenn ich männlich formuliere, meine ich - hochachtungsvoll in tiefer Verehrung – auch weiblich! Sehr (nicht)verehrte Frau Schwarzer und Co-innen!)

…also muss er sich meistens bewähren. Das heisst, er muss ein paar Monate ohne Kuhfuss- oder Baseball-Schäger-Benutzung auskommen und darf beispielsweise auch mit der Verprügelung der Zeugen klugerweise erst einen Tag nach Ablauf seiner Bewährungsfrist beginnen.
Das sagt ihm aber auch sein Pflichtverteidiger.
Um das Honorar für seinen Pflichtverteidiger muss sich der mutmassliche Täter nicht sorgen, wenn er sein Geld vergraben hat.
Der Verteidiger wirft dem Gericht vorsichtshalber erst einmal Befangenheit vor, Orientierung an der öffentlichen Meinung, spricht von Vorverurteilung und stellt noch 97 andere Anträge.
Der Polizei-Beamte, der den Täter gefangen hat, ist bereits vom Dienst suspendiert. Er hatte die Handschellen so eng gestellt, dass der Mutmassliche lebensbedrohende Hämatome davontrug!

Nach dem dritten, erfolglos angestrengten Revisionsverfahren des Verteidigers muss sein Mandant ein wenig in den Strafvollzug. Mit etwas Glück in den offenen. Oder nach Walterstadt mit Dreifelder-Sporthalle, Schwimmbad, Fitnesscenter. Zur kostenlosen Benutzung und zur Entspannung beim Reue zeigen. Immer schön den Vollzugsbeamten grüßen, das erspart evt. die Hälfte der Haft.
Ich habe gerade 65 DM Halbjahres-Beitrag entrichtet, um jeden Montag Volleyball spielen zu dürfen!
Wenn der Bankräuber jetzt seine Kohle ausgraben lässt, bestellt er sich täglich in den Knast aus dem nächsten 5-Sterne-Hotel seine Vollverpflegung. Die tägliche Haschration hält der betriebseigene Kiosk wohlfeil!
Ich könnte mich hier ereifern über die Meldungen, dass der eine brisante Straftäter mal eben durch das Dach der Sporthalle sich von seiner Anstalt verabschiedet, ein anderer Sexualverbrecher trickst mal eben beim "Freigang(!)" seine schrullige Freigangs-Beamtin aus und zerrt darauf die 8-jährige Jannine ins Gebüsch. In der JVA Bützow liegt mal eben so eine passende Leiter im Gefängnishof herum. Das Angebot wird dankend angenommen. Und weiter geht's draussen, in Anwendung des drinnen neu hinzugelernten!
Strafvollzug gegen die Menschenwürde ist unmenschlich.
Die verstorbenen Opfer der erfolgreich (kostenintensiv) therapierten Wiederholungstäter haben dazu keine Meinung mehr!
Zivilcourage sei jetzt gefragt, verkündet bürgernah der Innenminister. Er muss sich dabei auf die Zehenspitzen stellen, um einigermassen hinter seinen breitschultrigen Personenschutz-Beamten überhaupt wahrgenommen zu werden.
Der "Lange" und "Phillip" waren nur ein kleines bisschen Zeuge. Die abgefeuerten Breitseiten granitharten Bahnschotters mit dem begleitenden Glassplitter-Hagel hätten auch Schlimmeres und Bleibendes bewirken können! Täterermittlung…. erübrigt sich doch wohl! Natürlich Null!
Und falls doch, dann ständen zur Beteiligung an OP-, Behandlungs-, Reha-Kosten ein Paar ausgelatschte Adidas-Turnschuhe, ausgefranste Jeans und ein Alu-Ring am Ohr als nicht pfändbare Masse zur Verfügung.
Die Härte des Gesetzes: Gemeinnützige Arbeit, Aufsammeln der herumliegenden, vorher Dank der Sozialhilfe selbst ausgesoffenen Bierdosen!
Um den Täter kümmert sich, dank unsere Steuern, aufwändig der Sozialstaat. Um deren Opfer, mittels gelegentlicher Spenden der "Weisse Ring"!

Lama-Decken! Wie, Sie haben noch keine?

Wir bekommen auf Grund unserer jeweils auf 3 Monate befristeten Arbeitsverträge nur den dafür anteilsmäßigen Urlaub.

Sandra ist arbeits- aber nicht beschäftigungslos. Sie beschäftigt sich nahezu im Full-Time-Job mit dem Verfassen und teuren Versand von schneeweissen, tintengestrahlten Bewerbungsfolianten. Die schönsten Folianten, und auch der im "von Förtsens"–Schminklehrgang empfohlene Lidschatten, schaffen aber keine Arbeitsplätze.
Mit meinem Urlaubsanteil von 7 Tagen und mit der Möglichkeit, die ohnehin nicht so lukrativ sprudelnde Geldquelle könne demnächst ganz versiegen, können wir nicht so weit vereisen. Uns beide tangiert das nicht. Sandra und ich haben uns berufsmässig viele Jahre in der Welt herumgetrieben.
Im Gegensatz zu uns, ist in den neu gebackenen Bundesbürgern die Reiselust aufgekeimt. Kostenlos die schönsten deutschen Lande kennenlernen, gepaart mit der Möglichkeit, dabei noch aussergewöhnliche Schnäppchen zu erjagen, empfinden viele Landsleute geradezu paradiesisch.
Der mildtätige und gemeinnützige Verein "Lama-Decken n.V." ein wohl der Caritas nahestehendes Sozial-Unternehmen bietet Interessierten eine kostenlose Schnuppertour in die herrlich blühende Lüneburger Heide. Mit Kaffe, Kuchen und vielen Überraschungen. Völlig kostenlos, sagenhaft!

Ein Tag Komfort-Urlaub mit Aussteiger-Gefühl. "Find your world!"
Am S-Bahnhof, gegenüber unserer Wache, warten morgens aufgeregt und erwartungsvoll meist älteren Leutchen, aber auch jüngere.
Es rennt ja nicht jeder hektisch täglich einer geregelten Beschäftigung nach und gerade wegen Ermangelung derselben, kommen Kaffe, Kuchen blühendes Heidekraut und der schöne Bus ganz gelegen. Dieses Beförderungsmittel von "Baltic-Sight-Seeing, Logistic & Co." rollt an.
Schon was anderes als so ein befreundeter ungarischer "Ikarus" oder gar ein grüner Russenbus, der wegen der Automatik-Kupplung schlecht die Bordkanten hochkam.
Da die Reisenden ohnehin pinkeln müssen, hält der Bus wegen des "sanften Tourismus" etwas abseits der blühenden Heide. Vor einem Gasthof in der Gegend von Munster. Rundherum die Gegend ist geschenkt, aber die Toiletten, der Streuselkuchen und Kaffee auch. Wo gibt's das denn heute noch?
Es folgen Schlag auf Schlag die versprochenen Überraschungen. Als erstes eine zweite kostenlose Tasse Kaffee und dann ein hochinteressanter, mit Dias anschaulich untermalter, populärwissenschaftlicher Vortrag zur schon fast lebensbedrohenden ausufernden Population der Milben in den Federbetten der alten Leute.
Dass in der Vergangenheit den Leuten solch wichtige Informationen vorenthalten wurden, lässt den Groll auf das Honecker-System wieder aufkeimen. Hier wurde anscheinend händereibend zugeschaut, wie die überflüssigen Rentner ("Rentnerschwemme" heisst der Fachbegriff heute) letztendlich in ihren Daunenbetten aus befreundeten polnischen Mastgänsen von Millionen Milben, wie von Piranhas, aufgefressen werden.
Die Fauna der Galapagos-Inseln robbt demnach, nur etwas verkleinert, aber nicht minder aggressiv über die Dia-Leinwand und unbestritten durch die Daunenbetten der völlig geschockt erbleichten Zuschauer.
Eine Omma hält das Gesagte der Kaffeetafel noch anschaulicher vor Augen. Sie schiebt ihr offenes Bein eben diesen Hausstaub-Milben in die Schuhe.
In den von ihm angebotenen Lama-Betten, so der smarte vortragende Biologie-Professor, fallen diese Fressmonster von Hungerödemen gezeichnet, augenblicklich von der Bettkante und verenden noch im Fallen.
Eine komplette Lama-Hochbausch-dry-covered, longforized, anti-animales, Betten-Garnitur kostet eigentlich, hart kalkuliert 1399,95 DM. evt. gelingt es aber, je nach Nachfrage, über einen Mengenrabatt was zu machen. Auch wenn das Unternehmen dann an der Grenze der Insolvenz schrammt, aus caritativen Beweggründen: 999,95 DM! Da brandet Beifall auf. Die Ommi mit dem offenen Bein drückt und herzt den Sozialarbeiter und behindert ihn dadurch sehr beim Geld zählen.
Dafür überzieht sie ihren ohnehin schon angeknabberten Dispo-Kredit etwas und kauft noch eine zweite Komplettgarnitur für ihre gleichfalls schon angefressene Schwägerin.
Vor der geplanten Rückreise über Wilsede, durch die blühende Heide, wird wegen der gerade gemeldeten Behinderung durch marodierende Heidschnucken vom Busfahrer dringend abgeraten. Der Bus nimmt die bequemere E45 für die Rückfahrt. Die unter den hochgebauschten Lama-Betten vergrabenen Fahrgäste haben ohnehin keine Sicht mehr auf die vorbeirauschende Landschaft. Die oberen Gondeln des Riesenrades von Soltau wären für Interessenten durch das Glasdach noch fernab zu erkennend. Die meisten Fahrgäste sind im Bus und den sie reichlich umhüllenden Betten schon glückselig eingenickt. Die noch wachen drängen schnellstmöglich nach Hause; um dort das getarnt eingenistete Ungeziefer schleunigst auszuhungern und die erste Nacht ihres Lebens keimfrei zu verbringen, ohne der bislang drohenden Gefahr, angenagt zu werden!
Auf Grund des grosszügigen Preisnachlasses von 400,- DM pro Komplettbett legen 23 Rentner das so unerwartet evt. im Dispo mit 13,9% belastete, verbleibende Geld auch noch äusserst gewinnträchtig an. Denn auch für Geldsanlagen gibt es ähnlich günstige Angebote wie bei "Lama-Decken n.V." Man muss nur aufmerksam die Werbung verfolgen. Die attraktivsten Konditionen, eine 29,99-prozentige Rendite, bietet der sehr seriöse Vertreter der "NO RETURN MONEY & VALUE Co." Briefkasten in Liechtenstein und Sitz auf den Tonga Inseln. Das Bundesaufsichtsamt für das Bankwesen und die freiheitlich rechtsstaatliche Ordnung erschliessen jetzt auch dem kleinen Mann solch lukrativen Nebenerwerb.

Reisen bildet!
Die vorher eingemauerten DDR-Bürger jedoch holen sich ihren grünen Reisepass, ziehen einen Gummi in die Mütze und schauen vor der nächsten ABM-Massnahme erst einmal nach, wo die Götter Urlaub machen.
Sie bestauen die sagenhafte Höhe der vorher nie gesehenen Alpen; und die des Preises für die sagenhaft kleine Softeiskugel in Garmisch-Patenkirchen.
Reisen bildet.
Die winzige, aber teure Softeis-Kugel von Garmisch ist u.a. die Erklärung dafür, dass die Westverwandtschaft - von der Ostverwandtschaft beneidet - grundsätzlich Urlaub im Ausland abwickelte. Die Ansichtskarte aus Las Palmas wurde dann sehnsuchtsvoll bestaunt.

Der frisch gebackene Bundesbürger wartet im Sommer vergeblich auf den Sonnenuntergang am Nordkap, ruiniert auf dem Basaren in Luxor und Kairo scharenweise die Händler, weil sie den Preis für die Original-Nefertitti hartnäckig um 25 Piaster drücken und fliegen bei den Pyramiden auf Achmeds weissem Kamel "Bismarck" täppisch über den Lenker, weil "Bismarck" beim Aufstehen ganz listig und unvermutet zuerst hinten hochgeht. Der eintreffende Touristen-Bus mit englischen Misses bewirkt das augenblickliche Umtaufen von "Bismarck". "Bismarck" heisst plötzlich "Churchill". Die englischen Ladies sind nicht so weltunerfahren und halten sich gekonnt bei der Auferstehung von "Churchill" am Sattelknauf fest.
Die zähen Trabbis mit ebensolchen Fahrern fressen sich wie Salzsäure überall durch, unten durch den Gotthard und oben über den Prodoi-Pass. Sie protzen, nur anfangs von der David-Wache in 3. Parkreihe toleriert, auf der Reeperbahn und erklären in der Herbertstrasse unter der roten Laterne den dort Anschaffenden: Im Trabbi ginge "es" auch!
Ein himmelblauer "Trabbi de luxe" verursacht Smoking-umlagert, kurzzeitige Einnahmeverluste in der Spielbank von Monte Carlo.
Einen Rolls Roys oder Ferrari mit Sonderausstattung schenkt hier niemand Beachtung, aber der nur Stunden nach dem Mauerfall hier vorknatternden "Trabbi de luxe" ringt dem Jet-set Verwunderung ab.

Nur am Grenzübergang Kreuzlingen ist den Schweizer Eidgenossen der versuchte Grenzübertritt der Habenichtse aus der Deutschen Demokratischen Republik äußerst suspekt. Sie verlangen den Besitz-Nachweis von mindestens 100 DM! Nur mit Monopoli-Geld ist der Zutritt in die Schweiz verboten! Das Risiko ist einfach zu hoch, evt. auf verursachten Kosten sitzen zu bleiben!

Unumstritten ist die Aushändigung des jetzt weltweit geachteten grünen Reisepasses, für jeden ehemals eingepferchten DDR-Deutschen, in Verbindung mit der weltweit noch mehr beachteten "Deutsch-Mark" das gravierendste Ereignis der Wende überhaupt.
Auch das schöne Auto, endlich ein Telefon, die Stereo-Anlage, die neue Leder-Couch oder –Jacke, die immer vollen Regale bei "Kaufrausch" und auch, wer's meint, die keimfreien Lama-Bettem erhöhen schon erheblich die Lebensqualität. Wenn auch mit Rente oder Arbeitslosen-Geld manches geweckte Bedürfnis wohl immer ein solches bleibt. Meistenteils reicht es für jeden. Viele sind nur knurrig, weil sie sich viele, jetzt erst entdecke Sachen nicht leisten können, von deren Existenz sie vorwendisch nicht die blasse Ahnung hatten.
Sind die Bedürfnisse geweckt, wollen sie befriedigt werden.
Hinzu kommt Wilhelm Busch: "Jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge!"
Meist reicht den Ommis, zur Finanzierung ihres Eigenbedarfs die Rente, aber es könnte auch noch was für die Enkelchen übrigbleiben, für das Mountain-Bike und den Game-Boy! Trotz unseres nicht so üppigen Budgets geht es Sandra und mir zweifelsfrei besser, als in der "Konsum-Zone". Noch!
Aber leider geht's ja von staatswegen auch rapide talwärts.
Einen markanten Zugewinn an Rechtsstaatlichkeit, Freiheit, Würde des Menschen, irgendwelche Integritäten und Unantastbarkeiten und was nicht noch alles für Böhmische Dörfer mich auf diesem Gebiet glücklicher machen sollen, habe ich allerdings nicht bemerkt, nur Potjomkins Fassaden.
In diesem Land hat der kleine Mann genauso viel zu melden, wie überall in der Welt auch.
Recht haben und recht bekommen sind auch in dieser sieben-attributigen Ordnung zwei gänzlich verschiedene Angelegenheiten.
Natürlich ist es diesbezüglich gänzlich anders als unter Honeckers Befehlsgewalt. Total anders, aber eben auch nur anders, nicht so furchtbar viel besser.
In der DDR regierte die führende Rolle der Partei. Die Partei, die Partei, die hat immer recht. In der BRD regiert auch die führende Rolle der Regierungspartei, im Einklang mit der Deutschen Bank und den Konzernbossen. Sollte eine Partei die Wahlen verlieren, schmeißt sie sich mit der Opposition zusammen und weiter geht's.
Die Regierungspartei hat gleichfalls immer Recht und die Weisheit mit großen Löffeln gefressen. Das verdeutlichen die stets völlig bescheuerten und generell immer unbrauchbaren Vorschläge der Bundestagsabgeordneten, die einer anderen, als der regierenden Partei angehören. So bleibt sehr oft die brauchbarste Lösung eines Problems einfach nur dadurch unberücksichtigt, weil Problemlösungen vom politischen Gegner niemals eine Lösung sein dürfen!
Nur bei den wechselweise eingebrachten Anträgen zur Diäten-Erhöhung haut man sich im Selbstbedienungsladen anerkennend auf die Schultern. Da herrscht Konsens!
Für den Staatsbürger ist es ohnehin unerheblich, welche Partei ein wenig das Sagen hat. Deutsche Politik wird nicht unerheblich in den Chefetagen der Deutschen Bank und der Konzerne gemacht.

Im Gesundheitsministerium mischen gewaltig die Pharma-Bosse und im Verkehrsministerium die Auto-Konzerne mit, im Umweltministerium…..usw., usw.

Wahlergebnisse, mit denen der Bürger angeblich seine Mitbestimmung verwirklicht, ändern keinen Deut diesen Lauf der Dinge.

Die Plantagen-Neger
Immer mehr habe ich das Gefühl, Plantagen-Neger auf der Insel "Beitrittsgebiet" zu sein, die dem Mutterland angegliedert wurde. Von der Brücke, die die Insel fester an das Mutterland binden soll, stehen noch nicht einmal die Pfeiler. Die Neger meutern, dass sie diskreditiert, ihre Identität vermissen, ihre Plantagen, ohne Hoffnung auf Neupflanzung verdorren. Auf dem Festland können sie ihre Produkte nicht absetzen. Sie müssen sich arbeitslos dem Suff hingeben.
Die auf dem Festland meckern gleichfalls, dass die faule, permanent jammernde Bande sich selbst aufgedrängt hat und jetzt ohne Eigeninitiative am Tropf des eins blühenden Mutterlandes hängt und die Insel, als Fass ohne Boden, jährlich Milliarden DM durch den Schredder jagt.

Jede Seite hat Recht, jede von ihrem Ufer aus. Kaum einer winkt dort noch euphorisch.

Auf meiner Insel, aus meiner Sicht, macht es keinen Unterschied, ob mich die Stasi aus dem Betrieb scheuchte oder jetzt Frau Breul. Nur die Breul arbeitet flächendeckend.
Auch der Qualitätsunterschied zur Angst vor der früheren Staatswillkür oder vor dem jetzt jederzeit möglichen Arbeitsplatzverlust ist nicht so gravierend.
Was nützt mir das herrliche Freiheitsgefühl, wenn ich meiner Enttäuschung luftmachend noch so lange laut brüllen darf: "Kohl und Seehofer sind doof" und die bleiben das trotzdem und ich nur heiser.
Auch wenn Hunderttausende mit mir im Chor brüllen, dann wenden sich nicht die 100 Politiker, gegen die gebrüllt wird, sondern die hundert Politiker wenden die hunderttausend Brüller, mit Wasserwerfern oder gelegentlich auch mit dem Knüppel. D.h. sie selber machen das natürlich nicht, sie lassen machen.
So richtig lupenreine Demokratie ist das aber auch nicht!
Als wir in der DDR zigtausendfach brüllten:"Stasi in die Produktion", da haben die Genossen überraschend schnell zugestimmt, als sie sich an den Reisswölfen schon mal warm gemacht hatten.
Nur wollte sie in der Produktion mangels Qualifikation keiner haben, da mussten sie notgedrungen wieder in's Management.
Mich wollte weder dort, noch in der Produktion so richtig einer haben. Ist das eine verrückte Welt!

In der "Konsum-Zone" musste ich gegen die Staatsmacht artig sein, heute um so artiger gegen den Arbeitgeber, falls überhaupt vorhanden. Dem wurde auch schon bei seinem Auftauchen am Horizont der rote Teppich ausgerollt und ein Koffer voll Fördergelder entgegen getragen.
Den sollte klugerweise jeder Arbeitnehmer täglich die Füsse küssen, auch wenn er die herbsten Schweisssocken trägt.
Dafür habe ich Kündigungsschutz, Kündigungsfristen, Tariflöhne, gewerkschaftliches Mitspracherecht und evt. einen Betriebsrat zur ausgleichenden Belustigung. In den hinzugekommenen "Neuen Bundesländern" ist dieses lästige, investitionshemmende Unkraut gleich zu Beginn Herrn Stihls Kettensäge zum Opfer gefallen. Trotzdem zieren sich die Investoren.
Die ganz Innovativen allerdings, zum Beispiel "Knüller-Milch" etablieren im Beitrittsgebiet, von 25 Millionen Fördermitteln begleitet, eine neue hochmodernen Joghurt-Abfülle. Schafft hier 125 lohnsparende Arbeitsplätze und macht seine alte Produktionsstätte mit 150 teuren Arbeitsplätzen in Bayern platt.

Ich habe meinen Betrieb, nicht himmelhoch-jauchzent, aber auch nicht zu tode-betrübt, nach 12 jähriger Bschäftigungszeit gemäss der Breulschen Hochinnovativ-Betriebs-Bewirtschaftungslehre mit dem Trennschleifer kurz und klein gewurzelt. Parallel dazu, die ausgeweidete Immobilie nach Kräften bewacht, in der Hoffnung, beim Ausrollen des roten Teppichs mitwirken zu dürfen, wenn ein 40 Millionen schwerer Investor sich interessiert zeigt. Um potentielle Investoren nicht von vornherein zu verprellen, haben wir Dienstbezüge über der 1000 DM-Schallmauer strikt abgelehnt! 6 mal 3 Monate lang! Wenn der Hamburger Sequestor mal hier vor Ort sequestet hat, habe ich auch Füsse geküsst. Seine Socken waren in Ordnung.
Jetzt nach 6 mal 3 Monaten, hat er juristisch waterproof unsere Arbeitsverträge nicht mehr verlängert.

Ich habe allein die letzte Nachtschicht und verabschiede mich beim Igel, der Fledermaus und den Fragmenten meines 12-jährigen Arbeitsplatzes.
Ich stehe am Grab meiner eigenen Beerdigung und weiss nicht, ob ich nach der Beerdigung in den Himmel oder die Hölle komme. Ich weiss aber aus sicherer Quelle, dass in beiden Abteilungen für 54-jährige nur Jobs in der Aquise noch verfügbar sind.

Nur die pietätlosen Elstern auf den Papierkörben grinsen schadenfroh!
Ich mache würdevoll bei "Shanty" endgültig das Licht aus.
Die Würde des Menschen ist unantastbar!
Der Mensch muss aber auch etwas dafür tun.
(Das ehemalige "Bezirksjugendobjekt", in dem 1600 Leuten einmal ihr Auskommen hatten, wird gesprengt!)

Jetzt bin ich Plantagenneger, dem Massa die Machete weggenommen hat!

Die Franke-Stiftung (nicht die von Halle/Saale)
Auf den Fluren des Arbeitsamtes ist Gedränge. Ich drängle mit. Die Atmosphäre ist bedrückend. Dieses Flair kann ich nicht beschreiben. Dazu fehlen der deutschen Sprache die dazu erforderlichen Wortschöpfungen. Sie wurden sein 1933 für eine treffende Beschreibung dieser eigenartigen Situation
im Wortschatz nicht mehr benötigt und demzufolge nicht weiterentwickelt.
Zum Teil sind die dort dicht gedrängten Menschen mental ziemlich down (mental ist jetzt schwer in Mode bzw. "in" und down ist neudeutsch und auf Arbeitslose sehr zutreffen).
Andererseits sind die meisten mit dem Auto angereist, gut genährt und gekleidet und Mieter einer brauchbar möblierten, beheizten Wohnung. Jeder, der auf diesem langen Gang ernsthaft auf Arbeit wartet, befürchtet, dass sich nach längerer Arbeitslosigkeit sich ein, zwei, dieser Wohlstands-Kriterien zum negativen verändern könnten. Ich natürlich auch. Zum hereinbrechenden Unglück zählt die Nichtmehr-Finanzierbarkeit des Autos, des Häuschens im Grünen, die Reise nach Lanzarote für den einen, für den anderen evt. das finanziell erforderliche Umsteigen vom Nike-Jogging-Dress oder der Levi-Strauss auf No-names. Auch keine Knete für Disco, Erlebnisbad, Tina-Turner-Konzert, für die teure Angel, den PC, das Mountain-Bike kann erhebliche Sorgen und Unwohlsein hervorrufen.
Auch bleibt, wie man täglich sieht, vielen Sozialhilfeempfängern immer noch die lebenserhaltende Büchse Bier in frischer Luft und im Kreise Gleichgesinnter und deren Wauwis, die auch Stütze bekommen.
Vor zweieinhalb Stunden habe ich von der Kinokarten-Rolle auf dem Korridor eine Nummer abgerissen. Der Aufruf derselben, die ich mir halblaut dauernd vorsagend eingeprägt habe, schreckt mich aus den noch nebenbei durchgeführten philosophischen Betrachtungen.
Ich werde erfasst und mein IQ festgestellt. Des weiteren meine arbeitsmäßige Verwendbarkeit ermittelt.
Was können sie denn?
Ich kann unwahrscheinlich viele brotlose Künste:

  • Schweissen, klempnern, schlossern, fliesenlegen, elektrikern, mauern, putzen (ohne Decke) tapezieren (Decke nur zu zweit) Stapler fahren. Alles ohne Schweiss- oder Staplerschein, Schaltgenehmigung und IHK-Abschluss.
  • Mehrere Sprachen, die mittlerweile alle eingefroren sind. Ich müsste sie auftauen, aber wozu?
  • Das Morsealphabet mit einem unheimlichen Zacken hören oder mit der Morsetaste in den Äther hämmern. Das ist heute völlig out. Für die Nachrichtenübertragung gibt es Automaten und Satelliten.
  • Radar- oder Funkgeräte reparieren, wenn sie älter als 15 Jahre sind. Bei diesem Herstellungsdatum hat die Stasi meine Weiterentwicklung unterbrochen.
  • Auf einem PC CorelDraw, Adobe, Exel, Power-Point, Win- und anderen Words, 10-fingermäßig flott, blind und grafisch verziert darbieten.

"Hmmm, ja, das wäre sicher verwertbar, wenn Sie weiblich, langhaarig- und beinig, gut aussehend, (arbeits)willig, kinderlos, unter 25 Jahren und möglichst darüberliegender Berufserfahreng wären", denkt wohl jetzt leise mein Arbeitsvermittler.
Laut sagt er aber: "Mann, Sie sind aber auch für jeden Vermittler ein Härtefall!"
Ich bekomme meine Rücken-Nr. (Bei allen Anfragen bitte angeben:)

1221 BKZ: 4711 St.Nr. 029/1532217
ENR: 050207-21.06.93-62888

und ausser dieser, durch mehrfaches Glück begünstigt, eine ABM-Stelle:
Weil:

  1. ich auch wirklich eine Beschäftigung haben will, gleich welcher Art
  2. vor mir keiner so bescheuert war, diese angebotene Stelle auch anzunehmen
  3. ich nach Erhalt meiner Rücken-Nr. einer Arbeitsvermittlerin zugewiesen werde, und wir uns flüchtig, aber doch ausreichend genug kennen.

Der Vorturner
Mein neues Betätigungsfeld ist mir nicht auf den Leib komponiert. Ich bekomme auf meine Bitte hin von meiner Arbeitsvermittlerin die Zusicherung, dass mir Handtuchschmeissen vor Ablauf des ABM-Jahres nicht übelgenommen wird, denn:
Ich werde Vorturner einer Riege schwervermittelbarer Jugendlicher. Jeder Jugendliche und jede Jugendlichin als Einzelperson ist ganz umgänglich und verträglich.
Augenfällig sind die unterschiedlichen Standpunkte zwischen dem staatlich geförderten "Träger der Massnahme" und dem hart kalkulierenden mittelständischem Unternehmer. Eine Woche Probezeit in der Wirtschaft, mehr würde kaum eine(r) aus der Turnerriege überbieten.

Mein besonderer Pflegefall, ein 18-jähriger ist vom Schicksal besonders hart gezeichnet. Er schmiess auf der Werft die Lehre als Schiffbauer, weil ihm da schon 2 Omas starben. Eltern hat er auch, aber geschiedene. Jetzt wohnt er bei der dritten Oma, aber der Bus zur Arbeit fiel bereits 5-mal hintereinander aus. Jetzt, wo der Bus wieder fährt, stirbt die dritte Oma, aber nicht so richtig. Das liegt daran, dass er schlecht gucken kann. Ein Attest vom Augenarzt bescheinigt das dem 18-jährigen auch per Krankschreibung. Ich vermute: grauer Star, aber die Unverletzbarkeit der Integr…. und die Würde des Arztes und die Unverletzbarkeit des Datenschutzes und überhaupt deswegen frage ich nicht weiter nach. Danach folgt vom Ohrenarzt die attestierte Entschuldigung dafür, dass er nicht hören kann, wie ihn die Oma, die wieder zu Kräften gekommen ist, ins Gewissen redet, weil ihr Liebling doch so selten zur Arbeit geht und wenn, dann 3 Stunden zu spät. Auf diese Weise arbeitet er pro Monat auf Kraft 5 Tage. Auch über ein Attest eines Gynäkologen, mit der bescheinigten Arbeitsunfähigkeit wegen Menstruationsschwierigkeiten, würde ich mich nicht mehr wundern.
Hilfsangebote führ einen erneuten Lehrbeginn als Autoschlosser, wofür er sich angeblich interessiere, sind dann auch nicht so ganz das Richtige. Schliesslich ist er den Arbeitsbelastungen gar nicht mehr gewachsen und bleibt, bevor ihm gekündigt wird, vorsichtshalber ganz weg.

Die ABM-beschäftigungs-therapeutische Massnahme besteht darin, bereits schon ziemlich angegammelte LPG-Landmaschinentechnik, ohne besonderen Schauwert, mit Drahtbürste und Kratzer von Dreck und Rost zu befreien und danach farblich zu konservieren. Dafür muss z.B. ein Rübenroder erst einmal wochenlang zerlegt und die beispielsweise total festgegammelten 32-Muttern mit den Zähnen gelöst werden. Der dazu erforderliche Ringschlüssel ist doch nach der Auflösung der LPG-Werkstatt in der Konkursmasse verdunstet. Ausser dem erforderlichen Gebiss haben die Jungs auch das erforderliche Fachwissen, aber nur mässig Bock, es auch sachdienlich anzuwenden. Vier Landmaschinenschlosser dienen ihr ABM-Jahr ab. Ihre ehemaligen Landtechnik-Stützpunkte veröden zusammen mit den hörbar vor sich hinrostenden Landmaschinen der nicht gewendeten LPG's auf den Dörfern.
Der letztendliche Nährwert dieser ABM-Massnahme 106/93 besteht, bei genügender Vorstellungskraft darin, diese nie wieder zum Einsatz kommende Technik, nur mässig konserviert, auf dem Gutshof so lange dazu deponieren, bis sie als Antik gilt und sich für sie ein Museum "rechnet". Das kann bei der angespannten Finanzlage im Land aber ganz schön dauern!

Nicht nachdenken nur kratzen, mit selbstgefertigten Schabern. Sandpapierfetzen, abgewetzten Rotationsbürsten in der Multimax-Bohrmaschine an den verwinkelten, korrodierten Konstruktionen. Beschäftigungs-Therapie vom feinsten. Aber nicht alle zu therapierenden finden sich dazu verblödet genug, mich ausgenommen.
Sandstrahlen, thermisch oder chemisch behandeln, ordentlich Technik ran, spritz- oder einbrennlackieren und wir wären in paar Wochen fertig und….. arbeitslos!
Stochern, kratzen und schaben, das funktionierende Konzept der dritten Welt, Arbeitsplätze zu erhalten. Die Bedingungen gleichen sich, folglich kann man auch bedenkenlos dieses Konzept übernehmen. Das ist todernst und nicht abwertend gemeint.
Man muss dazu nur den deutschen Stolz ablegen, für den ohnehin nach der hier herrschenden Wirtschaftssituation kein Bedarf mehr besteht.
In der Kiesgrube schaufeln 20 Mann die Loren voll und können vom Lohn leben, nicht prassen. Der grosse Massa kauft von Frau Breul die Kiesgrube ganz günstig und auch noch weniger günstig einen grossen Bagger. Schaufeln ist nicht mehr zeitgemäss und "rechnet" sich nicht. Rechnen heisst für Massa: die Yacht, der Ferrari und Hilton Honolulu. 19 Mann leben fürderhin auf Staatskosten von der "Stütze", einer fährt den Bagger. Würde Massa die Anschaffungskosten für den Bagger sparen und die Stütze vom Staat dazu bekommen, bliebe 19 Mann die Arbeit erhalten und die Melancholie, der Suff, die Resignation erspart. Aber die eine Seite schmeisst nicht das gesparte Geld für den Bagger; und die andere Seite nicht die Stütze in den Lohntopf und somit funktioniert das nicht.
Ich fände es angebrachter Arbeit, statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren.
Wenn Massa noch lohngeld-stützend den Ferrari in einen Opel abwerten würde, würde das Modell fast reibungslos funktionieren.
Soziale Verantwortung im vernünftigen Einklang zur Wirtschaftlichkeit; das Verhältnis von 1:10, so scheint mit, möchten die neuen Investoren möglichst festschreiben.
Der Glaube an Veränderung ist utopisch, das hat Karl Marx schon konstatiert. Der hatte sich auf utopisches Denken spezialisiert und wollte die jetzt zurückgekommene Utopie mit der gerade kommunistisch gescheiterten ablösen.

Up'n Dörp
Unser Treiben bleibt im Dorf nicht unbeachtet. Die Techniker, Traktoristen, Mähdrescher-Piloten sind zum grössten Teil nach der Abschaffung ihrer ehemaligen Arbeitsstelle natürlich auch beschäftigungslos. Sie schauen gelegentlich über den Zaun und nicht gerade vor Ehrfurcht erbleichend auf unser Werk. Ich weiss wie ihnen zu Mute ist, so wie mir, als Sahib mir die Machete weggenommen hat! Ich nutze sehr gerne die Kontakte mit diesen bodenständigen Leuten.
Ihr ABM-Jahr haben sie alle schon hinter sich. Das Arbeitsamt lässt sie erst einmal abtropfen. So entlädt sich ihr Unmut über die Beschäftigungslosigkeit zornig gegen das Arbeitsamt und die dort arbeitenden Nudisten, denen dennoch alle in die Tasche greifen wollen.
Im Gegenstz zum gleichsam arbeitslosen Werftarbeiter in der grossstädtischen Plattensiedlung haben die Landleute es dennoch erheblich leichter. Der Dauerarbeitslosigkeit können sie kaum entfliehen, aber wenigstens der näherkommenden Zimmerdecke.
"Zetors" Häuschen aus "Naubauern-Zeiten" strahlt in blendendem weiss. Er hat neben der LPG-Werkstatt die Grube für den Karbid-Schlamm ausgeräumt. Die ehemaligen Autogenschweißer stellten "Atze" aus Karbid her, nach dem Vergasen bleibt schneeweisser Schlamm im Gasentwickler.
Der kostengünstigste Anstrich für schneeweisse Fassaden(!), zum Nulltarif und mit Abstand beständiger als beispielsweise die schweinisch teure "Algina" –Tünche aus dem Baumarkt.

Jetzt kommt "Zetor" aus seinen Garten, er war mit dem Absammeln der Kartoffelkäfer beschäftigt, erzählt er mir am eisernen Hoftor. Seinen gleichnamigen, mittlerweile ziemlich angerosteten Trecker malen wir später bunt, so wie er gerade seine Finger. Sie sind ganz gelb vom Zerquetschen der Kartoffelkäferlarven.
"Die jetzt angebotenen Kartoffelsorten sind mir einfach zu festkochend" meint er, seine Aktivitäten erläuternd. "Meine angebaute "Adretta" ist mehlig glitzernd, mit Rissen in der gekochten Pelle und Geschmack." Auch bestünden geschmackliche Unterschiede zwischen seinen pickligen Gurken und Tomaten der Quedlinburger Marke "Harzfeuer" und den holländischen Wassersäcken bei bei… ja wo eigentlich. Im Dorfkonsum sind die Scheiben eingeschlagen und in die Kühltruhe haben "sie" reingekackt.

Die beschäftigungsmässige Perspektive der älteren Landleute geht gegen Null! Sie haben in der LPG 600 bis 800 Netto verdient. Nebenbei am Strassenrain einen Bullen gemästet, Hühner und eine Sau sowieso.
"Zetors" Neubauerngehöft liegt in der Kurve der Dorfstrasse. Wenn er für die LPG mit seinem gleichnamigen Traktor mit Strohballen-Logistik beschäftigt war und dabei mit ordentlichen Zaster die Kurve nahm, flogen paar Ballen schon fast von alleine Bullen und Sau vor die Hufe. Mit Futter-Runkeln ging das noch besser, die sind rund und rollen auch noch bis zum Nachbarn. Der ist Schlosser und schweisst dafür ein Gartentor zusammen.
Die West-Rente, die der ehemalige Traktorist in 10 Jahren bekommt, fällt nun nicht so üppig aus, weil sie den damaligen Zugewinn durch den Bullen, das Stroh und die Runkeln in der Rentenberechnung nicht vollständig berücksichtigt.
Mit in den Genen eingebrannten Organisations- und Improvisationstalent lässt dennoch kaum einer die Fahnen auf Halbmast wehen. Mit 7 Hühnern, 3 Schafen, 385 Bienen, 2 Gartenzwergen, dem gebrauchten "Kombi", der mit Dieselmotor ausgerüstet, ganz prima mit Heizöl läuft. Das Wochenende verschönert ein Fässchen Bier, geteilt mit dem Nachbarn auf der Gartenschaukel.
Die gewachsene Dorfgemeinschaft funktioniert noch.
Der Wiedereinrichter, Bauer Lindemann, fährt mit seiner neuen "John Deere"-Zugmaschine einen Hänger Kartoffeln auf den Dorfplatz, nebst Dezimalwage und Gewichten. Laut Zetteln an den Telegrafenmasten

1 Zentner 6,- DM, Säcke mitbringen!

Der alten Oma Holtfreter zieht der Nachbar auch den Handkarren mit ihren zwei Säcken Jahresbedarf auf's renovierungsbedürftige Gehöft.
Bauer Lindemann und seine grossen Kartoffeln sind ins "Listing" der Warenketten bisher nicht hineingekommen. Er hat das Schmiergeld noch nicht beisammen.
Erigentlich ist Meck.-Pom. ein riesiger, gut übersichtlicher Kartoffelacker. Zur Sättigung der vorwiegend Kartoffeln essenden Bevölkerung kommen dennoch 65% dieses Grundnahrungsmittel vorwiegend festkochend aus den etablierten Bundesländern. Ich vermisse die mehligkochende "Adretta".
Lt. EG-Agrarkonzeption beschäftigt sich der mecklenburgische Widereinrichter nun vorwiegend mit Raps- und Löwenzahnanbau. In der Blütezeit arbeiten die riesigen Flächen Ton in Ton. Aus Raps wird Öl gemacht für die importierten Bratkartoffeln. Bienen machten früher daraus auch Honig, aber den will heute keiner mehr haben. Rapshonig ist hell, "trendy" ist aber dunkler Honig und überhaupt, das "Listing"!
Die Bienen haben das eingesehen, die Hummeln müssen einspringen und jetzt Sonderschichten fahren.

Meine Mittagspause ist längst am Zaun verquatscht! Unerklärlicherweise hat keiner aus meiner Turnerriege mich darauf hingewiesen. Sehr rücksichtsvoll haben die Jungs während meines Plausches am Hoftor jeglichen Arbeitslärm vermieden. Überhaupt hält sich die von ihnen ausgehende Lärmbelästigung in erträglichen Grenzen. Langstreckenweise hört man gar nichts.

Luftaufklärung
Ausser von den Dorfbewohnern werden wir noch von höherer Stelle ständig beobachtet.
Aus einem Storchennest auf einer leicht schräg über den Gutshof ragenden riesigen abgestorbenen Lärche. Im Gegensatz zu uns, liefert das Storchenpaar nach 3 Monaten 4 Fertigprodukte ab, wir nur eineinhalb. Entsprechend abfällig, im wahrsten Sinne des Wortes, bewertet die übergeordnete Stelle auch unsere in ihrem Erfassungsbereich abgestellten Halb- und noch Garnicht-Fabrikate.
Sie scheissen darauf. Pausenlos!
Die verfütterten Frösche von den umliegenden Löwenzahnplantagen erzeugen bei den Jungvögeln anscheinend Durchfall. Dennoch herrscht aber schon ab Kleinkindalter da oben im Nest Reinheitsgebot.
Die Störchlein tasten sich rückwärts, ihren ständigen Stuhldrang nachgebend, ganz vorsichtig, auf den Zehenspitzen tänzelnd an den Nestrand vor.
Eingeweihten darunter lässt diese Verhaltensweise fairerweise Zeit unter Abbergung ihrer Habe, den windabhängigen Aktionsradius klugerweise zu verlassen.
Vorteilhaft erweist sich der Briefträgerblick.
Städtische Briefträger werfen bei ihrer Tätigkeit ein Auge auf die Hausnummer und die verbleibenden auf die Adresse des Briefes. Wer bei uns auf dem Hof Landmaschinen zerlegt, wirft ein Auge auf die zu lösende Radmutter und alle weiteren auf das Storchennest.
Kurz vor seiner Fertigstellung erzeugt ein Jungstorch einen sehr sämigen fein gebündelten Kalkstrahl von ca. 60 cm Länge. Von einem Altvogel plätschern hundert cm sehr druckvoll herab!
Wer trieft und die Luftaufklärung vernachlässigt, der entgeht in letzter Sekunde nur noch durch einen Beckerhecht unter den Rübenroder der drohenden Erblindung durch das Säureattentat.
(Selbstverständlich haben wir uns nur gelegentlich in diesem Umfeld betätigt, zum Ersatzteilabbau oder zum Ankoppeln der Abschleppleine.)

Die schlagfertige VIERUNDFÜNFZIG
Ich repariere mit Uwe, dem ABM-Tischler, die Turmuhr. Die frisch eingezogenen Balken des denkmalgeschützten Dachstuhl brachten das umfangreiche Gangwerk der Uhrenmechanik aus dem Lot. Wir loten, messen und simulieren. Wiegen sorgfältig ein, ölen und richten das Werk aus. Danach scheppert sie wieder los und bedankt sich bei und viertelstündung für ihre Gehilfe. Verausgesetzt ich vergesse das allfreitagliche aufziehen nicht.
Endlich einmal etwas vollbracht, eine Rechtfertigung dafür, dass ausser der wiederbelebten Turmuhr um 05.15 Uhr auch mein Wecker scheppert.
Auch die glücklichen Kühe von Bauer Lindemann vermissten die akustischen Schläge der Turmuhr zur zeitlich abgestimmten Regulierung ihrer freiwillig gesteigerten Milchproduktion.
Uwe ist Baumaschinist, Multitalent und Witzbold, kann aber auch mit der noch intakten Gutshof-Tischlerei phantastisch ABM-mäßig umgehen.
Die Tischlerei grenzt unmittelbar an das Hofgelände des Wiedereinrichters Lindemann bzw. an dessen Kühe auf dem schlammigen, völlig zertrampelten Hof.
Bauer Lindemann hat schöne schwarz-weisse Kühe und eine Magd, sie sehr gut zu den Kühen passt. Sie unterhält und beschäftigt sich rührend mit den Tieren und geht auf deren Wünsche und Bedürfnisse ein.
Auf dem besagten Hof, wo die Kühe zum Morgenappell vor dem geordneten Gang auf die Weide antreten müssen, ist die Gülle-Grube nicht ganz TGL-gerecht abgedeckt. Der Blechdeckel wölbt sich bei Belastung je nach Kuh und Euter schon etwas beängstigend in die Grube. Alle Kühe wurden belehrt und berücksichtigen diese Unzulänglichkeiten. Nur die Nr. 54 mit ihrer gelben Ohrmarke parkt dennoch des öfteren mit ihrem tiefergelegten Euter auf dieser Gefahrenquelle. Sie steht zusammen mit dieser Last auf dem eingebeulten Deckel und Uwe fast neben ihr, nur halt hinter dem geklappten Eisengitter-Fenster der Tischlerei. Die Magd, setzt bei ihren Schützlingen auf anti-autoritäre Überzeugungsarbeit und so auch jetzt bei dem Blechverbeuler: "Natürlich, VIERUNDFÜNFZIG! Wie oft habe ich Dir schon gesagt, Du sollst da nicht drauf rumtrampeln" ---- "Erst dreimal" tönt die Kuh, in einem Tonfall, wie er eben nur Kühen der tiefergelegten Fünfer-Reihe eigen ist, allerdings mit einem etwas menschlichen Akzent.
Die Magd und die VIERUNDFÜNZIG planen jetzt eine Aussteiger-Karriere.

Nach 8 Monaten schmeisse ich das Handtuch.
Nicht wegen der unbefriedigenden Arbeit oder dem Storchenbeschuss. Die Schwervermittelbaren rechtfertigen täglich auf's neue ihren Status und ich möchte doch gerne noch erfahren, wie hoch meine Rente ausfällt.

In geheimer Mission
Meine Arbeitsvermittlerin beim Arbeitsamt hält sich an ihre Zusage, bemerkt mein Nervenzucken und die Demenz-Symptome und erachtet wohl mein Weiterleben für förderungswürdig. Mir wird eine andere ABM-Massnahe kundgetan, qualifikationsmässig hoch angebunden. Ich unterdrücke mein Nervenzucken und bestehe den dortigen Härtetest des Vorstellungsgespräches. Ohne Klarsichtfolie, Büttenpapier und Laserdrucker, allerdings weiss ich nach bestandener Einstellung auch nicht, wofür ich eigentlich eingestellt bin. Bei "Shanty" betreute ich (nach meiner Ing.-Rückstufung) mechanisch und elektronisch einen moderne spanische Hochleistungs-Zuschnittmaschine. Solche Spezialkenntnisse erfordert die Aufgabe, die jetzt auf mich wartet. Mir geht die Muffe, zumal alles weitere geheim ist. Die Spezialkenntnisse werden weit im Süden gebraucht nebst den dazu gehörenden Fachkräften, die zu Hause keinen Igel zu kämmen haben, was jetzt unabhängig und flexibel heisst.
Erst in letzter Sekunde kommt der detaillierte Gestellungsbefehl. Ich packe meinen Dawei-Koffer, werde früh um 04.00, wie vier andere Geheimdienstler (mit ABM-Lizenz zum Arbeiten) vom Zubringertransporter von zu Hause abgeholt. Nahziel Flughafen Berlin-Tempelhof, Einsatzort in der Schweiz. Wegen gedeckter Truppenführung Absetzung in Friedrichshafen am Bodensee, danach verdecktes Eindringen von der Seeseite her zum Schweizer Einsatzort. Alles klappt "durchgesteilt" generalstabsmäßig.
Ein Schweizer Millionär, Herr Bödili, empfängt uns, d.h. er lässt empfangen. Jetzt kriegen wir endlich mit, worum es sich überhaupt dreht.
Herr Bödili hat beim Aufkauf eines insolventen Betriebes, neben diesen, auch eine Menge Papier unterschiedlicher Qualitäten erworben und daraus den wirklich pfiffigen Gedanken entwickelt, dieses schlecht absetzbare miterworbene Betriebskapital "Fränkli"-bildend zu verwerten. Paletten aus Papier sollen daraus entstehen. Das Produkt überzeugt und ist bereits mit US- und deutschen Patenten geschützt. Der totale Durchbruch für noch ausstehende deutsche Genehmigungen und Gütesiegel erfordert Testmodelle aus einer Fertigungsserie, nicht nur eingereichte, zu Testzwecken besonders sorgfältig gefertigte Einzelstücke.

 

exist Offizieller Hoflieferant des Königreiches Tonga

 

Mich beschleicht Unbehagen, da ich vermute, evt. mechanisch und elektronisch den Hut an der Fertigungsstrecke aufgesetzt zu bekommen.
Wenn das Produkt solcherart zur Fertigungsreife gebracht wird, was ausser Zweifel steht, ist dann im Gegenzug die Fertigung in Meck.-Pom geplant.
Das würde Arbeitsplätze schaffen. Diese Prognose rechtfertigt den Aufwand.
Mit dieser Aussicht ist es von Vorteil, eine Voraus-Abteilung von Technikern, sozusagen von der Pike auf mit der Problematik vertraut zu machen.
Soweit die offizielle Version!
Und nun die schlitzohrige Variante, wir sind in der Schweiz!!
Um eine tausendstückige Serie hinzulegen bleiben Herrn Bödili zwei Möglichkeiten. Die erste wäre eine kostenintensive mechanische Fertigungsstrecke zu installieren. Das wäre mit der Ausgabe von sehr vielen Franken verbunden, eine Tätigkeit, die jedem echten Schweizer mit Rütli-Ahnentafel Schmerzensschreie entlockt.
Die zweite Möglichkeit wäre eine kostensparende manuelle Fertigung durch Arbeitskräfte möglichst aus Billiglohnländern. Das wiederum ist in der Schweiz erstens nicht so einfach, wie im deutschen Lohn-Dumping-Beitrittsgebiet und zweitens, immer noch viel zu teuer. Schweizer Einwanderungsgesetze halten Ordnung im Land.
Deutsche haben in der Schweiz allerdings freien Zutritt.
Herr Bödili findet hier einen solchen "Spezialistentrupp" noch kostengünstiger für seine Zwecke zu nutzen, als die allergenügsamsten Pakistanis oder Tamilen, die man zudem nur schwer ins Land holen kann.
Ich darf dabei sein.

Unkosten-Verteilung:
Schweiz: Pro Tag und Mann

  • 27 Franken Auslösung
  • 15 Franken Unterbringungskosten in einer Pension
  • ABM Entlohnung
  • Hin- und Rückflug pro Monat ein Wochenendurlaub
  • Diverse Ausgaben für fehlende Arbeitsmittel
  • Nach dem ersten Monat ein Dienstwagen


Wir treten am nächsten Morgen nach 20-minütigem Fußmarsch mit 9 Mann an. Ingenieure, Techniker, Werkzeugmacher-Meister. Edgar hat Fachbücher mitgebracht und eine Formelsammlung. Die packt er schnell wieder ein, als der Abgesandte von Herrn Bödili uns in die Hochleistungstechnik einführt und diese seinerseits auspackt.
Das Kernstück bildet ein Nudelholz hölzerner Bauart, dort Wallholz genannt. Ferner pro Mann ein Pinsel und ein Putzlappen. Gemeinschaftlich verfügen wir noch über eine Schere, ein Stahllineal, zwei Kleisterfässer, einen Hubwagen. Die Arbeitsflächen sind aus Holzpaletten gefertigte Tische.
Papier ist reichlich vorhanden. Die Halle ist geheizt. Es ist Ende November.
Wir schneiden dickes, festes Papier zu. Kleistern es sorgfältig mit dem Pinsel ein und beziehen damit die aus Recycling-Papier vorgefertigten Pressteile für die Papier-Paletten. Die Oberfläche muss völlig
Blasen- und faltenfrei, sauber umgepfalzt ohne Fehl und Tadel sein. Jedes Teil der Riesenserie, die wir in drei Monaten hinlegen sollen, könnte sich schliesslich ein Prüfer unter den Nagel reissen. So brauchen wir Tage für die Entwicklung einer brauchbaren Hochtechnologie. Wir walken mit den verkleisterten Wallhölzern und glätten mit den Putzlappen. Allen schwellen die Muskeln. Wir bekommen richtig Muckis. Manch einer aber auch Gelenkprobleme und muss die Fesseln bandagieren wie ein Rennpferd.
Mittag könnten wir im Migros-Markt essen, aber das ist sehr weit zu gehen. So gibt es dreimal wöchentlich Döner-Kebap, der ist naheliegender. Wochenende kochen wir in der Pension, essen auch mal in unserer Stammkneipe. Schweizer Gastronomie ist allerorts ein Erlebnis! Mit zunehmender Verweildauer umgehe ich allerdings die Rösti.
Rösti sind eine Zwischending zwischen zu klein geschnittenen Bratkartoffeln oder zu grob zerstampften, überbackenen Stampfkartoffeln.
Verehrt wird dieses Nationalgericht nur in der "deutsch"-sprechenden Schweiz, westlich des "Röschti"-Grabens gibt es dafür weit weniger Begeisterte.
Den Kaffeekocher und das Kofferradio bringen wir morgens in der NORMA-Tüte aus der Pension mit in die Werkhalle und nehmen beides nach Feierabend wieder mit zurück, weil wir es morgens dort wieder brauchen.
Nach diesen drei Monaten weiss ich, was es heisst, Gastarbeiter zu sein. Das ist kein besonderes Fieling!
Dem minderbemittelten Ausländer umweht hier, auch bei warmen Föhnwind, ziemliche Kälte.
Betuchte Einreisende, die mit einer verschlankten Brieftasche das Land verlassen, sind hier die Zielgruppe.

Herr Bödeli ist mit nichts zufrieden. Weder mit unsere abgelieferten Qualität und erst recht nicht mit der Quantität. Hier aber gammelt keiner. Wir arbeiten nach ostdeutscher 40-Stunden-Woche, die in der Schweiz abeitgebermäßig aber sehr verpönt ist. Arbeitgeber sehen es sehr gerne, wenn sich der Arbeitnehmer abends vom Betrieb nur schweren Herzens losreissen kann. Herr Bödili legt uns das auch wärmstens ans Herz, obwohl die Lohnkosten nicht sein Bier sind. Wir verspüren dieses Verlangen nicht, nach 8 Stunden stehendem Walken mit Mittagspause auf Papierstapeln. Sitzgelegenheiten sind nicht vorhanden.
Der Ort und die Wochenenden sind an den grauen nebligen Wintertagen im Kanton Thurgau langweilig. An klaren Tagen kann man den Säntis sehen, den Hausberg der Gegend. Wir wandern durch Apfelplantagen und abends in die Kneipe. Von Herrn Bödilis 27 Franken bleibt keiner übrig. Freitags hätte er Zahltag, ständig warten wir auf die 189 Sturz. Unsere Pensionswirtin wartet gleichfalls auf die 15 Sturz pro Mann und Nacht. Nach einer Woche wird es uns zu blöd. Wir streiken für ein paar Stunden. Danach geht Herr Bödili regelmäßiger zur Bank. Abfahrts- und Heimfahrtstage werden nur mit halben Satz vergütet.
Nach dem ersten Heimflug zu Weihnachten bekommen wir von unserem Träger dieser ABM-Massnahme Arbeitsschutzhandschuhe, Gummi-Andruckrollen, eine Bohrmaschine und Geld für den in Schweizer Schuko passenden Verteiler. Wir können jetzt in der Halle Kaffeekochen und das Kofferradio betreiben, ohne blanke Drähte in die Steckdose zu stecken. (Natürlich haben wir die Steckdose vorfinanziert!) Und arbeitserleichternd, den zähen Kleister mittels Quirl und Bohrmaschine in den Fässern sämig rühren.
Zwei Mann rücken nach dem Urlaubswochenende mit einem VW-Passat, statt mit dem kleinen Flieger der "Deutschen BA" über Friedrichshafen an. Der Kombi verbessert erheblich unsere Situation. Jetzt decken wir mittels dieser Transportmöglichkeit unseren Nahrungsmittelbedarf per wöchentlicher Hamsterfahrt zu NORMA in Konstanz. Schweizer Lebensmittel sind teuer. Jetzt geht es uns gut.

Das Schengener Abkommen
Der Schweizer Zoll in Kreuzlingen wirft mehrmals mehrere Augen auf uns. Der Deutsche Zoll ist uns gleichfalls missgesonnen. Auf keiner Seite werden wir durch gewunken. Wir haben alle noch unsere alten abgegriffenen DDR-Persos mit Hammer und Zirkel auf dem Einband. Diese Dokumente sind nicht maschinenlesbar. Die Daten aus fünf Dokumenten müssen eingetippt werden, Adlersystem. Beim Zuschauen bekomme ich Sodbrennen und kalte Füsse. Die Beamten beiderseits können anscheinend nur zöllnern. Weiter erschwerend identifiziert unser Fahrzeug das alte ROS-Kennzeichen, Rostock Land.
So etwas wollte hier noch nie über die Grenze. Zu allem Überfluss findet sich beim behördlichen manuellen Lesen eines Ausweises auch noch ein Fünfzig-DM-Schein, weil sich der mit Bödilis Franken in der Brieftasche nicht vertragen würde. Das wird als Bestechungsversuch missdeutet und produziert wieder Huddelei.
Beim nächsten Provianteinkauf verlangen die Kreuzlinger von Karsten den Pass. "Hab ich im Kofferraum in der Jacke", weil er die beim NORMA-Karton-Schleppen verschwitzt dort deponierte. Beim Hervorziehen fällt aus der Jacke eine Injektionsspritze, eine der heute modernen Insolin-Dosiereinrichtungen. Karsten ist Diabetiker.
Der junge Zöllner vermutet den Chefdealer vom Züricher Bahnhof aufgebracht zu haben und freut sich auf seine vorgezogene Beförderung. Sein hinzugezogener älterer Kommandoführer nimmt den Heißsporn die Illusion. Entweder hat der Chef eine Ausbildung oder auch Diabetes. Karsten hat massloses Schwein.
Wir kaufen die Autobahn-Vignette für 65 Franken. Das stimmt Schweizer Grenzer etwas milder, vorerst. Da wir sie im Handschuhfach und nicht an der Frontscheibe deponieren, erregt sie das wieder.
Bei den häufigen Grenzübertritten aus dem fernen Ausland umweht uns der kühle Wind des Schengener Abkommens. Die Schweiz bildet die Aussengrenze zum vereinten Europa, da sie sich auch aus der EG heraushält, wie aus allen Clubs, wo man Gebühren entrichten muss. So auch aus der UNO. Um sich nicht ganz aus der Völkergemeinschaft auszuklinken, stellt das Land aber stets bereitwillig für deren Zusammenkünfte Tagungs-Hotels und Kongresshallen zu Verfügung. Auch zeigen sich Schweizer Banken immer entgegenkommend, bei der sicheren Aufbewahrung jeglicher Art von Kapitalvermögen. Auch die abgezweigten Beträge aus der Entwicklungshilfe armer Länder werden dort absolut zugriffssicher zusammengehalten, da immer nur der oberste Diktator aus dem Herkunftsland Zugriff hat. Nur dieser und sein Clan, auf Biegen und Brechen. Auch wenn Millionen in dem Land verhungern! Für die armen Schlucker ist dann wieder die UNO zuständig, die vom noblen
Genf aus zu Spenden aufruft!

Die Simultandolmetscher
Die Schweiz ist ein wunderschönes, aufgeräumtes Land, landschaftlich aber sehr zerknittert. Würde man es bügeln, so wie Meck.-Pom. das mal wiederfahren sein muss, würde das Engadin bestimmt bis Sizilien reichen.
Die Schweizer kommunizieren in vier verschiedenen Sprachen, davon ist auf Anhieb nur eine verständlich: Französisch. Deutsch geht auch ganz gut, wenn es in einer Zeitung ausgedruckt wird. Man muss das gedruckte Deutsch dann aber auch selbst lesen. Wenn man es sich von einem Schweizer, sagen wir aus dem Berner Oberland, vorlesen lässt, wäre es ratsamer, die Zeitung dafür einen Nawaro-Indianer zu reichen.
Das ist nicht abfällig gemeint. Der Indianer würde das Gedruckte so wiedergeben, wie es geschrieben steht. Der Schweizer, wenn er einen Volksstamm östlich des "Röschdi"-Grabens angehört, der nicht italienisch oder rheto-romanisch spricht, liest einen deutschen Text wie ein Simultandolmetscher. Er arbeitet mit einem Textverarbeitungsprogramm, liest den deutschen Text und spricht ihn simultan in eine andere Sprache codiert aus. Es gibt dabei nicht die geringsten Verzögerungen, die Hardware arbeitet sehr schnell. Ich bin beeindruckt. Beim Umgang mit deutsch-sprachigen Teilnehmern können die meisten Leute die Codierung abschalten und sprechen dann deutsch. Die Intensität der Verschlüsselung ist in den einzelnen Kantonen und auch von Person zu Person sehr differenziert.

Unser Dienstwagen verbessert erheblich unser Gastarbeiterdasein.
Wir biegen im winterlichen Klosters, Arosa oder St. Moritz an den Wochenenden nur eine Latte am Zaun – und auch die eigene – beiseite und werfen einen verstohlenen Blick auf die Schönen und die Reichen der High-Society. Der nächste Blick gilt immer den Hostessen und deren Blick wiederum unserem Kombi aus "ROS" im Halteverbot.
Zwei Tassen Kaffee in St. Moritzens Kaffeestuben frässen Bödilis Tagessatz von 27 Sturz auf, für die Kellnerin bliebe wohl kaum ein Rappen Trinkgeld. In diesen Gegenden leistet die Landschaft etwas, das muss man ihr lassen und Leistung hat nun mal ihren Preis.

Eine Überraschung
Am Montagmorgen ist unsere Leistung wieder gefragt, am Wallholz. Die schönen Wochenendeindrücke mindern die blasenbildenden Eindrücke des harten Wallholzes.
In der großen Halle hallt das aufgerissene Kofferradio die bayrischen Werbespots, die gelegentlich mit Musik durchsetzt sind.
Einer ist Fan von U2, der nächste "leikt" die Eunuchenklänge der BeeGee's, einer steht auf Heinos schwarzer Barbara. D.h. keiner findet seins, jeder reisst die Hände hoch und bekleckert sich dabei mit Kleister vom Nudelholz. Auf dem engen Raum der sehr bescheidenen Pension wird die Interessenkollision dann noch um zwei, drei Punkte erweitert.
Es ist Freitag, Paletten erlesenster Qualität formieren sich langsam zu einer Serie und mindern den Hall in der Halle.
Herr Bödili gibt nach Feierabend einen aus. Das wurde frühmorgens als "Überraschung" schon angekündigt.
Dann ist es soweit.
In der Halle werden nach Feierabend eine Literflasche Wein mit Schraubverschluss, eine Stange Plastikbecher und 10 eingeschweisste "Flueli-Brote" angefahren. Stehparty um einen Stapel Paletten. Die Plastik-Becher reichen. Bei den Brötlis fehlt jetzt eins, da Herr Bödili eigenhändig erscheint und auch zulangt. Nun muss seine rechte Hand, die mit dem Catering beauftrag war, erneut zum Migros-Markt fahren und für mich, die elfte, nicht einkalkulierte eingeschweisste Gaumenfreude holen. Als er damit zurückkommt, muss ich sie trocken runterwürgen. Im Plastebecher sind meine 3 Millimeter Wein schon verdunstet.
Nach drei Monaten haben wir die gewünschte Serie hingelegt und Herr Bödili seinerseits das kleinstmöglichste Schweizer Taschenmesser von Victorinox und ein Essen im Dorfgasthof.
Das Taschenmesser ist Spitze. Von der gleichen Firma gibt es auch Kartoffelschäler. Davon besitze ich jetzt zwei. Die sind noch spitzer, um auch erfahrungstechnisch den Hausfrauen mal unter die Arme zu greifen.
Ich greife Freuen gerne unter die Arme, nicht nur mit Kartoffelschälern!

Auf Wiederlurke CH, Converderation Helvetia.
Ein Land mit bemerkenswerten landschaftlichen und lukullischen Darbietungen, mit für mich gewöhnungsbedürftigen Bewohnern, die in "sich rechnender Wirtschaftslehre" alle "summa cum laude" abgeschlossen haben müssen.

Die Abdrift des Herrn Bödili
Jetzt protze ich zu Hause mit meinen Muckis wie Schwarzenegger und Fachwissen. Ich kenne den Urschleim und den ihm ähnlichen Kleister der papierenen "Swiss-Paletts" und habe der Serie, hand-made by Ossies, zu allen Gütesiegeln verholfen.
Jetzt schauen wir uns in Meck.-Pom. für geeignete Immobilien und Fertigungstechnoligie um, um die herum wir ja demnächst den harten Kern bilden sollen, arbeitnehmer- und fachwissensmässig.
Von meiner ABM-Besoldung richte ich ein Sonderkonto ein, um aus diesen dann zubuttern zu können, um mit Bödilis zu erwartender Entlohnung, die Kernbildung finanziell zu überstehen.
Als Immobilie fassen wir die immer noch leerstehende KFZ-Teile-Halle im Abenteuer- und Erlebnispark neben "Shanty" ins Auge. Für den Aufbau einer Fliessstrecke wäre die technische Ausstattung und das Knoff-Hoff der Ribnitzer Faserplattenwerker artverwandt. Die sind frisch investiert und heißen jetzt "Bestwood". (Nach Abfassen der Fördermittel längst wieder Investruine!)
Wir kontaktierend. Sechseinhalb Monate, dann geht "InvestConsult e.V." die Geduld und dem Arbeitsamt das Geld aus. Herr Bödili ist am Horizont mit seinen "Swiss-Paletts" nicht zu entdecken.
Er ist auf dem Weg zu seiner versprochenen Produktionsstätte zu uns nach Meck.-Pom., wegen der abschreckenden Lohnkosten mit seinen papiergewichtigen Produkten, gerüchteweise weiter nach Osten abgetrieben. Die armen Menschen, die es dort jetzt trifft. An uns ging der bittere Kelch vorbei.
(Mittlerweile finden sich im Internet Dutzende Anbieter von Papier-Paletten.)

Somit steht die KFZ-Teile-Halle in Rostock-Schmarl immer noch leer; und die von "Bestwood"-Ribnitz-Damgarten wieder. Der einstige VEB Faserplattenwerk Ribnitz-Damgarten wurde von Frau Breul für 1 DM an den "Bestwood"-Investor verkauft. Nebst Multimillionen-Dreingabe als Fördermittel vom Land. Mit den erhaltenen 20 Millionen kauft sich der Unternehmer seine eigenen 5 Millionen teuren, gebrauchten Maschinen ab. Mit dem baldigen Konkurs setzt er dem Deal dann sein Sahnehäubchen auf.
Nach der Schneeschmelze verreise ich wieder. Mit dem Fahrrad in die nähere Umgebung. Ich bin arbeitslos und habe dafür Zeit. Wir alle 9 in der Schweiz ausgebildeten "Spezialisten" werden in die Arbeitslosigkeit entlassen. Ich lösen mein eingerichtetes Sonderkonto, mein schweizer Fachwissen und die am Wallholz erworbenen Muskelpakete wieder auf.

Eine Karriere in der Wirtschaft
Während ich mich mit Schwervermittelbaren und "Swiss Paletts" innovativ beschäftigte, machte Sandra eine Umschulung zum dritten Beruf. Sie beschliesst ganz kühn eine Karriere in der Wirtschaft und wird zu diesem Zwecke Wirtschaftkauffrau.
Der "Bildungsträger" ist ein Hamburger Bildungsinstitut und hat in Sachen Betriebswirtschaft schwer was auf der Pfanne. Deshalb wird er auch vom Arbeitsamt finanziell gestützt. Aber nicht so richtig. Die Wirtschaftsfüchse des Institutes erzählen noch allen Schülern wie man so richtig betriebswirtschaftet, verraten auch die letzten Tricks und gehen dann vorsichtshalber erst einmal pleite.
Ca. 2 Millionen DM verdunsten dabei, wie es sich für einen sachkundig durchgeführten Konkurs in Betriebswirtschafts-Kreisen gehört.
Alle Umschüler haben Ferien.

Dann übernimmt die Kronen-Schule in der Stadt die angebildeten Umschüler. Diese haben jetzt nach 18 Monaten den 7. Dozenten. Zur Prüfung fallen dann 22 durch und 5 bestehen. Die 5 dürfen enttäuscht gehen, aus der Schule in die Arbeitslosigkeit. Die 22 erfreuen sich bis zur Neuprüfung noch 6 Monate an ihrem Job. Nach 6 Monaten folgen die 22 den fünfen.
Umschüler seien auf dem Arbeitsmarkt nicht ganz so gefragt, wird gemunkelt. "Mann" denke da im Büro mehr an 22-jährige mit mindestens 10-jähriger Berufserfahrung.
Sandra trägt das 27-ste top aufgemotzte Bewerbungskunstwerk zur Post. Für die Kosten geht wohl ihr halbes Arbeitslosengeld drauf. Nur wenige Kunstwerke werden zurückgeschickt. Sicher wegen des hohen Sammlerwertes und wegen des schönen Passbildes. Meine Frau ist sehr schön.
Jörg ruft an. Die Chefin vom Vermessungsbüro Becker in Vorder-Briesehagen ist eine gute Bekannte von ihm. Das "Vorder" bei Briesehagen ist irreführend, es liegt ganz hinten. In der Firma ist die Sekretärin zwar jung und hübsch, aber nicht so arbeitsenthusiastisch. Die Chefin ist weiblich und somit wirkt sich das negativ aus.
"Du musst aber gleich kommen, wir fahren zusammen hin", sagt Jörg durchs Telefon. Sandra brettert stehenden Fusses los, redet fünf Minuten und hat den Job. Ohne Passbild, Tintenstrahldrucker und tabellarischen Lohnvorstellungen. Man muss halt einen kennen, der einen kennt, dann kann man sich auch den Tintenstrahldrucker und den Schminklehrgang sparen.
Sandra wird 5 Tage früher eingestellt, bevor ich arbeitslos werde. Wir müssen beide mit einem Auto in verschiedene Richtungen auf die Dörfer zur Arbeit. Sandra, als die Neue, muss daher überpünktlich sein. Ich, als der noch 5 Tage Beschäftige, trennt sich deswegen nicht mehr das Futter aus der Jacke.

Da ich keinen Beruf mehr habe, bin ich auf dem Arbeitsmarkt chancenlos. Das Arbeitsamt lässt mich abtropfen. Ich habe dafür Verständnis. Arbeit wird immer knapper und muss gerecht verteilt werden.
Ich frage in Druckereien nach. Biete mich kostenlos zum gegenseitigen Beschnuppern an. Mittlerweile habe ich Adobe, Coral-Draw, Power-Point, Exel u.a.m. drauf. Aber gerade wegen dieser Computer-Technologien werden ein Haufen Drucker und Gestalter arbeitslos", erklärt man mir. Auch hier ist der Bagger angerückt und hat die mit der Schippe nach hause geschickt. Da kommt noch so ein Jobkiller. Ich habe denen mit meinem Bagger gerade noch gefehlt.
So baggere ich zu meinem eigenen Vergnügen. Kreiere Silvester- und Geburtstagskarten, eine Bierzeitung und Gedichte, bastle an meinem Modellflugzeug, lümmle im Garten auf der Holly-Wolly-Schaukel marke Eigenbau und kippe die Kacke aus der Klärgrube auf die Harzfeuer-Tomaten. Damit versaue ich lt. dem Trinkwasser-Zweckverband unwahrscheinlich die Umwelt. Die über mir kreisenden Seeadler und die Biber im Torfstich halten sich entrüstet die Nase zu. Nicht wegen meinen 3 Pfund Kacke, sondern wegen Lindemanns Gülle, die er von 200 Kühen hundert Hektoliter-weise im Trinkwasserschutzgebiet versprüht. Aber die passt auch nicht ins überdimensionierte neue Klärwerk und schadet auch nicht der Natur. Gerade in Meck.-Pom. ist die noch in Ordnung.

Als Arbeitsloser wirkt man bedürftig. Wir bekommen einen Staubsauger geschenkt. Für die Laube können wir den gut gebrauchen, allerdings 'verbirgt das Gerät ein ganz gefährliches Risiko.
Mein Sohn schleppt das Teil an.
Er bekam es von seiner momentanen Freundin. Die ging mit diesem Haushaltsgerät in ihrer Appartement-Wohnung mit Todesverachtung auf ein Spinnentier los. Nach ihrer Schilderung ein Riesenmonster, wahrscheinlich von der Gattung "Schwarze Witwe" oder größer. Der Staubsauger lutschte die Spinne auf. An der Stelle, wo sie den Schlauch passierte, beulte dieser sich leicht aus.
Nach dem sich der neue Staubsauger die Spinne einverleibt hatte, kommen der
Grosswildjägerin erhebliche Bedenken. Sie vermutet einen Ausbruchversuch des Monsters. Diese will sie mit Trommelfeuer-Beschuss vereiteln und hält zu diesem Zweck das Saugrohr des Staubsaugers in die roten Blähton-Kugeln ihrer Hydrokulturen. Zwei volle Hände der Seramis-Kugeln sollen der Spinne den Garaus machen. Obwohl alle hinzugezogenen Fachberater sich fast sicher sind, dass kein Spinnentier ein solches Trommelfeuer lebend überstehen kann, verschenkt das Mädchen vorsichtshalber ihren neuen Staubsauger.
Beim Arbeitsamt tropfe ich weiter ab und melde mich artig im 3-Monatstakt. Meine Arbeitsvermittlerin und ich verstehen uns blind. Sie findet für mich und ich auch nicht eine Arbeit, gemeinsame Probleme verbinden. Also reden wir gleich über etwas anderes.
Im Spätsommer melde ich mich ordnungsgemäß beim Arbeitsamt in Urlaub. Er wird mir gewährt.
Mit Satellit-Pieper ausgestattet, hätte ich eine Woche mehr herausschinden können. Da ja jede Sekunde ein Arbeitgeber-Eilangebot eintreffen könnte, hat der Arbeitslose sich ständig verfügbar zu halten. Vorsichtshalber fahren wir nicht so weit weg, nach Slowenien in die Julischen Alpen. Dort sind die Berge, nicht die Preise ebenso hoch wie in Garmisch oder Kufstein. Zugegeben, in den Slowenischen Bergen ist schon mal ein Schutzgeländer und ein Klettersteig sich selbst überlassen, aber das trifft auch für die umgebende Landschaft zu und die ist dadurch naturbelassen und einmalig. Alles genau nach unserem Geschmack, die netten Leute, die Unterbringung, die Verpflegung das Preis-Leistungsverhältnis.
Ich melde mich beim Arbeitsamt aus den Urlaub zurück. Es ist gerade noch mal gut gegangen, länger hätte ich aber auch wirklich nicht wegbleiben dürfen. Meine Abwesenheit vom Arbeitsmarkt hat die freie Marktwirtschaft nicht übermässig geschadet. Somit kann ich vor Ort in Stand-By-Stellung meine Arbeitslosigkeit weiter pflegen.
Die Urlaubsausgaben waren unseren Dienstbezügen angepasst, dennoch muss ich meinen Anteil am gemeinsamen Einkommen einbringen. Ich gehe Pilze fangen und Pferdeäppel auf der Koppel einschaufeln, damit meine Tomatenpflanzen aus den Puschen kommen. Menschenkacke darf man da nicht drauftun.
Ich habe wenig Freizeit und wenig Geld. Aber mit der gebotenen Bescheidenheit auch keinen Grund zum Klagen. Mir geht es gut, meine Gattin geht täglich fleissig zur Arbeit. Die Decke fällt mir nicht auf den Kopf.

Dafür falle ich selbst,
nämlich hin, beim Volleyball.
In einem Team von Freizeitsportlern spiele ich allmontaglich gegen Gebühr von 3,- DM Volleyball. Das betreibe ich recht verbissen, blocke am Netz gegen Örnies zu vermutenden Schmetterball un d lande mit meinen neuen, schön weichen "Reebok"-Schuhen auf Örnies harter Schuhspitze seiner No-names. Wer den Grenzübertritt begangen hat, bleibt ungeklärt. Das festzustellen habe ich keine Mauke mehr. Ein stechender Schmerz durchfährt meinen Körper und ich beende die Abwärtsbewegung erst ganz unten, auf dem Parkett liegend. Ich ziehe den rechten Turnschuh aus und alle bewundern das augenblickliche meines zum Glück sorgfältige gepflegten Hufes.
Ich humpele zum Auto und gebe auf dem Heimweg nur mässig Gas. Druck unter der Fusssohle schmerzt.
Sandra fährt mich um 21.OO Uhr zum chirurgischen Notdienst in das Südstadtkrankenhaus. Der Flur bis zu den helfenden Chirurgen erscheint mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit unwahrscheinlich lang. Ein Handläufer zum Abstützen ist leider nicht angebracht.
Ich komme sofort dran.
Ein Unterarzt füllt eine viertel Stunde lang Formulare aus und betastet dann 10 Sekunden lang meine Schwellung. Dann schickt er mich den langen Flur zurück zum Röntgen. Ich bekomme meine Röntgenaufnahmen und humpele damit wieder zu den Chirurgen. Ein sehr netter Oberarzt konstatiert dann auf den schwarzen Folien eine Knochenabsplitterung. Er erläutert mir die knöcherne Konstruktion meines Fusses, das darin herum vagabundierende Teil hatte sich verselbstständigt.
Ab jetzt darf ich nicht mehr humpeln, auch nicht die 3 Meter bis zu den Eingipsern.
Vier Wochen Liegegips, zwei Wochen Gehgips. Ich bitte um ein verkürztes Verfahren, da ich Pilze fangen möchte. Weil der Doktor so nett ist, verrate ich ihn, dass er bei Grünlingen die Oberhaut abziehen sollte.
Schwester Annett und ein Zivi gipsen meinen lädierten Huf ein. Ich bekomme zwei türkisfarbene Gehstützen, TÜV- und GS-geprüft und nach drei Tagen eine Thrombose. Obwohl ich mir die "Fraxiparin-Spritzen gewissenhaft verpasst habe. Jetzt wird der frische Gips wieder aufgeschnitten und ich bin ihn los.
Meine Gehilfen vertragen 130 Kg und verfügen über Vor- und Rückstrahler. Damit kann ich am nächtlichen Strassenverkehr teilnehmen.
Auf Krücken gehen ist trainingsbedürftig, geht auf die Arme und ist schweisstreibend.
Ich bereite mir in der Kombüse eine Tasse Tee und gedenke diese im Wohnzimmer einzunehmen. Das Transportproblem ist nicht zu lösen. Mit nur einer Krücke gelingt nur eine hüpfende Bewegung, der Tee macht die dann aber auch. Eine Teekanne mit Bastbügel löst das Transportproblem.

Ich sehe derart Behinderte jetzt mit viel verständigeren Augen an.
Die Gehstützen darf ich fürderhin behaltend, unterm Bett oder auf dem Kleiderschrank einlagern.
Die nimmt niemand mehr zurück. Auch wenn sie noch so gut erhalten sind. Nicht nur Gottes Wege sind unerforschlich, auch die der Krankenkassen. Leichter zu überschauen sind die Wege der Gehstützen-Hersteller und deren Lobbyisten.
Mir kommt der markaber-humanistische Gedanke, Tretminen und Krücken sozusagen im Doppelpack in die bedürftigen Kriegsgebiete zu exportieren. Beide Deutschlands gehörten ja auch bis vor kurzem zu den Herstellern solchen von solchem Teufelszeug.

Schätze der Natur
Der Gletschermann "Ötzi" wusste sie schon zu schätzen, die Schlehe. Er trug diese Wildfrucht als Marschproviant in seiner hirschledernen Brottasche über die Alpenpässe. Da ich keinen ernsthaften
Broterwerb nachjagen muss, widme ich auch wieder diesen Beeren, die ich in den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren gleichfalls verzehrt. Jetzt allerdings will ich diese Früchte verflüssigen – zu Hauswein. Den dafür abzuwartenden ersten Frost kann man den Früchten auch vorgezogen im Gefrierfach angedeihen lassen. Damit die Ernte auf die angenehmeren Herbsttage vorverlegen.
An dem heutigen lauen Herbsttag gewinne ich Sandra zur Mithilfe bei der Schlehenernte.
Wir parken am Feldweg, übersteigen einen Elektrozaun und überqueren eine Kuhweide. Mit Gummistiefeln, Jeanshosen und unseren bunten Eimern wecken wir die Neugierde der Kühe. Sie folgen uns mit ihren gelben Ohrmarken in geschlossener Formation und schliessen dicht auf. Sandra kriegt die Panik und bemüht sich schnellstmöglichst den rettenden Elektrozaun an der Schlehenhecke am anderen Ufer der Weide zu erreichen. Auf Grund der miesen Erfahrungen halten die Kühe zum Zaun und somit zu Sandra den nötigen Sicherheitsabstand ein.
Wir beginnen an der Hecke dicht hinter dem schützenden Elektro-Draht mit unserer Ernte. Die niedrig stehende Sonne erwärmt unsere Rücken, wir entledigen uns der Jacken und recken uns nach den oberen Ästen. Dort hängen die fettesten Beeren. Das T-Shirt zieht sich dabei aus den Jeans.

Ein markerschütternder Schrei zerreisst die Stille. Die Kühe fliehen in einer Stampete. Sandra ist bleich vor Entsetzen und in das Gebüsch gefallen.
Ein riesiger Bulle stiess ihr sein Longhorn in die entblössten Lenden, die sich durch das Hochrecken, auf Zehenspitzen tänzeln dem Tier so einladend darboten … meint sie.
Stattdessen war sie, vor einem herausragenden Ast zurücktretend, mit der nackten Haut an den Elektrozaun gestossen und hat sich dort die erste Kostprobe eines elektrischen Schlages abgeholt. Der allererste in ihrem Leben, den sie durch den Bullen verwechselte.
Der Stromschlag schleuderte ihren Eimer hinfort. Ich sammle die verstreuten Schlehen auf und kann vor Lachen vorerst nicht mehr weiterpflücken.

Bei mir wirkt 8x4
Mein gesplitterter Fußknochen ist wieder trittfest und auch mental, wie das heute in Fachkreisen heisst, komme ich gut über den Winter.
(Im Gegensatz zu Vicky Leandros mit ihrem Günther.)
15 Monate bin ich jetzt arbeitslos.
Es kommt erwartungsgemäß der Frühling und völlig überraschend ein schriftliches Eilangebot vom Arbeitsamt: ABM-Projekt 4711. Sie werden morgen Sozialarbeiter, betreuen, begleiten, betutteln, behilflich sein. Kleingedrucktes beachten, im Falle der Ablehnung droht gar Fürchterliches. So ähnlich wie im Mittelalter der Hungerturm!
Wer denkt denn an Ablehnung? Freudig erregt trete ich zum Vorstellungsgespräch an. Geduscht, gekämmt und gedeot, Haupthaar und Bart geschnitten: "Sie benötigen für Ihre künftige Begleitaufgabe einen 4-türigen Pkw! Hat man ihnen das nicht gesagt? War die wohlwollende Reaktion auf mein gut riechendes Deo. Es wirkt tatsächlich, das 8x4.
Theoretisch gesehen hab ich den Job, nur praktisch kein passendes Auto dazu.
Unser Auto benötigt Sandra täglich, um nach Vorder-Briesehagen zu kommen.
Ich kaufe Hals über Kopf aus sechster Hand einen Passat-Variant TD mit 153 000 km Strassenerfahrung.
Die ABM Massnahme istg auf ein Jahr befristet. Nach dem Jahr habe ich nach Abzug der Anschaffungskosten für das Auto finanziell freilich nichts dazu gewonnen. Dazu gekommen sind nach dem Jahr aber das Auto, wieder 150 Tage mehr Anspruch auf Arbeitslosengeld und mindestens eben so viele Erfahrungen.
Zu den negativen Erfahrungen zählt die Typenklasse der Haftpflicht-Versicherung für den Passat-Variant. Hier schlägt die "Kuriosita"-Versicherung erbarmungslos zu. Der VW rangiert kurz unter dem Porsche. Angeblich weil dieses Modell so oft geklaut wird. Was von der "Kuriosita" wiederum zur Begründung saftiger Tarife ganz gern gesehen wird.
Ich achte darauf, das Auto nicht unbeaufsichtigt beim Freizeit- und Erlebnispark zu parken, weil Timor und sein Trupp ja immer noch darauf aus sind,, lieber während einer erlebnis-pädagogischen Reise in der Karibik zu baden, als in den dortigen veralgten Wasserlöchern.
Mein jetziger "Träger der Massnahme" ist der gemeinnützige Verein "Carisma".
Die neueingestellte, zusammengewürfelte Truppe und das Betriebsklima sind in Ordnung. Ich begleite mit meinem alten Diesel um 06.30 Uhr junge Leistungssportlerinnen zum Training, am Nachmittag Seniorinnen zum Chlub der Arbeiterwohlfahrt, zum Doktor, zum Einkaufen, zum Besprechen. Ich fahre früh um 03.00 Uhr Konditorinnen oder Bundesbahn-Schaffner zum Bahnhof, im Vierschicht-Rhythmus auch Sonn- und Feiertags.
Mittlerweile bin ich so flexibel, wie die Hühner der Deutschen Frühstücksei GmbH. Die Arbeit ist ganz in Ordnung. Die Kilometervergütung reicht gut zum Tanken und für die Waschanlage, nicht aber für einen Satz Winterreifen mit Montagekosten.
Der Diesel frisst nicht viel, ich halte mich damit auch zurück und vor allem mit den Werkstattbesuchen der so genannten Fachwerkstatt. Deshalb jammert der TÜV Jahr für Jahr sein Klagelied. Sandra war mit ihrem zur Durchsicht. Ein wenig Batterie einfetten, Luftdruck kontrollieren noch drei Pi-Pa-Pöchen, macht 360,- DM.
Jeder trägt sein Kreuz allein.
Ich fahre Herrn Luk zur Blutwäsche, zweimal in der Woche, Der alte Herr behält seinen Lebensmut. Nach ein paar Fahrten sind wir per Du. Er baute früher Schiffe, ich fuhr darauf, auch früher.
Auf der zugigen Helling holte er sich sein Nierenversagen. "Ich würde mit dir lieber zur Geldwäsche, statt zur Blutwäsche fahren" versichere ich ihm. Er kann darüber sogar lachen.
Ich weiss jetzt, wie Blinde mit Computern schreiben oder Skat spielen. Ich hole den Vorsitzenden des Blindenverbandes zu Hause ab. Nach dem 3. Wort nennt er meinen Namen.
In Grabbepflanzugen vervollständige ich unter Aufsicht der Witwen meine Fähigkeiten und lerne viele Lebensläufe kennen, mit den Breschen, die zwei Weltkriege dort hineinschlugen.
Mehrfach höre ich im überquellenden Hader mit dem Schicksal die Meinung: "So schlimm wie heute, war es in meinem ganzen Leben noch nicht".
Dem widerspreche ich aber. Gesund, jung und kräftig haben die jetzt alten Leute die Klippen des Lebens mit jugendlichem Schwung leichter umschifft. Die wenigen schönen Tage im Gedächtnis eingebrannt, die vielen unangenehmen darin gelöscht. Jetzt im hohen Alter, für das der Mensch physiologisch gar nicht konzipiert ist, hadern sie mit dem Schicksal, weil das linke Hüftgelenk, für das die Garantiefrist schon seit 40 Jahren abgelaufen ist, den Bewegungsradius sehr einengt. Das rechte ist ohnehin schon keramisch.
Wir möchten jetzt alle möglichst mit 30 – nach Erreichen des Rentenalters – noch loslegen, wie die afrikanischen Springböcke. Wenn Dr. Kussmaul das nicht in den Griff kriegt, versuch ich's halt bei 7 anderen Kapazitäten. Diese verursachen durch ihre übertriebenen Bemühungen die "Rentnerschwemme" und bei Herrn Blüm und Seehofer die Kopfschmerzen. Um die Ärzte ein wenig zu bremsen, sollen die Verschreibungsfreudigsten an die Krankenkasse jetzt Strafe zahlen. Teilweise 120.000 DM, habe ich gehört.
120.000 decken dort dann schon wieder ca. 4 Monate das Gehalt des stellvertretenden Pressesprechers der Filiale ab, oder die Kosten für zweimaliges Fensterputzen eines der neuen AOK-Glaspaläste, die im Beitrittsgebiet allerorts in bester City-Lage repräsentieren.
Dass darüber hinaus in Deutschland eine Aspirin-Tablette in der Herstellung etwa einen halben Pfennig kostet, in der Apotheke aber fast eine DM, daran stößt sich im Gesundheitsministerium niemand. Die Forschung ist so teuer und in der Apotheke die Beratung. Aspirin feiert gerade seinen 100. Geburtstag.

Ein Pilotprojekt
Ich bin ABM-dienstlich bei meiner letzten Fahrt für heute auf der Heimfahrt von Ribnitz nach Rostock. Es ist Samstagnachmittag und schönes Herbstwetter. Weil ich in den nächsten Jahren einen Flugmodell-Versuch starten möchte, fahre ich den dafür bestens geigneten Flugplatz Purkshof an. Der liegt direkt an der F105, wenig abseits von meinem Weg. Ich war noch nie dort, das Hinweisschild "RUNDFLÜGE" hat Führungsqualität.
Ich schaue mich schüchtern in dem in Barack-Stil gehaltenen, winzigen Flughafengebäude um, als einer jodelt "Möönsch Felix, Du hier, gar nicht in Hollywood, willst'n Kaffee?" Mein alter Kumpel Siggi Gläser ist's, der seine XL-Thermoskanne dabei hat.
Wir hauen uns erst die Tassen und dann die Taschen voll. Ich mit kleinen Stories von meinem kleinen Flugzeug, er mit grossen von grösseren Flugapparaten.
Siggi war LPG-Agrarflieger. Damals mit teilweise 60 Starts und Landungen pro Tag, zwischen Bäumen und Lichtleitungen hindurch.
Jetzt fliegt er alles mögliche. Manchmal zieht er auch in der Luft was hinter sich her, "Springers Urvater" z.B. oder schreibt was in den Himmel. Bei Hochzeiten manchmal "Ich liebe Dich!"

Wenn er mal nicht fliegt oder ersatzbefriedigend wenigstens an Flugapparaten herumschraubt, ist er auch mit Kerstin verheiratet. Kerstin war bei "Shanty" Kumpeline von mir.
Eigentlich wollte Siggi heute rundfliegen, aber das will seit Stunden auch nur er.
Ich komme wie gerufen.
Für 30,- DM starten wir ein Pilotprojekt. Von einchecken und Habseligkeiten röntgen wird abgesehen. Wir nehmen den VIP-Ausgang der Luftaufsichtsbaracke.
Siggi bindet mich in der dafür bereitstehenden, angeblich flügfähigen Möhre gewissenhaft fest. Wenn ich die Bodenbleche durchtrete, könnte ich das Flugzeug jetzt als Rucksack tragen.
Wir scheppern los, Maulwürfe und Haufen unter den kleinen Schubkarrenrädern des Zweisitzers sind hier ebenfalls geschützt.
Starbahn 32/F oder so ähnlich teilt uns der Tower zu. Ich würde in den Flugunterlagen der Bordbibliothek nachschauen, aber Siggi findet sich hin. Verschiedenfarbige Fässer weisen den Weg.
Delta – Alfa – Alfa und noch paar Alfen bekommt sofortige Starterlaubnis. Das Flugfeld ist bis zum Horizont sehr übersichtlich. Nur Fässer und Maulwurfhügel sind boden-navigatorisch zu beachten.
Siggi gibt Sprutz, die Möhre steigt tatsächlich auf. Siggi schaltet unsere Kopfhörer auf Innenbetrieb, so können wir weiterblödeln, ohne dass uns Fahrtwind und Motor dazwischen quasseln.
Jetzt bekomme ich die Quittung für meine abfälligen Bemerkungen über das Fluggerät. Das Sing kann Sturzflug und beeindruckende Schräglagen. Mein Magen kann das auch, dummerweise immer in die entgegengesetzte Richtung. Das braucht Siggi aber nicht zu wissen. Die Rucksackträger sind von Nutzen, ausser dem ein Haltegriff am Armaturenbrett. Siggi macht davon keinen Gebrauch, dem reicht sein Knüppel zwischen den Beinen.
Als der Horizont wieder gerade ist, sehe ich die Dächer der Stadt. Dann darf ich das Flugzeug lenken, nach kurzer Einweisung. Über die dazu notwendige Hardware verfügt ja meine Seite auch. Unter mir gibt es nichts mehr, ich umkrampfe meinen Knüppel, starre nur noch auf den Höhenmesser und kralle mich voraus mit den Augen an einem Festpunkt über Island oder Dänemark fest. Sturzflüge oder Schräglagen vermeide ich vorsichtshalber. Mein Magen parkt wieder ein. "Da unten wohnst Du", stört Siggi meine Konzentration. Darum kann ich mich nicht auch noch kümmern.
Zum vernünftigen Fliegen nimmt man auch die Füße. Ich kann gut Computer-Fliegen, das macht man ohne Füsse. Siggi fällt das sofort auf.
Ich kriege eine ordentliche Schleife über der Reede von Warnemünde hin. Meine Beinarbeit ist mittlerweile verbessert, ich halte dabei auch meine Höhe. Danach muss ich mir in der F was anderes Markantes suchen, auf das ich zwanglos starren und draufhalten kann, sonst verfliege ich mich.
Vor uns und unter uns wallt weisser Wasserdampf aus dem Kühlturm des Heizwerkes im Überseehafen. Das wollten die Lübecker nicht haben, da haben es sofort nach der Wende die Rostocker bekamen.
Siggi ist auch zweiter Landesmeister im Segelfliegen, der Wasserdampf aus dem Kühlturm sticht ihm thermisch ins Auge.
Der Motor der segelflugfähigen Möhre geht aus. Ob nun aus Böswilligkeit oder warum auch immer, mag ich als Fluggast nicht beurteilen. Zwei Meter vor uns beeinträchtigt plötzlich seine aufragende Schaufel des stillgelegten Propellers die Fernsicht. Wenn er rotiert, kann man hindurch gucken.
Mit kurzem Druck auf den Anlasser stellt Siggi den Propellerflügel waagerecht und wir können wieder weiter sehen. (Bei meinem moderneren Modell klappt der sich nach Ausserdienststellung alleine nach achtern.)
Nur gut, dass jetzt, wo doch der Motor ausgegangen ist, Siggi auch segeln kann und uns der warme Wasserdampf hoch empor heben wird. Der Segler hebt sich nicht sonderlich, nur mein Magen. Die Kehren sind beängstigen eng, mit denen Siggi in dem weissen Dampf Thermik sucht. Ich schaue über die geneigte Tragfläche in das Loch von dem Turm. Die da unten heizen aber nicht vernünftig.
Jetzt darf ich geradeaus weiter segeln, bis wir stehen bleiben. Mein Magen rastet wieder ein.
Ich glotze nur auf den Höhenmesser. Siggi benutzt auch die anderen Zeiger und meint, ich mache Knüppelthermik.
Ich neige die Nase und wir fliegen weiter, allerdings auch immer tiefer. Ich kralle mich mit den Augen an die Windmühle dicht neben dem Flugfeld. Auf die zielt es sich am einfachsten. Die Stille ist beeindruckend, aber auch der elektrische Fahrdraht der Eisenbahnstrecke entlang der F105.
Davor stehen aber noch die dazugehörigen Alleebäume.
"Na, das machen wir doch mit dem Motor", zerstreut Siggi meine aufkommenden Bedenken und bedient jetzt wieder den Knüppel und auch die Fusspedale.
Die vor uns in die Flugbahn ragenden Hindernisse sind noch nicht so furchtbar nahe. Siggi erklärt mir die technische Zuhilfenahme des Flugzeugmotors. Zu dessen Inbetriebnahme sind zwei Bedienelemente auf der Seite des Flugkapitäns von nutzen. Ein schwarzer Druckknopf und ein, wegen seiner Wichtigkeit, rot angepinselter Kippschalter. Der Rote schaltet die Zündung, der Schwarze den Anlasser ein. Siggis Erfahrungen: "Neulich hat einer vergessen, den roten Kippschalter hochzuschnipsen und dadurch den Motor nicht anbekommen", verdeutlichen mir die relative Kompliziertheit des Anlassvorganges.
Siggi schnipst den Roten und drückt den Schwarzen. Die Allee-Bäume und vor allem der respekteinflössende Fahrdraht der Eisenbahn sind näher herangerückt und haben an Höhe gewonnen, wir aber die unsrige segelnderweise abgebaut.
Die wohltuende Stille wird jetzt durch den aufheulenden Motor verdrängt – denke ich. Sie bleibt uns erhalten. Siggi kippt den Roten und drückt den Schwarzen.
Der Quirl vor uns ragt nach dem Drücken nur immer in eine andere Richtung aber richtig loseiern will er nicht.
"Siggi, jetzt haste aber ein Problem" sage ich, bekomme aber keine Antwort. Das beunruhigt mich, wortkarg ist Siggi sonst eigentlich nicht.
Über die Allee-Bäume segeln wir elegant drüber, sogar in ausreichender Höhe und passieren die Windmühle in angemessenem Abstande. Der Drahtzaun vom Flugfeld ist schon ganz nahe, nur der blöde Fahrdraht der Eisenbahn beeinträchtigt bedenklich unseren eleganten Schwebflug.
Mir schwant, dass es so nicht weitergeht.
Vorsorglich umkrallt meine linke Hand einen Rucksackträger, die rechte den Haltegriff am Armaturenbrett. Dann ist der Horizont vor mir weg und auch mein Magen. Der hängt unter dem Plexiglas. Mit den letzten verbleibenden Metern rauscht Siggi auf das unter uns umgebrochene Rapsfeld zu. Alles mit einer Hand aber beiden Füssen. Mit dem freibleibenden linken Daumen drömmelt er auf dem schwarzen Druckknopf herum. Sein Daumen und der verbesserte Fahrtwind auf dem Propeller sollen den Motor zu Anspringen überreden.
Dann ist das Rapsfeld da, der Motor allerdings nicht.
Auf wundersame Weise sehe ich die Welt wieder gerade und augenblicklich rumpelt es unter uns ziemlich heftig. Ich stosse mit dem Kopf an meinen Magen. Die Schubkarrenräder der Flugmöhre sind genau so gross, wie die Ackerschollen des umgebrochenen Rapsfeldes.
Wir bleiben stehen, diesmal auf dem Boden.
Als sich mein Gesundheitszustand wieder normalisiert hat, stehen wir immer noch und Siggi sagt nichts. Ich schlucke meinen Magen hinunter und eröffne das Gespräch: "Siggi, ---können wir hier aussteigen?" Na klar, was denkst Du denn!" Jetzt ist er erwacht und wird mobil. Delta, Alfa und die anderen Alfen rufen ihren Tower. "Standort bei der Mühle, könnt ihr mal zum Schieben kommen?"
Es kommen der Tower und sein Stellvertreter nebst der gesamten Nachrichten- und Funkmess-Technik, ein Handy mit den Flugfunkfrequenzen.
Wir schieben den Airbus in der von ihm gezogenen tiefen Furche wieder zurück. Meine Halbschuhe kann ich danach entsorgen. Mein Königsstatus als Kunde findet keine Berücksichtigung.
Siggi drückt auf den schwarzen Druckkopf und der Quirl nudelt auf Anhieb los. Er fliegt einfach davon.
Obwohl ich eigentlich "Rundflug" gebucht hatte, nimmt er mich nicht mit, aber der Tower in seinem Auto.
Über dem Platz dreht Siggi problemlos seine Runden, mit und ohne Motor. Eine Formation Kraniche liegt dabei auf Kollisionskurs, es ist Herbst und Vogelzug. Der Funkmess-Technik vom Tower entgeht das natürlich nicht. Die Kraniche werden eingewiesen.
Am Wochenende feiern wir auf meiner Terrasse das "Nicht-Witwe-Sein" unserer Ehefrauen. Kerstin ist eine ganz Liebe. Sie sieht das nicht so verbissen und baut auf die Flugerfahrung und Lebensversicherung von ihrem Siggi.
Ich bekomme von Sandra Ausmecker, weil ich keine Lebensversicherung habe.

Die Schwierigen
Nach dem Pilotprojekt wende ich mich wieder meinem ABM-Projekt zu
Viele bemittleidenswürdige alte Mitmenschen nötigen mir Bewunderung ab und meistern ihr Schicksal. Ich komme mit den alten Herrschaften gut aus, interessiere mich für ihre Probleme und Problemchen. Besonders im Verkehrsstau kann ich gut zuhören. Eine Zuwendung, die sie in der hektischen Gesellschaft besonders vermissen. Ich habe diese auch nur, weil es in der ruh-hour im Stau nur schleppend vorwärts geht.
Ein paar alte Damen allerdings sind verbiesterte Gnatzer. Ihren persönlichen Kummer laden sie auf ihre Mitmenschen ab, betrachten sich und ihre Gebrechen als den Mittelpunkt der Welt und dargebrachte Hilfe als Selbstverständlichkeiten.
Frau Schwarzkopf starrt trotz ihres schütteren Haarwuchses schon seit drei Tagen auf den im Kalender rot eingetragenen Frisörtermin. Ich starre auf drei zeitgleiche Fahrtermine und hole Frau hörauf 7
Minuten zu spät in ihrer Wohnung ab.
Danach entschuldige ich mich im "Hair-Studio" für die geringfügige Verspätung. Die Frisöse lacht beschwichtigend, Frau Schwarzkopf zittert samt Gehstock vor Erregung noch am ganzen Leib.
Ich fahre Frau Knacknuss am Dienstag auf zwei Gehstützen zu Dr. Kussmaul und diskutiere mit den geldgeilen Politessen neben meinem Auto auf dem Gehweg wegen dem Parkvergehen. Auf dem Behinderten-Parkplatz vor der Praxis steht ein tiefergelegter BMW mit Werbung auf der Heckscheibe: "Karate, Wing-Wam und Kiss-me-quick-Schule". Mit dem Leistungssportler auf dem Behinderten-Platz diskutiert niemand.
Am Mittwoch fahre ich Frau Knacknuss wegen dem selben Gebrechen zu Frau Dr. Grunz. Bei Dr. Kussmaul war das nicht das Richtige. Die haben dort keine Zeit.
Frau Knacknuss nennt mich Kindchen!
Vielleicht hat sie das dem Doktor auch geboten.
Drei Tage später fährt die Frühschicht Frau Knacknuss wegen immer noch dem gleichen Leiden zu Besprechen.
Die Ärzte haben doch alle keine Ahnung!
Frau Guthenmut kommt ebenfalls ohne zwei Gehstützen nicht aus. Sie besitz davon 6. Bei mir untergehakt und gestützt, haben wir einen Streckenvortrieb von 8 Metern pro Minute. Ich fahre, auf ihren ausdrücklichen Wunsch, der keine Gegenvorschläge duldet, zu einem Sanitätshaus ihres Vertrauens, was sie sich im Telefonbuch ausgesucht hat. Ausgerechnet das mit den aller unmöglichsten Parkmöglichkeiten in der Allende-Klinik. Als ich ihr ganz schonend erläutere, dass es wesentlich leichter zugängige Geschäfte mit dem gleichen Angebot gäbe, dreht sie den Drehknopf, mit dem sie ihren Gnatz steuert, noch zwei Rasten weiter nach rechts.
Ich rangiere so dicht wie möglich außerhalb der StVO an das Objekt heran. Frau Guthenmut muss sich ein paar Minuten am zugeparkten Halteverbotschild festhalten. Ich bringe das Auto weg, weiss aber nicht wohin.
Im Sanitätshaus interessiert sich Frau Guthenmut für Verschiedenes, was zu ihrem Wohlbefinden beitragen könnte. Sie lässt sich beraten, den Kauf dann aber sein. Zum Schluss erfreut sich ein Gehstock ihres besonderen Interesses, auf Grund seines bemerkenswert geringen Gewichts. Ihre anderen 6 sind alle zu schwer. "Den lasse ich mir verschreiben", ist ihre spontane Entscheidung. "Da müssen sie dann aber 15 DM dazu zahlen", gibt die Verkäuferin zu bedenken. Das schreckt Frau Guthenmut nicht ab. "Oh Gott", denke ich in mich hinein, "die ganze Prozedur in ein paar Tagen dann wieder!"
Es erwischt transportmässig später die andere Schicht und kostenmässig Herrn Seehofers Rücklagen. Dessen Budget, und das muss ausgleichend auch gesagt werden, nach meinen Erfahrungen oftmals bedenkenlos und unnötig überstrapaziert wird.

Die Angenehmeren
Habe ich am heutigen Sonnabend logistisch zu betreuen. Innerhalb ihrer Arbeiterwohlfahrt besuchen 4 Seniorinnen den Vogelpark in Marlow und runden dieses Erlebnis mit einem Kaffeekränzchen in der Sanitzer Mühle ab. Dafür haben die alten Damen nur noch am Sonnabend ein freies Fleckchen in ihrem Terminkalender entdeckt. Ausgerechnet zum Heimspiel Hansa Rostock gegen Bayern München.
Bereits am Ortsausgangsschild von Sanitz kommt unsere Fuhre zum Stehen, bis Rostock-Warnemünde noch hunderte Male. Aus den tiefergelegten Golfen, mit getönter Heckscheibe, wehen meterlang blau Aus Schiebedächern und Seitenfenstern schwenken fröhliche Fans -weisse Hansaschäle oder auch Schals Aus Schiebedächern und Seitenfenstern schwenken fröhliche Fans ihre Bierbüchsen. Links und rechts im Strassengraben wird das durchgeseite Bier wieder abgelassen, vorher bei dieser Gelegenheit noch sachgerecht die Bierbüchsen entsorgt, um die Hände frei zu bekommen, die die leicht schwankenden Fussball-Enthusiasten beim geplanten Pinkeln erst zum Aufstöbern und dann zum Führen benötigen. Zeit und Nachschub ist im Stau dafür reichlich vorhanden.
Die alten Damen amüsiert das.
Sie erzählen Witze und bemerken dabei das gelegentliche Aufglühen meiner Ohren. Das führen sie auf den Unterhaltungswert ihrer Kulturbeiträge zurück. Jetzt werde ich aufgefordert, diesbezüglich etwas beizusteuern.
Ich steuere, bei meinem Auto und den Kulturbeiträgen. Nach einer halben Stunde gehen mir die Frivolitäten aus und ich rezitiere die nächste Stunde das Gedicht von der Made, von der Hochseekuh, vom Suaheli-Schnurrbarthaar im Kattegat und auch die Heldentaten der Herren Ritter Brunz von Brunzelschütz, des edlen Ritter Kunkel und dem Ritter Fips, der mit geringem Blechschaden von seiner Brüstung stürzte.
Schließlich erreichen wir auch Warnemünde, was die alten Damen bedauern. Der Stau hätte ruhig noch länger sein können.
Am Montag Nachmittag fahre ich Jessy und Nicole, Geschwisterkinder aus dem Sprachheil-Kindergarten nach Hause. Wir kennen uns von mehreren Fahrten, die beiden kennen auch meine Bonbon-Sorten im Handschuhfach. Ich fahre die Kinder gern.
Die Mutti ist nicht zu Hause. Ihr Lebensgefährte kommt aus Ghana, aber heute kommt er gar nicht. Ich blödle mit den beiden Wilden vor dem Haus in der Plattensiedlung.
Ein besser situiertes Ehepaar mit einem metallic-flaschengrünen Audi will dort gerade starten. Nicole donnert Kliensmann-mässig gegen eine herumliegende Cola-Büchse. Der Pass, als Banane geschlagen, ist ihr etwas missglückt und knallt gegen den Audi. Der bricht sein Take-off ab. Sein Motor war schön leise, der Fahrer weniger.
Die Mutti kommt noch nicht. Unser Unternehmen hat sie schon öfter deswegen ermahnt.
Die kleine Jessy muss kacken, nachdem sie vorher schon gepischert hat. Zwischen der Hundekacke in der Grünanlage vor dem Block findet sich noch ein freies Plätzchen. Ich suche eine intakte Telefonzelle und rufe in der Dienststelle an, wegen der Nichteinhalten der nächsten Fahraufträge.
Wir vergnügen uns auf einem nahen Spielplatz. Jessy's Blase hat überhaupt keine Kapazität. Sie ist auch viel zu leicht angezogen.
Die Zeit und mein nächsten Fahrtermine vergehen wie im Flug. Ich muss auf dem Spielplatz auch auf einer Spiralfeder-schwankenden Ente umher eiern. Die Wilden vermissen die Mutti nicht übermässig und meinen, ich müsse nicht dauernd mit ihnen zum Hauseingang klingeln gehen.

Bei der nächsten Nachhausefahrt ist Nicole allein, Jessy ist krank.
Ihre Mutti lebt von der Sozialhilfe.
Nicole würde lieber zu ihrer Oma gebracht werden, sie erhofft sich dort zwei Mark. Für ein Portemonnaie, was ihr bei NETTO so gut gefällt. Ich schenke ihr zwei Mark und fahre sie vorschriftsgemäss nach Hause.
Bei der nächsten Fahrt zeigen mir Nicole und Jessy jede ganz stolz ihr Portemonnaie. Jessy hat, beflügelt durch den einseitigen Besitz ihrer grösseren Schwester, ihre Mutti so lange
bekniet, bis sie auch zwei Mark bekam.
Das geschieht ihr recht.

Das leidige A
Sandra kommt mit Formular-Vordrucken nach Hause. Die mit dem Firmenlogo A im Kopf.
A wie Arbeitsamt.
Jedes andere Firmenlogo ist mir lieber, nur nicht dieses grässliche A. Dann schon lieber meine Wohnungsgesellschaft, der Abwasserzock-Verband oder die Müll-Mafia, auch noch lieber die Polizei oder das Gericht.
Das Betriebskonto von Sandras Arbeitgebers leidet an chronischer Auszehrung. Der Konkurs steht in's Haus. Der Grossteil der Mitarbeiter ist schon entlassen. Es wird kein Lohn mehr gezahlt. Die Gehaltsforderungen für die kommenden drei Monate bereitet Sandra für das Arbeitsamt auf. Sie muss sich buchhalterisch mit der Abwicklung des Konkurses beschäftigen. D.h. Gläubiger enttäuschen, Rechnungen nicht mehr bezahlen, die teuren Designer-Büromöbel, die Computer-Technik und Telefonanlage verkaufen, damit der Kuckuckskleber nichts mehr findet, worauf er seine Vignetten backsen könnte. Als dennoch überstürzt mit einem derartigen Aufkleber der noch vorhandene Chefwagen geschmückt wird, muss der Gläubiger enttäuschend gleich darauf wieder entfernt werden. Der Wagen läuft auf "Leasing". Das lernt doch nun wirklich jeder Betriebswirtschaftler im ersten Semester beim Vorlesungsthema: "Wie konkurse ich richtig?" Nur Vollstrecker haben da anscheinend noch Bildungslücken.
"Die Renten sind sicher", sagte Herr Blüm vor einem halben Jahr.
"Unser Rentensystem ist so wie gehabt, nicht mehr finanzierbar", sagt Herr Blüm heute. Und schickt daher die Frauen vorsichtshalber schon mal bis zum 65. Lebensjahr zur Arbeit bzw., weil er die ja gar nicht hat, zum größten Teil zum Arbeitsamt. Die Arbeitnehmer und natürlich auch die Arbeitnehmerinnen (muss doch mal wieder erwähnt werden) sollen schon einmal damit anfangen, von ihrem jetztigen Arbeitslosen-Bezügen Rücklagen zu schaffen. Die Staatskasse freut sich dann über 25% von den Zinseinkünften. Klappt das aber nicht mit einer Beschäftigung bis zum Erreichen des Rentenalters, dann greift eine staatliche Unterstützung erst, wenn die finanziellen Rücklagen, die eigentlich zur Aufbesserung der spärlichen Rente gedacht waren, die staatliche "Stütze" einsparen lassen.
"Ich bitte Sie, wir sind doch ein Sozialstaat!" Mmm, das ist aber stark Geschmacksache.

Ich kann auch im Dunkeln lachen
Es geht auf Ostern und abermals auf das Ende meines befristeten Arbeitsjahres zu. Jeder verabschiedet sich, je nach Schicht von den Jungen, den Alten, den Berufstätigen, den ganz Lieben und den Gnatzigen. Das Bedauern ist beiderseitig, man kennt nach dem Jahr die Gewohnheiten und Bedürfnisse, ob Oma Dippermeier den Haustürschlüssel im Handtäschchen, im Mantel oder in der Aldi-Tüte zu tragen pflegt. Beim Nachhausekommen finde ich ihn ohnehin in der Tüte, auch wenn ich ihn vorher, nach abschliessen der Haustür, in den Mantel steckte. Das muss man wissen, dass dämpft die Aufregung.
Jetzt wo ich es weiss, kommen Neue und mit ihnen die erneute Hektik beim obligatorischen Schlüsselsuchen vor Oma Dippermeiers Haustür.

Bei der letzten Fahrt mit Nicole und Jessy nehmen wir Robert aus dem Kindergarten mit. Er wohnt im gleichen Stadtteil.
Nicole sagt im Auto ein urig langes Gedicht vom Osterhasen auf, nicht ganz sauber artikuliert, sie geht ja in die Sprachheil-Einrichtung. Für die kleine hippliche Jessy ist der Vortrag viel zu lang, sie zerkrümelt mit ihrer Reibungsenergie schon den Kindersitz.
"Das war aber ein schönes langes Gedicht" lobe ich Nicoles Leistung.
Kannst Du denn auch eins?" frage ich Robert. Die Kinder müssen im obligatorischen Stau beschäftigt werden, sonst zerlegen sie das Interieur.
"N..Nö..Nöö… Nööh", Robert geht auch in den Sprachheilkindergarten. "Was kannst Du denn?" frage ich meinen kleinen Fahrgast.
I.i.. ich k.. kann auch im Dunkeln lachen" wären seine Fähigkeiten für einen Kulturbeitrag.

"Bewahr Dir die Fähigkeit" sage ich mehr zu mir selbst. "du wirst sie eventuell brauchen können."

So beende ich mein Arbeitsleben und rette mich mit dem §105c AFG als Schwimmweste, meines wieder etwas aufpolierten Anspruchs auf Arbeitslosengeld und der theoretisch vorhandenen Arbeitskraft meiner jungen Frau, an das rettende Ufer des Vorruhestandes.
Nicht gerade von Spot-light bestrahlt aber

Ich kann auch im Dunkeln lachen!

Der Autor dieses Beitrages wurde eingekleidet von Speckring-Ex - Ihrem zuverlässigen Speckring-Entferner.

Jetzt auch in der Tube!


Speckring-Ex ist Hauptsponsor der Olympischen Spüle!