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Alaska - Yukon Drucken

4200 km im Wohnmobil durch die Tundra


alaska Seit meiner Jugend liegt mir der Mount Mc. Kinley im Magen.
Von der DDR allerdings ist der Berg Lichtjahre weit entfernt.
Mit einem weinroten Pass ist der Berg nicht mehr so weit entfernt.
Der ADAC macht dort auch herum. Das diesjährige geführte Reiseangebot war bereits im Januar schon ausgebucht.
Also, selbst ist der Mann!

 

Nach Alaska fliegen ist nicht so einfach. Die Flughäfen Anchorage in Alaska und Whitehorse im Yukon bedient im Direktflug alleinig jeden Mittwoch die Condor von Frankfurt.
Ganz Europa nützt diese günstige Gelegenheit.
Dieser Flugplan bestimmt Sandras Urlaubsplanung.
Mitte Januar buche ich per Internet die begehrten Flugtickets Tegel, Frankfurt, Whitehorse und zurück.
Ich bekomme von der Condor per PDF eine Bestätigung, mit der wir in Tegel am Flugschalter die Bordkarten beim Einchecken erhalten.
Das klappt sogar reibungslos.

 

Fotos zu diesem Bericht gibt es in dernadel Fotogalerie Alaska zu sehen.

 

Im Internet schildern eine Menge Nordland-Freaks ihre Erfahrungen mit der uns vorschwebenden Reiseroute.
Ich mache mich kundig.
Dementsprechend bestelle ich in Whitehorse das 21-Feet Motorhome und das Hotel "River View" für den Ankunftstag.
Über "OVI" drucke ich mir die Reiseroute aus, die große liegende Acht.
Aus den angegebenen Kilometern legen wir grob die Tagesetappen fest.
Skagway, Valdez und Dawson werden von den schon Dortgewesenen besonders löblich erwähnt, also planen wir dort einen Zusatz- und Ruhetag ein.
Ich buche das Motorhome mit 3500 Kilometern. Alles was dann drüber ist, kostet 38 Cent pro Kilometer. Auch die Tickets für die Fähren des Alaska Marine Highway von Skagway nach Haines und von Valdez nach Whittier durch den Prinz Williams Sound lasse ich mir in den dortigen Rechnern abheften.
Ach ja, unsere amerikanischen Freunde kacken sich an ihren Eingangsportalen beim Anblick eines ausländischen Passes ein, ESTA soll dabei ihre Hartleibigkeit lindern. Also bewerbe ich mich mittels dieses internetmäßigen Formulars um die Einreise. Wir erhalten die Eintrittskarten für jeweils 14 US-$, weil wir weder Massenmörder noch Kriegsverbrecher sind.

Am 13. Juli Mittag fliegen wir in Frankfurt los und um die gleiche Zeit landen wir in Whitehorse, der Distrikthauptstadt des kanadischen Yukon.
In Frankfurt war es nasskalt. Auf der Gangway in Whitehorse schwabbt uns eine Hitzewelle entgegen. So mancher reißt sich schon auf dem Weg zum Abfertigungsgebäude die Wolfskin-Jacke vom Leib, die ihn vorsorglich im kalten Alaska vor Erfrierungen schützen sollte.
In dem hölzernen Hotel am Yukon-River ist es vor Hitze nicht auszuhalten. Der Miefquirl schwenkt schon beim Betreten der Unterkunft hin und her.
Wir rennen sofort wieder hinaus.
In einer halben Stunde haben wir sämtliches Sehenswerte der Stadt in uns aufgesogen.

Wir kümmern uns um kanadische Dollar.
Der Automat im Vorraum der Bank ist ein ganz Wissbegieriger.
Wir sind überfordert.
Ein bärtiger Kunde betritt den Bankvorraum. Obwohl sein Outfit stark bezweifeln lässt, dass ihm der Automat freiwillig Geld zur Verfügung stellt, hilft er uns sehr bereitwillig und auch effektiv.

An der Strandpromenade am Yukon-River ist es angenehmer. Der Fluss gibt von seinen 10 Celsiusgraden etwas her, strömt aber ganz hastig in seinem klamottigen Flussbett zu Tal und ist somit zum Baden völlig ungeeignet. Außerdem, wer nimmt denn Badeklamotten nach Alaska mit?
Schade, dass wir es nicht taten. Gelegenheit hätte sich geboten.
Das Hotel glüht abends immer noch. Ein Bierchen gibt es bei den total bescheuerten Alkoholsitten des Nordens dort nicht. Wohl aber nebenan in einer Bretterbude, die sich Bar nennt, lockere Country-Musik feilbietet und einige urige Gesellen mit Trapperhüten beherbergt.
Ich zerre Sandra hinein. Um meiner drohenden Dehydrierung zu entgehen, kann keine Rücksicht auf Einzelschicksale genommen werden.
Die Bar bietet das anheimelnde Ambiente einer Bergarbeiter-Kaue. Zwei Hocker inmitten der Trapper am Tresen sind frei. Wir belegen sie. Die Barfrau ist sehr freundlich, ihr grosser schwarzer Hund von Baskerville ebenfalls.
Ein grosser Bärtiger tippt mir auf die Schultern und meint, dass wären eigentliche seine Sitzgelegenheiten aber... bleibt sitzen!
Er erörtert die weltpolitische Lage an einem Tisch mit seinem Kumpel weiter.
Die Freundliche fragt nach unserem Begehr. Ich zeige auf das grösste Bierglas in unserem Umfeld.
Es wird zügig gezapft und geliefert, es mundet und rinnt sehr schnell.
Bei der nächsten Runde möchte Sandra eine etwas lieblichere Variante. Die Barfrau berät uns kompetent und Sandra bekommt die Sorte "Icefog". Bingo, genau ihre Marke. Made in Alaska.
Nach dem leichten Rausch schlafen wir - nur mit dem Bezug bedeckt - in der Bramming im Hotel einigermaßen.
Das Frühstück müssen wir kostenpflichtig in der Werkskantine auf der Speisekarte aussuchen. Eierige Omelettvarianten und Kaffee, bei dem ich auch auf kostenlosen Nachschlag verzichte.

Dann holt uns "Fraserway", unser Autovermieter ab.
Wir bekommen unser fahrbares Schneckenhaus. Mit 150 Litern Benzin vollgetankt, einer Menge Trinkwasser und leerem Black- and Greywater-Tanks.

Ein bulliger Ford-Motor, dessen Automatik-Schaltung über eine gekröpfte Lenkstock-Schaltung hakelig realisiert wird. Welchen Gang ich per Zufallsgenerator eingefädelt habe, zeigt das Display an. Je nach Lenkradstellung finde ich mit geneigtem Kopf auch einen Blickdurchlass zwischen den Lenkradspeichen und erkenne, wo ich im Getriebe zufällig eingerastet habe.
Meist habe ich falsch eingelocht!
Beim Seefahren frotzelten die amerikanischen Kollegen gern, ob wir in Europa schon mit Messer und Gabel essen und schon von den Bäumen herabgestiegen sind.
Genau die würde ich jetzt gerne fragen, ob sie mittlerweile schon die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung erfunden haben oder wenigstens den verschließbaren Tankdeckel.
Seit dem ich amerikanische Autos kenne, weiss ich, warum deutsche Kraftfahrzeuge weltweit der Renner sind.
(In Valdez unterhalte ich mich mit einem reichen Texaner, dessen riesiges Motorhome mit angehängtem Kleinwagen, von deheeme bis hierher schon 17000 Meilen auf dem Buckel hatte. Er kritisiert die einheimischen Vehicels so wie ich und schwärmt von seinem deutschen "BiEmDabbelju"!)

Wir zotteln in Whitehorse los, gen Süden, auf dem Alaska-Highway nach Skagway.
"Du lieber Gott, was sind denn das hier für Straßen". Dabei ist dieser Belag, auf dem ich hinter Whitehorse schon die Hände hochreisse, geradezu eine Traumpiste im Yukon und Alaska.
Die Erkenntnis kommt uns wenig später.

Die Natur um uns herum ist traumhaft. Wir halten vor Begeisterung aller Nase lang, staunen, filmen und fotografieren.
Später relativiert sich das erheblich!
Vor Skagway verlassen wir Kanada völlig ignoriert und werden schon beim Einlaufen in die amerikanische Grenzstation aus nächster Nähe geblitzt.
Fenster runter und Motor aus.
Ihre Pässe bitte!
Haben sie Grünzeug, Früchte, Alkohol an Bord.
No!
Ich habe mich doch per Internet in Germany über ihre Einreisebestimmungen informiert.
Die Migrationsbeamtin wundert sich: "Dann sind sie der erste Germane, der davon Kenntnis hat!"
Haben sie Drogen oder Firearms an Bord?" No!
"Wohin fahren Sie, wie lange bleiben sie in den USA?"
"Okay, parken sie hinter dem Haus und kommen sie zu uns herein!"

Ein älterer Beamter begrüsst uns.
Füllen sie diese Formulare aus!
Wieso, wundere ich mich und lege ihm mit stolzgeschwellter Brust meine mit Intenery Nr. 1699... Customer-Nr.: 3409... versehenen Einreisegenehmigungen von ESTA vor! Bezahlter Eintritts-Stück-Preis 14 US-$ !
Die sind nur gut, wenn sie über einen Flugplatz einreisen, hier bei uns "Landeiern", wie er sich annähernd ausdrückt, gelten diese Formulare hier!
Kriegsverbrecher: NO
Massenmörder: NO usw.
Eintrittskarte ermässigt, "nur" sechs US-$ pro Einreisewilligen.

Und nun "vier Finger, please auf das Tableau."
"Und nun den Daumen, thank you!"
Look over here!" Wir werden fotomässig porträtiert.
Ich werfe in die Diskussion, dass unsere sämtlichen Finger doch vor zweieinhalb Jahren in San Francisco abgebildet wurden!
"Your fingers have changed!” wird uns lächelnd entgegnet.
"Eierköppe!" denke ich in mich hinein, sage aber nicht "eggheads"!

Ab jetzt werden die zahlreichen geforderten Geschwindigkeitsbeschränkungen in Miles angegeben. Mein kanadischer Tacho bevorzugt aber Kilometer pro Stunde. Ich male mir eine Tabelle, wie viel km/h die Höchstgeschwindigkeit von 55 Miles und weiter dann in 10-meiliger Abstufung sind.
Auch tanken wir jetzt Gallonen und messen den Reifendruck in PSI und die Thermometer zeigen Fahrenheit. Wenn es schön warm ist, so um die 78° F.
Wir laufen in dem so höchst löblich beschriebenen Skagway ein.
Wie unterschiedlich doch die Geschmäcker sind.
In dem Fjord zwischen schneebedeckten Felsen liegen zwei Passengers an der Pier. Am nächsten Morgen gleich drei andere neue!
Der kleine Ort besteht aus einer Main Street mit hölzern beplankten Fußwegen und macht architektonisch auf Very Old Western Tradition. D. h. die Holzbuden prahlen zur Main Road hin mit einer Westernfassade, die oft auch nur einen Wellblechschuppen verbrämt. Innen allerdings sind die hundert Gift-Shops, Juwelerien und Restaurants recht lukrativ verkleidet.

Die amerikanischen Passagiere der Luxusliner finden alles maising und incredible. Die betagten Misses behängen sich mit Klunkern und kaufen aus Elkhorn oder Walbein geschnitzte Elche und Bären.
Einmal den Broadway rauf und runter und uns drängt es sofort weiter.
Das Fährticket, das uns raus aus der Bedrängnis brächte, habe ich von Germany aus, aber für übermorgen geordert.
Einen ganzen Tag morgen in diesem Milieu? Das halten wir im Kopf nicht aus!
Morgens um halbsieben fahren wir zum Fährterminal.
Hier herrscht Betriebsamkeit.
Ich schiebe meine bezahlte Fährbuchung durch die Klappe mit der flehendlichen Bitte, die Mitnahme für heute vorzuverlegen.
"Yes, ten dollar!"
Das ist einer der wenigen Momente, wo ich das Preis-Leistungs-Verhältnis total in Ordnung finde!
Die Ferry-Bedienstete rollt mit einem Rollometer die Länge unseres Mobilhomes ab, um sicher zu gehen, dass ich sie mit meiner Massangabe von Deutschland aus, gebührenmässig nicht beschissen habe.

Als letztes Fahrzeug finden wir noch Platz auf der Fähre und fahren in Haines nach einer Stunde wieder an Land.
Uns umgeben jetzt wieder Stille, Natur und Einsamkeit mit naturbelassenen Holz- und Blockhütten ohne vorgeblendeter Westernfassade.
Allerdings absolut naturbelassen ist hinter Haines auch der Alaska-Highway!

"LOOSE GRAVEL" künden schockfarbene aufgestellte Verkehrsschilder an und danach rappelt es im mitgeführten Haushalt hinter uns und ich staune, dass die Schränke und das Kücheninterieur an ihrem Platz bleiben und nicht zerbröselt herniederstürzen.
Fürderhin passiere ich die hunderten LOOSE GRAVEL-Schilder mit der ihnen gebührenden Achtung.
Der Schotter staubt und wir staunen, wie viele Schlaglöcher sich doch auf den speziell dafür konzipierten Strassen unterbringen lassen.
Wir fassen zwei Steinschlag-Krater auf der Frontscheibe ab.
Nur die "Squirls", so eine Art Miniatur-Murmeltiere, erfreuen uns mit ihrer Anwesenheit.
Bei jeder Annäherung recken sie sich in voller Grösse am Strassenrand, um aus 12 cm Augenhöhe dann die Welt umfassend zu überblicken. Sie bauen bei unserer scheppernden Vorbeifahrt immer ein ordentliches Männchen und grüssen nach Dienstvorschrift.

Nach nur einigen Meilen kommt schon wieder Kanada auf uns zu und am Grenzkontrollpunkt ein junger freundlicher Grenzbeamter: "How are you, you are wellcome!"
Nach dem wir ihm unsere weinroten Pässe aus dem Fahrerfenster reichen, schnallt er in ein gutes Deutsch um. Wir plaudern ein wenig, er vergisst beinahe zu fragen, wohin wir fahren und wie lange wir in Kanada verweilen. Ob wir amerikanisches Grünzeug oder Äppel an Bord haben, interessiert ihn überhaupt nicht.
Seine Oma kommt aus Rheine/Westfalen und mit der plaudert er gelegentlich germanisch. Wir loben seine Sprachkenntnisse. "Auf Wiedersehen, geniessen sie ihren Urlaub!"

Auf "LOOSE GRAVEL" krücken wir weiter vorwärts.

Am nächsten Tag umfängt uns traumhafte Natur. Wir tangieren den "Kluane National Park". An Backbord schauen wir auf die Schneegipfel der "Elias Mountain" und an Steuerbord auf den "Kluane Lake".

Ich verzichte in dieser Reiseschilderung auf schwärmerische Landschaftsbeschreibungen, Anlass gäbe es nahezu auf jeder Etappe. Der Mund steht uns des öfteren offen!
Den Moskitos kommt das gelegentlich zupass!
(Ich habe mir pausenlos den Wolf geknipst und jetzt meinem Admin die Bilder nebenan in der Bildgalerie jedem zugängig gemacht. Schaut rein!)

Wir nächtigen zweimal, dann reiten wir wieder in die USA ein.
Diesesmal aber mit einer in den Pass gehefteten "Green Card". Ich bezeichne diese als "Wild Card", das kommt bei dem Passgewaltigen nicht besonders an, erspart uns aber dennoch die erneute Prozedur der Porträtaufnahmen und Fingerprints.
Nicht aber die übliche hochnotpeinliche Befragung nach Gemüse, Obst, Alkohol, Drogen, Waffen? "All things on board belongs to you?" "Yes!"
Wir dürfen erneut die USA betreten!

Hier schütten wir wieder Gallonen in den Tank, nicht weil sie gerade gebraucht werden, sondern weil sie angeboten werden!
Ein eherner Grundsatz in Alaska! Tanken in den USA, ein Event... dazu später mehr!
Aber, die nächste Gelegenheit dazu könnte 120 Meilen entfernt sein!
So etwa zwischen Rostock und Berlin, mal eben keine Tankstelle, das macht u. a. das besondere Flair "on Tour durch Alaska" aus!
Ganz prickeln bei den astronomischen Verbräuchen der 12-zylindrigen!
Der unsrige schluckt so um die 22 Liter, Benzin natürlich! Und leider pro hundert Kilometer, nicht pro Meilen!
Diesel allerdings wäre noch teurer!
Und die Cent-Kraftstoff-Preise sind hier auch Vergangenheit, der Euro pro Liter wird schon tangiert!

Die Alasker bevorzugen den Pickup, mit durstigsten Motoren und reichlich Kanistern auf der Ladefläche und gelegentlich auch einer Kühltruhe, um den in der grossen Stadt reichlich für die nächsten drei Monate eingekauften Proviant auch unaufgetaut über die 200 Miles zum Blockhaus in der Tundra zu verbringen.

Ich hefte wieder meinen Pappendeckel Miles zu km/h - Umrechner ans Armaturenbrett und Sandra stellt die Uhr wieder eine Stunde zurück.
Höchstgeschwindigkeit für die z. T. 300 PS starken Zwölfzylindrigen: 55 Miles = 88 km/h!

Was jedem Europäer hier sofort ins Auge sticht, ist der allerorts in der Landschaft drapierte Schrott. In einer konzertierten Aktion arbeiten diesbezüglich Kanada und die USA Hand in Hand im Herum-Liegenlassen.
Diese Gegend hier war einst russisch. Würde der damalige Deal mit dem Zaren rückgängig gemacht, würde sich das Areal wieder nahtlos in die Sowjetlandschaft integrieren.
Seit der Beendigung des Goldrausches von 1889 liegen die Hinterlassenschaften des industriemässigen Goldschürfens in der Landschaft verteilt herum. Feldbahnloren, Transportbänder, Dampf- und Zugmaschinen.
Abertausende Tonnen hochwertiger Stahl rosten deutlich hörbar vor sich hin!

Zusätzlich lässt sich kaum ein Gehöft in der Wildnis finden, das nicht seinen privaten Schrott- und Gerümpelplatz liebevoll pflegt. Neben dem Uraltmodell vom Opa verrotten in mannshohem Bewuchs auch alle bisher von der Familie auf LOOSE GRAVEL zu Tode gequälte Pickups. Als schmückendes Beiwerk wird gelegentlich auch noch das ausrangierte Toilettenbecken nebst Klotür darum herum drapiert! Mittendrin gelegentlich als Farbkleckse die Kinderschaukel oder das Trampolin für die lieben Kleinen.
Am Strassenrand mahnen die Schilder: Müllwegwerfen wird mit 1000 $ belegt! Oder "Haltest Alaska sauber!"
Welch ein Kontrast!

Erstmals nach Tagen in der Wildnis törnt uns vor Beaver Creek ein Reklameschild am Rand des "Highways" besonders an: "Liquor Shop".
In keinem Supermarkt oder Kolonialwarenladen war es uns bisher gelungen, eine Flasche Bier oder ein ähnlich anheimelndes Getränk zu erwerben.
Ich vertrockene schon wie eine Inka-Mumie.
Der "Liquor Shop" ist gut sortiert, die ältere, verwaltende Misses sehr kommunikativ.
Wir erwerben paar Schachteln Alaska-Bier und eine Flasche Captain Morgan.
Einen "Liquor Shop" darf ein unter 19-jähriger US-Bürger noch nicht einmal betreten! Wir bekommen diese brisante erworbene Ware nur gegen "EiDi" ausgehändigt, d. h. ich alter Knacker, mit bemoosten 72 muss nun dokumentarisch nachweisen, dass ich nicht jünger als 19 Jahre bin. "Your driver licens" oder ähnliches, fordert die alte freundliche Dame und umklammert bis dahin die von ihr sorgfältig eingetüteten Genussmittel.
Ich kaufe danach, wo es sich nur bietet, wenigstens eine Flasche kalifornischen Zinnfadel oder sechs Büchsen Bier. Immer werde ich um 55 Jahre jünger geschätzt.
Nur mit "EiDi" glaubt man mir mein wahres Alter! Ich geniesse die Schmeichelei wie eine Büchse Alaska-Beer!

"Diaet Cola and Lemmon Juice zu dem Rum, Madam?"
"Sorry, no!" Das nun wieder im Kolonialwarenladen.
Wir erfragen noch den "Weather Report" und begleichen per plastic money die traumhaft hohe Rechnung!
Aber nun lehnen wir uns am "Camp Ground" entspannt zurück, hauen evt. zwei vier Zentimeter hohe, saftige Rinderfilets auf den Grill und zischen dazu eine Büchse Bier!
250 Miles auf LOOSE GRAVEL waren wieder schlauchig!
(Eine Halbliter-Flasche Bier 4,50 $, zwei richtig dicke saftige Rinderscheiben 4,90 $). Andere Länder, nicht nur andere, gewöhnungsbedürftige Sitten, auch andere, seltsame Preisgefüge!

Ein Eimer Kartoffelsalat erhält ansonsten noch unsere Betriebsbereitschaft.
Wir gieren uns, wenn sich die Möglichkeit bietet, auf das dunkelste Brot im Regal. Bis auf fünf Millimeter Stärke kann man den Packen dennoch zusammendrücken. Man könnte die Brot-Scheiben auch als Slipeinlagen benutzen, von Watte unterscheiden sie sich kaum.
Unser erworbenes dunkles Brot wurde aus sämtlichen Sämereien des weltweiten Vogelfutterprogramms erstellt, nur Roggen kam dabei wohl nicht zur Anwendung.
Es erweist sich aber sehr kostengünstig. Auf deutschen Geschmacksknospen füllt auch der kleinste Happen - allerdings ohne Lustgewinn - sehr bald den Mund völlig aus.

Auf dem Highway nach Valdez schindet schon von weitem der Washington Gletscher bei uns Eindruck. Seine Zunge ragt recht dicht an die Strasse heran.
Hier darf jeder, auf "Own Risk" bis zum Gipfel hinauf herumstiefeln.

Über den Thomson Pass schlagen wir uns nach Valdez durch.
Allein wegen löblichem Hörensagen und Belesen ist hier ein Ruhetag in unsere Reiseroute eingearbeitet.
Diesmal zu recht !
Das Town hat was.
Im Fischereihafen schauen wir hautnah und zwei Weisskopfseeadler vom Lampenmast aus den Fischern zu, wie sie abendlich ihren erbeuteten Heilbutts und Lachsen die Filets entnehmen und sehr grosszügig auch die Population der Möwen nicht verkümmern lassen.
Auch gehen wir am nächsten Tag wandern. "Hiking" nennt man das hier.
Als wir einen gewichtigen Haufen Bärenscheisse umschiffen, haben 50% der Teilnehmer unserer zweiköpfigen Hiking-Gruppe keine Lust mehr, tiefer in die Botanik einzudringen.
"Ich wandre ja so gerne..." lautstark in Fass-Dur intoniert, soll die Bären von Tätlichkeiten auf dem geordneten Rückzug abhalten. Besonders den, der den grossen Haufen gekackt hat.
Übrigens, gute Ratschläge im richtigen Verhalten in dieser Gegend kann jedes touristische Greenhorn dem umfangreichen Aufklärungsmaterial vom "Visitor Center" entnehmen. 90% der Broschüren-Seiten allerdings sind erst einmal mit Werbung vollgepflastert. Für dieses und jenes Hotel, für Kanu-, Hiking und Fishing-Touren, Gletscherflügen usw.
Einem Grizzly, so ist zu lesen, entkommt man am besten durch todstellen. Ja nicht wegrennen, wegrennen gilt als Beute. Der Bär ist schneller, kann auch besser klettern.
"Nur", sinniere ich, "wenn mich todgestellt, der Bär beschnuppert oder zärtlich mit seinen Tatzen den Rücken krault... ich bin doch kitzlig!"
Einen Schwarzbären und einen jungen Grizzly trafen wir am Strassenrand, die Mutter war sicher in der Nähe. Einen Braunbären filmten wir im Denaly-Nationalpark.

Da wir auch für Valdez einen Tag früher rausgeschunden haben, als ich terminlich die Fähre durch den Prince-William-Sound von Germany aus klargemacht habe, krieche ich am Fährterminal mit meinem Buchungspapier durch das Bürofenster wieder zu Kreuze:
"Please Miss, einen Tag früher?
"Yes, ten dollar!"
Wir geniessen den Prince-William-Sound von Valdez nach Whittier. Und wundern uns nicht, dass der besoffene Kapitän der "Exxon Valdez" hier im März 1989 auf die Klamotten fuhr. Davon stehen reichlich im Wege!.
Paar Wale winken mit der imposanten Rückenflosse und klatschen damit angeberisch auf das Wasser, ihre Heckprachtstücke zeigen sie wohl nur am Sonntag. Die Ottern treiben, ihren Mittagsschlaf haltend, in stabiler Rückenlage an uns vorbei. Auf der grünen Steuerbord-Tonne drängen sich drei fette Robben, eine vierte wird gemobbt, der verweigern sie hartnäckig das Aufentern.
Die Eiskante des Columbia Gletschers wird uns, von der Fähre aus, natürlich nicht so hautnahe geboten, wie von den teuren Ausflugsdampfern. Das Jenaer 13x50-Binecular und Sandras Panasonic Cam mit 40x Zoom, lassen die Steuerbord-Seite der Fähre dennoch ganz gewagt an der Eiskante entlang gleiten.
Die gekalbten Eisberge treiben an uns vorbei.

Wir schieben unser Schneckenhaus in Whittier von der Fähre und übernachten mit Blick auf den Portier-Gletscher. Malerisch!
Nur am Eingang des Camp Grounds fluche ich erst wieder eine Runde!
Einlochen hier wieder total personalfrei.
Auch Englisch-Kenntnisse reichen nicht immer aus in Amerika. Man muss auch amerikanisches Bayerisch können.
Schautafeln, Erklärungen, Hinweise evt. auch einmal mehrsprachig zu verfassen... nie! Eher noch im amerikanischem Slang!
Eine südstaatliche Miss, des vor uns angekommenen riesigen Wohnwagens hilft mir bereitwillig.
Das ist generell die Regel, nur texanisch musste halt im ungünstigstem Fall verstehen!
Diese grosshütigen Südstaatler gurgeln beim Zusammenzimmern ihres Dialektes ständig mit einer heissen Kartoffel im Mund:
"Hier musst du das Formular entnehmen, ausfüllen und hier in den erforderlichen Briefumschlag eintüten und den steckst du dann, zusammen mit den geforderten 18 Dollar hier in diesen Kasten.
Dieses Behältnis hat als einziges ein Vorhängeschloss.
"Eigteen dollars" spricht die Missis ganz seltsam aus, sie kommt wohl aus einem oberbayerischen Bundesstaat von Amerika.
Beim Formular ausfüllen entfährt mir "Leckt mich doch am Arsch!" U. a. wird in einer der vielen Spalte gefragt: "Golden Age?"
Nicht nur, dass dieser Fragespiegel evt. mehrsprachig angelegt sein könnten, nein, er muss Ausländern auch noch im amerikanischem "Slang" ganz humorvoll, aber schwer verständlich dargeboten werden. Wozu überhaupt der riesige Bürokratismus?
Auf dem Weg nach Homer übermannt mich und Sandra überfraut sie, die Müdigkeit. Wir haben schon viele Meilen schlauchende Piste unter den Rädern durchgeschoben.
Der erste angesteuerte Camp Ground strotzt vor Schrott und ist zugemölt. Ein paar Angler kratzen an ihren Fischen herum. Von der Steilküste aus kann man die beginnenden Aleuten bewundern.
Ich fahre weiter und bei Ninilchik auf den Camp Ground des größten Schlitzohres des hohen Nordens.
"35 Dollar this side, five bucks more on the sea side!”
Na gut, du Schlitzohr, wir sind müde. Hier muss kein Formular ausgefüllt werden.
Ich fahre auf der billigeren "This Side" dicht an die Steilküste und so blicken wir auf die Aleuten eben nicht aus dem Cockpit, sondern aus der Breitseite unseres fahrbaren Häuschens.
Ich gehe duschen.
Die Tür des Sanitärblockhäuschens sichert ein Nummernschloss. Der Code 142 wird mir kostenlos überlassen, zum Duschen allerdings benötige ich "Dimes". Ich stopfe einige in den Automaten, aber es tröpfelt nur aus der Brause. Das Schlitzohr hat mittlerweile sein Holzbuden-Office geschlossen. Er wohnt mit Gattin und drei Hunden in einem grossen Motorhome.
Nur seine Gattin und die Hunde sind anwesend. Sie ruft ihren Gatterich per Mobilphone. Ich warte eine viertel Stunde auf der Holztreppe des Kackhauses.
Als er kommt, krault er ausgiebig seinen größten Wauwie, sucht dann den Key für den Automaten. Als er die defekte Kiste öffnet, fliegen sämtliche Dimes aus der Schatulle. Er sammelt sie nur oberflächlich ein, ich später den Rest intensiver.
Inzwischen ist ein ebenfalls duschbedürftiger Landsmann von dem Bastler eingetroffen. Der lästert nun in perfekter Mundart weit prägnanter als ich.
Der Techniker murmelt etwas vor sich hin, schraubt seine Blechkiste wieder zu und haut ab.
"Jetzt können wir beide gratis duschen" sagt der Lästerer und richtig, ferngesteuert
rauscht das warme Wasser aus beiden verfügbaren Sprühdüsen!

Wir hatten längere Zeit auf unseren Übernachtungsplätzen keinen Landanschluss für unser Schneckenhaus. (110 V, 60 Hz)
In Sandras Camcorder wird die Energie knapp.
Vorausschauend kaufte ich vor dem Abflug Universalstecker für sämtliche (!) Batteriegeräte, um diese über den Zigaretten-Anzünder im WoMo aufzuladen.
In dem Camcorder geht der Stecker sehr schwer hinein, dafür schiebt sich aber der kontaktgebende Stift in diesem ganz leicht nach hinten und schwupp, schon geht gar nichts mehr, auch nicht mit dem originalem Ladegerät.
Auf der Fahrt nach Homer passieren wir kleinere Städtchen in dem am dichtesten besiedelten Landstrich Alaskas. Ich stürme die Hardware-Läden. Die Verkäufer reissen die Packungen für kleine Zangen und andere Miniaturgreifer auf, sie bemühen sich rührend, aber den Stift bekommen wir nicht angelupft.
In Homer entere ich eine Autoreparatur-Werkstatt. Auch hier das intensivste Bemühen, ohne Erfolg.
Der Chef reisst aus seinem Telefonbuch den Stadtplan heraus und malt mir den Weg zu einem Technik-Shop darin auf. Schwierig ist die Orientierung nicht in dem kleinen Städtchen.
In dem gut sortierten Unternehmen wird mir mit meinem technischen Problem jede Unterstützung zuteil, wiederum ohne Erfolg.
Sandra ist den Tränen nahe!
Homer wird in Werbeprospekten und Reiseberichten genau so umschwärmt wie Skagway. Der Ort selbst bietet nichts, aber eine sehr breite steinerne Mole, weit in die See hinein aufgeschüttet, stellt die Attraktion dar. Na gut, einen Besuch ist dieses geschäftliche touristische Treiben schon wert. Aber mehr mögen wir noch den sehr imposanten Blick auf die Skyline zu den schneebedeckten Vulkanbergen der Aleuten hinüber.
Hier nun auch wieder, am Ende der Mole, ein fetter Passenger an der Pier. Tausende PKW und Pickups auf den Parkplätzen und Busse.

Vor dem grossen Tohuwabohu fahre ich auf den Strand. Es ist Ebbe. Ich parke auf geschliffenen Schottersteinen, dazwischen loser Sand.
Wir filmen und fotografieren.
Die gleiche Spur, die ich gezogen habe, gedenke ich für die Rückfahrt zu nutzen. Zwei Meter komme ich da auch zügig voran, dann graben sich in Sekunden die durchdrehenden Hinterräder bis zu Achse ein.
Ein kakaofarbener Pickup rauscht heran, drei Meter hinter meinem Heck hält er auf festem Schotter. Während ich mir noch aussteigend die Haare raufe, hat der freundliche Gesandte des Himmels schon einen gelben Abschleppgurt in der Hand.
Mit "Dont worry, I pull you out!” unterbricht er mein Lamentieren.
Ich betrachte meine hoffnungslose Lage und beleidige mit "You be sure?" seinen bulligen Kraftprotz, 5,6 Liter Hubraum, wohl auf ein Dutzend Zylinder verteilt.
"Stell mal deine Vorderräder gerade und mach power", nach einer Minute stehe ich wieder auf festem Schotter.

Zwischen den tausenden Besuchern auf den hölzernen Gehsteigen, die wieder alles "maising" finden, walken wir einmal rauf und wieder runter und ziehen uns wieder aus Homer diskret zurück.
Wir fahren wieder den weiten Highway nach Norden zurück.
In dem Städtchen Soldotna lese ich wieder an Backbord-Seite: "Fishing & Hardware".
Auf den großzügigen Schotterflächen, zwischen einem Gebäude und dem nächsten findet sich in Alaskas Ortschaften immer problemlos Stellfläche für das Motorhome.
Ich ergattere in dem Angel- und Werkzeugladen eine kleine Zange und Uhrenschraubenzieher. Ich will jetzt den Camcorder aufschrauben, das gelingt nicht, aber Sandra schafft sich abends am Lagerfeuer mit der kleinen Zange so lange und verbissen an dem zu tief liegenden Stift, bis sie ihn wieder so weit herauf gepopelt hat, dass sie jetzt, mit einem Schnipsgummi angepresst, wieder Ladekontakt bewerkstelligt.
Juuuh, ihre Kamera looft wieder! Nun kann sie wieder den Elchkühen, unter Umgehung ihrer Intimsphäre - dicht auf den Äser schauen, wenn sie ihr Junges am Ufer abgestellt, im flachen Gewässer nach Wasserkräutern tauchen und die genüsslich verzehren.

In Hope schauen wir Lachs- und Forellenfischern zu. Aber anscheinend schwingen hier mehr Menschen ihre Peitschen über Wasser, als Fische unter Wasser überhaupt anwesend sind. Selbst Kleinstkinder, die eigenverantwortlich nur im Wasser stehen können, bedienen schon eine Rute.
Vor Girdwood weckt eine ehemalige Goldgrube am Crow Creek unser Interesse. Auf einem längeren Fußmarsch erreichen wir, zum Flussbett abseilend, den Wildbach. Schon von Ferne hören wir das Klimpern der Nuggets, die hier zu Tal kullern. Uns kommt ein junger Vater mit Sohn und zwei Spaten und Waschpfannen nach getaner Arbeit entgegen. "...and, you are rich now?" haue ich die Beiden an.
"Oh jäh, realy rich!” ist schmunzelnd Vaters Antwort.
Oben, zwischen musealem Goldgräberunterkünften und -zubehör wird kräftig recht nobel geheiratet.
Unten am River lassen ein paar Laienkünstler den Kies in ihren Pfannen kreisen. Glückseeligkeit strömen sie nicht aus.
Aber auch ein Profi ist am Werk. Mit einem Stromaggregat betreibt er eine kräftige Pumpe und saugt damit große Kiesmengen über seine Sortieranlage. Diese Glücksritter mit Waschanlagen sämtlicher Kaliber versuchen an verschiedenen Flüssen dem Glück auf die Sprünge zu helfen.

Durch Anchorage rauschen wir durch, ein wenig verzögert, weil wir uns verfransen. Detailgetreue Stadtpläne oder Landkarten sind Mangelware.

Während die Goldsucher ihrem Glück nachjagen, ereilt uns vor Talkeetna das Pech.
Eigentlich wollten wir hier an Backbord-Seite den Mount Mc Kinley in voller Pracht bestaunen, aber der Himmel zeigt sich in einem schönen hellen freundlichen
Schwarz.
Es regnet recht heftig.
Wir durchfahren menschenleere Tundra mit Scheibenwischern im Dauerbetrieb.
Statt auf den verhüllten Mount McKinley starre ich auf mein Armaturenbrett, denn dort leuchtet ein gelbes Signal auf. "Air low pressure!" Reifenschaden!
Äußerlich ist unter den vieren kein Schuldiger auszumachen.
Nach etlichen Meilen kommt eine Tankstelle. Ich genieße wieder die amerikanische Tankprozedur und fahnde nach der Luftdruckanlage.
"AIR" ist außen an die Seitenwand gepinselt. Ich frage am Tresen nach. Hier reicht mir die Verkäuferin einen roten, recht unsterilen Gummischlauch über die Popcorn- und Crackertüten.
Der passt an den kleinen Anschlussstutzen in der Wand unter "AIR". Den
Vorderräder biete ich prophylaktisch ein paar PSI nach Geschmack, ein Manometer ist nicht vorhanden. Für die Hinterräder reicht das kleine Schläuchlein nicht, ich muss manövrieren. Danach reiche ich das sandige, nasse Schläuchlein wieder
über die Bonbons und Crackertüten zurück.
Eine leichte Schaumbildung in den Mundwinkeln lässt sich wieder meinerseits nicht unterdrücken im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten"!
Nach dem ich ohne jegliche Kontrolle die vier Reifen ein wenig mehr aufgepustet habe, setzen wir die Regenfahrt fort.
Dem RV-Camp Ground "Trapper Creek" ist noch ein grosses Motel beigefügt, ein Waschsalon, Trockner, ein Laden und ein männlicher Tankwart. Ein herrlicher Mensch mit technischer Ahnung.
Er artikuliert sein Englisch ohne zur Hilfenahme der heißen Kartoffel.
Ich schildere ihm mein Problem. Er besitzt einen Luftdruckprüfer, eine technische Werkstatt und einen aufgrollten Druckluftschlauch, mit dem man alle vier Räder gleichzeitig versorgen kann.
Der vorne rechts hat das Licht auf dem Display angemacht, ermittelt der Druckmesser meines freundlichen Helfers. Er pustet die notwendigen 70 PSI hinein und lässt die Überdosis von den drei anderen wieder ab.

Wir fahren auf den Camp Ground und stellen den Landanschluss her, nebst Wasser und Dumping-Zieharmonika-Schlauch. Die Kacke muss mal wieder gelenzt werden.
Wir gehen im Keller des Motel kostenpflichtig duschen. Zehn Minuten vier Dollar, in "Quaters" please, verlangt der Automat. Ich steige die hölzerne Treppe zu dem Laden empor und wechsle fünf Dollar in 20 "Quaters". Die gestreckten hohlen Hände gestrichen voll mit "Quaters" und der Gleitsichtbrille auf der Nase balanciere ich wieder die steile Holztreppe hinab zum Duschen.

Sandra läuft um den Camper und hört vorn rechts ein Zischen. Jetzt ist der Verursacher unseres Problems enttarnt. Eine vorherige Leckage in der Reifendecke wurde mit einem sog. Patch (mit einem Gummistöpsel) verschlossen. Diese Methode ist als Heimbringer ganz proper, aber doch unverantwortlich, das Fahrzeug damit erneut 4000 km wieder auf LOOSE GRAVEL in die Wildnis zu schicken. Aus diesem Patch zischt es sachte heraus.
Ich zupfe den freundlichen Tankwart wieder am Ärmel.
Es ist verregneter Sonntag.
Ich muss nicht zu seiner Werkstatt fahren, er rückt mit einem Monstrum von Caterpillar an und einem stattlichen "Jack". (Wagenheber)
Inzwischen habe ich die acht Radmuttern gelöst, nur passt mein Radmutternschlüssel nicht, um die beiden Haltemuttern für das Ersatzrad zu lösen.
Wer baut so ein Auto? FORD!
Der Caterpillar holt einen passenden Ringschlüssel.
Ich bitte, von Dankbarkeit geschüttelt, den Techniker dreimal, eine Rechnung zu schreiben. Mein Auto-Vermieter kann doch für seinen Scheiß auch löhnen!
"Never mind!" Er will kein Geld!
Wir montieren das Reserverad. Das Licht im Cockpit erlischt.
Am Montagmorgen ist es aber wieder da, aber der freundliche Techniker nicht mehr.
Seinen Platz nimmt eine technisch total unbeleckte ältere Dame ein, die für heißes Wasser für "Cafe Togo" und "Frankfurters" zuständig ist.
Von einem Manometer zur air pressure control hat sie zeitlebens noch nie etwas läuten hören.
Neben diesem auf sie herabstürzenden Problem will neben uns auch ein deutsches Ehepaar ihren Leih-PKW betanken.
Amerikanische Tanksäulen werden generell nur mit Plastik-Geld aktiviert.
Damit wird auch der "Kaffee Togo" bezahlt.
(Ich denke mal, es gibt Amerikaner, die schon vergessen haben, wie ein Dollar-Schein überhaupt aussieht!)
Unsere Visa-Karten lehnen die Tanksäulen aber ab, drinnen an der Kasse klappt es damit dann aber letztendlich....meistens, manchmal!
Der deutsche Touri vor uns ist aber nun regennass schon zum "prepaid" fünfmal rein und raus gerannt und immer hat er an der Zapfsäule erfolglos die Zapfpistole in seinen PKW gesteckt. Die Heißwasser-Verantwortliche kommt mit der sicher sehr komplizierten Kasse nicht klar, das Teil verkauft Popkorn und aktiviert nach "prepaid" auch die entsprechende Zapfsäule. Bei sachkundiger Bedienung.

Die Überforderte aktiviert entnervt ihr Mobilphone. Eine junge Fachkraft rettet danach die Situation, kennt auch Luftdruckmesser und verkauft mir einen für 3,69$ und volltanken kann ich auch, ohne tropfnass hin- und herzupendeln.

Im regennassen Talkeetna brechen wir zum Denali-Park auf. Eigentlich das touristische High-Light Alaskas und das jetzt im strömenden Regen!
Grosser Manitu hilf!
Wir umfahren das Felsmassiv und siehe da, auf dieser Seite des Gebirges ist auch wieder Sonne verfügbar.
Wir bekommen noch für den nächsten Tag Bustickets durch den Denali-Nationalpark. In eigener Regie darf der nicht befahren werden.
Na ja, der Atem stockt uns dort nicht gerade. Zwei gewaltige Elchgeweihe schwenken über dem Tundra-Buschwerk, ein Braunbär überquert ein geschottertes Flussbett. Sehr imposant allerdings präsentieren sich uns vier Dall-Schafe und die rennen einem schon gar nicht in 36-Reihen vor die Kamera. Wie die auf steilster
Felswand klarkommen, ist bewundernswert.
Unsere junge hübsche Busfahrerin hält auch bei dem leisesten Wackeln im Busch und jedem Häschen am Schotterpistenrand. Nur ist sie hobbymässig Schnellsprechmeisterin in alaskanischer Mundart. Und trainiert als Reiseleiterin mit Headphone täglich in ihrem Bus.
Die Landschaft ist imposant, der grosse Denali, der Mount Mc Kinley hält sich, wie so dreihundert Tage im Jahr, auch heute bedeckt. Aber wir kriegen ihn später noch vor unsere weittragenden Flinten!

In Fairbanks bitte ich eine nette Empfangsdame in einem Hotel kostenfrei zur Fraserway-Nr. mir nach Kanada eine "line zu droppen".
(Im Yukon funktionieren europäische Handys gar nicht, in Alaska manchmal!)
Ich schildere unserem Autovermieter das Reifenproblem und frage mich danach zu einer Reifenfirma durch. Die klärt dann telefonisch mit "Fraserway" ab, dass der defekte Reifen durch einen neuen ersetzt werden muss.
Auch machen die das Warnlämpchen auf dem Cockpit-Display endlich aus.
Den hohen Norden hier bekommen wir nicht geschenkt, das wussten wir vorher.
Abenteuerurlaub war einkalkuliert, aber eine Prise mehr Urlaub, neben dem Abenteuer, dürfte es schon sein.
Unser Bedarf an "Durchknaupeln" ist allmählich gedeckt!

Die "Grossstadt" Fairbanks, die auch wie andere Örtlichkeiten kaum über Fußsteige verfügt, verbraucht nur wegen der Reifenpanne unsere Zeit. Als unser Heck wieder ein nagelneuer Reserve-Pneu verziert, zischen wir sofort ab!
Kaufen vorher im Supermarkt "Fred Meyer" Proviant für die nächsten Tage und auch Äpfel, Pfirsiche und Nektarinen.
Dieser Supermarkt ist von einer ungeahnten Ausdehnung, hier ist alles erhältlich, nur nichts Alkoholisches.

Außer Proviant und Benzin nehmen wir auch die Eindrücke der "Leningrader Nächte" mit, die unsere Taschenlampe nie zum Einsatz bringen und die üppigsten Blumenampeln an den Hotels und anderen Institutionen. D. h. wir klauen die nicht, bewundern sie nur!
Der Münchener Marienplatz hätte Schwierigkeiten, mit seinem Blumenschmuck da mitzuhalten. Hätten Sie´s gewusst?
Die Rückseite der Blumenfassaden ist dennoch mit dem üblichen herumliegenden Unrat und Schrott geschmückt. Das schreibt anscheinend die Landesverfassung zwingend so vor!
Wir halten auf "Chicken" zu. Vorerst noch auf Asphalt.
Mein Ausguck meldet recht voraus einen Moos!
Ich drossele die Hauptmaschine und nähere mich der stattlichen Moosenfrau. "Elche" sind hier im Norden völlig unbekannt. "Moos" heißt diese Spezies hier. "Give Moos a break" mahnen Schilder am Strassenrand. Na klar doch!
Nach Schleichfahrt haben wir die stattliche Moosenfrau längsseits. Sie ist anscheinend alleinstehend und kinderlos. Entweder schon zu betagt oder sie nimmt die Pille.
Unsere vorherigen Moosendamen hatten alle ein Kälbchen am Teichrand abgestellt.

Wir erreichen den Verkehrsknotenpunkt "Chicken". Durch die zahlreichen Baustellen des Yukon und auch Alaskas wurden wir des öfteren von einem "Pilot Car" mit drei Rundumleuchten durchgelotst.
Dieser in der Karte bemerkenswert erwähnte Ort hat im Sommer eine Besatzungsstärke von ca. 30 Einwohnern, aber nur 15 Leutchen als Stammbesatzung schlagen sich danach durch den Winter. Wir möchten keinesfalls die Besatzungsstärke wintertags hier aufbessern.
Am "Ortseingang" zeigt ein Wegweiser nach Steuerbord "Chicken Downtown". Das "Uptown" haben wir nicht gefunden, wahrscheinlich eine Blockhütte im Busch.

Chicken Downtown hat anheimelndes Flair. Auf einem Hügel steht ein meterhohes Huhn aus Blechstücken zusammengeschweißt. Am Bach steht der Dredger Nr. 4, mit dem während des Goldrausches und noch lange danach jeder Stein in dem Bach mindestens fünfmal umgekrempelt wurde.
Downtown besteht aus zwei hölzernen Bauwerken. Die höher gelegene Blockhaushütte beherbergt einen T-Shirt-Laden, eine "Bar", ein Café und ein hölzernes Wanderscheisshaus auf Schiern.
Weiter talwärts lädt uns ein anheimelnder Camp Ground zur Nachtruhe.
Ohne 110 V oder Wasser, aber recht ordentlichem Plumsklo. Dicht neben unserer Behausung liegen die Moose-Nuggets. Sowohl das höher, als auch das tiefer gelegene Gehöft wird durch ein deutlich hörbares Dieselaggregat strommäßig versorgt.
Die Attraktion unseres Beherbergungsunternehmens ist, wie schon so oft, Goldwaschen!
Nach der heutigen, total bescheuerten Touristenversion.
Zwei, na sagen wir, blecherne Viehtränken stehen, Wasser gefüllt dem Glücksritter zur Verfügung. Wenn er 15 Dollar löhnt und dafür eine Waschpfanne erhält, darf er sich aus einem Geröllhaufen bedienen, den ein Caterpillar aus dem reichlich Goldstaub führenden Wildbach herbeischaffte. Etliche Pfänner rührten mit ihren Schüsseln in den Blechtrögen herum, betrachteten danach ihr Ergebnis und schütteten alles wieder fort.

Wir machen uns ein Knäckerchen an und hauen wieder zwei Rinderhälften auf den Grill. Wer in dieser Wildnis unterwegs ist, ist gut beraten, einen vollen Tank und einen ebensolchen Kühlschrank am Mann zu führen.
Das wirklich hochlöblichste Teil unserer Fuhre ist der gasbetriebene Kühlschrank mit Tiefkühlfach. Der macht einen tadellosen Job!
Nur muss der auch, bei den wenigen Versorgungsstützpunkten gebührend vorausschauend bestückt werden.

"Chicken" hat gefetzt, nach dem Ausschlafen schmeissen wir wieder den Riemen auf die Orgel und überantworten uns dem "Top of the World Highway". Ein abenteuerliches Unternehmen!

Jetzt zieren unsere PKW`s daheim am Heck die Aufkleber: "I survived The Top of the World Highway".
Wer sich auf diesem Feldweg dritter Ordnung über die Gipfel nach Dawson durchgeschlagen hat, wird uns verständnisvoll auf die Schultern klopfen.
Aber irgendwie beneiden wir uns jetzt selbst um dieses Erlebnis!

Wir starteten, wie immer ohne Frühstück in Chicken.
Das machen wir generell so und halten dann unterwegs an einem landschaftlich bemerkenswerten "scenic view". Die freigiebige Natur beschert uns teilweise Ausblicke, die an so einem Ort in Europa den Preis für eine Tasse Frühstücks-Kaffee auf 10 Euro anheben würde!
Hier auf dem geschotterten Highway schere ich links in eine pfützen-drapierte Haltebucht. Sandra meckert, ihr gefällt der imposante Talblick über die Almwiesen der Tundra nicht sonderlich. In Deutschland würden da Kaffeefahrten hinführen.
Ich habe Hunger, wir sind schon zweieinhalb Stunden on Tour.
Sandra kocht Kaffee und deckt den wackeligen Frühstückstisch in der achtersten Couchecke.
Ich beschäftige mich mit was Technischem im Cockpit.
Da wippen vor ihrem Kombüsen-Bulleye bizarre Geweihe auf und ab.
"Schnell, die Kamera!" hallt ein Schrei!
Ich greife den Camcorder, der liegt immer standby in der vorderen Ablage und reisse die Wohnzimmertür auf. Ein stattlicher Geweihträger kann gerade noch, in einem Manöver des letzten Augenblicks, einen harten Haken schlagen, um nicht mit seinen Auslegern auf dem Kopf gegen das Schott zu rammeln.
Als ich in die Öffentlichkeit trete, bewahrt der Rest der vorbeiziehenden Caribou-Herde mehr Contenance. Die stattlichen Tiere ziehen jetzt 15 Meter entfernt an uns vorbei.
Ohrmarken tragen sie nicht!
Nach zwei Meilen Weiterfahrt erreichen wir die amerikanisch/kanadische Grenzstation.
Hoch in den Bergen, nur im Sommerhalbjahr geöffnet, so wie die ganze "Autobahn".
Die Einfahrt zu den Amerikanern ist per "Einbahnstrasse" gesperrt, Ausreisende interessieren sie überhaupt nicht.
Ich docke gemächlich bei den Kanadiern an, lasse das Fenster herab und mache, um mich schon mal einzukratzen, den Motor aus. Das wird immer gern gesehen!
Eine hübsche, rothaarige Rangerin tritt an mein Fenster: "Hallo, how are you?"
Yes Miss, entgegne ich, im Moment "aren" wir uns besonders gut, und auch Sie und Ihr Country hätte dafür Anlass, denn vor 30 Minuten wechselten so ca. 60 Caribous freiwillig von den Vereinigten Staaten nach Canada.
Die Miss zeigt sich erfreut.
Selbstredend kennt sie diese Herde besser als jeder entzückte Touri. Die rammelt doch wahrscheinlich täglich an ihrem vereinsamten Check Point vorbei.
Die Einklarierung läuft kanadisch so locker und extrem freundlich ab, es ist fast ein Erlebnis, kanadisches Territorium zu betreten.
Wir spulen unermüdlich staubige Kilometer ab, auf diesem Top-Highway.
Voraus bietet der Blick oftmals die erschreckend weite, verschnörkelte Strasse durch die Berge. Wo Staubwolken aufsteigen, kommt einer!
"Ganz dort vorn müssen wir lang, oh weia!"
Auch der kanadische Yukon steckt in seiner Ausdehnung gegenüber seinem Konkurrenten Alaska keinen Pflog zurück.
Die Weite des Landes ist immer auf´s Neue beeindruckend.
Alles hat einmal ein Ende, wir seilen uns talwärts ab, zur Fähre, die uns über den Yukon-River hinüber nach Dawson bringt.

Dawson, nimmt man das erhaltene Westernflair des Goldrausches von 1889 noch ab.
Es ist nicht so verkitscht wie z. B. Skagway.
Abgenommen hat aber seitdem auch die einstige Besatzungsstärke, von einst 30.000, die mit den Nuggets vom Klondike und Bonanza River gross rauskommen wollten, halten jetzt noch etwa 2000 Leutchen die Stellung.
Einige hölzerne Gebäude haben tatsachlich schon über hundert Jahre auf den Holzplanken.
Der Ort hat eine ganz merkwürdige Würde. Nur eine Straße, der beginnende "Klondike Highway", hat einen festen Belag, ansonsten fährt man auf Schotter und geht auf Holz beplankten Fußsteigen.
Auch hier wieder der übliche Unrat, Unkraut, schiefe Lichtmasten mit dem Trafo oben dran, Staubwolken von dem Gravel und teilweiser Verfall.
Es würde sich keiner wundern, wenn in dem Strassenstaub einer im Ledermantel und Einschussloch im Hut riefe: "Zieh Fremder"!
Die Geschäftsfassaden der vielen "Gift-Shops" sind schön bunt pastellfarben angestrichen und beschriftet. Aber auch schiefe, dreckige Gardinen verunstalten so manche renovierungsbedürftige Behausung und Beherbergungsunternehmen.
Ein Haus aus Steinen gebaut, gibt es in Dawson, aber nicht nur dort, überhaupt nicht.
Uns kam so mancher äußerst seltsame Typ entgegen und auch Typinnen, die oftmals schon am Vormittag heftig einen gezwitschert hatten.
Die Lebensmittel in dem einen kleinen Kolonialwarenladen sind nordisch teuer.
Wir gönnen uns acht Rosenkohlröschen zu unserem Kartoffelsalat und Räucherwürstchen. Gemüse kam immer zu kurz auf unserem Speiseplan.

Als wir die ehemalige Blockhütte von "Wagenheber London" besuchen wollen, hatten sich vorher gerade der Eintrittspreise von zwei auf fünf Dollar angelupft.
"Jack" (Wagenheber) London bleibt unbesucht.
Dafür fahren wir zu der renovierten Dredge No. 4 am Bonanza-Creek
Mit solchen technischen Monstern und anderen Wühlern wurde auch diese Gegend hier von 1905 bis 1960 mehrfach, auf der Suche nach Gold, völlig umgekrempelt. Riesige steinerne Geröllhalden zeugen von den menschlichen Eingriffen in diese Landschaft.
Aber auch ich greife jetzt herb in die Natur ein!
Mit der Bratpfanne aus dem WoMo wasche ich an einem einigermassen zugänglichen Flussabschnitts im Bonanza-Creek Gold!
D. h. ich wasche eher die ohnehin sauberen Kiesel und den Sand vom Flussufer. Gold ist zufällig nicht dabei, aber amüsant finde ich die Suche danach in diesem geschichtsträchtigen Gewässer dennoch. Nur meine nackten Füsse amüsieren sich in dem eiskalten Wasser weniger, aber die Bratpfanne ist danach schön sauber. Besonders auf Sandras Videos komme ich mit meiner ungewöhnlichen Dienstkleidung nebst Handwerkszeug besonders bescheuert rüber.
Wir gönnten uns einen "Ruhetag" am Zusammenfluss von Yukon und Klondike und setzen am frühen Morgen unsere Reise mit Südkurs fort. Auf dem Klondike Highway fahren wir vom Fluss hinauf in die Berge und in die Wolken.
Morgennebel umwabert uns. Der frühe Vogel fängt den Wurm!
Als wir wieder freie Sicht haben, stehen drei jugendliche Elche vor uns auf der nass glänzenden Strasse. Ihre Neugierde begünstigt unsere lichtbildnerischen Bestrebungen.
Hinter uns hält in Abstand ein kanadischer Pickup. Hier steigt keiner aus und fotografiert. Die liebenswerten Einheimischen wollen den Touris da vorne nicht die Fotosession verderben.
Der Nebel ist verflogen. Vor Carmacks fahren wir auf den Parkplatz, um auf einer hundertstufigen Holztreppe zu den Five Finger Repids zum Yukon hinab zu steigen. Der Weg durch den Wald, zu den imposanten Felsen im Fluss, zieht sich etwas. Da sich dicke Gewitterwolkem am Himmel formieren, sind wir allein in diesem Revier unterwegs.
Sandra beginnt wieder zu singen und hat es ziemlich eilig. Angeblich wegen der Wolken.
Ich bewundere nachträglich die Shipper, die z. B. mit dem Sternwheeler "Klondike" durch diese Stromschnellen zwischen den drohenden Felsen die Versorgung der 30000 Goldschürfer am Klondike-River bewerkstelligte.
Das antike Steamship "Klondike", mit seinem gewaltigen Heckschaufelrad, bildet, an Land gehievt, in Whitehorse jetzt das Wahrzeichen der Stadt.

Wir übernachten am Coal Creek Camp Ground , direkt am Yukon-Fluss. Hier gefällt es uns bombig, wir verbrauchen auch den letzten Reservetag.
Zur Coffee-Time peest ein seltsames Wildtier an unserem Fenster vorbei, hastig verfolgt vom Deutschen Schäferhund des Platzwarts.
Der Fuchs (kann auch ein Coyote sein) wollte sich aus seinem Hundefressnapf bedienen.
Nach einer Stunde sitzt der Dieb schon wieder mit tropfendem Zahn am Strassenrand und schleicht sich erneut wieder an. Ich schleiche, zwecks Porträtierung, dem Draufgänger bis auf 15 Meter entgegen.

Unser Übernachtungsplatz bietet auch Kanuten eine Aus- und Einsetzmöglichkeit.
Diese Klientel nötigt uns Bewunderung ab.
Gestern landete ein deutsch-kanadischer Einzelkämpfer hier an. Tagelang hatte er im Busch verbracht. Seine letzte warme Malzeit war ein Eintopf, dem er ein Eichhörnchen als kärgliche Sättigungsbeilage beigefügt hatte.
Auch auf unserem Camp tummelt sich geschäftig so ein winziges nordisches Eichhörnchen. Diese possierlichen Tierchen trifft man allerorts.
Als der Wilddieb an unserem Lagerfeuer vorbei kommt, um sein Essutensilien abzuwaschen, rufe ich ihm zu: "Du, hier hüpft auch ein Eichhörnchen herum, lass es leben, man soll sich ja abwechslungsreich und nicht so einseitig ernähren!"
Am nächsten Tag zieht ein junges Lübecker Paar ihr Faltboot aus dem reissenden Fluss. Sie trocknen ihre Ausrüstung und zerlegen und verpacken ihr Boot. Übermorgen fliegen wir zusammen zurück nach Frankfurt.
Neun Tage waren die beiden in der Wildnis im Kanu unterwegs. Wir lassen uns aufklären:
"Solche Touren gehen hier nur mit GPS-Empfänger. Menschliche Behausungen zur Orientierung liegen ja oft sehr weit auseinander. Zum grössten Teil zieht Wildnis am Boot vorbei. Den Proviant verschraubten wir immer sorgfältig in eine unserer wasserdichten Tonnen, stellten die weit vom Zelt weg und ein Kochgeschirr darauf. Wenn es klapperte, fingerten wir nach unserem Bären-Spray!"
Besonders die junge Frau war sichtlich erleichtert, wohlbehalten wieder Zivilisation um sich zu haben: "Mir war ständig bewusst, welchem Risiko wir ausgesetzt sind. Unser Boot kann sich an den zahlreichen Ästen im Wasser die Außenhaut aufreißen, oder was passiert, wenn man sich ein Bein bricht.
Unser europäisches Handy funktioniert hier nicht.
Etwas wohler fühlten wir uns immer, wenn wir noch ein oder mehrere Boote hinter uns wussten!"
"Sagt mal, jetzt ist doch eigentlich Lachszug, seid Ihr nicht mit eurem Boot in den Lachsen stecken geblieben? Wir haben bisher nicht ein einziges Exemplar dieser Spezies zu Gesicht bekommen" frage ich die beiden Verwegenen.
"Auch wir sahen nur einen" war die bescheidene Antwort.
Also auch diese Population ist bei weitem nicht so dicht bestückt, wie Werbeprospekte und Sensationsjournalismus den potentiellen Touristen weismachen möchten.

Am nächsten Tag bewältigen wir mühelos die letzte Etappe auf gutem Straßenbelag des Klondike Highways nach Whitehorse.
Wir waschen und reinigen auf einem stadtnahen Stellplatz unser Motorhome, entleeren sorgfältig das Black- und Greywasser. Am nächsten Morgen geben wir unser Schneckenhaus, das uns drei Wochen leidlich bequem in der Wildnis beherbergte, vollgetankt und wohlbehalten bei "Fraserway" wieder ab. Nur zwei Steinschläge vermerkt die gestrenge Endabnahme auf der Frontscheibe.
(Wir ließen nicht sofort bei "CarGlas" wechseln und fuhren dennoch damit sicher 3000 km weiter durch eine Million Schlaglöcher!)

Wir trafen die hilfsbereitesten Menschen, so herzlich und aufopfernd, wie nirgend wo anders in der Welt.
Wir fuhren 4200 km durch meistens naturbelassene wilde Landschaften, die es in dieser Ausführung auch nur in dieser abgelegenen Region gibt.
Allerdings fluchte ich täglich über die eine oder andere Misere im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten".
Keine Etappe wurde uns geschenkt, wir mussten uns mal mehr, mal weniger, aber jeden Tag "durchknaupeln". Kein beigefügter Reiseleiter strich uns tröstend übers Haar!

Abenteuerurlaub! Reichlich Abenteuer, weniger Urlaub.