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Inselhüpfen über die Azoren

X-mal führte mich, je nachdem, ob der Kapitän den Kurs als Gross- oder Kleinkreis in den atlantischen Übersegler gemalt hatte, der Seeweg nach Südamerika mal dicht und mal weiter entfernt an den Azoren vorbei.
Auf der Reede von Ponta Delgada fierten wir einen muckernden Blinddarm samt zugehörigen Besitzer in das Lotsenboot ab, nachdem ich vorher über Horta-Radio unser Begehr und die friedliche Absicht unserer Annäherung an den Hafen klargemacht hatte.
Rückreisend holten wir dort den Matrosen, um seinen kompostierten Appendix erleichtert, wieder ab.
Jetzt im gesicherten Rentenalter gab ich dem Drang nach, die dort im Wege stehenden Lava-Brocken doch einmal näher zu inspizieren.

 

Fotos zu diesem Bericht gibt es in dernadelFotogalerie Azoren zu sehen.


Im Internet gockele ich los. An den Flug- und Fährplänen der Azorenverknüpfungen aber  biß ich mir sehr schnell die Zähne aus. "Azoren Archipel" als spezialisierter Reiseanbieter aus Hessen kann das viel besser und erledigte ein dreiwöchiges Inselhopping über sechs Inseln mit sechs rent-a-car-PKWs, zwei Fähr- und vier Flugübersetzungen und interessanten Einquartierungen reibungslos.
An- und Abflug erledigt Air Berlin über Tegel, Düsseldorf nach Ponta Delgada von Mittwoch (20.8.14) zu Mittwoch (10.9.)
Zum Glück "Air Berlin", denn bei unserer Rücklandung in Düsseldorf verschränken die notleidenden LH-Piloten wieder die goldbetressten Arme im Streik und erfreuen sich genüsslich am verursachten Chaos auf deutschen Flughäfen zum Ferienende. Das grösste Leid ihrer verzweifelten Geiseln kommt ihnen gerade recht, um ihre "berechtigten" Forderungen durchzusetzen und die üppigen Pfründe per Streik zu sichern. 

Ich schreibe diesen Reisebericht nicht im Auftrag der Reiseanbieter oder des Tourismusgewerbes. Daher regnet es darin - im Gegensatz zu den Reiseprospekten - auch bei mir im Sommer auf den Inseln und mehr als uns oft lieb ist. Auch offeriert nicht jede Gaststätte nur gourmetisches Feuerwerk und die Bedienung ist oft äußerst gewöhnungsbedürftig.
Im Detail später mehr.
In Ponta Delgada empfängt uns eine Mords-Bramming. Die gefühlte Luftfeuchtigkeit schätze ich auf 150%. Diese Wettersituation verfolgt uns auf vier Inseln. Die letzte Woche genießen wir dann im angenehmeren Sommer, Abende aus Samt und Seide, da sich dort Tag und Nacht auf eine Temperatur geeinigt haben.
Die Strassen sämtlicher Inseln sind zum größten Teil tadellos, die Ortschaften stehen gut in Farbe, für Graffitis fehlen hier die Künstler.
Nahezu jeder Küstenort bietet Einwohnern und Touristen in Ausnutzung der vorgelagerten Lavafelsen je nach Zustand der See eine gesicherte Bademöglichkeit. Zwei gelb betresste Rettungsschwimmer sorgen sich dann zwischen den Klippen um die Badenden, auch wenn gar keine vorhanden sind. Für uns unfassbar, wie überall steht auch dort unser PKW kostenlos auf großzügigen Parkflächen und wir zu den gleichen Bedingungen im Umkleideraum, Dusche und ich vor dem Pinkelbecken.
In Deutschland schließen die Kommunen reihenweise ihre Bäder und installieren stattdessen
lieber Parkuhren und profitable Blitzer an ihren Durchfahrtstrassen. Solche sahen wir auf den Inseln nicht, dafür aller paar Kilometer gepflegte Grillplätze mit Wasserleitung und überdachten Tischen und Bänken. Und allerorts, wo sich ein Blick rentiert, ist ein "Miraduro" (Aussichtspunkt) ausgebaut und Parkfläche angeboten.
Auf allen Inseln und an allen Tankstellen tanken wir 95er Gasolino für 1,489 €, alle drei Wochen lang. Auf allen Inseln und in allen Einrichtungen kosten 0,1 Liter wunderbares Bier 0,50 Cent ab 0,2 Liter gestaffelt verfügbar bis zur halben Mass.
Mich beschleicht das Empfinden, aus dem bedürftigen Deutschland in das gesättigte Portugal einzureisen.
Im Airport Tegel muss der Fluggast seine Seltersflasche für 11 Cent vor dem Scanner in dem Abfalleimer entsorgen, um ihm direkt hinter dem Scanner das gleiche Produkt für 3,60 € wieder entgegen zu strecken.
Weit draußen im Atlantik, auf dem Airport auf Flores kostet ein kleines Bier 1 €, im Kiosk am Lava-Badebecken das Gleiche!
Für 1,659 €/l müssen wir nach Rückkunft in Berlin nach Ausfahrt aus "Mein Stellplatz" unseren PKW betanken, als wir in Rostock ankommen, hat sich der Preis schon längst wieder geändert, weil sich ja in Rotterdam, je nach deutscher Ferien- und Feiertagssituation, komischerweise der Rohölpreis auch stündlich ändert.
Ein Auslandsaufenthalt verdeutlicht mir immer anschaulicher, wie weit mittlerweile der deutsche Rachen aufgerissen wird, nimmer satt in seiner Gier!
Nach oberflächlicher Betrachtung, scheint das Leben in diesem EU-"Nehmerland"  angenehmer, als in meinem reichen "Geberland".

Muss ich evtl. in Tegel 3,60 € für eine 11-Cent Selters berappen, damit eben u. a. auf dem portugiesischen Airport Flores ein Bierchen nur einen Euro kostet?

Wir landen mittags in Ponta Delgada, wollen eine Nacht auf Sao Miguel verbringen und morgen nach Terceira fliegen. Eine große Skoda-Taxe bringt uns für 9 € zum altstädtischen Hotel "Talisman". Dort werden wir um Geduld gebeten, unser Quartier ist noch nicht bereit. Wir flanieren zum Hafen und durch die Altstadt und knipsen alles und jeden.
Als wir nach Stunden zum Hotel zurückkehren, läuft die Chefin rot an, bittet uns ins Separé und entschuldigt sich fünfmal, das Zimmer wäre aus seitenlangen Gründen nicht beziehbar.
Ein typischer Fall für "Überbuchung". Na das geht ja hier gut los!
Unseren aufkeimenden Groll dämpft die Senora sofort mittels eines Gutscheins über 20 € für ein Abendessen und die Umquartierung in das 4-Sterne-Nobeletablissement "Royal Garden".
Von dort aus brauchts zum Abendessen zu Fuss keine 10 Minuten zum "Talisman" und der 20- €-Bon nebst Überziehungs-Kulanz lässt uns knüppeldicke satt und gut hydriert im "Royal Garden" in die vornehme Butze schlüpfen.
Nach dem royalen Frühstück ruft uns der "königliche Garten" eine Taxe zum Airport.
An den Flugschaltern erspart uns die Vorlage unserer Pässe jegliche Komplikationen, die Flüge sind bezahlt und unser Reiseanbieter hat uns wohl auch wärmstens empfohlen.
Wir flattern mit dem Inselhopper der SATA  ("You can sit every where")  nach

Terceira
in die Hauptstadt mit dem pompösen Namen "Angra do Heroismo". Auch diese Insel ist gut beheizt und tropisch feucht gehalten.
Es nieselt. Das macht es im August nie, na so gut wie, meinen die Touristenwerber in ihren Broschüren.
Wir bekommen von unserem Rent-ä-Carier einen "Renault Modus", ein bequemes geräumiges Auto, ohne dass ich den knarrenden Rücken beugen muss beim Platznehmen auf dem Navigatorsitz. Vier Ärmelstreifen trägt Sandra am Ruder.
Unsere sechs Mietautos haben wir beim Reiseanbieter vorfinanziert, sie stehen immer bereit, nur den Anbieter mit erhobener Schriftentafel oder sein Büro muss man am Flug- oder Fährhafen ausfindig machen. Etwas spannender ist es immer, wenn man beim Flieger abholen und bei Fähre abgeben muss. Und grob hinfinden muss man sich zu den Örtlichkeiten auch erst einmal. Uns blieb ausreichend Gelegenheit sich zu verfitzen, zu wenden und den Rückwärtsgang an den verschiedenen Autotypen einzufädeln. Auch öffnet stets ein anderer Mechanismus den jeweiligen Tankdeckel. "Auf welcher Seite war der doch gleich?"

Mit dem Renault Modus suchen wir das Hotel "Beira Mar" in Angra do Heroismo. Ich starre abwechselnd in den Stadtplan und auf die vorbeihuschenden Heiligen-Strassennamen, an denen der Renault von achtern viel zu schnell vorbei geschoben wird. Wir müssten theoretisch in die Rua de Sao Joao. Diese Hauptstadt ist ein recht quirliges Town und das Ungeeignetste, sich an den hiesigen Verkehr, die diesbezüglichen Sitten und - am schwierigsten - an engste Einbahnstrassen ohne Fusswege zu gewöhnen, in denen dann auch noch mit eingeklappten Aussenspiegeln geparkt wird.
Don Agustinho sitzt gerne plaudernd mit seinem Nachbarn auf der Schwelle seiner Haustüre.
Die vier dazugehörigen Beine strecken sich hinaus in die enge Gasse. Fußweg ist nicht.
Dennoch haben wir nie breit gefahrene Gliedmassen gesehen und auch keine produziert.
Wir schauen aus dem Hotel "Beira Mar" auf den Hafen und einen Sandstrand mit zwei Rettungsschwimmern und oft mit ebensoviel Badenden, weiter draußen auf den Atlantik. Der Golfstrom ist auch mit unserem Zeiss-Glas nur schwach auszumachen.
Abends gehen wir im "Beerhous" speisen. Die große Speisewirtschaft öffnet erst um 19.00 Uhr, so früh kommt aber noch niemand, außer uns. Geöffnet wird pünktlich, wir sind die ersten und alleinigen Gäste. 20 Minuten bleiben wir auch gänzlich allein, denn um 19.00 Uhr fängt der Kellner gemächlich an, am Tresen seinen Kram zu sortieren und der Koch holt wohl Kohlen aus dem Keller.  Dann bekommen wir das erste Bier, die halbe Mass für 2,10 €, da gibts nix zu meckern, aber nach einer weiteren halben Stunde bekritelt Sandra erstens ihren angelieferten "Red Snapper" als wohl Hungers verendeten Knochenfisch und Salzkartoffeln statt georderter "french frites". Die werden aber nun als zweite Sättigungsbeilage nachgereicht. Mein Rind war beim Schlachter in besserer Verfassung.
Nach dem Frühstück umrunden wir die Insel und stoßen in Biscoitos auf den wild-romatischsten Lavapool der Azoren. Da es wie gestern ein nieseliger Wochentag ist, können die gelangweilten zwei Rettungsschwimmer wenigstens ihre Daseinsberechtigung mit unserer zu erwartenden Abbergung, als nahezu die einzigen Nutzer dieser herrlichen Anlage begründen. Am nächsten warmen Sonnabend erkennen wir diese Freizeiteinrichtung nicht wieder, hunderte Einheimische und Touristen breiten ihre Handtücher auf den Betonflächen aus und nutzen genüsslich, was ihnen gratis geboten wird. Auch wir genießen den tosenden Wirlpool mit ständiger Wasseraufbereitung.
Auch werfen wir uns am Strand Praia da Vitoria in den warmen, heute ruhigen Atlantik. Da schaut mich ganz kühn aus fünf Meter Entfernung eine Suppenschildkröte ganz ungeniert an.
Sie hat es wohl auf der Lunge, denn nach einer Weile glotzt sie schon wieder aus dem sandig-trüben Wasser, oder um auch bei Sandra ihr Vorhandensein stolz zu dokumentieren.
Am nächsten Tag umwandern wir hastig in einer Regenpause den Vulkankrater mit den schwefeldampfenden Fumerolen Furnas do Enxofre und besteigen den exotisch begrünten Hausberg der Hauptstadt Monte Brasil.
Abends kehren wir am Hafen in den recht noblen Yachtklub von Angra do Heroismus zum nachtmahlen ein. Wir bekommen zügig Speisekarten, schnell auch zwei Bier und nach angemessenem Warten Sandra ihren Salat und ich " beafsteak, risotto, moshrooms and letuce".
Dieses Gericht bleibt, so wie damals im Napf, zeitlebens in meinem Gedächtnis kleben.
In dem gleichen Napf mit sehr breiter Krempe, der für Sandras Salat durchaus angebracht ist, bekomme ich einen Spatenstich Milchreisartiges, darin drei hauchdünne große Scheiben Dosen-Champignons III. Wahl und wohl drei darin mitgekochte Rucolablätter oder Sauerampfer. Die Hutkrempe ist mit Kringeln aus der Maggiflasche dekoriert. Oben auf der Reispampe liegen drei sehr ansehnlich dicke Asados. Auf der Napfkrempe (weil das in der Pampe ja schlecht geht) schneide ich eins an und muss auf der Hut sein, dabei den Schaffen nicht umzustürzen. Das dicke Steak umhüllt eine Mikromü-hauchzarte gebräunte Hülle, darunter drei Zentimeter Rindersushi, blutend rot. Wutschnaubend stürme ich in das Lokal, drücke den Napf dem erstbesten Kellner in die Hand: "This is horrible, prepare it well done, please!"
Nach zwanzig Minuten bekomme ich mein Essen mit frischen Maggikringelchen und den drei Rinderscheiben "medium" aufbereitet zurück. Absolut bestes Filet, von den glücklichen Kühen, die uns täglich von den Almwiesen freundlich zuwinken. Vor dem Anschnitt des letzten Asado bringt mir auch eine Kellnerin ein Steakmesser.
Die Reispampe lasse ich unberührt.

Am letzten Abend gehen wir in eine richtige Piesel. Ich esse einen großen gegrillten "fish of the day" und Sandra ein üppiges Fleischgericht mit Pommes und Salat. Nach besonderem Wunsch bekommen wir zu unserem Bier auch ein Glas. Die Bedienung lassen wir mal unkommentiert, das Essen ist üppig und schmackhaft. Wir bezahlen dafür samt Getränken 14 €.
Nur wer auch mal Unangenehmes wegstecken muss, weiß danach Angenehmes doppelt zu schätzen. Unsere Azorenreise hat im Weiterverlauf davon im Überfluss zu bieten. Allerdings auch weitere gastronomische Sondervorstellungen.
Schaun wir mal nach.

Sao Jorge
und landen dazu in Velas, natürlich auf dem dieser Hauptstadt beigefügtem Airport.  Als wir dazu die kurze Gangway hinabsteigen, sticht uns der hohe Berg der nahen Nachbarinsel ins Auge. Wir lichten ihn gleich vom Flugfeld aus mal ab und das bleibt die einzige Aufnahme, in der sich dieser 2350-Meter-Riese, der Pico do Topo mal nackert zeigt.

Aber vorerst nehmen wir nach den üblichen Formalitäten einen roten Nissan Micra für drei Tage in Besitz und suchen in der recht übersichtlichen Hauptstadt der Insel das Hotel "Casa do Antonio". Wir finden es in einer engen Einbahnstrasse dicht am Hafen, von außen mit einer unscheinbaren Fassade dekoriert. Der sehr üppig und geschmackvoll begrünte Innenhof erfreut unser Herz. Nur unsere 35 kg mitgeführte Hardwär müssen über die Holztreppe hinauf in den dritten Stock, wir auch. Aber wer weit hochsteigt, kann dann tiefer runterschauen, auf die Fischerboote und die tägliche Fähre im Hafen und weiter drüben auf Pico kann man dem eitlen Pico do Tope beim ständigen Garderobewechseln zusehen. Verklemmt hält er seine Blöße nun ständig mehr oder weniger verhüllt.
Leider hat sich dieses genable Verhalten aber auch unsere Insel abgeschaut. Wir fahren in die Berge und dabei voll in die tiefen, triefenden Wolken. Wir finden in dieser Waschküche im schemenhaften Farnenwald noch nicht einmal die im Reiseführer angepriesenen 300 Meter hoch gelegenen Aussichtspunkte (Miraduros), wie dann erst den von dort aus atemberaubenden Talblick aus dem Hochgebirge durch den Dampf.
Wir holpern uns auf einem Feldweg zur Westspitze der Insel und der dortigen Leuchtturmruine zu Tal. Dort drunten lacht wieder die Sonne und alsbald nach Verlassen der automobilen Klimaanlage zeichnen mein Körperschweiß von innen und die üppige Luftfeuchtigkeit von außen ihre dunklen Batikmuster auf mein T-Shirt.
Bei dem ausrangierten Leuchtturm steht an allen Ecken des Geländes " Entrada proibida", aber sehr ausgetretene Trampelpfade laden zum Rundgang.
Der Blick von der Steilküste ist imposant, das Vorbeugen an der Kante recht bauch-kribbelig. So blieb es bestimmt vielen Besuchern bisher verborgen, dass dort unten ein imposanter Felsen mit einem dicken Loch in seinem Leib aus dem Wasser ragt.
Es regnet in Velas.
So wie es in den Lokalen meistens an Salz- und Pfefferstreuern fehlt und generell an Zahnstochern, so fehlen in allen Orten und in den Einbahngässchen der Städte auch generell die Fusswege und zu 90 % die Dachrinnen darüber.
Vor unserem Hotelfenster hängen die Wasserschnüre herab, wie sie durch die Mulden der Dachziegel darüber drapiert wurden.
Das bereitet dem Fussgänger darunter in der engen Gasse einen besonderen Kick. Kommt dem Passanten dort ein Pickup oder einer der sehr verbreiteten Kleinlaster des Wegs, flüchtet der Bedrohte günstigstenfalls mit einem kühnen Sprung in den nächsten Hauseingang, aber ausser Reichweite eines solchen, presst man sich, alle hervorstehenden Körperteile einziehend, an die Hauswand und somit direkt unter die herabhängenden Wasserschnüre.

Wir haben ein schönes kleines Hotel, mit einladendem Freisitz und Blick auf Hafen und See und die imposante Nachbarinsel. Mittlerweile auch im Dorfkonsum die nahrhaftesten Weinsorten herausgefunden, so fehlt uns nichts am Wohlergehen.
Als die Sonne wieder heizt, gehen wir zum erfrischenden Lavapool. Ich schaue auch mal mit Schnorchel und Brille auf dem Lavagrund nach dem Rechten und Linken, nach dem ich vorher weiter draußen am Felsen in einen Seeigel gegriffen habe, zum Glück ein Vorposten  der kurzstachligen rosa Spezies. Vielleicht waren auch durch mehrere Zugriffe die Stacheln schon etwas abgewetzt.
Außerhalb der schützenden Felsen, in recht heftig anrollender Brandung trotzen fünf einheimische Jugendliche den anrollenden Brechern. Wir sitzen auf der Kioskterrasse beim Bierchen, ich fotografiere mit dem Tele ihr mutiges Treiben. Sie bemerken das und winken mir zu. Dann kämpfen sie sich durch Wellen und Gischt zurück ins geschütztere Becken und einer kommt an unseren Tisch, stellt sich artig vor und erkundet die Möglichkeit, die Ablichtung ihres Treibens zu bekommen. Wir notieren Leandros mail-ads und mittlerweile habe ich den Hasardeuren 10 Ablichtungen ihres Freizeitvergnügens mit voller Pixelzahl auf ihre Insel gemehlt! 

Pico
diese Insel ragt am höchsten aus dem tiefen Atlantik, mit dem Pico do Topo 2351 m hoch.
Wir gehen in Sao Roque von der Fähre an Land. Auch bei den Fähren gibt der Touri sein Gepäck nahe der Gangway ab und sucht sich im Ankunftshafen aus der ausgeladenen Bagage die am besten zu ihm passenden Gepäckstücke wieder aus.
Unser Autovermieter Oasis wartet mit einem Colt auf uns.
Mit diesem Mitsubishi schlagen wir uns bis zur Ostspitze der Insel durch, zur Siedlung Calhau und dort zur ziemlich versteckten Herberge "L´Escale de L´Atlantic". Eine Kreidetafel heißt uns namentlich willkommen und gleich darauf die Wirtin in Deutsch mit schweizerischem Tatsch. Das vegetative Umfeld der urigen Herberge ist grandios. Vom Terrassengang vor der rustikalen Unterkunft schweift der Blick darüber hinab zum Atlantik. Auf jedem Sims, Sockel, Treppen- und Lavastein steht irgend ein unikates Kleinod. Aber auch viele Mittel- und Grossode finden sich im Gelände. Der Mecklenburger würde sagen: "Bannich veel Tüddelkram överall." Schau zur Veranschaulichung nebenan in die Fotogalerie!
Die Gäste werden aus zwei schweizer, zwei deutschen und einem italienischen Paar gebildet. Monique & Jasques bewirtschaften das Beherbergungsunternehmen, nach gewohnt Schweizer Art streng betriebswirtschaftlich. Für 27 € pro Person wird an diesem Abend ein Dinner gerichtet. Sehr viel Geld gemessen am azorischen Verpflegungssatz. Jasques entfacht aber ein phänomenales viergängiges Feuerwerk auf unseren Geschmacksknospen, dass wir die Investition nicht bedauern müssen.
Am nächsten  Spätnachmittag wandern wir die Steilküste hinab zum Lavapool und dem dortigen Kiosk. Am Pool liegen zwei Damen auf dem Beton, d. h. vorrangig auf ihren Badetüchern.
Vor ihrem Verkaufstresen sitzt die Betreiberin des Kiosk auf einem recht adipösen Culo mit einem Landsmann im Gespräch vertieft.
Wir setzen uns zusammen mit unserem Durst unter einen Sonnenschirm. Die Wirtin achtet strikt auf unsere Intimssphäre, d. h. wir sind Luft.  
Ich stehe auf und stelle mich an ihre Durchreiche. Nach zwei oder drei Minuten drehe ich mich um, zerre Sandra unter dem Schirm hervor, da steht die Unternehmerin auf. Zu spät, wir wollen nicht weiter lästig sein und schleppen uns und unseren Durst wieder die Steilküste empor. Am Wegrand zupfen wir einige Weintrauben von den Reben, die über die wärmenden Lavamauern hängen. Wir setzen uns ins Auto und fahren weiter hinauf zum Broadway von Calhau. Die high lights sind dort neben einem Dorfkonsum eine Piesel namens "snack bar" und eine ebensolche namenlose. Wir entschließen uns für die Namenlose, weil deren zwei beschirmte Tische zwei Stufen höher stehen und wir snacks generell abhold sind. Ein SB-Fläschchen "Super Bock" kostet 80 Cent, auch ein Schälchen Erdnüsse wird beigefügt.

Allerdings versteht Frau Wirtin noch nicht einmal "Two beer please" aber auf " Dois cerveja, por favor" reagiert sie ganz professionell.
Als Donna Esmeralda später ins Freie tritt, frage ich sie spanisch, ob es denn hier in der Nähe was zu futtern gäbe. "sim,  aqui, aqui" ruft sie ganz erregt und hämmert mit ihrem Zeigefinger auf unseren Tisch. Es folgt eine Litanei im gepflegten Oxfort-Portugäisch, der ich darin eingebettet verschwommen nur "Carne, Bife und Fritas" entnehme und bestelle alles und zweimal.
Wir bekommen auf großen Tellern  jeder zwei riesige, aber dünne gegrillte Beinscheiben, eine Schaufel Fritas und frischen Salat. Dazu (welch Wunder) einen Salzstreuer, Essig, Öl und Mayo.
Es mundet, el mundo. Aber zu bewältigen ist dieses Quantum nicht. Neben uns erörtern und verbessern einige Landwirte die weltpolitische Lage. Auch ein großer liebenswerter Wauwi beteiligt sich daran. Ich frage den Landmann, ob mir der Hund beim Verzehr meiner Menge  Carne helfen darf? "Sim, sim!" Der Hund himmelt mich ob der Zuwendungen glücksseelig an. Neben den Knochen behalte ich ein handteller-großes Steak zurück. Ich reiche es dem Landmann rüber, evt. zum Frühstück für den Wauwau, der leitet es aber direkt an diesen weiter. Der Hund verschlingt den Happen in Blitzesschnelle und himmelt mich dankbar weiter an.
Die Wirtin räumt ab und zusammen mit weiteren Bierchen für uns, stellt sie den Knochenberg auf einem Teller auf den Fußboden. Auch die Röhrenknochen darauf zermalmt der Hund voller Hingabe.
Unsere beidseitige völlige Übersättigung nebst vier kleinen Bierchen und Nüssen kommt uns teuer zu stehen:  16,40 Euro! Die Wirtin überraschen die zwei Euro Trinkgeld.  
So weit unser gastronomischer Ausflug über die Insel Pico.
Unser Ausflug in die Berge führt uns in nebliges wildromantisches Sagenland. Elfen haben wir nicht gesehen, aber Trolle. Wir wandeln wieder durch dichten Dunst, knorrige, gezauste Windflüchter auf zerklüfteter Lava beugen sich unter der Last der nässenden Wolken. Allerorts kichern die aus Norwegen eingeschleusten Trolle. Die haben sich integriert.
Irgendwie müssen es aber auch u. a. Igel, Fledermäuse und Schnecken versteckt in einem Touristenkoffer auf die Inseln geschafft haben. Abends hastet auf der Terrasse im Scharfschritt eine Nacktschnecke schnurstraks auf mein Weinglas zu und entert auf. Vor dem ersten Schluck erteile ich ihr Platzverweis.
In Lajes do Pico gewährt uns das dortige Walmuseum einen erschütternden Einblick in die grausame Seele des Raubtiers Mensch.
Vielleicht revanchieren sich die Hinterbliebenen der eins grausamst Abgeschlachteten heute, in dem sie den Walwatchern statt ihrer Heckflosse nur den dicken Daumen zeigen.
Wir befragen nach dem Ausbooten französische Walbeobachter nach ihrem Erfolg? Mit noch deutlich erhöhtem Adrenalinspiegel und stolz geschwellter Brust unter dem roten Ölhemd mit Schwimmweste berichten sie die Sichtung von drei Delphinen. Sandra und ich werden ganz neidisch!
Da der große Pico auf der Insel sein Haupt stets bedeckt, und uns nur seine ungewaschenen Füße vor die Linsen hält, verlassen wir unter Protest über den Hafen Madalena dieses ansonsten sehr attraktive Stückchen Europa.
Wir versegeln in 40 Minuten nach

Faial
verlassen die Fähre über die Heckklappe und suchen uns an der Pier wieder zwei Koffer aus.
Vom Autovermieter in Horta bekommen wir einen chicen Peugeot 208, Laufleistung 4000 km, leider mit einer Beule am unteren Holm. Sandra ärgert sich, weil nach ihrer Meinung nun alle Insulaner denken, sie hätte das gute Stück so geschändet.
Nach ca. 12 Fahrkilometern und meiner Top-Navigation passieren wir den schnuckeligen Flughafen der Insel Faial und finden danach im Ort Castelo Branco auch unser Hotel "Quinta da Meia Eira". Wieder viel Exoten-Grün drum-herum, Klimaanlage ackert, großer Flachbildschirm, aber nur ein hölzerner Stuhl im Zimmer. Diese Schlamperei ärgert mich immer, als ob eine zweite Chaise für 5 € in einer Zweimann-Kammer ein Problem darstellt. Auf den Azoren beginnt für den TV-Box-Fan die heutige ARD-Übertragung Marco Huck-Mirko Larghetti zur wesentlich christlicheren Zeit um 22.00 Uhr, deheeme um 00.00 Uhr. Ich kann im Sitzen zugucken, Sandra guckt im Liegen den Boxern in die Hosenbeine.
Horta bietet zwei Sandstrände mit dem gewohnten Komfort. Auf dem rabenschwarzen Lavastrand am Stadtstrand rollen gewaltige Brecher aus.
Da muss ich rein!
Aus Contenance-Gründen etwas entfernt von den Einheimischen. Die oben einklappenden Brecher entwickeln eine Mords-Schlagkraft. Ich stolpere über bewachsene Lavaklamotten auf dem Grund und wechsle zu den Insidern. An deren Strandabschnitt erfährt die Schlacht mit den Wogen keine solche Beeinträchtigung, der Fußboden ist sandig glatt, hat aber tiefe Kuhlen. Per Schulterblick machen sich beim Anrollen eines besonders kapitalen Giganten alle klar zum Überleben. Die Mädels und jüngeren Kämpfer flüchten zum Strand, Sandra klugerweise auch. Und bei so einem Hirsch, mache ich übermütiger alter Esel einen Fehler. Die Welle langt mir unter die Hufe, hebt mich aus, ich gerate in die Walze und verspüre einen gewaltigen Hieb auf Stirn und Schulter. Ziemlich benommen torkele ich aus dem Atlantik. Fünf Tage schmerzt die rechte Schulter, nur mit Mühe kann ich den Sucher der Canon zum Auge heben. Nur mit links knipsen geht nicht, die Apparate sind für Rechtshänder konzipiert. Hätten Sie´s gewusst? Die Beifahrertür aufdrücken geht bis heute noch nicht. Hätte mich so ein Brecher an meinem vorherigen Strandabschnitt auf einen Findling gedroschen, wäre ich schmerzfrei geblieben, evt. bis heute.
Tagelang tritt in meinen Ohren noch schwarzer feinster Lavakies zutage.
Ich alter Esel !!!
Unsere Wirtin von Pico empfahl uns für die Verköstigung auf Faial in Horta die "Taverna de Pim". Zufahrt über engste Einbahnstrassen.
Wir reiten um 19.00 Uhr ein und entscheiden uns für "fish of the day" . Der Ober ruft erst einmal in die Kombüse, was heute Sache ist:  Swordfish, grätenfrei. Wir bekommen feinfasriges weißes Fleisch, vom Aussehen eher Hühnerbrust oder Karnickel, vom Geschmack her grandios. Mal ein Treffer voll in die 12 der gastronomischen Zielscheibe, na sagen wir 10. Salz und Pfeffer gibt es auch hier nur auf Sonderwunsch. Die riesigen Tomatenscheiben im Salat bedürften stets diese Utensilien. Am nächsten Abend schleichen wir uns wieder an, heute bei schönem Wetter wird auf der Terrasse oben auf der Kaimauer mit weitreichender Aussicht ser-viert und ser-fünftet. Für uns zweimal Octopus, das Gericht sieht verwegen aus mit Katoffeln wie Rote Bete, aber el mundo!
1958 machte sich der Volcao dos Cepelinhos eindrucksvoll bemerkbar. Die hinterlassene Mondlandschaft, der verschüttete Leuchtturm und ein Museum verdeutlichen, vor welchen Urgewalten so mancher Erdenbürger - wie auf einer Christbaumkugel - nur durch eine dünne Hülle geschützt ist.
Ansonsten schindet auf Faial der Krater von Caldeira noch Eindruck, 400 Meter steigen die Felswände vom Kraterboden empor. Um auf den Azoren als Krater Karriere zu machen, muss der schon mindestens solche Dimensionen bieten. Die Konkurrenz in Sachen Kratern auf allen Nachbarinseln schläft nicht.

Der Botanische Garten von Horta ist wahrlich nicht der Brüller. Aber zwei Gewächse beeindrucken, zum einen der drei Meter hohe Dill zum Gurken einlegen und der Name des Mittagsblumen-ähnlichen, fettlaubigen Bodendeckers, den man in Spanien, Portugal und deren Inseln wildwachsend großflächig antrifft.  Die dortigen Botaniker identifizieren wissenschaftlich fundamentiert dieses Gewächs aus der Familie der Aizoaceae mit Commonname: "Hottentot Fig". Find ich hübsch. Schaut in die Fotogalerie!

Über die Verewiglichungen tausender Hochseesegler, die der Wind auch in die riesige Marina von  Horta blies, wurde schon viel berichtet. In diesem Ausmaß haben wir diese teils bemerkenswerten Kleinkunstwerke aber nicht vermutet. Auch ein Segler aus Schwerin hinterließ dort seine Duftmarke. Ganz niedlich fanden wir die Maling einer abgebildeten Schildkröte mit schwedischem Rückenpanzer von:  

Juni 2014
THE SLOWEST BOAT OF THE SEAS
Isidora

Zwei Tage reichen für Faial, wir liefern am übersichtlichen Aeroporto den Peugeot 208 mit dem kleinen Sportlenkrad ohne weitere Verschandelungen wieder ab.
Die SATA fliegt uns in das westlichste Teilstück Europas nach

Flores
Sandra bekommt in Lajes einen KIA Rio mit einem riesigen Bus-Lenkrad. Ich verneige mich ehrfurchtsvoll, wie cool sie die kapriziösen Besonderheiten der Autobauer wegsteckt. Irgend einen Schnulli muss aber auch wirklich jeder Konstrukteur in seinem Produkt mit unterbringen, ausnahmslos!
Wir zuckeln mit Touristentempo quer über die Insel zu unserem Quartier. Bei jedem Miraduro gönnen wir uns den gebotenen Blick über Land und See, falls vorhanden. Jeden eiligen Landwirt hinter uns winken wir vorbei. Den Kühen auf den Almwiesen drückt die Milch.

Als wir unser Quartier in Cuada bei der Ortschaft Faja Grande erreichen, haben wir eigentlich alles, was die Insel landschaftlich so feil bietet, schon abgearbeitet. Wie üblich paar voll gelaufene Krater.
Wie auf allen Inseln schmückt sich auch Flores, die Blumeninsel, mit Hortensien in unvorstellbarer Fülle. Nach Jahren entwickeln diese Büsche einen knorrigen hölzernen Stamm wie ein Olivenbaum. Seit meiner Konfirmation mag ich diese Blume nicht. Hätten mir   Ungläubigen die mir freundlich gesonnenen Dorfbewohner statt dem blöden Hortensientopf lieber die Zweimarkfünfzig geschenkt und auch den Groschen für die rosa Kreppserviette um den irdenen Topf, dann hätte ich für die Anschaffung meines Luftgewehrs nicht so viele Rüben verziehen müssen.
Diese Aversion müssen die Hortensien weltweit bis heute noch ausbaden. In unseren Gärtnereien werden im beheizten Gewächshaus diese Blühpflanzen verhätschelt und dementsprechend preislich gehandelt, der Azorische Straßendienst rückt den ausufernden Hecken mit Motorsensen zu Leibe. Blütenteppiche säumen dann die Straßenränder und enden mitleidslos schmachvoll als Kompost.
Neben diesen Hecken an Straßen-, Weg-, Bach- und Bergrändern durchziehen alle Inseln die kunstvoll aufgeschichteten Mauern aus der allerorts reichlich verfügbaren Lavaschlacke. Ich denke mal, aneinander gereiht, reichten diese Mauern locker um den Äquator. In den Dörfern finden sich noch zahllose Häuser, anscheinend nur als Trockenbau, ohne jegliche Bindemittel gleichsam so errichtet.
Und genau so ein Prachtbau wird uns nun in der Ferienanlage "Aldeia da Cuada" zugewiesen.
Die Rezeption unter dem Autostellplatz ist voller altem Gerümpel, na ja Antiquitäten. Auf einem zweirädrigen Plattenwagen stehen Computer und die Hotelunterlagen. Von dort aus führt ein holpriger enger Weg zwischen den Lavamauern ins Tal zu den Steinzeithütten. "Etwa mit Bagage?" richte ich meine erste Besorgnis an die junge Managerin. "Nein, die wird gebracht!"
Das Mädchen führt uns auf dem Weg, so holprig wie der Klamottenstrand von Heiligendamm, ca. 300 Meter zu Tal zu unserer Unterkunft, anscheinend nur aus kunstvoll eingepassten Steinen errichtet. Die Inneneinrichtung aber lässt nichts vermissen, was der genügsame Hotelgast so braucht. Kühlschrank, Mikrowelle, Gaskocher, na und Nasszelle sowieso. Schaut in die Fotogalerie, ich habe mir den Wolf geknipst!
Wir geben der Managerin unseren Autoschlüssel und der Facility Manager dieses Steinzeitdorfes bringt mit Kleintraktor auf Hänger unser Gepäck.
Es regnet. Sandra liest in ihrem Tolino, ich krache mich in die eiserne Koje und die mit mir zusammen. Ich greife zum vorhandenen Telefon, das ist tot. Sandra stülpt sich die Regenjacke über und steigt zu Berg den Schaden melden. Der Facility Manager kommt zur Schadensbesichtigung, holt dann einen Holzklotz, Säge zum Ablängen und zwei Schlauchbänder. Er klemmt den Klotz am eisernen Kojenbein unter die Koje. Die steht wieder fest und einem gesunden Schlaf nicht im Wege.
Tags drauf verkündet die Managerin einen Grillabend, Sandra sagt "Yes" in der Meinung, damit ihre Beteiligung kund zu tun. Ich frage mittags noch, wann dafür der Startschuss fällt. "Between seven to eight." Wir kümmern uns daher nicht in der Umgebung um unsere Verpflegung und platzieren uns abends unter dem Schleppdach an der steinernen Bar, bestellen und bekommen dort eine Flasche Rotwein. Als wir die Gläser gefüllt haben, tritt die Chefin heran: "Sorry, ich brauche ihren Tisch."  Wir sind auf der Gästeliste nicht verzeichnet.
Na gut, das Missverständnis wäre verzeihlich, aber dem Gast eine Flasche Wein zu öffnen und nach dem Eingießen dann auffordern, diesen nun irgendwo in der Pampa oder auf der Steintreppe zu genießen, das ist wohl wieder eine Variante Azorischer Gastronomie.
Am Abreisetag schleppt der Hausmeister auf diesem Gebirgspfad unsere 35 kg Begleitmasse auf dem Rücken zu Berg. Sein Traktor ist put. Er bekommt Trinkgeld, das höhere jugendliche Management nicht.
Auf dem Wege zum Flugplatz bleibt Zeit, um anzuhalten und in einen tiefen Bacheinschnitt
zu blicken. Am Hang steht eine winzige Wassermühle, nur am darunter hervorsprudelnden Wasser als solche zu erkennen. Aus dem kleinen Fenster winkt uns eine blaue Kittelschürze zu.
Wir betreten die kleine vermehlte Produktionsstätte. In die Mittenbohrung des horizontal rotierenden Mühlsteins kullert so in Minuten-Abstand ein Maiskorn. Mit Omas Kaffeemühle wäre ich produktiver, nur für Senora Müller hier kurbelt das Wasser.
Aus einer zugeleiteten Levada bekommt das zugeführte Wasser durch eine Verjüngung noch einmal zusätzlichen Futt, strömt auf die Blätter des Treibrades im Keller, das mit dem oben auf der gleichen Achse montierten Mühlstein synchron rotiert. Mittelalterliche Genialität, anschaulich vorgeführt. Die nette Frau Müller erklärt uns alles wieder in Oxford-Portugäisch und zeigt uns auch die Steinstufen zur Levada hinauf. Ich sage ihr spanisch, dass das mir alten Hombre nicht zuträglich ist und deute auf meine knarrenden Knie. Senora Müller pflichtet mir schulterklopfend bei, sie hat Rücken und Hüfte, verdeutlicht sie mir.

Wir fliegen ostwärts nach Ponta Delgada, um auf

Sao Miguel
die restlichen sechs Tage abzuhängen. Dafür habe ich in Abänderung der Reiseroute das Hotel "Caloura" östlich der Hauptstadt via holiday check herausgegockelt. Als Transporteur bekommen wir einen C-klassigen Opel Micra.
Beides eine gute Wahl.
Erste Amtshandlung allerdings im Hotel, die Minibar aus dem Kühlschrank in die Schreibtischschublade umlagern und aus dem  Dorfkonsum von Agua de Pau einige Pendants für ein Zehntel der Kosten kühl einlagern.

Wir schauen vom Balkon des Caloura über den vorgelagerten Pool, dekorative Flora und Steilküste hinaus in die atlantische Welt. Oft ist die Kimm allerdings ziemlich nahe.
Hunderte Male stand ich vor Jahrzehnten gerne mit den Nautikern dort draußen auf der Nock, um z.B. den Benetnasch, Beteigeuze, Deneb und andere stellare Raritäten mit dem Sextanten aus den Wolkenlücken heraus herunter auf die Kimm zu zerren.
Jetzt wo ich nahezu jeden Abend erinnerungsvoll über die See blicke, fällt mir auf, die Typen am Himmel sind anscheinend noch alle gut erhalten vorhanden, aber die Kimm… An keinem Abend wäre sie für eine zuverlässige Ortsbestimmung zu gebrauchen gewesen.
Aber wozu auch, ein heutiger Blick auf´s GPS und der exakte Standort für jede Ladeluke des Schiffes wäre ermittelt.
Auch solche antiquierten Gedanken fliegen von den Hotelbalkonen hinaus aufs Meer. Tendenz rapide fallend.

Wir beschauen uns, wie jeder Touri, der Sao Miguel heimsucht, die Lagoas Azul, -Verde und anrainende Gewässer unten auf der Talsole eines Erloschenen.
Als zweite Attraktion verdient Furnas wirklich dieses Attribut. Dieses Städtchen im ausgefrästen Flusstal durchfließen zwei Gewässer, ein kaltes klares und ein rostiges richtig heißes. In dem Tal raucht es aus allen Knopflöchern, sogar aus Gullydeckeln und auch ein E-Verteiler dampfte.
Auf einem Feld am Seeufer, mit besonders effektiver Fußbodenheizung werden in der Erde in eingelassenen Röhren immer zwei 25-Liter Eintöpfe zum Garen versenkt, die Röhre mit Holzdeckel verschlossen und einem Erdhaufen darüber abgedeckt. Eine Nummer als Gipfelkreuz weist den Besitzer aus, Gaststätten und Hotels, die die Inhalte Zentnerweise an Busladungen Touristen verfüttern.
Auf einem Stück schwefeldampfender Mondlandschaft in der Stadt werden in einem sprudelnd kochendem Pool Säcke voller Maiskolben gegart und dann, an einer der zahlreichen Imbisbuden erworben, von den Touris abgenagt.
Na ja, wanns schie macht!?
Mehrfach wird das rostige warme Wasser in Freibädern zur Schönheitsauffrischung empfohlen. In einem wunderschönen Stadtpark mit sehenswerten Baumriesen plantschen eine Menge Badegäste in einem runden Becken, wie in einer riesigen Tasse warmen Milchkaffee.  
Nach diesem Ausflug wieder auf dem Navigatorsitz Platz genommen, vermehrt sich allsbald wieder die Schaumbildung in den Mundwinkeln. Wie in jeder Stadt, mit nahezu nur generell konzipierten Einbahn-Straßensystem, kann auch in Furnas ein jeder Einwohner an meterhohen Wegweiser-Säulen sehen, wo es zu seiner Schule, zum Sanitätshaus oder zur Feuerwehr und zu sämtlichen Hotels geht. Ohne diese Hinweistafeln würde Senora da Silva ja ihren Doktor und die Schulkinder ihre Schule nicht finden. Aber wie der ortsfremde Touri aus dem Einbahnstrassen-Labyrinth die Ausfallstrasse zu seinem Urlaubsort findet, das bleibt seiner Kreativität überlassen. Nach der dritten Runde um die Kathedrale haue ich einen Taxifahrer an, der hilft uns hinaus aus dem Chaos.
Auch die Straßenkarten sämtlicher Inseln befluche ich streckenweise: "Die hat doch ein Alzheimerpatient aus dem Gedächtnis gemalt!"
Na gut, auch in meiner Heimatstadt hörte ich diesbezüglich schon unlöbliche Äußerungen.

Am letzten Tag im Calura regnet es mal wieder, aber um uns heraus zu locken, haben die Zusammenschusterer des legendären Azorenhochs immer listenreich sonnige Lücken in den verregneten Himmel mit eindrapiert. In einer solchen entschließen wir uns, den Hausberg beim Hotel, den Monte Santo zu entern. Dessen Kuppe verschönt eine bunte Kapelle und ein Kreuz. Uns ist klar, dass wir in einem Ritt nie hinauf und wieder trocken herunter kommen. In god we trust, erhoffe ich im Bedarfsfalle auf dem Gipfel schützenden Unterschlupf. Keuchend und auch mit den Armen Luft holend, genieße ich oben angekommen den Talblick auf unser Hotel auf den Klippen. Dann wird es neblig um uns herum und dann fliegt waagerecht Wasser durch die Waschküche. Wir hasten zur Kapelle, aber der Herr, in seiner nimmer versiegenden Güte nebst seinem unerforschlichen Ratschluss verwehrt uns Asyl in seiner Dependance.
Zusätzlich zum Gottvertrauen sollte man doch auch noch einen Kuhfuss am Mann führen.

Wohl als Strafe für meine geringfügigen Sünden ist meine Luvseite völlig durchweicht.
Na gut, sollte es der Allmächtige dabei belassen, stimmt mich das wieder total versöhnlich.

Morgens drauf kommen die Klamotten gerade noch trocken in die Koffer und wir
auf der Autobahn auch problemlos zum Aeroporto Ponta Delgada.
Dort landet und startet dann mit uns an Bord die Air Berlin. Jeweils mittwochs. Dank deren Personal kommen wir dann im provozierten LH-Streik-Chaos auch von Düsseldorf nach Tegel weiter. "Mein Stellplatz" hat Sandras Renner proper verwahrt, nun sucht sie in ihrem Auto zum Ausparken den Rückwärtsgang.

Wie sich jemand ausgerechnet zum Urlaubsende so bärisch freuen kann, ist ein Kuriosum.
Die Unterbringung und Betuddelung war rührend, dem Gast fehlte es an nichts während seiner drei Wochen, dennoch keulte er so freudig erregt los, kein Windhund hätte mithalten können,


unser Wuschelchen auf sein Frauchen zu!