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Erlebnispark Südstadtkrankenhaus

Beim Kaminholzwegfinden, gleich neben meiner Garage, hat mich der Grosse Benamucki ganz heftig gerügt.
Ein Blitz durchfährt meinen Körper, ich siehle mich im Modder und als ich mich dann in den Sitz aufbäume, erschreckt  mich der Blick zum Ende meines rechten Beines. Der Fuss liegt etwas angewinkelt daneben.
Mein Hündchen auch.


Als ich, weiss der Teufel wie, mich in die Senkrechte hochkämpfe, hat sich mein Huf wieder einiger maßen zu seinem angestammten Platz zurückgefunden. Darauf begeben wir uns die 200 Meter auf den Heimweg. Ein Chor der Englein intoniert bei jedem Auftreten liebliche Melodeien, trägt mich aber auch auf Engelsflügeln schwebend nach Hause und sogar die Treppe hoch.

Das passierte um 17.00 Uhr. 21.55 Uhr kommt  meine Gattin vom Spätdienst, holt Krücken aus dem Garagenschrank und fährt mich zur Notaufnahme in das Südstadtkrankenhaus.

Das Röntgenbild auf dem Display schindet Eindruck. Wadenbein hochkant, wie eine schräg gespaltene Latte  gebrochen und das Schienenbein steht über dem Gelenk um 1,5 cm nach aussen verschoben. 

hufschadenDer notaufnehmende Doc strahlt Ruhe und Sachverstand aus und drückt die verschobenen Knochenteile im Sprunggelenk wieder an ihren Stammplatz. Der Engelchor schmetterte wieder liebliche Melodeien! Exclusiv nur für mich!
Damit die Teile vor Ort bleiben, wird eine Gipspackung drum herum drapiert und solange zusammengepresst, bis sie aushärtet.
Solcherart notversorgt werde ich auf eine Koje gepackt und ein Deck höher in "Chirurgie eins" in eine Abstellkammer geschoben.

Chirurgie eins arbeitet am Limit.

Ich werde gut betuttelt und schmerzversorgt und bin zufrieden! Der Adrenalinspiegel reduziert sich wohl wieder auf sein Normalniveau, ohne diese Überdosis hätte ich schwerlich durchgehalten.
Am nächsten Tag werde ich in ein Zweibettzimmer geschoben und bald darauf im Foyer des OP unter der Gürtellinie völlig abgeschaltet. Ich mache ein Schwätzchen mit der Anästhesistin und der Schwester, beide Anrainer meines Sommersitzes und Bolonka-Hündchen-Frauchen. 

"Ein schöner Bruch, so ein schöner Bruch!" konstatierte der Chirurg, nachdem er das Eröffnungsverfahren eigeleitet hat. "Na ja Herr Doktor, habe mir ja auch Mühe gegeben. Worüber sich Ärzte, im Gegensatz zum Patienten alles freuen können?!"

Dann höre ich den Akku-Schrauber ackern und die Pritsche  zittert.

Als dem Operateur eine 18er Schraube fehlt, werfe ich ein, dass ich zu derartigen Ersatzteilen die heissesten Geschäftsbeziehungen hätte. Meine Gattin muss in der UNI-Klinik nur ihren gut sortierten Schrank öffnen. Sie hat jetzt Dienst, in 10 Minuten hätten wir das Teil in sozialistischer Hilfeleistung.

In dem OP ging‘s recht locker zu, im Aufwachraum dann eher nervig. In diesen werde ich aus dem OP hellwach überführt.

Wohl um das "Aufwachen" zu forcieren, kaffeklatscht das Personal so etwa mit 100 Phon. Dann tritt eine Bedienstete in Grün hinzu: "Mööönsch Elvira, na Dich haben wir ja lange nicht mehr gesehen, tütü hi hi pü pü!"
Dieser Alarm reisst auch den letzten Überdosis-Anästhesierten aus dem Betäubungsschlaf. Ist ja der Job eines gut geführten "Aufwachzimmers".

Zurück in meinem Krankenzimmer schleicht sich die Narkose davon und der Schmerz pirscht sich heran. Und wie!

In der Nacht wird  der Chor der Englein, die heftig singen, vom Schnarchen meines Bettnachbarn um ein Vielfaches übertönt. So eine variantenreiche Schnarch-Partitur konnte ich noch nie bewundern! Meine Schmerzmittel im Tropf haben dagegen keine Chance.

Tags drauf ist Rabatz in dem Tempel. Weibisches rhythmisches Kreischen. Die nächsten Tage dann gleichfalls. Eine 92-jährige Seniorin wurde mit einer neuen Hüfte ausgestattet und verlangt nun ständig von den Schwestern wütend kreischend, eine Spritze, die ihr irdisches Leben beenden soll. Wir fragen uns, warum sie für ihre geplante Himmelfahrt sich vorher so kostenaufwändig mit einer neuen Hüfte aufrüsten lässt?

Am nächsten Morgen kommt eine Schwesternschülerin: "Herr Flegel, sie werden verlegt!" "Warum?" will mein Nachbar wissen; wir hatten gestern gerade einen gemeinsamen Draht verlegt.

"Wir fügen die zueinander passenden Krankheitsbilder zusammen!" oder ähnlich  zimmert  das verlegene Mädchen eine Erklärung zusammen. Ich werde in einer vier-Mann-Logie an den Platz geschoben, auf dem vorher ein Privatpatient die Verlegung in eine Zweimannskemenate verlangte. Vorher wollte der Privilegierte aus seiner noblen, aber einsamen Einmann-Unterbringung unter Leute. Nun schnarchte ihm in der Viererunterbringung sein Nachbar zu dolle, so stellte man ihn jetzt auf seiner Rundreise längsseits neben den aller Übelsten dieser Branche.

Unser Gesundheitswesen teilt Patienten in Adlige und Plebejer. Das ist nun wirklich kein Geheimnis. Nur warum muss eine verlegene Schwesternschülerin den Patienten die ökonomische Strategie der Gewinnmaximierung so verbrämt unter das Nachthemd jubeln?

Das Fach "Patientenverarschung" steht doch erst später in ihrem Ausbildungsplan! Warum übernimmt das nicht der ökonomische Direktor!?

Nur diese verlogen kaschierte Gewinnorientierung hat mich unangenehm tangiert.

Meine Schmerzen werden jetzt gut erträglich gehalten. Das Röntgenbild dokumentiert Qualitätsarbeit. Das Personal ist nett und fürsorglich und sofort nach Klingeldruck an der Koje. Die Mittagessen  sind nicht jeden 100pro auf den Leib gekocht, am selbst-designeten Früh- und Abendstück gibt es aber gar nichts zu meckern.
Mein Dank für die sofortige und professionelle Hilfe und die darauf erfolgte Betuddelung! 
Acht Wochen flattert  nun Frühlings blaues Band für mich daheim nur am Fenster vorbei!

Beim nächsten Knochenbruch, Südstadtkrankenhaus gern wieder! 

 

KrankenhausPS. Die einst so vertrauenserweckende OP-Wunde verkeimte leider zunehmend. Nach dem ihr vorzeitig Gesamtmetall entnommen wurde, wurde das ausgeschabte und sauber gekärcherte Löchlein über dem Knöchel mit einem Muskel aus der Wade verfüllt und einem Flicken Schwarte aus dem Oberschenkel gedeckelt. Nach fünf dafür notwendigen OP´s "Erlebnispark" eher gegenteilig auffassen!