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CURACAO - kannste nicht meckern! Drucken

Aus dem "Brigadetagebuch" des MS THEODOR KÖRNER - 18.12.1978

Ein schönes Stück dieser Welt ist das schon, dieser vulkanisch heraufgedrückte Muschelkalkfelsen - CURACAO, Regierungszentrum der sechs niederländischen Antilleninseln, das nach irgend einem blaublütigen holländischen Willem - Willemstad heißt.


"Leise rieselt der Schnee" in diesen vorweihnachtlichen Tagen auf den geschmückten Boulevards der "Heerenstraat, "Emmastraat" und den anderen Straats" und Vicky Leandros lässt in deutscher Sprache "süßer die Glocken nie klingen". Der dazugehörige Schallplattenladen hat aber wegen der Mittagsglut bis 14.00 Uhr geschlossen.
Willemstad – eine gelungene Mischung von Amsterdam, Palmen, Tropensonne und Ziegen, die 150.000 Menschen aus 75 Nationalitäten beherbergt, die in der Schule in holländischen Fibeln lesen lernen, zu Hause aber ein Gemisch aus spanisch, portugiesisch, englisch, französisch und süd-afrikaans plaudern, das Papiamento. Aus der Ferne bietet die zerklüftete, felsige Kalksteininsel einen recht tristen Anblick. Die spanischen Entdecker nannten sie damals "nutzlose Insel".
Nur selten trübt hier eine Regenwolke den blauen Himmel, allenfalls im Dezember fallen ein paar Tropfen. Somit behaupten sich nur Kakteen und Dornensträucher im verbissenen Kampf auf fossilem Muschelkalk gegen Trockenheit und 35.000 Ziegen. Tiefbrunnen fördern nur Brackwasser. Zum Trinken und Bierbrauen wird Seewasser aufbereitet, das ist zum Gartensprengen zu teuer.
Dennoch verdeutlicht uns gerade dieses von der Natur vernachlässigte Ödland, was menschlicher Fleiß und knoff hoff zu gestalten vermögen.
Die Verarbeitung des venezulanischen Rohöls ist Haupterwerb der Antillaner. Die gelbe Muschel, als Firmenschild des SHELL-Konzerns prangt allerorts auf der Insel und auf der Lee-Seite der Tanks - im ständig wehenden Passat - stinkt es danach. Ein Liter Benzin kostet hier, in der Nachbarschaft der Ölquellen von Maracaibo 40 Pfg.
Wir brauchten zur Weiterreise 400 Tonnen heavy fuel und binden am Bunkerkai von Willemstad unser Schiff an, als Kunde von Shell und der Erwerbsquelle Nr. 1 dieser Insel.
Schon vorher telegrafisch "anvisiert" steht ein Bus bereit und der gerade nicht berufstätige Teil der Besatzung bricht auf zur "sight seeing tour" in Reiseprospekten, "Exkursion" in Brigadetagebüchern genannt.
Nun können wir auf verschiedenen Stationen einer erlebnisreichen Inselrundfahrt gewissermaßen eine Latte am Zaun beiseite biegend, einen Blick auf das zweite Standbein der Antillaner werfen, den Tourismus.
Wir lassen den netten Leuten auf der Insel unsere aufgesparten Gewerkschaftsdevisen, nebst einigen Dollars aus den Whiskey-Geschäften mit dem Zollchef von Bolivar zufließen. Auch noch paar Florinis für Postkarten, Korallenketten, Rum und Jeans.
Eine blonde, gut deutsch sprechende Stimme, deren charakteristisch holländischer Sound bei jedem Wort die Rachenmandel sauber kratzt, weiß viel Interessantes zu berichten.
Wir schnaufen in 20 Minuten durch einen kleinen Zoo und sind danach sehr angetan von einer hell, luftig und weihqualmfrei konzipierten katholisch-evangelisch-jüdischen Kirche. In deren hufeisenförmigen großen Taufbecken Wasserpflanzen grünen und Zierfische schwimmen.

Auf einem jüdischen Friedhof erfahren wir vom harten Job der curacaoischen Totengräber, der so hart ist, wie der kalksteinige Boden dieser Insel. Auf den Sakophargdeckeln, der größtenteils über der Erde angelegten Gräbern, liegen oftmals Steinchen. Aus diesem Brauch entnimmt der Verblichene und auch seine überirdische Umwelt, dass Besuch da war. Blumen dem teuren Toten zu bringen, ist nach jüdischem Brauch unüblich. Einem hat man eine Tasse Kaffee auf seinen Deckel gestellt.
Etwas verdutzt beschauen wir die Curacao-Likör-Destillerie. Von der Geburtsstätte, von der aus der weltberühmte "Apfelsinenschalen-Kujambel" seinen Siegeszug um die Welt antrat, (gegen WBS aber keine Chance hatte) haben wir etwas Lukrativeres erwartet.
Die dargebotenen Begrüßungs-Schlückchen brauchen selbst beim Anrücken süchtiger Seeleute-Abordnungen nicht limitiert werden. Nachschlag will kein einer mehr; "das Zeich klebt awer och forchbar!"
Die ortsansässige "AMSTEL-Bier"-Brauerei wäre uns bei der Hitze lieber gewesen.
Wir rollen weiter über SHELL-Asphalt vorbei an vornehmen Häusern und Ziegen in Luv-Seite der Raffinerie hinab in eine lauschige Bucht zum "HILTON"-Curacao". Wir finden es umrahmt von Hibiskusblüten und Palmen, swimming pool (sogar mit Wandfliesen ausgekleidet), immer blauen Himmel, dem kristallklarem Wasser der Karibik, weißem Strand, auf dem braune Popos in der Sonne brutzeln.
Das Preisgefüge ist dem "NEPTUN"-Warnemünde ähnlich. Nur bevorzugt man einen anderen Härtegrad der Zahlungsmittel - 67 Dollar pro Übernachtung. Ungeeignet für DSR-Handgeldempfänger, sicher aber auch nicht für die 25% Arbeitslosen dieser Insel.
Vor dieser Kulisse stechen wir in der vornehmen Blässe der spanischen Granden und einem Barvermögen von 70 Antillen-Gulden im Seefahrtsbuch zu sehr ab. Wir ziehen uns diskret zurück.

Zum Glück bescheint das Peildeck unserer Yacht die gleiche Sonne und "Rostocker Hafenbräu" vom Fass in unserer Bar gezapft, mundet auch recht ordentlich und das bietet "HILTON-Curacao" nicht!
Und vor der nächsten "Exkursion" vergewissere ich mich erst, ob ich auch mal umsonst mit darf, ohne jedes Mal einen Artikel für's Brigadetagebuch abliefern zu müssen!