links_1

links_2

links_3

kontakt

plauderecke

forum

impressum

Ab durch die Mitte - MT HEINERSDORF Drucken

Unterwegs im Persischen Golf werden wir verfolgt, seit Tagen schon.
Der Tanker in unserem Kielwasser hat ungefähr unsere Gewichtsklasse und haargenau die gleiche Fitness.
MT HEINERSDORF hat auf dem Navi "Strasse von Hormus" eingegeben und umrundet nun artig die glühenden Klamotten an Backbord, um in den Persischen Golf einzudringen.


Die zerklüfteten Felswände sind passiert, Auge und Radar können sich nach dem Kommando "Backbord 30" wieder freigucken. Wir setzen den Blinker links und biegen in die Strasse von Hormus ein.
Und nun zeigt uns unser hartnäckiger Verfolger sechs Meilen voraus, seine gepflegte Heckansicht  und sein geglättetes kreuzendes Kielwasser.
"Der ist über Land gefahren" ist das einstimmige Urteil der nautischen Abteilung auf der Brücke.
Der III. Nautische Offizier ist nebenberuflich gemäss seiner Funktion der "Kartenhai". Hagen Uloth beauftragt ihn, diesen Trampelpfad für Grosstanker durch dieses unwirtliche Gebirge kartografisch zu erkunden.
Und siehe da, die Revierkarte lüftet das Geheimnis, zwischen den unordentlich drapierten Klamotten gurgelt auch Wasser. Tiefes Wasser!
Kapitän Hagen Uloth ist ein Souverän auf seiner Brücke und Tankermann. Er kennt diese Gegend von vielen Reisen. Ich auch, mit vier Grossen der DSR war ich schätzungsweise wohl 25 Mal im Persischen Golf.
Als MT HEINERSDORF in Lissabon den Griechen abgekauft wurde, da durfte sich Kapitän Uloth die Kommandohöhen seiner Besatzung nach seinen Wünschen zusammenstellen.
Das war vorher völlig unüblich.
Bisher bekam jeder Kapitän seine leitenden Mitarbeiter ganz kühn auf's Auge gedrückt.

Der riesige griechische Eimer war eine Zumutung, aber Hagens handverlesene Truppe und sein damit geschaffenes Betriebsklima liess uns das erste Jahr glimpflich überleben.
Danach wurde der Tanker auch bewohnbar umgestaltet.
Bisher war ich auf jedem meiner Stammschiffe der Fotozirkel. Laut Brigadetagebuch war der im Titelkampf auch unwahrscheinlich aktiv! Für THEODOR KÖRNER trifft das auch hundert-pro zu, dort habe ich für die spätere Eheschliessung mit der Chef-Mieze die ersten Massnahmen eingeleitet.
Auf HEINERSDORF paarten sich Kapitän Uloth's Risikobereitschaft mit den fotografischen Aktivitäten von Funker Felix.
Sicher waren meine versprochenen Fotos nicht der alleinige Grund, aber ein Quäntchen habe ich wohl doch dazu beigetragen und hundertpro dadurch, dass ich den schon wieder vergessenen Trampelpfad auf der nächsten Reise wieder in Erinnerung rief.
"Second, koppeln Sie mal vor, wann sind wir denn bei den Rockies von Hormus?" lässt sich Hagen informieren.
"Früh um sieben" ermittelt Ecki, nachdem er mit seinem Zirkel mehrfach über die Seekarte fuhrwerkt ist. 
"Na das haut doch rein, Hagen, schönes warmes morgendliches Büchsenlicht!  Ihr bekommt von mir Fotos, die könnt ihr Euch als Poster statt dem röhrenden Hirsch im Schlafgemach über die Koje hängen!" begeistere ich meinen Kapitän.

6.30 Uhr Ortszeit, ich richte mich mit einem Sicherheitsgurt und zwei Top-Kameras auf dem achtersten Mast recht kommode ein.
"Oimel" Schmidt aus Brüel, I. Offizier und die Gewissenhaftigkeit in Person, verlässt unter Protest die Brücke (seine Wache ginge allerdings noch bis  8.00 Uhr) und legt Wert auf die Feststellung, dass das hier keinesfalls seine Zustimmung findet.
Der Politoffizier belehrt seinen Kapitän: "So wie Du Auto fährst, so fährst Du auch Schiff!"
Diesbezüglich hat der Politoffizier recht. Hagen fährt - zu Hause natürlich - einen  grünen Lada - und wie!
Der Kapitän beordert seinen Gefechtsrudergänger auf die Brücke, natürlich wird auf Handruder umgeschaltet und dann ballert MT HEINERSDORF ganz kühn durch diese Klamm.
Unten am Hauptdeck steht an Backbord und Steuerbord die Decksgang mit Bootshaken aus den Rettungsbooten um die sechsundachzigtausend Tonnen von den Felswänden abzudrücken, sollten sie an diesen dort  schamfielen. (Na ja, war mal ein Gag!)
In der engen Klamm gurgeln die Strömungswirbel.
Der Tanker ballert souverän da durch. Unser Gefechtsrudergänger und unser - wirklich von allen - verehrter Kapitän, die machen das schon! Ausser "Oimel" zweifelt da kein einer dran!
Ich sitze völlig entspannt auf dem achtersten Mast!
Chief Gustav Michalzik musste allerdings beim Augenlicht seiner verstorbenen masurischen Grossmutter schwören, dass sein Mitsubishi-Sulzer in absehbarer Zeit keine smoke-time eingeplant hat und E-Ingenieur Wolfgang Wendrich wurde nahegelegt, den dritten Versuch der synchronen Zuschaltung eines weiteren Jockel doch besser nach den Felsen zu versuchen.

Ich knipse über dem Mastknopf mit einer "Praktika" und "Pentina" was der Filmtransport hergibt.
"Okey, alles im Kasten", verkünde ich in der Brücke und schnalle meinen Sicherheitsgurt ab.
Auch auf die "Pentina", die mit dem Schwarz-Weiss-Film, habe ich mindestens 20 Mal draufgedrückt. Jetzt spule ich zurück - und klick - nach eineinhalb Umdrehungen Rückspulung ist Leerlauf.
"Ihr kriegt alle keine Bilder, Perforation gerissen" verkünde ich noch schnell, während des noch schnelleren Verlassens der Brücke.
Der in Rostock eingekaufte Schwarz-Weiss-Film war sowjetischer Herkunft. ORWO-Wolfen war schon gewöhnungsbedürftig, da aber ORWO seine relativ brauchbaren Erzeugnisse dennoch exportiert, importiert die DDR die relativ unbrauchbaren Erzeugnisse des sowjetischen Bruderlandes. Mit GOST-Norm und Zacken als Perforation, bei dem der Transport meiner Pentina immer daneben langt.
Die ORWO-Dias sind, zwar blaustichig wie Hund, wenigstens was geworden.
Nur DIAS waren bisher Unikate.

 

Jetzt digitalisiert, dürft Ihr sie auch betrachten.

 

bild_0001bild_0002bild_0003bild_0004bild_0005


Ich denke mal, ausser dem grössten Schiff der DSR ist dort kein kleineres der Reederei jemals durchgefahren.
Auf dieser Reise malen wir unser Hauptdeck frisch an. MT HEINERSDORF ist einen viertel Kilometer lang. Da ist ganz schön was anzupinseln. Alle machen mit.
Chief Gustav Michalzik hat mit seiner Komplexbrigade alles schon top vorbereitet, mit einem Trennschleifer jeglichen Rostfrass vom Hauptdeck weggeätzt.
Ein elektrischer Trennschleifer auf einem (evtl. gasenden) Tanker-Deck!

Das ist in Tankerkreisen noch revolutionärer als die Pass-off-Methode, nach der jedes Kollektiv der sozialistischen Arbeit jetzt pfuschen soll.

Weil Gustav angeblich eine Flex im Einsatz hat, die einen absolut "kalten" Funkenflug produziert, hat seine Komplex-Brigade ratz-batz die zwei Hektar Hauptdeck des Tankers HEINERSDORF von allen Rostnestern befreit.
Nach Feierabend stosse ich mit Gustav an, nur weil ich mich, ausser ihm, ganz einfach freue, noch am Leben zu sein.
Es sind eben die kleinen Dinge, die unser Leben bereichern!

Unser Schiffchen schleppt fünfundachtzigtausend Tonnen crude-oil nach Göteborg. Zum Glück passen wir in DeDeEr - unser Vaterland nicht hinein. Das erspart mir das Sodbrennen beim Anblick der Begrüssungsbehörden, die mir beim Anlegen in Rostock schon freundlich von der Pier zuwinken, das Gesicht zur Faust geballt.
Aber eines Tages muss man dort ja doch urlaubsmässig zu Kreuze kriechen.

Kapitän Uloth: Sie gefährdeten... usw... usw... wegen der Abkürzung bei Hormus...
Leitender Ingenieur Michalzik:... eine elektrisch betriebene "Flex" am Oberdeck eines Tankers...
Funkoffizier Flegel:... Verfälschung der Nachrichten des ADN in der Schiffspresse...

Längst vor unserem Eintreffen in der Heimat waren dort unsere Missetaten schon angekommen!