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Nur ein Schutzengel verstand sein Handwerk Drucken

Tanker ZEITZ liegt zur Reparatur in der Werft in Göteborg.
Im schrägen Winkel zu uns liegt der norwegische Tanker SAMNANGER am Ausrüstungskai. Sein Heck mit dem Brückenaufbau liegt dem unsrigen ca. 30 Meter gegenüber.


Klaus Görs ist auf ZEITZ der II. Ing.
Tanker ZEITZ wird von einem "Burmeister & Wain"-Motor vorwärts gepeitscht und den Kraftstoff dafür zentrifugieren die Separatoren der dänischen Firma "Titan".
Der Tanker SAMNANGER wird auch von "Burmeister & Wain" angetrieben, nur, weil er doppelt so gross ist wie wir, mit zwei Zylindern mehr.
Separiert wird dort drüben gleichfalls mit "Titan"-Separatoren.
Also lässt der dänische Vertreter von "Titan" seine Zuwendung wechselweise beiden Tankern angedeihen.
Als er auf ZEITZ alle Titanen auf den Flurplatten zerlegt hat, macht er wegen Zeitdruck auf SAMNANGER das Gleiche.
Separatoren bemuttert auf ZEITZ der II. Ing. Klaus Görs.
Um den Fortgang der Reparaturen an seinen Schützlingen zu forcieren, stattet er dem "Titan"-Werksvertreter an seinem Betätigungsfeld im Maschinenraum des norwegischen Tankers einen Konsultationsbesuch ab.

Als Beifang staubt er noch einen Fingerfräser ab, weil es dem DDR-Spezialisten selten an Ahnung mangelt, aber oft an den technischen Möglichkeiten, diese auch anzuwenden.
Klaus kommt mit der vertröstenden Mitteilung des "Titan"-Vertreters, aber mit dem ergatterten Fingerfräser auf ZEITZ zurück.

Da rummst es bei unserem Nachbarn im benachbarten Dock ganz gewaltig.
Die Skylights, massives Drahtglas im Stahlrahmen, fliegen davon.
Ohrenbetäubend, die Druckwelle beeindruckt auch uns als Anrainer.
Rabenschwarzer Rauch steigt aus dem Schacht.
Schon nach Sekunden heult die Werftsirene.
Nach zwei, drei Minuten fährt die Werftfeuerwehr vor.
Ratlosigkeit!
Die lange Gangway des Achtzigtausendtonners hasten völlig geschockte Werker herab, sie müssen unten an der Pier eingefangen werden. Einige sind völlig orientierungslos!
Die noch Vernehmbaren schildern den Ernst der Situation!
Nur nach Minuten rasen die Züge der Berufsfeuerwehr Göteborgs heran.
Das Management ist beeindruckend.
Alle Ampeln auf dem Weg von der Werft zur Stadt zeigen Grün.
Ein Krankenwagen reiht sich an den anderen.
Das Terrain ist grossflächig abgesperrt.
Mein exponierter Standort auf dem Peildeck meines Schiffes setzt mich nun in die Lage, die Situation  als so hautnaher Augenzeuge zu schildern.
Klaus Görs kommt zu mir auf das Peildeck. Aus gegebener Veranlassung ist er noch blasser als ich.
War er doch vor kurzem genau dort unten im Maschinenraum des norwegischen Tankers, wo diese Katastrophe ausgelöst wurde.
In den offener Mannlochdeckel eines leeren Brennstoff-Tanks fiel ein Schweisstropfen des darüber arglos bruzzelnden Schweissers.

Aus den Skylights steigt weiterhin Rauch.
Als Letzter hat in dem stockfinsteren glühendheissem Chaos noch ein Werker den rettenden Ausgang gefunden. Er rast die Gangway herab, reisst sich das Hemd vom Leib, sein Körper ist krebsrot. Der Mann ist völlig orientierungslos und will sich durch die Sanis an den Krankenwagen vorbei kämpfen.
Er wird eingefangen und bekommt nach seinen langen Qualen im Krankenwagen professionelle Erstversorgung. Auch er stirbt später im Krankenhaus.
Die Werft rückt mit einem Kranwagen mit Hebebühne an. Riesige Baupläne des Tankers werden ausgebreitet, man versucht, ein Loch in die Aussenhaut des Schiffes zu brennen, um sich somit Zutritt zur Unglückstelle zu verschaffen und die Hitze zu unterlaufen.

Die Schweissflamme des juckigen Spezialisten in der Krankiepe ist 60 cm lang.
Aber anscheinend sind sich die Werftingenieure zusammen mit der Besatzung nicht ganz sicher, evtl. mit dem Schweissbrenner noch einen Brennstofftank anzuzapfen, und somit das Chaos noch zu vergrössern.
Der Kranwagen mit dem autogenen Spezialisten wird wieder entfernt.

Tanker ZEITZ wird um die Bereitstellung seiner Löschwasser-Kapazität gebeten.
Selbstverständlich! Aber das bringt nichts.
Schliesslich brennt SAMNANGER ja gar nicht. Aber die durch die Tankexplosion erzeugte Hitze macht ein Befahren des Maschinenraumes unmöglich.
Durch das weitoffene Skylight schäumt die Feuerwehr jetzt ausgiebig.
Einen reichlich in Asbest gehüllten Feuerwehrmann mit schwerem Atemschutzgerät teuft die Kranführerin jetzt durch das Skylight in den glösternden Maschinenraum ab.
Nach einer Minute hievt sie ihn wieder auf.
Er wird schnellstens ausgepellt und per Krankenwagen abtransportiert.
Dann wird weiter geschäumt.
Zwei weitere Feuerwehrer werden weggefiert. Im silberglänzenden Hitzeschutz und Sauerstoffgeräten. Sie bleiben jetzt länger in dem immer noch rauchenden Schiff.
Was sie in ihrer Kiepe zu Tage fördern, gehört zu den bedrückendsten Bildern meines Lebens.
Und ich bin Kriegskind.
Die Kranführerin wird abgelöst und in Begleitung aus ihrem Turmkran geholt.
Sie muss sich übergeben.
Die Feuerwehr birgt jetzt mit jedem Hiev eines der beklagenswerten Opfer, das an der Seite der Hauptmaschine beschäftigt war, wo in den offenen Brennstofftank der Schweisstropfen fiel. Dort hatte keiner eine Chance.
Mir ist das unverständlich, wie Temperatur einen Einsachtzig-Mann in Sekunden auf ca. 80 cm Körpergrösse reduzieren kann. Wenn das verkürzte verkohlte Etwas von der Krankiepe auf die Trage der Krankenwagen umgebettet wird, bröselt eine Kehrschaufel verkohlter Mensch von dem Leichnam ab. Der Feuerwehrmann kehrt diese verkohlten Überreste in das Hafenbecken.
Die zahnmedizinische Abteilung der Werft identifiziert die verstorbenen Überreste.

Klaus Görs auf dem Peildeck neben mir ist schockiert. 
Sein Schutzengel liess ihn rechtzeitig den Tanker wieder verlassen. Der Anblick der verkohlten Leichen auf den eigenen Körper bezogen, das ist eine grausame Vorstellung.

Kein Besatzungsmitglied der SAMNANGER kam zu Schaden. Die waren bis auf zwei, drei Mann sämtlichst in Urlaub.

Klaus meint: "Wäre uns das widerfahren, dann hätte das unsere Maschinenbesatzung komplett erwischt!
Wir sind doch hier in der Werft alle im Keller am ackern!"

Leider hat hier nur ein deutscher Schutzengel einen guten Job gemacht. Neun schwedische taugten gar nichts.