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Tank 14 fördert wieder Drucken

Auf Tanker WOLFEN vom Funkoffizier Flegel als Wochenendbeilage dem "Schiffsbummi" beigefügt und von der Politabteilung an Land wegen diesem und anderer Beiträge gewaltig einen abgefasst!

Wochenendbeilage zum "Voll Voraus"

"Tank 14 fördert wieder"


Ruhig atmet der Indische Ozean. Nur das tösende Geräusch eines Schiffspropellers läßt ein Rudel fliegender Fische ängstlich die Flucht ergreifen. Der Großtanker MT WOLFEN durchfurcht die See im Mozambique-Channel auf der Reise zu den Ölquellen des Persischen Golfes.
Die Luft im Maschinenraum ist erstickend heiß. Sorgenvoll hört der Leitende Ingenieur auf das gleichmäßige Stampfen seiner Maschine. Selbst die leiseste Abweichung von der Monotonie dieses Rhythmus läßt ihn vom Schreibtisch auffahren. Wird auch das letzte verfügbare Ventil noch gebraucht?


Auf der Brücke stiert der wachhabende Offizier der 8/12-Wache auf einer Fußbank spitzentänzelnd über das Süll der Brückennock.
Mit dem starken Nachtglas versucht er die Hülle der Finsternis zu durchbohren.
Die tropische Regenzeit hat begonnen, Gewittergüsse peitschen sein im harten Dienst verhärmtes Gesicht.
Schon seit drei Tagen läuft ein griechischer Libertydampfer auf annähernd gleichem Kurs nur sechs Seemeilen vor der WOLFEN. Diesen hat die Brückenbesatzung jetzt in der regendurchpeitschten Finsternis aus den Augen verloren. Sollte die WOLFEN doch schneller sein, bestünde jetzt die Gefahr des Auflaufens. Die Nerven des Offiziers sind zum Zerspringen gespannt. Ein flüchtiger Blick auf die verwirrende Anzahl der matt erleuchteten Skalen seiner nautischen Geräte, gibt ihm die Gewissheit über die zuverlässige Arbeit seiner Anlagen. Da wird plötzlich im Funkraum eine vielkerzige Lampe eingeschaltet, die Bullaugen sind nicht abgeblendet. Das bedeutet höchste Gefahr für den Tanker! Geistesgegenwärtig reißt der Wachmatrosen das Rollo vor dem Fenster herunter. Die Gefahr ist gebannt!
Der tropische Regenguss ist vorüber und der Mond spendet durch ein Loch in dem wolkenverhangenen Himmel ein fahles Licht. Die Lichter des griechischen Libertydampfers verschwinden voraus hinter der Kimm, da zerreißt ein ohrenbetäubender Knall die Stille des Indischen Ozeans. Eine mächtige Druckwelle schleudert die drei Männer auf der Brückennock gegen die Aufbauten. Einer spuckt Blut!
Der Kapitän fährt vom Schreibtisch hoch. In Sekundenschnelle erreicht er die Brücke, das Nervenzentrum des Schiffes. Schon auf der Treppe rekapituliert er den ungefähren Standort des Schiffes und erwägt die Möglichkeit, sein Schiff noch in einen Nothafen zu bringen. Der Tanker ist unter Gas. 50 Mann seiner Besatzung schweben in höchster Gefahr - eine drückende Verantwortung lastet auf ihm. Vorsorglich werden die Boote ausgeschwungen und die Schwimmwesten angelegt. Im Funkraum ist alles für die Aussendung eines Notrufes vorbereitet, im Notrufgeber die Position eingestellt.

Der Wachhabende und der Eins-O sind bereits am Schadensort. In der Höhe des Tanks 14 klafft ein breiter Spalt im Deck, vom Wassergraben bis zum Laufsteg. Eine braune, zähflüssige Masse ergießt sich fädenziehend und blasentreibend an Deck.

Der Soßentank der Kombüse ist explodiert!


In fieberhafter Eile schafft ein schnell zusammengestellter Lecksicherungstrupp Material zum Abdichten herbei. Geschweißt darf nicht werden, die Soße ist auf Grund ihrer hochgradigen chemischen Zusammensetzung hoch brisant. Dieses Nahrungsmittel hat die gleiche Gefahrenklasse wie das Gas in den Ladetanks.
Nach mehrstündigem fieberhaften Kampf gegen den braunen Kleister bleiben die wackeren Männer des Katastrophentrupps Sieger.
Das Leck im Soßentank ist abgedichtet!
Dank dieser übermenschlichen Anstrengungen musste die Besatzung nur bei einem Eisbeingericht auf ihre mit Recht so beliebte lebenserhaltende rehbraune Soße verzichten. Schon am nächsten Tag konnte Tank 14 an die provisorisch geflickte Lenzleitung angeschlossen werden.
Kapitän Gustävel vermerkte nicht ohne Stolz auf seine wackere Besatzung im Logbuch: "Tank 14 fördert wieder."